Heparininduzierte Thrombozytopenie

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 15. November 2017
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Unter einer heparininduzierten Thrombozytopenie wird eine Erkrankung verstanden, die nach der Gabe von Heparin auftreten kann. Dabei sinkt die Anzahl der Thrombozyten im Blut auf unter 50 Prozent des Normalwerts.

Inhaltsverzeichnis

Was ist eine heparininduzierte Thrombozytopenie?

Die heparininduzierte Thrombozytopenie (HIT) stellt eine Komplikation bei der Behandlung mit Heparin dar. Bei Heparin handelt es sich um ein medizinisches Standardmedikament zur Antikoagulation (Hemmung der Blutgerinnung). Durch die Gabe des Wirkstoffes soll einer Thrombose (Blutgerinnsel) entgegengewirkt werden.

In der Regel gilt eine Therapie mit Heparin durchaus als sinnvoll. In manchen Fällen kann es allerdings einige Tage nach der Verabreichung zu einer paradoxen Wirkung des Mittels kommen. Das bedeutet, dass sich die Thrombozyten (Blutplättchen) miteinander verklumpen, was einen Rückgang der Thrombozytenmenge im Blut zur Folge hat.

Im weiteren Verlauf kommt es zu einem heparinbedingten Blutplättchenmangel, auch Thrombozytopenie oder Thrombopenie genannt. Bei den betroffenen Personen besteht ein erhöhtes Risiko, sich ein Blutgerinnsel zuzuziehen. Insgesamt leiden circa zehn Prozent aller behandelten Patienten unter einer heparininduzierten Thrombozytopenie.

Ursachen

In der Medizin wird zwischen zwei unterschiedlichen Formen der heparininduzierten Thrombozytopenie differenziert. Sie tragen die Bezeichnungen HIT Typ I und HIT Typ II und haben verschiedene Ursachen. In beiden Fällen tritt die Thrombozytopenie erst nach der Gabe des Heparins auf.

Auslöser für eine heparininduzierte Thrombozytopenie ist eine Wechselwirkung zwischen den Blutplättchen und dem Heparin. Es wird angenommen, dass das Heparin für die Hemmung eines wichtigen Enzyms verantwortlich ist, wodurch sich die Blutplättchen rascher aktivieren und zusammenballen, was wiederum einen schnelleren Verbrauch nach sich zieht.

HIT Typ I gilt jedoch als harmlos, da lediglich ein geringer Blutplättchenmangel auftritt und die Komplikation nach einigen Tagen von selbst wieder verschwindet. Weil die Thrombozyten normalerweise nicht unter einen Wert von 80.000/µl zurückgehen, bedarf es keiner Behandlung. Die heparininduzierte Thrombozytopenie Typ II ist auf einen Abwehrmechanismus zurückzuführen.

So werden vom menschlichen Immunsystem Antikörper gegen das Heparin im Blut gebildet, was wiederum zu Verklumpung führt. Es besteht die Gefahr, dass die Thrombozytenanzahl auf weniger als 50 Prozent des Normalwerts absinkt. Kommt es deswegen zu einer Verlegung der Blutgefäße, drohen erhebliche gesundheitliche Beeinträchtigungen wie eine Lungenembolie, ein Schlaganfall oder ein Herzinfarkt.

Das Risiko für HIT Typ II steigt mit der Dauer der Heparinbehandlung. Verabreicht der Arzt das Heparin nicht länger als fünf Tage, treten nur selten Komplikationen auf. Eine bedeutende Rolle für die Entstehung von HIT Typ II spielt zudem die Höhe der Heparin-Dosis.

Symptome, Beschwerden & Anzeichen

Die Symptome, die bei einer heparininduzierten Thrombozytopenie auftreten, hängen davon ab, ob es sich um HIT Typ I oder HIT Typ II handelt, weil beide Formen unterschiedliche Ausmaße annehmen. So bemerken die meisten Patienten von HIT Typ I nichts. Nach wenigen Tagen ist die Störung wieder behoben.

Im Rahmen der heparininduzierten Thrombozytopenie Typ II geht dagegen die Anzahl der Blutplättchen deutlich zurück, was sich ungefähr 5 bis 14 Tage nach Beginn der Behandlung bemerkbar macht. Erfolgt die Heparingabe wiederholt, bilden sich die Antikörper schneller, sodass sie sich schon nach ein bis zwei Tagen zeigen. Durch den starken Abfall der Blutplättchenanzahl können sich Blutgerinnsel ausbilden, die als Embolie unter anderem einen Herzinfarkt auslösen.

Stark betroffen sind auch die Beinvenen, weil die Thrombosen das Gewebe, das von Arterien versorgt wird, schädigen. Im Extremfall kann sogar eine Amputation der betroffenen Gliedmaße erforderlich sein. Des Weiteren ist eine Lungenembolie, bei der eine Lungenarterie verlegt wird, mit Schmerzen, Atemnot und Ohnmacht möglich. Als weitere lebensgefährliche Komplikation gilt ein Schlaganfall. Mitunter stirbt auch das Gewebe in Nähe der Heparineinstichstelle ab.

Diagnose & Krankheitsverlauf

Verdacht auf eine heparininduzierte Thrombozytopenie entsteht zumeist, wenn der Thrombozytenwert nach einer Heparin-Therapie absinkt, was insbesondere bei der HIT Typ II vorkommt. Zu den wichtigsten Diagnosemethoden gehört die Blutuntersuchung, mit der der Mangel an Blutplättchen nachzuweisen ist.

Mithilfe der Blutprobe lassen sich auch heparinspezifische Antikörper feststellen, was oftmals mit dem ELISA-Verfahren erfolgt. Ein weiteres Testverfahren stellt die HIPA-Methode dar. Dabei wird Heparin an die Blutplättchen des Patienten verabreicht, um eventuelle Verklumpungen zu kontrollieren. Weil einige Blutkrankheiten ähnliche Symptome wie die heparininduzierte Thrombozytopenie aufweisen, ist zudem eine Differentialdiagnose wichtig.

Dabei gilt es, Erkrankungen wie die diesseminierte intravasale Gerinnung auszuschließen. Der Verlauf richtet sich nach der auftretenden Form der heparininduzierten Thrombozytopenie. Während HIT Typ I zumeist harmlos ist, löst HIT Typ II oftmals eine Venenthrombose aus, die weitere schwerwiegende Komplikationen zur Folge hat.

Komplikationen

Diese Krankheit kann zu verschiedenen Beschwerden und Komplikationen führen. In den meisten Fällen bleibt sie vom Patienten allerdings unbemerkt, wobei auch danach keine besonderen Beschwerden auftreten. Die Krankheit verschwindet in der Regel nach nur wenigen Tagen wieder von allein. Sollte es allerdings zu einem starken Rückgang der Blutplättchen kommen, können ungefähr eine Woche danach Beschwerden auftreten.

Dabei kommt es zu Blutgerinnseln, wobei das Risiko eines Herzinfarktes erheblich ansteigt. Durch einen Herzinfarkt kann der Betroffene im schlimmsten Falle auch versterben. Ebenso wird Gewebe im gesamten Körper geschädigt, wovon auch die Extremitäten betroffen sind. Hierbei können Extremitäten mitunter komplett absterben, wobei eine Amputation notwendigen werden kann.

Nicht selten kommt es auch zur Atemnot und zum Bewusstseinsverlust, wobei der Patient auch Verletzungen oder einen Sturz dabei erleiden kann. Durch den Herzinfarkt kann es ebenso zu irreversiblen Folgeschäden kommen, wenn dieser nicht umgehend behandelt wird. Die Behandlung erfolgt mit Hilfe von Medikamenten und führt in der Regel schnell zu einer Linderung der Beschwerden. In den meisten Fällen wird die Lebenserwartung nicht verringert, wenn es zu einer frühzeitigen Behandlung kommt.

Wann sollte man zum Arzt gehen?

Bei einem anhaltendem diffusen Krankheitsgefühl sollte ein Arzt konsultiert werden. Kommt es zu Veränderungen des Blutkreislaufs, Herzbeschwerden oder Auffälligkeiten der Durchblutung, ist ein Arztbesuch notwendig. Schmerzen am Körper, die sich ohne einen ersichtlichen Grund einstellen oder weiter ausbreiten, sind untersuchen und behandeln zu lassen. Die Rücksprache mit einem Arzt ist erforderlich, sobald der Patient aufgrund der Schmerzen ein Medikament einnehmen möchte.

Häufig kommt es zu Nebenwirkungen, die rechtzeitig und im Vorfeld abgeklärt werden müssen. Bei Störungen der Atmung ist eine erhöhte Wachsamkeit geboten. Eine Atemnot ist stets von einem Arzt untersuchen zu lassen. Setzen Aussetzer der Atmung ein oder kommt es dadurch zu Veränderungen des Herzschlages, wird ein Arzt benötigt. Leidet der Betroffene unter Ängsten oder Panikattacken, sollte er einen Arzt aufsuchen. Eine Störung des Bewusstseins sollte ebenfalls untersucht werden.

Bei einer Ausfallerscheinung muss ein Notarzt gerufen werden. Taubheitsgefühle auf der Haut oder Sensibilitätsstörungen müssen ärztlich abgeklärt werden. Treten die Empfindungsstörungen an den Extremitäten auf oder kommt es zu Gangunsicherheiten sowie Problemen der Mobilität, ist ein Arzt aufzusuchen. Bei einem erhöhten Stresserleben, einer Abnahme der gewohnten Leistung oder Problemen der Konzentration ist ein Arzt zu konsultieren. Weitere Untersuchungen sind notwendig, damit eine Ursache gefunden werden kann.

Behandlung & Therapie

Bestätigt sich der Verdacht auf eine heparininduzierte Thrombozytopenie, ist eine rasche medizinische Behandlung notwendig. So kann es erforderlich sein, nicht sämtliche Laboruntersuchungen bis zum Therapiebeginn abzuwarten, um wertvolle Zeit zu gewinnen. Wichtigster Bestandteil der Therapie ist das Absetzen des Heparins sowie das Verabreichen eines anderen Medikaments mit ähnlicher Wirkung.

Dabei handelt es sich zumeist um den Arzneistoff Argatroban. Dieser senkt die Blutgerinnung, löst jedoch keine Thrombozytopenie aus. Weitere Arzneimittel, die infrage kommen, sind Lepirudin und Danaproid. Außerdem darf auch auf anderem Wege kein Heparin in den Organismus des Patienten gelangen. So kann das Mittel auch in Spülungen, Salben oder Kathetern vorkommen.

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Vorbeugung

Um einer heparininduzierten Thrombozytopenie vorzubeugen, besteht die Möglichkeit, anstelle von konventionellem Heparin niedermolekulares Heparin zu verabreichen. Auf diese Weise wird das HIT-Risiko deutlich reduziert. Außerdem sollte die Therapiedauer so kurz wie möglich ausfallen.

Bücher über HIT & Blut & Blutwerte

Quellen

  • Gesenhues, S., Zisché, R.H., Breetholt, A. (Hrsg.): Praxisleitfaden Allgemeinmedizin. Urban & Fischer, München 2013
  • Herold, G.: Innere Medizin. Selbstverlag, Köln 2016
  • I care Krankheitslehre. Thieme, Stuttgart 2015

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