Luftröhrenschnitt

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 23. November 2016
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Beim Wort Luftröhrenschnitt haben viele Menschen schlimme Bilder vor Augen: Unfall, Notärzte, die um das Leben des Opfers kämpfen und es schließlich retten, in dem sie ihm die Luftröhre öffnen. Das mag zwar dramatisch klingen, ist aber nach medizinischer Definition kein Luftröhrenschnitt, sondern Koniotomie.

Inhaltsverzeichnis

Was ist ein Luftröhrenschnitt?

Ein Luftröhrenschnitt oder auch Tracheotomie wird in der Medizin dann angewendet, wenn ein Mensch über längere Zeit seine oberen Atemwege nicht benutzen kann oder soll.

Es kann sich dabei um einen zeitlich begrenzten und provisorischen Eingriff handeln, wie bei der Perkutanen Punktions- und Dilatationstracheotomie oder um eine dauerhafte Maßnahme, wenn etwa der Kehlkopf entfernt werden muss.

Die Punktionstracheotomie wird auf Intensivstationen auch als Alternative zur Intubation angewendet, also einer Beatmung mit einem Schlauch, der durch Mund oder Nase eingeführt wird.

Funktion, Wirkung & Ziele

Schematische Darstellung zur Anatomie der Luftröhre bei einem Luftröhrenschnitt. Klicken, um zu vergrößern.

Wenn nach einem Unfall Patienten ins Koma fallen oder ins künstliche Koma gelegt werden müssen, kann auch eine künstliche Beatmung notwendig werden. Wenn dies längere Zeit notwendig ist, dann bietet die Punktionstracheotomie einige Vorteile.

Mit einer Hohlnadel wird die Luftröhre punktiert um später eine Atemkanüle einzuführen. Aufwändiger ist da schon die chirurgische Tracheotomie, bei der auch Teile der Schilddrüse abgetrennt werden. Diese Maßnahme ist für längere Zeit angelegt, das bedeutet auch, dass die Trachealkanüle immer wieder gewechselt wird. Diese Art von Luftröhrenschnitt wird gelegt, wenn zum Beispiel die oberen Atemwege verstellt sind. Die Ursachen dafür können ganz unterschiedlich sein und von einem Insektenstich über Infektionskrankheiten bis zur Tumorbildung reichen. Auch eine Parkinsonerkrankung kann die Muskulatur der Atmung so schwächen, dass eine Tracheotomie notwendig wird.

In den meisten Fällen ist diese Art des Luftröhrenschnitts noch reversibel. Es hängt davon ab, wie lange es dauert, bis der Betroffene wieder gesund wird. Nach erfolgreicher Therapie wird die Luftröhre wieder geschlossen und der Patient kann wieder normal sprechen. Bei einem Luftröhrenschnitt, der durch eine Kehlkopfentfernung bedingt ist, geht das nicht mehr. Die Stimmbänder fehlen ganz und müssen durch Prothesen ersetzt werden. Der Eingriff wird dann auch nicht mehr Tracheotomie sondern Tracheostomie genannt. Dieser Eingriff ist unumkehrbar. Der Patient muss das Sprechen wieder neu erlernen.

Die Tracheotomie bietet einige Vorteile gegenüber einer Intubation. So kann der Schlauch, der durch den Mund eingeführt wird, Stimmbänder und Luftröhre schädigen. Diese Gefahr fällt beim Luftröhrenschnitt weg. Vor allem aber kann der Patient normal essen oder sich die Zähne putzen, was mit einem Schlauch in Mund und Rachen schlechterdings unmöglich ist. Auch müssen weniger Schmerzmittel eingesetzt werden. Mit einem speziellen Aufsatz ist es dem Kranken sogar möglich zu sprechen.

Ein weiterer wichtiger Punkt ist die Verkürzung des sogenannten Totraumes, also des Bereiche, der zwischen Eintritt des Luft in den Körper und dem Erreichen der Lunge liegt. Bei einem Luftröhrenschnitt wird diese Strecke etwa halbiert. Das bedeutet in der Realität, dass der Kraftaufwand für das Atmen nicht mehr so hoch ist. Der Patient atmet also leichter. Das spielt eine Rolle, wenn der Patient zuvor an ein Beatmungsgerät angeschlossen war und sich nun wieder an eine Eigenatmung gewöhnen muss.

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Risiken & Gefahren

Bei allen Vorteilen gibt es auch einige Nachteile, die zu beachten sind. Dadurch dass die gesamte Atmung nicht mehr über den Kopf läuft, fehlt auch die notwendige Befeuchtung der Nase. Das hat den unangenehmen Nebeneffekt, dass die Riechfähigkeit nicht mehr da ist. Das riechen jedoch hängt sehr stark mit dem Schmecken zusammen.

Das heißt, Menschen mit einem Luftröhrenschnitt sind nicht in der Lage zu riechen. Schmecken können sie zwar noch, allerdings ist auch das nur noch sehr eingeschränkt möglich. Die Luft, die durch die Kehle fließt ist auch noch für etwas anderes ungeheuer wichtig: Für das Sprechen.

Es ist schließlich die Luft, die die Stimmbänder in Schwingung versetzen. Atmet der Mensch durch einen Luftröhrenschnitt kommt keine Luft mehr an den Stimmbändern vorbei. Das Problem lässt sich mit einer sogenannten Sprechkanüle lösen.

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