Kieferfehlstellung (Zahnfehlstellung)

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 21. November 2017
Startseite » Krankheiten » Kieferfehlstellung (Zahnfehlstellung)

Eine Kieferfehlstellung ist ebenso wie eine Zahnfehlstellung inzwischen ein weit verbreitetes Problem. Schätzungsweise leiden ungefähr 60 Prozent der Kinder und Jugendlichen unter einer solchen Fehlstellung. Neben allgemeinen Problemen beim Kauen und Sprechen kann eine Kiefer- und Zahnfehlstellung jedoch auch zu schwerwiegenden Problemen führen.

Inhaltsverzeichnis

Was ist eine Kieferfehlstellung (Zahnfehlstellung)?

Die Mediziner sprechen von einer Zahnfehlstellung, wenn die Zähne zueinander im falschen Verhältnis stehen. Passt die Form und Lage von Ober- und Unterkiefer nicht genau, so liegt eine Kieferfehlstellung vor.

Entgegen der Stellung in einem gesunden Gebiss, welches auch Neutralbiss genannt wird, kommt es bei einer Fehlstellung von Zähnen oder Kiefer dazu, dass die Zähne nicht symmetrisch angeordnet sind. Daher können die Schneidezähne nicht, ähnlich einer Schere, ineinandergreifen oder die Backenzähne passen nicht wie Zahnräder aufeinander und ineinander.

Dies stört nicht nur das Gesamtbild des Gesichtes, sondern hindert die Zähne am optimalen Kauen. Auch ist es möglich, dass durch die Kieferfehlstellung oder Zahnfehlstellung ein Sprachfehler entsteht.

Ursachen

Eine Kieferfehlstellung oder Zahnfehlstellung kann sehr unterschiedliche Ursachen haben. In den meisten Fällen ist die Ursache jedoch angeboren. Besonders problematisch ist diesem Zusammenhang, dass die Erbanlagen für Zähne und Kiefer getrennt vererbt werden. Dies kann dazu führen, dass die Größe der Zähne und die Größe des Kiefers nicht zueinander passen. Dadurch kann es zu einem Engstand der Zähne oder im gegensätzlichen Fall zu einem Lückengebiss kommen.

Aber auch bestimmte Erbkrankheiten oder angeborene Fehlbildungen, wie beispielsweise die Lippen-Kiefer-Gaumen-Spalte oder das Down-Syndrom, führen zu einer Zahn- und Kieferfehlbildung.

Die Fehlbildungen von Kiefer und Zähnen ist jedoch nicht immer von Geburt an gegeben. Bestimmte Verhaltensweisen, besonders in jungen Jahren, können zu einer Kieferfehlstellung oder auch einer Zahnfehlstellung führen. Beispielsweise kann durch häufige und langfristige Nutzung von Schnullern oder Nuckelflaschen, Daumenlutschen, vorzeitigen Verlust der Milchzähne durch Karies oder Unfälle, überwiegende Mundatmung aufgrund gesundheitlicher Probleme oder schlechte Angewohnheiten, wie das Drücken der Zunge gegen die Zähne oder dem Kauen auf den Lippen, eine Zahnfehlstellung oder eine Kieferfehlstellung ausgelöst werden.

Typische Symptome

Diagnose & Verlauf

Brackets mögen auf den ersten Blick unschön aussehen. Langfrist zahlen sich gerade Zähne optisch, als auch zahngesundheitlich aus.

Die Diagnose eine Zahn- oder Kieferfehlstellung wird zunächst durch eine gründliche Untersuchung gestellt. Wichtige Anzeichen für eine Fehlstellung von Kiefer und Zähnen kann ein sichtbarer Fehlstand sein, Probleme beim Lippenschluss oder Kauen, Sprachfehler, Schmerzen und Knacken beim Öffnen des Mundes im Kiefergelenk. Aber auch dauerhafte Kopfschmerzen oder Schnarchen können ein Hinweis auf eine Kieferfehlstellung sein.

Für ausgebildete Fachkräfte kann bereits ein erster Blick in die Mundhöhle ausreichen, um den Verdacht einer Fehlstellung des Kiefers oder der Zähne zu begründen. Es ist jedoch wichtig, durch Abdrücke der Kiefer und verschiedener Röntgenaufnahmen eine genaue kieferorthopädische Diagnose zu stellen.

Wird eine Kieferfehlstellung oder Zahnfehlstellung dauerhaft nicht behoben, kann sie sich nicht nur verstärken, sondern es kann auch zu Entzündungen der Schleimhaut, Parodontitis, Karies, Magen-Darm-Problemen, Fehlhaltungen der Wirbelsäule und Kopfschmerzen kommen.

Komplikationen

Durch eine nicht behandelte Kieferfehlstellung oder auch durch Zahnfehlstellungen tritt eine ungleichmäßige Belastung der einzelnen Zähne und der Kiefergelenke auf. Die Folge sind einseitige Abnutzungen der Kauflächen, Entstehung von scharfen Kanten an Zahnrändern bis zum Abbrechen von Zahnkanten. Fehlt dann der Zahnschmelz, hat Karies leichtes Spiel.

Des Weiteren bringt der einseitige Druck auf das Zahnbett das umliegende Zahnfleisch zum Schwinden, so dass im Laufe der Zeit Zahnhälse frei liegen. Die ungeschützten Zahnhälse verursachen beim Verzehr von heißen, kalten und scharfen Speisen oder auch schon bei kaltem Luftzug ziehende Schmerzen. Man spricht von empfindlichen Zähnen. Schreitet der Zustand weiter fort, bildet sich entzündliche Parodontitis und schließlich chronische Parodontose.

Bei abnehmendem Halt durch das Zahnfleisch können sich Zähne neigen, drehen und lockern, was schlimmsten Falls zum Zahnverlust führt. Allmähliche arthrotische Veränderungen der Kiefergelenke mit zum Teil erheblichen Schmerzen beim Öffnen des Mundes und beim Kauen werden zum unangenehmen Dauerzustand. Eine Behandlung mittels Aufbissbehelf macht mehrere Zahnarztbesuche notwendig und erfordert viel Zeit und Geduld über Monate hinweg.

Trotzdem rechtfertigen die Verringerung der zu erwartenden Folgen die langwierige Behandlung und die kontinuierliche Mitarbeit des Patienten. Nicht zuletzt erspart eine Behandlung der Kieferfehlstellung erhebliche Kosten einer späteren prothetischen Sanierung des Gebisses.

Behandlung & Therapie

Eine Zahnfehlstellung oder Kieferfehlstellung muss nicht in jedem Fall behoben werden. Erst wenn es zu den genannten Problemen kommt oder die Entstehung dieser Problematiken wahrscheinlich erscheint, sollte die Fehlstellung behoben werden. Dabei gilt, dass eine Korrektur zwar in jedem Alter möglich ist, bei Kindern und Jugendlichen jedoch bessere und schnellere Ergebnisse zeigt. Außerdem zahlen die meisten Krankenkassen nur bis zum 18. Lebensjahr für kieferorthopädische Behandlungen.

Sind Kinder jedoch noch jünger als 9 Jahre werden meistens milde Maßnahmen wie Mundeinlagen ergriffen. Diese Einlagen fördern an wichtigen Punkten den Muskelaufbau, sodass kleine Kiefer- und Zahnfehlstellungen aus eigener Kraft behoben werden.

Bei größeren Fehlstellungen ist es jedoch zumeist notwendig von außen Kraft auf den fehlgestellten Zahn auszuüben. Dies gelingt mit einer Zahnspange. Bei einer Fehlbildung der Schneidezähne genügt häufig eine herausnehmbare Zahnspange. Diese sollte jedoch mindestens 14 Stunden täglich getragen werden. Muss massiv auf die Wurzelstellung der Zähne eingewirkt werden, erhält der Patient eine festsitzende Zahnspange. Hierbei werden Brackets auf den Zähnen festgeklebt und mit einem dünnen Draht verbunden. Dieser bewirkt eine dauerhafte Krafteinwirkung auf die Zähne.

Im erwachsenen Alter kann es, aufgrund der geringen Flexibilität im Kiefer, notwendig sein, zuvor einige Zähne zu ziehen. Bei besonders massiven Fehlstellungen des Kiefers kann ein chirurgischer Eingriff erforderlich sein. Hierbei können Teile des Kiefers verlagert oder entfernt werden, um die Kieferfehlstellung zu beheben.

Hier finden Sie Ihre Medikamente:

Vorbeugung

Um einer Zahnfehlstellung oder Kieferfehlstellung vorzubeugen, sollten die genannten Verhaltensweisen, die eine solche Fehlstellung fördern, vermieden werden. Hierzu gehören insbesondere der langfristige Einsatz von Nuckelflaschen, Schnullern, Daumenlutschen und ähnliches.

Das können Sie selbst tun

Eine Kieferfehlstellung bzw. Zahnfehlstellung ist nicht im Alleingang behandelbar, sondern bedarf einer kieferorthopädischen Betreuung. Generell ist eine gründliche Mundhygiene bedeutsam, um die Mundflora zu unterstützen und sämtliche Zähne, insbesondere die bleibenden, gesund zu erhalten. Der Zahnarzt weist oft schon bei Kindern auf eine Kieferfehlstellung hin und überweist den Patienten an einen Kieferorthopäden. Kinder und Jugendliche mit einer Fehlstellung von Kiefer oder Zähnen erhalten zunächst herausnehmbare Mundeinlagen oder Schienen, die den Kiefer verformen. Dabei ist die Mitarbeit der Patienten entscheidend für den Behandlungserfolg. Die Einlagen sind in der Regel täglich zu tragen, insbesondere über Nacht sowie auch tagsüber mit Ausnahme der Mahlzeiten. Die regelmäßige Reinigung der Einlagen vermindert Irritationen oder Entzündungen des Zahnfleischs.

Indem Patienten die Einlagen regelmäßig und wie verordnet tragen, beeinflussen sie den Therapieerfolg positiv. Ist die Zahnfehlstellung besonders gravierend ausgeprägt, kommen feste Brackets auf den einzelnen Zähnen zum Einsatz. Die Behandlung zieht sich bei Jugendlichen üblicherweise über mehrere Jahre hinweg und ist häufig mit Komplikationen wie Schmerzen, Schwierigkeiten beim Essen und Reizungen von Zahnfleisch und Mundschleimhaut verbunden. Eine adäquate Mund- und Zahnhygiene verbessert die Reizungen, außerdem empfehlen sich weiche Nahrung und vom Arzt verschriebene homöopathische Schmerzmittel.

Bücher über Schiefe Zähne, Kieferorthopädie & Zahnspangen

Quellen

  • Gängler, P., et al.: Konservierende Zahnheilkunde und Parodontologie. Thieme, Stuttgart 2010
  • Hausamen, J.-E., et al.: Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie. Springer, Heidelberg 2012
  • Kruse Gujer, A., Jacobsen, C., Grätz, K.W.: Facharztwissen Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie. Springer, Heidelberg 2013

Diese Seite teilen:

Das könnte Sie auch interessieren:

Bekannt aus: