Daumenlutschen

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 13. November 2016
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Das Daumenlutschen oder Nuckeln ist ein angeborener, menschlicher Reflex, der im Säuglingsalter völlig normal ist. Stoppt das Verhalten bei älteren Kindern jedoch nicht von allein, kann dies problematisch werden. Dem Daumenlutschen muss hier mit Rücksicht auf Kiefer und Gaumen entgegengewirkt werden.

Inhaltsverzeichnis

Was ist Daumenlutschen?

Das Daumennuckeln ist eine menschliche Angewohnheit. Hierbei steckt sich das Neugeborene oder auch Kleinkind den Daumen in den Mund, um daran zu nuckeln oder zu lutschen.

Das Lutschen des Daumens ist grundsätzlich ein äußerst natürlicher Vorgang, der jedem Baby mit Geburt in die Wiege gelegt wird und in den meisten Fällen unproblematisch verläuft. Vielfach verschwindet der Reflex im Alter von etwa zwei Jahren von ganz allein. Angenommen wird, dass sich Kinder durch das Nuckeln beruhigen und Stress auf diese Art und Weise selbstständig bewältigen.

Auch finden Babys in derartigen Verhaltensweisen Trost, Schutz und Geborgenheit. In vielen Fällen wird im Rahmen des Daumenlutschens nicht nur am eigenen Finger gekaut. Oftmals nutzen Kinder auch vertraute Gegenstände wie Kuscheldecke, Stofftiere oder aber Kleidung, um daran zu saugen.

Ursachen

Die Ursachen für den Reflex des Daumenlutschens liegen tief verwurzelt in den angeborenen Verhaltensweisen des Menschen. Der Saugreflex liegt beim Kind bereits vor, wenn es gerade zur Welt gekommen ist.

Dementsprechend ist das Saugen am Daumen eines der ersten Tätigkeiten, die das Kind instinktiv und ohne Hilfe ausführt. Dieser Reflex hat zur Folge, dass ein Neugeborenes sofort mit dem Nuckeln beginnt, wenn seine Lippen oder aber auch nur die Zungenspitze in Berührung mit einem Fremdgegenstand wie dem Daumen kommt.

Dieses Phänomen, dass sich auch bei Affen feststellen lässt, stellt insbesondere sich, dass die Nahrungsaufnahme im Laufe des ersten Lebensjahres gewährleistet ist. Psychologisch betrachtet ist das Daumenlutschen jedoch nicht nur Saugreflex, sondern ist auch eine Form der Selbstberuhigung bei kleinen Kindern, ja selbst bei Erwachsenen.

Diagnose & Verlauf

Das Daumenlutschen oder Nuckeln ist ein angeborener, menschlicher Reflex, der im Säuglingsalter völlig normal ist. Stoppt das Verhalten bei älteren Kindern jedoch nicht von allein, kann dies problematisch werden.

Unter Fachärzten wurde die Regel aufgestellt, dass das Daumenlutschen bis zu einem Alter von etwa drei Jahren völlig normal und harmlos ist. Hält das Verhalten nach dieser Altersgrenze jedoch weiterhin an und kann eventuell sogar bei Erwachsenen beobachtete werden, so muss man nicht nur von einer schlechten Angewohnheit, sondern auch von einem gesundheitsschädlichen Verhalten sprechen.

Dennoch weisen nicht alle Mediziner dem "Nuckeln" im Erwachsenenalter eine negative Bedeutung zu. Daumenlutschen gilt auch unter Erwachsenen als beruhigend, gemütlich und stressabbauend. Trotz alledem ist das Daumenlutschen unter erwachsenen Menschen oftmals ein peinliches Tabuthema.

Mit steigendem Alter kann das dauernde Nuckelverhalten meist zu einer Fehlstellung der Zähne führen. Gerade im kritischen Kleinkindalter schreitet das Wachstum schnell voran, die Schneidezähne werden nach vorn gedrückt und durch das permanente Daumenlutschen schräg gestellt. Im späteren Verlauf kommen in den meisten Fällen jedoch auch Kieferfehlstellungen zustande, die ein Leben lang bleiben und nur schwierig und mit große Aufwand korrigiert werden können.

Behandlung & Therapie

Deuten sich bei Kindern bleibende Schäden aufgrund des unaufhörlichen Daumenlutschens an, ist eine Behandlung der Problematik unumgänglich.

Dabei gilt immer die Regel: je früher desto besser. Grundsätzlich ist der Schnuller immer besser als der Daumen, daher ist eine Ersatzbeschäftigung des Kindes zunächst sinnvoll. Ab dem dritten Lebensjahr muss im Hinblick auf mögliche dauerhafte Gebissschäden damit begonnen werden, durch kognitive Strategien das Daumenlutschens zu beenden.

Oft ist es sinnvoll, dem Kind ein Verständnis der Gefahren seiner Angewohnheit zu vermitteln und durch Lob und positive Verstärkung das Verhalten abzuändern. Infrage kommt bis zum etwa fünften Lebensjahr auch das Saugen an einem Schnuller, der als Ersatz dient, wobei Zahnärzte meist empfehlen, auch diese Option schon früh völlig auszuschließen. Grundsätzlich ist Kautschuk jedoch weitaus verträglicher als jeder andere Fremdkörper.

Setzt sich das Daumenlutschen allerdings bis in ein höheres Kindesalter fort oder tritt gar im Erwachsenenalter auf, kann auch von psychischen Problematiken ausgegangen werden. Wird das Nuckeln als störend empfunden, ist hier die Behandlung durch einen Psychologen angebracht, der den Ursachen dieser Form der Selbstberuhigung auf den Grund geht.

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Vorbeugung

Da es sich beim Lutschen und Saugen des Daumens um einen angeborenen Reflex handelt, kann präventiv kaum etwas getan werden, um das Verhalten zu verhindern.

Jedoch haben Studien der vergangenen Jahren gezeigt, dass die Zahl der Daumenlutscher unter Kindern, die gestillt wurden, weitaus geringer ist. Vermutlich liegt der Grund hierfür bei den sehr langen, intensiven Zeiteinheiten, die mit dem Saugen der Mutterbrust verbracht werden.

Auf diese Weise befriedigen die Kinder bereits bei der Nahrungsaufnahme ihren Reflex vollständig und hegen anschließend nicht mehr das Bedürfnis, am Finger zu saugen. Daher ist auch bei Babys, die mit der Flasche gefüttert werden, darauf zu achten, lange und ausgiebig nuckeln zu lassen.

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