Knochenmarkinsuffizienz

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 31. Juli 2017
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Je nach Patient können einem Knochenmarkschwund verschiedene Ursachen zugrunde liegen. Einige Formen der Knochenmarkinsuffizienz sind mithilfe geeigneter Therapieschritte heilbar.

Inhaltsverzeichnis

Was ist Knochenmarkinsuffizienz?

Im Rahmen einer Knochenmarkinsuffizienz sind bei einem Betroffenen diejenigen Zellen im Knochenmark gestört bzw. deutlich reduziert, die für die Bildung von Blut verantwortlich sind.

Entsprechende Knochenmarkzellen können unterteilt werden in rote Blutkörperchen, weiße Blutkörperchen und Blutplättchen. Je nach Form, die ein Knochenmarkschwund beim Einzelnen aufweist, sind die genannten, blutbildenden Knochenmarkzellen jeweils in verschiedenem Ausmaß von einem Abbau betroffen.

Knochenmarkschwund, der als Symptom einer sogenannten aplastischen Anämie (einer Form von Blutarmut) auftritt, betrifft beispielsweise die Gesamtheit aller blutbildenden Zellen des Knochenmarks - bei entsprechenden Patienten fehlen diese Knochenmarkzellen vollständig.

Eine Knochenmarkinsuffizienz im Rahmen einer solchen Anämie drückt sich beim Betroffenen beispielsweise durch mögliche Symptome aus wie Hautblässe, einer allgemeinen Schwäche, Atemnot und/oder Herzrasen. Sind lediglich die Blutplättchen von einem Knochenmarkschwund betroffen, so kann sich die Insuffizienz etwa durch Hämatome (Hauteinblutungen) zeigen.

Ursachen

In vergleichsweise seltenen Fällen kann eine Knochenmarkinsuffizienz ein Symptom bereits angeborener Anämieformen sein. Meist wird der Knochenmarkschwund aber im Lauf des Lebens erworben:

So kann etwa der Kontakt mit Giftstoffen wie Benzol einen Schwund der blutbildenden Knochenmarkzellen hervorrufen. Auch verschiedene Infektionen durch Krankheitserreger wie Viren und Bakterien sind eine mögliche Ursache von Knochenmarkinsuffizienz.

Ein weiterer ursächlicher Faktor von Knochenmarkschwund ist die Einwirkung radioaktiver Strahlung auf den menschlichen Körper; eine entsprechende Strahlung kann beispielsweise im Rahmen von Strahlentherapien oder Unfällen unter Beteiligung von Radioaktivität freigesetzt werden.

Neben Knochenmarktumoren, die eine Knochenmarkinsuffizienz begünstigen können, bergen schließlich auch verschiedene Medikamentengaben das Risiko, Knochenmarkschwund zu fördern - zu den entsprechenden Medikamenten zählen beispielsweise Wirkstoffe, die im Rahmen einer Chemotherapie eingesetzt werden.

Typische Symptome & Anzeichen

Diagnose & Verlauf

Eine Verdachtsdiagnose Knochenmarkinsuffizienz kann zunächst aufgrund des Auftretens beschriebener Symptome bei einem Betroffenen gestellt werden. Weitere Hinweise kann ein diagnostizierender Mediziner in der Regel aus der Krankengeschichte eines Patienten ableiten.

Um das Vorliegen einer Knochenmarkinsuffizienz zu bestätigen, erfolgen schließlich häufig mikroskopische Untersuchungen anhand der Blutprobe eines Betroffenen. Auch Knochenmarkausstriche können unter mikroskopischer Betrachtung zu einer Sicherung der Diagnose Knochenmarkschwund beitragen.

Welchen Verlauf eine Knochenmarkinsuffizienz beim jeweiligen Betroffenen nimmt, hängt vor allem von der Ursache der Erkrankung ab; ist ein Knochenmarkschwund beispielsweise durch Grunderkrankungen wie Anämien bedingt, so tritt eine selbstständige Heilung vergleichsweise selten auf. Positiv begünstigt werden kann der Verlauf einer Knochenmarkinsuffizienz häufig durch eine frühzeitige und fachkundige Bekämpfung zugrunde liegender Faktoren.

Komplikationen

Bei der Knochenmarkinsuffizienz kommt es in den meisten Fällen zu verschiedenen Beschwerden. Die Betroffenen leiden dabei an sehr stark ausgeprägter Blutarmut. Diese kann zu einer allgemeinen Schwäche und Blässe führen und dabei die Belastbarkeit des Betroffenen erheblich verringern. Ebenso kommt es nicht selten zu Herzrasen und damit verbunden zu Atembeschwerden oder Panikattacken.

Nicht selten fallen die Betroffenen in Ohnmacht und können sich dabei bei einem Sturz eventuell verletzen. Die Lebensqualität wird durch die Knochenmarkinsuffizienz erheblich eingeschränkt. Meistens ist auch die Ausführung verschiedener Sportarten oder Tätigkeiten nicht mehr möglich. Es kommt auch zu Blutungen auf der Haut, die sporadisch auftreten und damit den Alltag des Patienten erschweren können.

Bei der Behandlung der Knochenmarkinsuffizienz kommt es meistens nicht zu besonderen Komplikationen oder Beschwerden. Allerdings kann die ursächliche Grunderkrankung nicht in jedem Fall geheilt werden, sodass in einigen Fällen nur die Symptome behandelt werden können. Nicht selten muss auch eine psychologische Behandlung stattfinden, wenn es zu Depressionen oder zu anderen psychischen Beschwerden kommt. Ob es zu einer Verringerung der Lebenserwartung kommt, kann nicht allgemein vorausgesagt werden.

Behandlung & Therapie

Bei der Behandlung einer Knochenmarkinsuffizienz sind Maßnahmen zur Symptombekämpfung von Interventionen zur Bekämpfung entsprechender Ursachen der Erkrankung zu unterscheiden. Die symptomatische Therapie einer Knochenmarkinsuffizienz zielt beispielsweise auf eine Förderung der Blutbildung beim Betroffenen.

Je nach Patient und Form der Knochenmarkinsuffizienz kann die Blutbildung etwa durch den Einsatz sogenannter anaboler Steroide stimuliert werden; hierbei handelt es sich in der Regel um künstlich hergestellte Präparate auf der Basis von Testosteron (einem männlichen Geschlechtshormon). Auch Wachstumsfaktoren, die mithilfe gentechnischer Verfahren herzustellen sind, können bei Knochenmarkschwund die Blutbildung anregen.

Liegt einer Knochenmarkinsuffizienz eine schwere Anämie zugrunde oder zeigt der betroffene Patient eine starke Blutungsneigung, so können sich genannte Maßnahmen als medizinisch nicht sinnvoll erweisen; alternativ ist hier beispielsweise eine Übertragung von Blutprodukten aus Spenderblut möglich. Eine medizinische Maßnahme zur Ursachenbekämpfung stellt beispielsweise die Knochenmarktransplantation dar; können erfolgreich intakte Knochenmarkzellen eines passenden Spenders auf den Patienten übertragen werden, kann dies bei einigen Formen der Knochenmarkinsuffizienz eine Heilung herbeiführen.

Weitere Formen der Ursachenbekämpfung von Knochenmarkschwund richten sich auf die jeweiligen Faktoren, die beim Einzelnen zur Reduktion der blutbildenden Knochenmarkzellen geführt haben bzw. führen.

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Vorbeugung

Einer bereits angeborenen Form der Knochenmarkinsuffizienz kann in der Regel nicht vorgebeugt werden. Regelmäßige, ärztliche Kontrolluntersuchungen können dazu beitragen, Erkrankungen frühzeitig zu diagnostizieren, die eine Knochenmarkinsuffizienz begünstigen können. Eine entsprechende, frühzeitige Behandlung möglicher Grunderkrankungen kann so das Risiko einer auftretenden bzw. sich verschlimmernden Knochenmarkinsuffizienz reduzieren.

Bücher über Anämie (Blutarmut)

Quellen

  • Herold, G.: Innere Medizin. Selbstverlag, Köln 2016
  • Piper, W.: Innere Medizin. Springer, Berlin 2013
  • Wülker, N., Kluba, T., Roetman, B., Rudert, M.: Taschenlehrbuch Orthopädie und Unfallchirurgie. Thieme, Stuttgart 2015

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