HELLP-Syndrom

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 12. November 2017
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Bei dem HELLP-Syndrom handelt es sich um eine schwere Komplikation im Verlauf der Schwangerschaft. Es kann lebensgefährliche Folgen für Mutter und Kind haben.

Inhaltsverzeichnis

Was ist das HELLP-Syndrom?

Das HELLP-Syndrom zählt zu den hypertensiven Störungen und tritt während der Schwangerschaft auf. Der Begriff HELLP-Syndrom setzt sich aus den englischen Begriffen der drei Hauptsymptome zusammen: Dies sind H für Hemolysis (Hämolyse), EL für Elevated Liver Enzymes (Erhöhung der Leberwerte) und LP für Low Platelets. Damit ist eine zu niedrige Anzahl an Thrombozyten (Blutplättchen) gemeint.

Bei dem HELLP-Syndrom handelt es sich um eine schwerwiegende Präeklampsie-Form. Zu dieser Erkrankung, die auch als Schwangerschaftsvergiftung oder Gestose bekannt ist, kommt es ausschließlich während der Schwangerschaft. Bemerkbar macht sich die Schwangerschaftskomplikation durch Störungen der Blutgerinnung sowie der Leberfunktion und Bluthochdruck. Außerdem zeigen sich im Urin erhöhte Eiweißwerte.

Ursachen

Nach wie vor unklar sind die auslösenden Ursachen des HELLP-Syndroms. Als gesicherte Erkenntnis gilt lediglich ein Zusammenhang mit Abläufen in der Plazenta. So wird von dort aus ein Signal abgegeben, das eine Blutdruckerhöhung der betroffenen Frau zur Folge hat. In manchen Fällen kann dies die Nieren in Mitleidenschaft ziehen. Außerdem scheinen bestimmte Krankheiten beim Entstehen des HELLP-Syndroms eine wichtige Rolle zu spielen.

Dies sind in erster Linie Hepatitis, Störungen des Immunsystems und chronischer Bluthochdruck. Außerdem können sich eine Neigung zu Blutgerinnseln sowie genetische Faktoren negativ auswirken. Nach einer weiteren Annahme ist ein hormonelles Ungleichgewicht für das HELLP-Syndrom verantwortlich. Anteil daran haben Prostaglandin E und Thromboxan A. Diese Hormone, die zu den Prostaglandinen zählen, stellen Gewebehormone dar, die prinzipiell in sämtlichen Körperzellen entstehen.

Während Prostaglandin E die Blutgefäße erweitert und sich hemmend auf die Blutgerinnung auswirkt, sorgt Thromboxan A für die Verengung der Blutgefäße sowie die Förderung der Blutgerinnung. Kommt es zu einer Störung des Verhältnisses beider Hormone untereinander, hat dies negative Veränderungen der Blutgerinnung zur Folge.

Symptome, Beschwerden & Anzeichen

Schon in einem knappen Zeitraum von wenigen Stunden kann es beim HELLP-Syndrom zum Auftreten von Symptomen kommen. Als erste Hinweise auf die Erkrankung gelten das Anschwellen des Gesichts und der Gliedmaßen, starke Schmerzen im rechten Oberbauch, die besonders bei Berührungen heftig sind, Sehstörungen, Übelkeit, Erbrechen sowie ein allgemeines Krankheitsgefühl, welches rasant zunimmt. Darüber hinaus wird im Urin verstärkt Eiweiß ausgeschieden.

Ferner erhöht sich der Blutdruck der Schwangeren auf Werte von über 190/110 mmHg. Allerdings treten oftmals einige Symptome nur schwach auf oder kommen überhaupt nicht vor. Problematischerweise sind Schwellungen, Übelkeit und Erbrechen in der Schwangerschaft weit verbreitet, sodass sie keinen konkreten Aufschluss geben. Im schlimmsten Fall können die Symptome des HELLP-Syndroms jedoch lebensgefährliche Auswirkungen auf Mutter und Kind haben. In der Regel entwickelt sich das HELLP-Syndrom im letzten Drittel der Schwangerschaft. Zumeist zeigt es sich während der 34. Schwangerschaftswoche (SSW).

Diagnose & Krankheitsverlauf

Besteht Verdacht auf das HELLP-Syndrom, muss so rasch wie möglich eine Diagnose erfolgen. Aus diesem Grund findet die umgehende Einweisung der betroffenen Schwangeren in ein Krankenhaus statt. Dort stellt der behandelnde Arzt zunächst die Krankengeschichte der Patientin fest. Wichtig sind dabei bestehende Vorerkrankungen wie Diabetes mellitus, chronischer Bluthochdruck, Nierenkrankheiten und Vorbelastungen innerhalb der Familie.

Gewissheit auf das Vorhandensein des HELLP-Syndroms lässt sich nur durch Laboruntersuchungen verschaffen. Im Rahmen der Diagnostik erfolgt das Ermitteln der Blutgerinnungsparameter und der Leberwerte. Darüber hinaus finden verschiedene Untersuchungen statt, die den Verlauf der Erkrankung kontrollieren, wie eine Sonographie (Ultraschalluntersuchung) der Gebärmutter.

Der Krankheitsverlauf des HELLP-Syndroms gilt als bedenklich. Schreitet die Hämolyse voran, besteht die Gefahr einer massiven Blutarmut. Ebenso sind innere Blutungen im Bereich des Möglichen. Je länger das HELLP-Syndrom anhält, desto größer wird die Gefahr einer Schädigung der Leberzellen. Besonders gefährliche Komplikationen sind das Ablösen der Plazenta sowie akutes Nierenversagen.

Komplikationen

Durch das HELLP-Syndrom kann es zu schwerwiegenden Komplikationen und Beschwerden für das Kind und für die Mutter während der Schwangerschaft kommen. Im schlimmsten Falle versterben sowohl die Mutter als auch das Kind. Dabei kommt es in erster Linie zu einem allgemeinen Krankheitsgefühl der Mutter, wobei das Gesicht stark anschwillt. Es treten weiterhin Sehstörungen und Erbrechen mit einer Übelkeit auf.

Diese Beschwerden verringern extrem die Lebensqualität der Patientin. Im Oberbauch kommt es zu extrem Schmerzen, die vor allem bei Berührungen auftreten. In vielen Fällen wird das HELLP-Syndrom erst spät diagnostiziert, da die Beschwerden und Symptome nicht eindeutig für diese Krankheit sind. Ohne Behandlung kann sich das Syndrom allerdings sehr negativ auf die Gesundheit des Kindes auswirken. Dabei können weiterhin innere Blutungen und ein Nierenversagen auftreten. In diesem Falle ist die Betroffene auf eine Dialyse angewiesen.

In der Regel ist keine Behandlung des HELLP-Syndroms möglich. Die Geburt muss aus diesem Grund früher durchgeführt werden, was in den meisten Fällen zu Beschwerden und Komplikationen führt. Dabei ist keine allgemeine Voraussage über den Erfolg der Geburt möglich. Eventuell kommt das Kind nicht vollends gesund auf die Welt.

Wann sollte man zum Arzt gehen?

Da das HELLP-Syndrom im schlimmsten Fall sowohl zum Tod der Mutter als auch zum Tod des Kindes führen kann, sollte immer eine ärztliche Behandlung und Untersuchung durchgeführt werden. In der Regel ist dann ein Arzt aufzusuchen, wenn das Gesicht der Schwangeren stark anschwillt oder wenn es zu starken Schmerzen im oberen Bereich des Bauches kommt. Weiterhin können auch Sehstörungen oder Übelkeit mit Erbrechen auf das HELLP-Syndrom hindeuten und sollten von einem Mediziner untersucht werden.

Da diese Beschwerden in der Schwangerschaft auch ohne HELLP-Syndrom auftreten können, ist bei deren Auftreten eine Untersuchung trotzdem empfehlenswert. Auch ein hoher Blutdruck kann auf diese Beschwerde hindeuten. In erster Linie sollte die Schwangere einen Frauenarzt aufsuchen. Dieser kann das HELLP-Syndrom feststellen. In akuten Notfällen oder bei sehr starken Beschwerden ist allerdings das Krankenhaus aufzusuchen oder der Notarzt zu rufen. Eine frühzeitige Diagnose und Behandlung kann das Leben des Kindes und der Mutter retten.

Therapie & Behandlung

Die Therapie des HELLP-Syndroms hängt davon ab, zu welchem Zeitpunkt die Erkrankung auftritt. Zeigt sie sich nach der 34. Schwangerschaftswoche, muss die Geburt des Kindes eingeleitet werden. Tritt das Syndrom dagegen vor der 32. Schwangerschaftswoche auf, verzögern die Ärzte den Geburtsvorgang so lange wie möglich. Dies ist zur Ausreifung der Kindeslungen dringend erforderlich. Mithilfe von Medikamenten sollen Blutgerinnung und Blutdruck der Mutter stabilisiert werden.

Wichtig ist eine kontrollierte Absenkung des Blutdrucks, um Schäden an der Plazenta zu verhindern. Aus diesem Grund wird stets eine CTG-Kontrolle vorgenommen, bei der ein spezieller Wehenschreiber einerseits die Wehen der Mutter und andererseits die Herzaktivitäten des Kindes überprüft. Eine verzögerte Entbindung ist aber nur dann durchführbar, wenn sich die Blutgerinnungswerte, Blutdruck und Leberwerte wieder normalisiert haben. Je später die Geburt eingeleitet werden kann, desto höher sind die Überlebenschancen des Kindes.

Zur Unterstützung der Lungenreifung erhält das Kind zusätzlich Kortison- oder kortisonartige Präparate. Um im Notfall ein rasches Eingreifen ermöglichen zu können, werden Mutter und Kind rund um die Uhr überwacht. Handelt es sich nur um eine leichte Ausprägung des HELLP-Syndroms, kann mitunter auch abgewartet werden, ohne die Geburt einzuleiten. Wichtig sind jedoch strenge Kontrollen des Blutdrucks und der Blutwerte der Mutter.

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Vorbeugung

Um das HELLP-Syndrom rechtzeitig erkennen und entsprechend behandeln zu können, sollte konsequent Schwangerenvorsorge betrieben werden. Diese erfolgt durch das regelmäßige Messen des Blutdrucks, das Kontrollieren der Urinausscheidung, sowie eine Untersuchung der Nieren- und Leberfunktionen.

Das können Sie selbst tun

Das HELLP-Syndrom stellt immer einen medizinischen Notfall dar, der einer umgehenden ärztlichen Behandlung bedarf. Beim Verdacht einer Vergiftung ist sofort ein Krankenhaus aufzusuchen, da sowohl für die Mutter als auch das Kind eine konkrete Lebensgefahr besteht. Von einer eigenständigen Behandlung fernab der Schulmedizin ist zwingend abzuraten. Andernfalls droht eine unnötige Verschärfung der Situation, die zu unumkehrbaren Gesundheitsschäden führen kann.

In der Mehrzahl der Fälle kann das Leben von Mutter und Kind nur gerettet werden, indem das Baby per Kaiserschnitt zur Welt gebracht wird. Allerdings führt dies noch nicht zu einer Unterbrechung des HELLP-Syndroms. Häufig stellt sich der Höhepunkt erst nach der Einleitung der Geburt ein. Umso größerer ist die Bedeutung einer umfassenden Nachsorge.

Dabei ist neben der physischen Versorgung von Mutter und Kind auch eine mentale Betreuung in Betracht zu ziehen. Denn häufig zeigen sich auch Jahre später noch psychische Nachwirkungen bei der betroffenen Frau. Psychotherapeutische Begleitung hilft dabei, das traumatische Erlebnis zu verarbeiten, Langzeitbeeinträchtigungen zu vermeiden und den Alltag zu bewältigen.

Bücher über das HELLP-Syndrom & Schwangerschaftserkrankungen

Quellen

  • Beckermann, M.J.: Frauenheilkunde und Geburtshilfe. Schwabe, Basel 2004
  • Feige, A., Rempen, A., Würfel, W., Jawny, J., Rohde, A. (Hrsg.): Frauenheilkunde – Fortpflanzungsmedizin, Geburtsmedizin, Onkologie, Psychosomatik. Urban & Fischer, München 2005
  • Rath, W., Gembruch, U., Schmidt, S. (Hrsg.): Geburtshilfe und Perinatologie: Pränataldiagnostik - Erkrankungen - Entbindung. Thieme, Stuttgart 2010

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