Kyphose

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 11. Oktober 2017
Startseite » Krankheiten » Kyphose

Eine Kyphose ist eine nach außen gewölbte (konvexe) Krümmung von Bereichen der Wirbelsäule. Dabei besteht in ihrem Brust- und im Endbereich jeweils eine natürliche Kyphose. Die konvexe Krümmung der Wirbelsäule wird erst pathologisch, wenn sie an untypischer Stelle auftritt oder wenn der Cobb-Winkel nicht mehr im Normbereich liegt.

Inhaltsverzeichnis

Was ist eine Kyphose?

Eine konvexe (nach außen gewölbte) Krümmung der Wirbelsäule wird als Kyphose bezeichnet. Dabei ist zur Stabilität der gesamten Wirbelsäule die natürliche Kyphose der Brust- und Endwirbelsäule sowie die natürliche Lordose (nach innen gewölbt) der Lendenwirbelsäule notwendig. Pathologisch wird eine Kyphose erst, wenn sie an untypischer Stelle auftritt oder die natürliche Krümmung erheblich überschreitet. Bei einer krankhaften Verstärkung der Kyphose der Brustwirbelsäule wird von Hyperkyphose oder umgangssprachlich von Buckel gesprochen.

Im Lateinischen heißt es Gibbus. Dabei dient der sogenannte Cobb-Winkel als Maß für die Beurteilung einer Kyphose. Der Normbereich liegt zwischen 30 und 50 Grad. Auch die Lendenwirbelsäule kann untypischerweise von einer Kyphose betroffen sein. Normalerweise ist sie konkav (nach innen) gewölbt. Bei krankhaften Veränderungen ist unter Umständen ein Flachrücken oder in Extremfällen sogar eine Kyphose der Lendenwirbelsäule möglich.

Ursachen

Die Ursachen von pathologischen Kyphosen sind meist Haltungsschäden. Während der Evolution musste sich die menschliche Wirbelsäule in den letzten 5 Millionen Jahren an den aufrechten Gang anpassen. Dieser Vorgang ist anscheinend noch nicht vollständig abgeschlossen. Die Wirbelsäule ist noch nicht so stabil, dass extreme Krümmungen während der Entwicklung ausgeschlossen werden können. Deshalb treten über das Maß hinausgehende Kyphosen unter der heutigen Bevölkerung verstärkt auf.

Besonders in den Industriestaaten wird die Kyphose durch häufig sitzende Tätigkeit verstärkt. So ist die posturale Kyphose, welche oft durch Haltungsfehler in der Jugend entsteht, die häufigste Form der Kyphose. Im Alter wird sie als Witwenbuckel bezeichnet und ist hier die Folge von Wirbelfrakturen oder dem Verlust der Muskel-Skelett-Integrität. Als weitere Ursache kommt Morbus Scheuermann infrage. Beim Morbus Scheuermann handelt es sich um eine Fehlentwicklung der Anpassung während der Pubertät. Im Pubertätsalter findet ein Wachstumsschub statt.

Werden die Rückenwirbel bei schwach ausgeprägter Muskulatur falsch belastet, kommt es zum ungleichmäßigen Wachstum der Wirbelkörper. Der außen liegende Teil der Wirbelkörper wächst schneller als der innen liegende Teil, sodass sie keilförmig werden. Dabei entwickelt sich eine extreme Krümmung der Wirbelsäule im Brustbereich.

Des Weiteren gibt es auch angeborene Formen der Kyphose. Dabei können die Wirbelkörper missgebildet oder zusammengewachsen sein. Manchmal treten angeborene Kyphosen erst im Teenager-Alter auf. Auch ernährungsbedingte Kyphosen sind möglich bei einem Vitamin-D-Mangel. Kyphosen entstehen auch in der Folge von Tuberkulose oder nicht ausgeheilten Wirbelfrakturen nach Unfällen.

Symptome, Beschwerden & Anzeichen

Eine Kyphose äußert sich durch eine übermäßige konvexe Krümmung bestimmter Bereiche der Wirbelsäule. In vielen Fällen verursachen die Krümmungen keine Beschwerden. Sie müssen aber überwacht und konservativ behandelt werden. Manchmal kommt es jedoch zu starken Schmerzen, Atemproblemen, Problemen mit der Verdauung, Herz-Kreislauf-Störungen, neurologischen Problemen oder gar neurologischen Ausfällen in Form von Lähmungen.

Insgesamt ist bei den extremen Formen der Kyphose die Lebenserwartung herabgesetzt. Mögliche langfristige Folgen sind unter anderem chronische Schmerzen mit Schlafstörungen, Zerstörung der Wirbelkörper, Beeinträchtigungen der inneren Organe, Empfindungsstörungen, Schädigungen des Rückenmarks bis zu Lähmungserscheinungen, herabgesetzte Beweglichkeit oder psychische Belastungen aufgrund der Entstellungen.

Diagnose & Krankheitsverlauf

Zur Diagnostik der Ursachen von Kyphosen stehen bildgebende Verfahren wie Wirbelsäulenaufnahmen, CT oder MRT bereit. Auf seitlichen Röntgenaufnahmen kann der Cobb-Winkel bestimmt werden. Diese Verfahren erlauben es, Zeichen alter Frakturen zu identifizieren. Eine wichtige Rolle bei der Diagnostik spielt jedoch die Anamnese der Krankengeschichte, um zwischen Haltungsschäden und organisch bedingten Ursachen für die Kyphose differenzieren zu können.

Komplikationen

Eine Kyphose kann zu einer Reihe von gesundheitlichen Problemen führen. Die Dysbalance der Wirbelsäule geht in der Regel mit chronischen Schmerzen einher, die Schlafstörungen und psychische Erkrankungen zur Folge haben können. Die seelische Belastung nimmt durch die kosmetische Entstellung häufig noch zu und löst bei den Betroffenen mitunter Depressionen und Angststörungen aus.

Langfristig können Fehlstellungen und Folgefrakturen auftreten, die auch die inneren Organe (vor allem Lunge und Herz) belasten können. Auch das Rückenmark kann Schaden nehmen und bisweilen Lähmungen und Funktionsstörungen hervorrufen. Generell ist bei einer Kyphose die Mobilität eingeschränkt. Dadurch kann es zu Problemen im Alltag und Beruf kommen.

Die oftmals begleitend auftretenden Sensibilitätsstörungen verstärken diese Komplikationen noch. Darüber hinaus können auch bei der Operation einer Kyphose Komplikationen auftreten. Es kann zu Entzündungen der Weichteile, Beeinträchtigungen der Atmung, Nachblutungen und Nervenschädigungen kommen. Verordnete Schmerzmittel können Nebenwirkungen hervorrufen.

Häufig kommt es zu vorübergehenden Verdauungsbeschwerden, Bluthochdruck oder Infektionen. Manche Menschen reagieren auf die Präparate, die die Beschwerden lindern sollen, mit Nebenwirkungen wie Kopfschmerzen, Übelkeit, Erbrechen, Darmblutungen oder Bewusstseinstrübungen. Wenn mehrere Arzneimittel gleichzeitig eingenommen werden, können Wechselwirkungen auftreten.

Therapie & Behandlung

Die Behandlungsmethoden der Kyphose richten sich nach ihren Ursachen. In den meisten Fällen reicht eine konservative Behandlung. Dabei werden regelmäßig physiotherapeutische Übungen durchgeführt. Während dieser Übungen wird gleichzeitig die Rücken- und Brustmuskulatur trainiert. Nur bei einer kräftigen Muskulatur ist eine konstante Aufrichtung der Wirbelsäule möglich. Zu den Übungen gehört auch ein regelmäßiges Strecken der Wirbelsäule, um die Verschlechterung der Haltungsschäden zu verhindern.

Die Standard-Therapie für Morbus Scheuermann und Lendenkyphose ist in Deutschland die Anwendung der Schroth-Methode. Dabei werden dreidimensionale Übungstechniken zur Wirbelsäulenaufrichtung, Atemübungen zur Vergrößerung des Atemvolumens und Bewegungsstrategien für den Alltag durchgeführt. Bewährt hat sich auch das Tragen von Korsetts bei Jugendlichen mit starken Kyphosen. Da das Korsett jedoch über 3/4 des Tages getragen werden muss, ist die Mitarbeit der Jugendlichen gefragt, was nicht immer so einfach ist.

In extremen Fällen einer Kyphose hilft oft nur eine chirurgische Behandlung. Diese kann jedoch nur bei Erwachsenen durchgeführt werden, weil bei Jugendlichen der Wachstumsprozess noch nicht abgeschlossen ist. Bei der chirurgischen Behandlungsmethode wird eine Versteifung von zwei bis drei Wirbeln durchgeführt, um die volle Belastbarkeit der Wirbelsäule wiederherzustellen. Diese Methode wird auch als Spondylodese bezeichnet. Des Weiteren müssen natürlich die einer Kyphose eventuell zugrunde liegenden Erkrankungen behandelt werden.

Hier finden Sie Ihre Medikamente:

Vorbeugung

Zur Vorbeugung einer Kyphose sollte auf die richtige Körperhaltung geachtet werden. Auch die Stärkung der Rückenmuskulatur durch entsprechende Übungen kann die Ausbildung eines krummen Rückens verhindern. Bei sitzenden Tätigkeiten sollte die Rücken- und Nackenmuskulatur regelmäßig durch Strecken und Aufstehen entspannt werden. Am Arbeitsplatz ist für ergonomische Büromöbel zu sorgen.

Das können Sie selbst tun

Alternativ zu ärztlichen Maßnahmen, kann eine Kyphose mit verschiedenen Rückenübungen selbst behandelt werden. Methoden der Krankengymnastik oder des Yogas bauen Rücken- und Brustmuskulatur gezielt auf und reduzieren den Rundrücken. Eine beispielhafte Übung ist die Dehnung der Brustmuskulatur. Dabei wird ein Unterarm gegen eine Wand gelehnt und der Oberkörper und Kopf zur Seite gedreht, bis eine Dehnung der Brust zu spüren ist. Ähnlich wirksam sind Rückbeugen im Stehen und auf dem Bauch. Spezielle Atemtechniken unterstützen diese Übungen, indem sie die Muskulatur entspannen und entlasten.

Um eine Kyphose auf Dauer zu beheben, müssen die genannten Maßnahmen regelmäßig durchgeführt werden. Vor allem im Alter ist ein zielgerichtetes und konsequentes Training essentiell für den Behandlungserfolg. Im täglichen Leben muss bewusst auf eine gerade Haltung geachtet werden. Bei einem ausgeprägten Rundrücken ist es mitunter notwendig, ein Korsett zu tragen. Das Kleidungsstück stützt den gesamten Halteapparat und gleicht die Fehlhaltung aus.

Sollten Schmerzen oder anderweitige Beschwerden auftreten, muss der Arzt die Kyphose untersuchen und gegebenenfalls ein geeignetes Arzneimittel verschreiben. Bei größeren Komplikationen ist unter Umständen eine Operation erforderlich.

Bücher über Skoliose & Wirbelsäulenverkrümmung

Quellen

  • Breusch, S., Clarius, M., Mau, H., Sabo, D. (Hrsg.): Klinikleitfaden Orthopädie, Unfallchirurgie. Urban & Fischer, München 2013
  • Niethard, F., Pfeil, J., Biberthaler, P.: Orthopädie und Unfallchirurgie. Thieme, Stuttgart 2014
  • Wülker, N., Kluba, T., Roetman, B., Rudert, M.: Taschenlehrbuch Orthopädie und Unfallchirurgie. Thieme, Stuttgart 2015

Diese Seite teilen:

Das könnte Sie auch interessieren:

Bekannt aus: