Heparin

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 29. November 2016
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Heparin als Gerinnungshemmer ist aus der heutigen Medizin nicht mehr wegzudenken: Egal, ob in der Behandlung akut lebensbedrohlicher Ereignisse wie eines Herzinfarktes oder einer Lungenembolie, oder als prophylaktische Gabe zur Verhinderung einer Thrombose im Rahmen von Operationen oder längeren Flugreisen, Heparin und seine verschiedenen Abkömmlinge wie Mono-Embolex oder Clexane sind überall wichtiger Grundbaustein ärztlichen Handelns. Dabei handelt es sich beim Heparin eigentlich um eine körpereigene Substanz.

Inhaltsverzeichnis

Was ist Heparin?

Heparin ist eine in der Pharmakologie als Medikament genutzte Substanz, die in die Blutgerinnung eingreift und diese hemmt. Daher wird Heparin auch als Blutverdünner bezeichnet.

Chemisch gesehen handelt es sich beim Heparin um ein Glukosaminoglykan, also eine Kette aus Aminozuckern, welche natürlicherweise in Gewebsmastzellen des Menschen und der Tiere vorkommt.

Gewonnen wird natürliches Heparin daher ursprünglich vor allem aus der Dünndarmschleimhaut von Schweinen, welche besonders reich an diesem Stoff ist.

Pharmakologische Wirkung

Aufgrund der eher kurzfristigen Wirkung des Heparin wird das Medikament vor allem in akuten Notfallsituationen oder kurzzeitig im Krankenhaus gegeben, und nicht als Dauertherapie (wie dies bei anderen "Blutverdünnern" wie Marcumar® oder Aspirin® der Fall ist).

Man kann die Substanz in die Vene geben (intravenös), wo sie sofort ihre Wirkung entfaltet, oder auch per Spritze ins Unterhautfettgewebe, von wo sie dann langsam und kontinuierlich über einen längeren Zeitraum und niedriger dosiert in den Organismus gelangt.

Die pharmakologische Wirkung beruht auf einem Eingriff in den natürlichen Gerinnungsvorgangs des Blutes: Diverse Gerinnungsfaktoren schwimmen täglich in unserem Blut umher und verklumpen auf bestimmte Reize hin zusammen mit den Blutplättchen (Thrombozyten), wodurch Wunden gestopft werden, aber auch Notfälle wie Thrombosen, Schlaganfälle oder Herzinfarkte entstehen. Kontrolliert wird diese Gerinnungsaktivität beim gesunden Menschen durch Gegenspielersubstanzen wie das Antithrombin III, welches die ständig spontan koagulierenden Gerinnungsfaktoren wieder auflöst und so übermäßige Blutgerinnung und damit Infarkte und Thrombosen verhindern kann.

Heparin wird vom Körper selbst in kritischen Situationen freigesetzt, um Antithrombin III zu aktivieren und dessen Bindungskraft an die Gerinnungsfaktoren etwa hundertfach zu verstärken. Gewinnt man nun Heparin aus Schweinedarm oder Rinderlungen und bereitet es chemisch auf, so kann man es dem Menschen zuführen und dessen Blutgerinnung damit wirksam unterdrücken.

Viele andere Vertreter aus der Gruppe der Heparinoide werden heute auch synthetisch hergestellt und pharmakologisch verändert, um sie länger wirksam oder weniger allergen zu machen.

Medizinische Anwendung & Verwendung

Heparin als Gerinnungshemmer ist aus der heutigen Medizin nicht mehr wegzudenken.

Das Anwendungsgebiet der Heparine ist weit und über das gesamte Spektrum der Medizin verbreitet: So kann beispielsweise die Spritze ins Unterhautfettgewebe bei langen Flug- oder Busreisen genutzt werden, um die Gefahr einer Thrombose herabzusetzen.

Dasselbe machen die Schwestern und Pfleger im Krankenhaus bei längeren Liegezeiten oder vor und nach Operationen. Auch nach Verletzungen der Beine, wenn beispielsweise längere Zeit ein Gips oder eine Schiene getragen werden muss, ist es sinnvoll, die Blutgerinnung kurzfristig durch die tägliche Gabe eines Heparins zu unterdrücken. Hier kommen meist keine ursprünglichen Heparine zum Einsatz, sondern abgewandelte Substanzen mit derselben Wirkung aber besseren pharmakologischen Bedingungen und weniger Nebenwirkungen.

Klassisches Heparin wird aber auch immer noch verwendet: In der Akuttherapie von Herzinfarkt, Darminfarkt, Lungenembolie, Beinvenenthrombose und Schlaganfall wird Heparin in hohen Dosierungen intravenös verabreicht, um das bestehende Blutgerinnsel aufzulösen oder zumindest nicht noch größer werden zu lassen und damit Schlimmeres zu verhindern. Eine definitive Therapie, beispielsweise mittels Herzkatheteruntersuchung, schließt sich jedoch meistens an.

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Risiken & Nebenwirkungen

Heparin ist, da es sich um eine körpereigene Substanz handelt, im Prinzip recht nebenwirkungsarm. Das Hauptproblem leitet sich daher auch aus der Wirkung der Substanz ab:

Durch die Hemmung der Blutgerinnung steigt die Gefahr von Blutungen, Wunden heilen schlechter, es kann sogar zu lebensgefährlichen inneren Blutungen wie Hirnblutungen kommen. Daher dürfen frisch operierte Patienten, Menschen mit offenen Wunden oder Magengeschwüren, mit starkem Bluthochdruck oder bekannten Gerinnungsleiden oft kein Heparin bekommen. Niedrigere Dosierungen oder verwandte Substanzen wie die Heparinoide sind hier manchmal eine Ausweichmöglichkeit. Die Gabe von Heparin ist letztlich immer eine Abwägung zwischen Risiko der Grunderkrankung und Risiko einer Blutungsnebenwirkung.

Des Weiteren kann es zu allergischen Reaktionen oder Haarausfall kommen, auch Osteoporose als Nebenwirkung einer langfristigen Heparintherapie ist beschrieben. Im Krankenhaus gefürchtet ist das Auftreten einer sogenannten Heparin-induzierten Thrombozytopenie (HIT), also eines Mangels an Blutplättchen durch die Heparingabe. Die tägliche Überwachung der Blutwerte ist daher bei hochdosierter Heparintherapie unbedingt notwendig.

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