Kryptokokkose

Medizinische Expertise: Dr. med. Nonnenmacher
Qualitätssicherung: Dipl.-Biol. Elke Löbel, Dr. rer nat. Frank Meyer
Letzte Aktualisierung am: 16. März 2024
Dieser Artikel wurde unter Maßgabe medizinischer Fachliteratur und wissenschaftlicher Quellen geprüft.

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Die Kryptokokkose ist eine der wichtigsten Pilzinfektionen des Menschen. Sie wird durch den Pilz Cryptococcus neoformans ausgelöst und stellt vor allem für immungeschwächte Personen eine ernst zu nehmende Gefahr dar.

Inhaltsverzeichnis

Was ist eine Kryptokokkose?

Die Erreger finden sich auf Grashalmen und Samen, die von Vögeln, zumeist Tauben mittels Verzehr mit aufgenommen und über die Exkremente ausgeschieden werden. Durch den getrockneten Kot gelangen die Erreger in die Luft und werden unbewusst in die Lunge inhaliert, wo sie Granulome entwickeln.
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Bei Cryptococcus neoformans handelt es sich um einen Hefepilz, der eine dicke Kapsel aus Polysacchariden besitzt, welche ihn vor Umwelteinflüssen schützt. Insbesondere wird dadurch die Phagozytose durch Granulozyten und Makrophagen verhindert. In die Zellwand ist darüber hinaus noch Melanin eingelagert, welches Schäden durch Oxidationsprodukte von Makrophagen vorbeugt.

Eine Kryptokokkose ist eine opportunistische Infektion, was bedeutet, dass besonders immungeschwächte Menschen von Cryptococcus neoformans befallen werden. Häufig betroffen sind zum Beispiel AIDS-Patienten, deren körpereigenes Abwehrsystem so geschwächt ist, dass es den Erreger nicht mehr abwehren kann. Deshalb wird die Kryptokokkose auch zu den AIDS-definierenden Erkrankungen gezählt. Seltener tritt sie bei Menschen mit supprimiertem Immunsystem durch Organtransplantationen oder nach einer Chemotherapie auf. Jedoch kann sie sich bei Personen ohne prädisponierende Erkrankungen ebenfalls manifestieren.

Ursachen

Der Erreger Cryptococcus neoformans findet sich normalerweise in Erdböden, die reich an anorganischen Substanzen sind. Darüber hinaus kommen Kryptokokken auch auf Getreide und auf Gräsern vor. Vögel fressen die pilzbesiedelten Grashalme sowie Samen und scheiden sie dann wieder aus. Deshalb stellt Vogelkot eine starke Infektionsquelle dar.

Der Erreger nutzt beim Menschen meist den Respirationstrakt als Eintrittspforte. Die Aufnahme erfolgt durch Inhalation von kontaminierten Stäuben. Ist Cryptococcus neoformans in die Lunge gelangt, so kommt es in dieser zur Ausbildung von Granulomen, welche auch symptomlos bleiben können. Gerade bei Patienten mit geschwächtem Immunsystem folgt oft bereits nach kurzer Zeit über den Blutweg eine Streuung in andere Organe.

Gefürchtet ist eine Infektion des zentralen Nervensystems, also vor Gehirn und Rückenmark. Hierfür weisen die Kryptokokken eine starke Affinität auf. Sie vermehren sich dort zunächst und bilden wiederum Granulome aus. Kritisch wird der Verlauf, wenn es zu einer Kryptokokkenmeningoenzephalitis, das heißt einer durch Crytococcus neoformans bedingten Hirn- und Hirnhautentzündung kommt. Auch die Haut kann durch Kryptokokken befallen werden, was aber nur selten zu beobachten ist.

Symptome, Beschwerden & Anzeichen

Zum Verlauf der Kryptokokkeninfektion lässt sich sagen, dass sie im Primärstadium häufig keine sichtbaren Symptome hervorruft. Dieses Stadium wird als klinisch inapparenter Zustand bezeichnet. Im weiteren Verlauf kann sich jedoch eine chronisch-progrediente Pilzinfektion ausbilden, was bedeutet, dass sich die Erkrankung immer weiter verschlimmert. Insbesondere ab dem Eintritt in den Blutkreislauf wird die Kryptokokkose bedrohlich. Ab diesem Zeitpunkt liegt das Sekundärstadium vor.

Über den Blutweg gelangt der Erreger in alle parenchymatösen Organe, sodass Symptome einer Organschädigung auftreten. Knochen sowie Gelenke können ebenfalls betroffen sein, was sich in Funktionsstörungen und Schmerzen äußert. Cryptococcus neoformans siedelt sich darüber hinaus bevorzugt im zentalen Nervensystem an. Die von ihm ausgelöste akute Meningoenzephalitis äußert sich unter anderem durch Kopfschmerzen, psychische Auffälligkeiten sowie ein allgemeines Krankheitsgefühl.

Sie kann auch in eine chronische Meningitis übergehen. Weiterhin können Hautveränderungen aller Art auftreten. Dies geschieht in relativ unspezifischer Form, sodass sich vom Hautzustand nicht eindeutig auf die Ursache schließen lässt. Kryptokokkosen betreffen in den meisten Fällen den gesamten Körper. Sie können aber auch auf eine einzelne Region lokalisiert bleiben, was besonders häufig der Fall ist, wenn der Infektion eine einzelne Verletzung zugrunde liegt.

Diagnose & Krankheitsverlauf

Zum diagnostischen Nachweis der Kryptokokkose eignet sich die Mikroskopie. Zu diesem Zweck wird ein Liquorsediment gewonnen. Dies geschieht, indem dem Patienten Liquor entnommen wird. Der Liquor wird im Labor dann zentrifugiert, filtriert und sedimentiert, sodass der feste Anteil gewonnen werden kann. Er enthält Zellen und gegebenenfalls auch Mikroorganismen wie eben Cryptococcus neoformans. Das Liquorsediment wird jetzt mithilfe von Tusche gefärbt.

Die Pilzzellen der Kryptokokken haben aufgrund ihrer ausgeprägten Kapsel die Eigenschaft, die Tusche um sich herum zu verdrängen, sodass ein heller Hof in ihrer Umgebung entsteht. Daran lassen sie sich zweifelsfrei identifizieren. Weitere Möglichkeiten zum Nachweis von Cryptococcus neoformans sind ein Antigentest, der sich mithilfe von Liquor-, Urin- und Serumproben durchführen lässt, sowie ein kultureller Nachweis.

Dieser nimmt allerdings circa fünf Tage in Anspruch, sodass er weniger häufig eingesetzt wird. Am besten für die Kultivierung geeignet ist Sabouraud-Agar. Da Cryptococcus neoformans zu speziellen Stoffwechselleistungen wie dem Abbau von Harnstoff fähig ist, kann er in der Kultur eindeutig von anderen Hefepilzarten abgegrenzt werden.

Komplikationen

Die Kryptokokkose, auch als Busse-Buschke-Krankheit benannt, ist eine Infektion durch den Pilz-Erreger Cryptococcus neoformans. Die Erreger finden sich auf Grashalmen und Samen, die von Vögeln, zumeist Tauben mittels Verzehr mit aufgenommen und über die Exkremente ausgeschieden werden. Durch den getrockneten Kot gelangen die Erreger in die Luft und werden unbewusst in die Lunge inhaliert, wo sie Granulome entwickeln. Zu Beginn zeigt sich die Infektion unauffällig.

Erst im Verlauf entstehen unterschiedliche Komplikationsformen. Speziell Betroffene mit einem geschwächten Immunsystem sowie HIV-Patienten sind gefährdet, da der Erreger leichter in andere Organe streuen und sich verbreiten kann. Sobald sich die Kryptokokkose im zentralen Nervensystem festgesetzt hat, treten Fieberschübe, heftige Kopfschmerzen, Gelenkschmerzen, ein vermindertes Seh- und Hörvermögen sowie Bewusstseinsstörungen auf. Wird nicht umgehend medizinische Hilfe veranlasst, kann sich das Gehirn entzünden und zur chronischen Meningitis ausweiten.

Teilweise kann die Kryptokokkose nur eine verletzte Stelle der Haut befallen und eine unangenehme dermatologische Reaktion hervorrufen. Die Diagnose des Symptoms erfolgt mikroskopisch. Nach Abklärung wird für die Dauer von vier bis acht Wochen eine medikamentöse Dreifachkombination aus unterschiedlichen liquiden Präparaten gereicht. Männliche Patienten erhalten jedoch eine lebenslange Fluconazol-Therapie, da sich der Pilz-Erreger als Komplikationsfolge stets in die Prostata einnistet und von dort reaktiviert.

Wann sollte man zum Arzt gehen?

Wenn über einen längeren Zeitraum Symptome wie Kopfschmerzen oder ein allgemeines Krankheitsgefühl bemerkt werden, die auf keinen bestimmten Auslöser zurückzuführen sind, sollte der Betroffene sich zum Arzt begeben. Die Krankheitszeichen deuten auf eine ernste Erkrankung hin, die in jedem Fall diagnostiziert und gegebenenfalls behandelt werden muss. Sollte es sich bei dem ursächlichen Leiden um Kryptokokkose handeln, sind weitere Arztbesuche angezeigt. Wenn sich Anzeichen einer chronischen Meningitis zeigen, ist die Krankheit womöglich bereits fortgeschritten.

Ein Arztbesuch ist notwendig, wenn chronische Übelkeit, Migräne und ein zunehmendes Unwohlsein bemerkt werden. Auch auffällige Hautveränderungen bedürfen einer Abklärung durch den Mediziner. Wer nach dem Kontakt mit möglicherweise infizierten Tieren Warnzeichen einer Kryptokokkose bemerkt, sollte ebenfalls den Arzt konsultieren. Spätestens, wenn Fieber und Kreislaufbeschwerden auftreten, muss die Erkrankung diagnostiziert und umgehend behandelt werden. Neben dem Hausarzt kann ein Internist oder ein Facharzt aufgesucht werden. Bei einem medizinischen Notfall ist in jedem Fall eine notärztliche Behandlung nötig.

Behandlung & Therapie

Eine effektive Therapie der Kryptokokkose ist sehr wichtig, da gerade der ZNS-Befall ursächlich für größere Probleme werden kann. Außerdem besitzt der Erreger die Fähigkeit, in bestimmten Geweben wie der Prostata zu persistieren. Geschieht dies, so ist eine Reaktivierung der Kryptokokkeninfektion möglich, die mitunter einen schwerwiegenderen Verlauf nimmt. Deshalb ist insbesondere bei Personen mit Immunsuppression auch über eine lebenslange prophylaktische Einnahme von Medikamenten nachzudenken.

Grundsätzlich wird die Kryptokokkose mit einer Dreifachtherapie bestehend aus Fluorocytosin, Amphotericin B und Fluconazol behandelt. Diese Arzneimittel müssen für eine Dauer von vier bis acht Wochen eingenommen werden. Da die Medikamente liquorgängig sind, können sie die Blut-Hirn-Schranke leicht passieren und sind somit auch für die Behandlung der Meningoenzephalitis einsetzbar.


Aussicht & Prognose

Die Prognose für die Patienten mit Kryptokokkose hat sich mittlerweile etwas verbessert. Diese Hefepilz-Infektion tritt fast immer bei Menschen auf, deren Immunsystem bereits geschädigt ist.

Die meisten Betroffenen leiden - bekanntermaßen oder noch nicht diagnostiziert - an der Immunschwäche AIDS. Auch organtransplantierte Menschen und Krebspatienten sind gefährdet, an einer Kryptokokkose zu erkranken. Bei letzteren sind meistens das Hodgkin-Lymphom oder die verschiedenen Leukämie-Formen Ursache für die begünstigende Immunschwäche. Gesunde Menschen sind nur zu einem geringen Teil betroffen.

Problematisch für die Diagnose ist, dass der Beginn der Infektion meistens symptomlos verläuft. Daher ist die Kryptokokkose meistens schon weit fortgeschritten, wenn sie entdeckt wird. Oftmals kommt es zu einer tödlich verlaufenden Kryptokokken-Meningitis. Üblicherweise kann der gesunde Organismus Kryptokokken erfolgreich bekämpfen. Doch bei einem Immundefekt ist das nicht mehr möglich. Daher ist eine frühzeitige Feststellung und Behandlung des potenziell tödlichen Auslösers unerlässlich.

Nur mit einer schnellen Behandlung lässt sich die Prognose bei der Kryptokokkose verbessern. Tritt diese aber im Endstadium einer Leukämie oder eines Hodgkin-Lymphoms auf, haben die Patienten meistens keine Chance. Die zugrunde liegende Erkrankung, der Grad ihres Fortschreitens und der Grad der Immunschwäche definieren, wie gut oder schlecht die Prognose ausfällt. Bei gesunden Menschen kann die Infektion fast immer erfolgreich behandelt werden.

Vorbeugen

Vorgebeugt werden kann der Kryptokokkose durch Meiden infektiöser Stoffe. Ein wichtiger Schritt zur Verminderung des Auftretens dieser Erkrankung ist die Bekämpfung von etwaigen Taubenplagen in Städten, da Vogelexkremente eine der Hauptansteckungsquellen darstellen.

Nachsorge

Meistens stehen dem Betroffenen bei der Kryptokokkose nur wenige bis gar keine besonderen Maßnahmen der Nachsorge zur Verfügung. Dabei sollte die Infektion schon sehr früh von einem Arzt erkannt und behandelt werden, damit keine weiteren Komplikationen oder andere Beschwerden mehr auftreten können. Betroffene sollten daher schon bei den ersten Anzeichen und Symptomen der Krankheit einen Arzt aufsuchen, damit eine schnelle Diagnose erfolgen kann.

Die meisten Betroffenen sind dabei auf die Einnahme von verschiedenen Medikamenten angewiesen. Hierbei sollten immer die Anweisungen des Arztes beachtet werden, wobei bei Fragen oder bei Unklarheiten zuerst ein Arzt kontaktiert werden sollte. Ebenso ist auf eine regelmäßige Einnahme und weiterhin auch auf eine richtige Dosierung zu achten, damit die Beschwerden dauerhaft gelindert werden können.

Hierbei ist ebenso ein regelmäßiger Besuch beim Arzt sehr wichtig, um weitere Schäden früh zu erkennen. Auch der Kontakt zu anderen Patienten der Kryptokokkose kann dabei sinnvoll sein, um sich über Behandlungserfolge und Beschwerden auszutauschen.

Das können Sie selbst tun

Die Behandlung der Kryptokokkose konzentriert sich auf die Ursachen der Pilzinfektion. Betroffene können die Therapie durch einige Maßnahmen unterstützen. Wichtig ist in erster Linie Schonung.

Personen, die an Kryptokokkose leiden, sind besonders anfällig für weitere Infektionen und sollten sportliche Betätigung und den Kontakt mit anderen Menschen nach Möglichkeit meiden. Gegebenenfalls muss auch die Ernährung umgestellt werden. Bewährt hat sich eine gesunde und ausgewogene Diät, die alle notwendigen Vitamine und Mineralstoffe enthält. Erkrankte sollten außerdem viel trinken, idealerweise Kräutertees oder Saftschorlen, um die Viren schnellstmöglich auszutreiben. Des Weiteren sollte auf Genussmittel verzichtet werden. Insbesondere Alkohol und Zigaretten wirken sich sehr negativ auf eine Pilzinfektion aus und sollten deshalb gemieden werden.

Neben diesen allgemeinen Maßnahmen, die vor allem der ursächlichen Erkrankung entgegenwirken, kann gezielt gegen die einzelnen Symptome vorgegangen werden. Bei wiederkehrenden Kopfschmerzen helfen frische Luft und kühlende Auflagen. Die Naturheilkunde bietet lindernde ätherische Öle, die Spannungskopfschmerzen vorbeugen und Stress reduzieren. Sollte sich begleitend dazu ein allgemeines Krankheitsgefühl einstellen, muss ein Arzt aufgesucht werden. Kryptokokosse-Patienten bedürfen in jedem Fall einer umfassenden ärztlichen Überwachung.

Quellen

  • Dirschka, T., Hartwig, R.: Klinikleitfaden Dermatologie. Urban & Fischer, München 2011
  • Hahn, H., et al.: Medizinische Mikrobiologie und Infektiologie. Springer, Berlin 2012
  • Moll, I.: Dermatologie. Thieme, Stuttgart 2010

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