Vorzeitige Plazentalösung

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 19. Juli 2017
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Bei einer vorzeitigen Plazentaablösung (Abruptio placentae) handelt es sich um eine sehr schwere Komplikation während der Schwangerschaft, durch die das Leben und die Gesundheit des ungeborenen Kindes sowie auch der Mutter akut gefährdet werden.

Inhaltsverzeichnis

Was ist eine vorzeitige Plazentalösung?

In aller Regel erfolgt beim erkannten Auftreten einer vorzeitigen Plazentaablösung die schnellstmögliche Einleitung eines Kaiserschnitts, sofern das Kind bereits lebensfähig sein sollte. Zu einer vorzeitigen Plazentaablösung kommt es statistisch betrachtet bei unter einem Prozent aller natürlichen Schwangerschaften.

Zu einer vorzeitigen Plazentaablösung kommt es, wenn sich der sogenannte Mutterkuchen - der der Versorgung des ungeborenen Kindes mit Nährstoffen dient - bereits vor der Geburt des Kindes entweder teilweise oder aber vollständig von der Gebärmutter löst.

Durch die Ablösung treten in Folge uterine Blutungen ein, d.h. Blutungen in der Gebärmutter. Diese wiederum führen - wenn sie denn unbehandelt bleiben - zu einem Schock durch Blutverlust (Hämorrhagischer Schock) bei der Mutter sowie zu einer akuten Unterversorgung des ungeborenen Kindes mit Sauerstoff (Hypoxie) bis hin zum Tod des Kindes durch Sauerstoffmangel.

Ursachen

Die Ursache für eine vorzeitige Plazentaablösung kann beispielsweise ein sehr heftiger Stoß oder Schlag in die Bauchgegend sein, der etwa im Rahmen eines Treppensturzes oder eines Autounfalls erlitten wird.

Auch ein vorzeitiger Blasensprung - d.h. ein verfrühtes Platzen der Fruchtblase noch vor Beginn der Geburtswehen - kann eine vorzeitige Plazentaablösung verursachen. Als begünstigender Faktor gilt Bluthochdruck (Hypertonie), weshalb schwangere Frauen, die unter Bluthochdruck leiden, einem erhöhten Risiko (auch anderer Komplikationen) ausgesetzt sind.

Die Wahrscheinlichkeit einer vorzeitigen Plazentaablösung nimmt mit der Zahl der vorangegangenen Schwangerschaften zu, d.h. das personenbezogene Risiko steigt - statistisch betrachtet - mit jedem weiteren Kind.

Typische Symptome & Anzeichen

Diagnosedaten & Häufigkeit

Relative Häufigkeit je 100.000 Einwohner pro Bundesland (ICD-10: O45 Vorzeitige Plazentalösung (Abruptio placentae)) (2012)
Quelle: GBE des Bundes (Diagnosedaten der Krankenhäuser)

Diagnose & Krankheitsverlauf

Eine vorzeitige Plazentaablösung ist fast immer mit plötzlich auftretenden, starken Schmerzen im Unterleib verbunden und geht häufig mit starken Blutungen, erheblichem Herzrasen und schweren Kreislaufproblemen einher.

Dass ein Problem vorliegt, wird daher in der Regel sofort bemerkt, so dass es in fast allen Fällen vorzeitiger Plazentaablösung zu einer schnellen Erstversorgung im Krankenhaus kommt. Die gesicherte Diagnose wird dort entweder auf Basis einer Ultraschalluntersuchung oder aber einer Gerinnungsuntersuchung (des Blutes der Mutter) erstellt.

Eine vorzeitige Plazentaablösung gefährdet sowohl das Leben des ungeborenen Kindes als auch das Leben der Mutter - während etwa ein Prozent der betroffenen Mütter ihr Leben verliert, liegt die Wahrscheinlichkeit für den Verlust des Kindes in Abhängigkeit von Schwangerschaftswoche und Kindsgewicht zwischen 10% und 50%.

Damit ist die vorzeitige Plazentaablösung zwar eine sehr seltene Schwangerschaftskomplikation, weist dafür jedoch die höchste Mortalitätsrate aller gängigen Komplikationen während der Schwangerschaft auf.

Behandlung & Therapie

Wie eingangs bereits dargestellt, wird im Falle eines bereits lebensfähigen Kinds bei gesicherter Diagnose fast immer ein sofortiger Kaiserschnitt durchgeführt, bei dem das Kind auf operativem Wege aus der Gebärmutter entfernt wird.

Ist das Kind dagegen noch nicht lebensfähig, d.h. tritt die vorzeitige Plazentaablösung noch vor dem Ende der 34. Schwangerschaftswoche oder bei verzögerter Fetalentwicklung ein, so kann versucht werden die Wehentätigkeit medikamentös zu verringern, um damit den erforderlichen Kaiserschnitt so lange hinauszuzögern, bis das ungeborene Kind die Lebensfähigkeit (insbesondere im Hinblick auf die Lungenreife) erreicht hat.

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Vorbeugung

Die Möglichkeiten der Vorbeugung einer vorzeitigen Plazentaablösung sind gering. Als wesentlicher beeinflussbarer Risikofaktor gilt - wie bereits erwähnt - das Vorliegen von Bluthochdruck bei der Mutter. Dieser kann - wenn das Problem bekannt sein sollte - im Vorfeld einer Schwangerschaft entweder medikamentös oder konventionell (Reduktion des Körpergewichts, Umstellung der Ernährung, gezielte körperliche Aktivitäten) behandelt werden.

Darüber hinaus steigt das Risiko einer vorzeitigen Plazentaablösung mit der Anzahl der vorherigen Schwangerschaften, weshalb gefährdeten Müttern gelegentlich auch geraten wird, auf eine weitere Schwangerschaft zu verzichten.

Weiterhin sollte während der Schwangerschaft - allerdings auch aus anderen gesundheitlichen Gründen - auf die Ausübung körperlich belastender oder gefährlicher Tätigkeiten soweit wie möglich verzichtet werden, in deren Rahmen es zu einem Trauma in der Bauchgegend und damit zur Auslösung einer vorzeitigen Plazentaablösung kommen könnte.

Bücher über Geburt & Entbindung

Quellen

  • Feige, A., Rempen, A., Würfel, W., Jawny, J., Rohde, A. (Hrsg.): Frauenheilkunde – Fortpflanzungsmedizin, Geburtsmedizin, Onkologie, Psychosomatik. Urban & Fischer, München 2005
  • Stauber, M., Weyerstrahl, T.: Gynäkologie und Geburtshilfe. Thieme, Stuttgart 2013
  • Stiefel, A., Geist, C., Harder, U.: Hebammenkunde: Lehrbuch für Schwangerschaft, Geburt, Wochenbett und Beruf. Hippokrates, Stuttgart 2012

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