Kehlkopflähmung

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 14. November 2017
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Eine Kehlkopflähmung ist die Folge einer Schädigung des zehnten Hirnnerven und seiner Abzweigungen und kann einseitig sowie beidseitig auftreten. Im Rahmen sprachtherapeutischer und/oder operativer Maßnahmen ist eine Kehlkopflähmung in der Mehrzahl der Fälle gut therapierbar.

Inhaltsverzeichnis

Was ist eine Kehlkopflähmung?

Als Kehlkopflähmung wird eine partielle oder vollständige Lähmung der laryngealen Muskulatur, die mit einer Bewegungseinschränkung oder Fehlstellung der Stimmbänder und/oder Glottis (Stimmritze) einhergeht, bezeichnet.

In aller Regel ist eine Kehlkopflähmung auf eine Schädigung des Nervus vagus (zehnter Hirnnerv) und seiner beiden Abzweigungen (Nervus laryngeus superior sowie Nervus laryngeus recurrens) zurückzuführen. Eine Lähmung des Nervus laryngeus superior bedingt über einen Ausfall des Musculus cricothyroideus eine verminderte Spannfähigkeit der Stimmbänder, wodurch die Artikulation von hohen Tönen stark eingeschränkt ist, während ein Ausfall des Nervus laryngeus recurrens einen Verlust der respiratorischen Mobilität des betroffenen Stimmbands nach sich zieht.

Zudem manifestiert sich in Abhängigkeit von der Position des betroffenen Stimmbands eine unterschiedlich ausgeprägte Heiserkeit. Bei einer beidseitigen Kehlkopflähmung steht die Atemnot im Mittelpunkt, die umso prägnanter ist, je enger die Stimmritze ist. Eine Schädigung des Nervus vagus kann hingegen zu einem vollständigen Ausfall der Kehlkopfmuskulatur mit Lähmung der Schlundmuskulatur und des Gaumensegels führen und geht mit einer ausgeprägten Stimmstörung sowie Schluckstörungen einher.

Ursachen

Unterschiedliche Ursachen, die den Nervus vagus und seine Abzweigungen beeinträchtigen, können zu einer Kehlkopflähmung führen. In den meisten Fällen ist eine Kehlkopflähmung auf operative Eingriffe im Halsbereich (u.a. Schilddrüsenoperationen, Ösophagusoperationen, Kehlkopfspiegelungen), bei welchen das Verletzungsrisiko des Nervus laryngeus recurrens (Recurrensparese) erhöht ist, zurückzuführen.

Daneben können verschiedene Tumoren (Bronchialkarzinom, Ösophaguskarzinom, Schwannom, Garcin-Syndrom), infektiös-toxische Ursachen (Herpes zoster, Poliomyelitis, Giftstoffe, Medikamente), angeborene Beeinträchtigungen (Hydrocephalus, Spina bifida, Arnold-Chiari-Syndrom) sowie immunologische Faktoren (Guillain-Barré-Syndrom) eine Kehlkopflähmung bedingen.

Zentrale Kehlkopflähmungen können sich infolge von Läsionen der zentralen motorischen Nervenbahnen manifestieren und äußern sich anhand abnormer Stimmbandbewegungen, die oftmals auf neurologische mit Dysarthrien (zentrale Sprechstörungen) einhergehende Erkrankungen (u.a. multiple Sklerose, Wallenberg-Syndrom) schließen lassen. In seltenen Fällen können Kehlkopflähmungen keiner Ursache zugeordnet werden (idiopathische Kehlkopflähmungen).

Typische Symptome & Anzeichen

Diagnose & Verlauf

Eine Kehlkopflähmung kann anhand der charakteristischen klinischen Symptome (Heiserkeit, Kadaverstellung, abgeschwächter Hustenstoß, inspiratorischer Stridor, Stimmverlust und Atemnot bei beidseitiger Lähmung) diagnostiziert werden.

Abgesichert wird die Diagnose durch eine HNO-ärztliche Untersuchung mit Kehlkopf- und Glottisspiegelung. Im Rahmen von Nervenfunktionstests kann eine Beeinträchtigung der Nerven festgestellt werden. Bildgebende Diagnoseverfahren (Computertomographie, Kernspintomographie, Röntgen oder Sonographie) geben Aufschluss über Tumoren sowie weitere zugrundeliegende Faktoren.

Differentialdiagnostisch sollte eine Kehlkopflähmung von myogenen (Myopathie des Musculus vocalis, Myastenia gravis pseudoparalytica) sowie artikulären (Interarytenoidfibrose, Ankylose des Cricoarytenoidgelenkes) Beeinträchtigungen abgegrenzt werden. Bei frühzeitiger Diagnose und rechtzeitigem Therapiebeginn weisen Kehlkopflähmungen in aller Regel eine gute Prognose auf und etwa zwei Drittel der Lähmungserscheinungen entwickeln sich innerhalb von sechs bis acht Monaten zurück.

Komplikationen

Bei Lähmungen im Kehlkopf, den sogenannten Recurrenzparesen, kann es zu erheblichen Komplikationen kommen. Diese richten sich ganz nach der Stellung der gelähmten Stimmlippe, ob die Lähmung einseitig oder beidseits auftritt sowie von der Spannung und Schwingungsfähigkeit dieser. Besonders gefährlich wird die Lähmung, wenn beide Stimmbänder gelähmt sind und sich zusätzlich in Mittelstellung (median) befinden.

Dann verschließen sie den Eingang zur Luftröhre und es tritt Atemnot auf. Es kann notwendig sein, einen Luftröhrenschnitt zu veranlassen und den Patienten mit einer Trachealkanüle zu versorgen, über die er dann atmen kann. Dieser Extremfall tritt jedoch selten auf. Häufiger sind einseitige Lähmungen. Tritt eine Recurrenzparese auf, kommt es zum Verlust der gesunden Stimme.

Eine zeitnahe Stimmtherapie kann langfristige Schäden verhindern. Dennoch kann es sein, dass die Lähmung anhält. Die gesunde Stimmbandseite ist jedoch in der Lage, so zu kompensieren, dass die Lähmung nicht mehr hörbar ist. Ohne Behandlung ist die Wahrscheinlichkeit höher, dass die Stimme langanhaltend heiser, klangarm und rau klingt. Die erkrankte Stimme stellt nicht selten ein großes Problem bei der Kommunikation im Beruf dar. Zusätzlich zur eingeschränkten Stimmfunktion gehören Schluckbeschwerden und Räusperzwang zu den häufigsten Komplikationen bei Kehlkopflähmungen.

Behandlung & Therapie

Die therapeutischen Maßnahmen hängen bei einer Kehlkopflähmung von der Ausprägung der Beeinträchtigung und der zugrundeliegenden Ursache ab. So kommt bei einer Kehlkopflähmung, die mit einem einseitigen Stimmbandausfall einhergeht, in aller Regel eine frühzeitige Stimmtherapie gegebenenfalls zur Vorbeugung vor einer Muskelatrophie in Kombination mit einer Faradisation (niederfrequenter Reizstrom) der betroffenen Nerven zum Einsatz.

Hierbei wird durch die logopädische Therapie eine Kompensation des betroffenen Stimmbands durch das gesunde angestrebt. In einigen Fällen werden zusätzlich entzündungshemmende und abschwellende Medikamente empfohlen. Geht die Kehlkopflähmung von einer bakteriellen Infektion aus, ist eine Antibiotika-Therapie indiziert.

Führen diese Behandlungsmaßnahmen nicht zum erwünschten Erfolg (frühestens nach etwa 6 Monaten), können phonochirurgische Maßnahmen wie Thyroplastik oder Stimmlippenaugmentation angezeigt sein, im Rahmen derer durch eine Medianverlagerung des betroffenen Stimmbands ein erneuter vollständiger Stimmlippenverschluss bzw. Glottisschluss erzeugt wird, um eine verbesserte Stimmgebung und –lautstärke zu gewährleisten.

Liegt eine beidseitige Kehlkopflähmung vor, zielen die chirurgischen Maßnahmen (endolaryngeale Laserresektion des Stellknorpels, Laterofixation) auf eine Optimierung der Atemfunktion durch eine laterale Verlagerung der gelähmten Stimmbänder zur Erweiterung der Glottis. Zudem kann bei einer beidseitigen Kehlkopflähmung infolge einer akuten Atemnot eine Tracheotomie (Luftröhrenschnitt) mit anschließender Einbringung einer Sprechkanüle erforderlich sein.

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Vorbeugung

Einer Kehlkopflähmung kann in Abhängigkeit von der zugrundeliegenden Ursache bedingt vorgebeugt werden. So sollten Infektionskrankheiten der oberen Atemwege frühzeitig und konsequent therapiert werden, um eine Beeinträchtigung der die Kehlkopfmuskulatur versorgenden Nerven zu vermeiden. Darüber hinaus sollten operative Eingriffe im Halsbereich, insbesondere Schilddrüsenoperationen, nur unter entsprechenden verletzungsvorbeugenden Maßnahmen durchgeführt werden.

Das können Sie selbst tun

Welche Maßnahmen Betroffene bei einer Kehlkopflähmung selbst ergreifen können, hängt von der Ausprägung der Beeinträchtigung, den zugrundeliegenden Ursachen und der Art der Behandlung ab.

Bei einer Kehlkopflähmung, die mit einem einseitigen Stimmbandausfall verbunden ist, wird in aller Regel eine Stimmtherapie durchgeführt, die Zuhause durch Stimmübungen unterstützt werden kann. Eine medikamentöse Behandlung lässt sich unter Umständen durch Naturheilmittel unterstützen. Ob homöopathische Mittel eingesetzt werden dürfen, muss der zuständige Arzt entscheiden. Nach einer Operation gelten die üblichen Maßnahmen wie Schonung und Bettruhe. Die Stimme darf in den ersten Tagen nach einem Eingriff nicht belastet werden. Die Ernährung sollte kurz nach der Operation aus flüssiger Nahrung bestehen, die außerdem nicht allzu reizend, scharf, heiß oder kalt sein darf. In der Regel wird der Arzt gemeinsam mit dem Patienten eine individuelle Diät erstellen.

Da eine Kehlkopflähmung oft eine erhebliche Belastung für die Betroffenen darstellt, ist eine therapeutische Beratung sinnvoll. Der Patient sollte sich hierfür an den behandelnden Mediziner wenden. Dieser kann den Kontakt zu einem Fachmann herstellen und gegebenenfalls auch eine geeignete Selbsthilfegruppe vorschlagen.

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Quellen

  • Arnold, W.: Checkliste Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde. Thieme, Stuttgart 2011
  • Boenninghaus, H. G., Lenarz, T.: Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde. Springer, Heidelberg 2012
  • Herold, G.: Innere Medizin. Selbstverlag, Köln 2016

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