Actinomyces

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 31. Oktober 2016
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Actinomyces sind stäbchenförmige Bakterien aus der Ordnung der Actinomycetales, die aufgrund ihres charakteristischen Aussehens unter dem Mikroskop auch Strahlenpilze genannt werden. Die Bakterien besiedeln bevorzugt Wirbeltiere und treten entweder parasitär oder als Kommensale in Erscheinung. Eine Infektion führt zu einer Aktinomykose von Mundhöhle und teils Lunge oder Leber.

Inhaltsverzeichnis

Was sind Actinomyces?

Actinomyzetaceae bilden eine Familie innerhalb der Bakterien-Ordnung Actinomycetales, die fünf Untergattungen enthält. Die Actinomyces sind eine Gattung dieser Familie. Sie enthalten die meisten Spezies innerhalb der Actinomyzetaceae. Alle Actinomycetaceae bestehen charakteristischerweise aus langgestreckt verzweigten Zellen und besitzen grampositive Eigenschaften.

Actinomyces besitzen eine leicht gekrümmte bis gerade Stäbchenform und zählen damit zu den Stäbchenbakterien. Der Durchmesser der Zellen liegt zwischen 0,2 und 3,0 µm. Obwohl die Länge variieren kann, sind die meisten Vertreter der Gattung eher langfädig und erreichen Längen von mehr als 50 µm. Zum Teil bilden sie auch klein verzweigte Myzelien. Zur aktiven Bewegung sind die Bakterien nicht in der Lage.

Es gibt zahlreiche Vertreter innerhalb der Bakteriengattung Actinomyces. Humanpathogen sind zum Beispiel die Spezies Actinomyces israelii, naeslundii, viscosus und odontolyticus oder Actinomyces meyeri und pyogenes. Zu den mit ihnen assoziierten Erkrankungen zählen neben der Aktinomykose unter anderem eitrige Entzündungen.

Aufgrund ihres mikroskopischen Aussehens und ihrer radiär-filamentösen Verzweigungen erinnern die Bakterien der Gattung Actinomyces zuweilen an Pilze. In diesem Zusammenhang wurde die deskriptive Gattungsbezeichnung Strahlenpilz eingeführt.

Vorkommen, Verbreitung & Eigenschaften

Aktinomyzeten sind zu einem Großteil anaerob. Sie benötigen für ihren Stoffwechsel und das Überleben also keinen Sauerstoff. Während Sauerstoff für einige anaerobe Lebensformen giftig ist, gilt das für die Actinomyces nicht. Viele der Arten sind fakultativ aerob und können damit auch Sauerstoff für den Stoffwechsel verwenden. Nur wenige Actinomyces besitzen Enzyme der Katalase. Eine hohe CO2- oder HCO3−Konzentration im Nährmedium ermöglicht den meisten Aktinomyzeten das Wachstum unter aeroben Bedingungen.

Fast alle Aktinomyzeten sind zum Wachstum auf ein komplexes Angebot aus Nährstoffen angewiesen. Ihr Energiestoffwechselweg entspricht in den meisten Fällen einem fermentativen Energiestoffwechsel. Kohlenhydrate werden in dieser Energiestoffwechselart zu organischen Säuren verwertet.

Der bevorzugte Lebensraum der meisten Arten entspricht warmblütigen Wirbeltieren, die von den Bakterien als Pathogene oder als Kommensale besiedelt werden. Ein Kommensale ist ein Lebewesen, das von Nahrungsrückständen und Abfallprodukten eines Wirtsorganismus lebt und das Wirtslebewesen daher nicht schädigt. Das Gegenteil ist die klassisch parasitäre Besiedelung, die den Wirt um Substanzen beraubt, die er selbst zum Überleben benötigt. Parasitäre Besiedelungen schädigen den Wirt dementsprechend und sind als pathogen zu klassifizieren. Zu den parasitär pathogenen Besiedelungen im Zusammenhang mit den Actinomyces zählt vor allem die Infektion mit der Spezies Actinomyces israelii.

Für das Wachstum von Actinomyces gilt ein Temperaturoptimum zwischen 30 bis 37 Grad Celsius. Lebewesen mit konstanter Körpertemperatur in diesem Temperaturbereich bieten den Bakterien aus diesem Grund das mitunter beste Niveau. Bakterien aus der Gattung Actinomyces betreiben vor allem Zerfall zur Vermehrung. Dieser Zerfall entspricht einer Segmentation in kurze Zellen. Endosporenbildung betreiben die Bakterien nicht.

Actinomyces besitzen aufgrund ihres von einem Punkt ausgehenden Wachstums eine strahlige Hyphen-Struktur und wurden aufgrund dieses Aussehens in der Vergangenheit mit Pilzen verwechselt, bevor sie als Bakterien eingestuft wurden. Die Bakterien werden nicht ausschließlich artspezifisch übertragen, sondern sind von einer Art auf eine andere übertragbar. Diese Übertragung wird als Zoonose bezeichnet. Da die Bakterien bevorzugt den Magen-Darm-Trakt und die Mundhöhle von Tieren besiedeln, handelt es sich bei der Übertragung auf den Menschen genauer gesagt um eine Zooanthroponose. Im Körper des Wirts können einige Arten der Acitomyces hämatogene Streuung betreiben und so über das Blut die Lunge oder die Leber erreichen. Diese Verbreitung der Bakterien ist allerdings eine eher seltene Form.

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Krankheiten & Beschwerden

Actinomyces können verschiedene Krankheiten verursachen. In den meisten Fällen handelt es sich bei den Erkrankungen um Mischinfektionen durch mikroaerophile, fakultativ anaerobe oder anaerobe Keime, die anaerobe Milieu-Zustände erzeugen. Da die anaeroben Bakterien auf anaerobe Milieus angewiesen sind, schaffen sie dementsprechend das erforderliche Milieu. In diesem Zusammenhang entstehen im Rahmen der Aktinomykose Eiterblasen, die in den meisten Fällen mit der Ausbildung von Fisteln vergesellschaftet sind. Die Abszesse geben schwefelgelbe Drusen ab.

Die Aktinomykose ist eine Pseudomykose, die vor allem mit Abszessen in der Mundhöhle, der Lunge und des Gastrointestinaltrakts assoziiert ist. Im Rahmen von Aktinomkyosen breiten sich die Eiteransammlungen meist schnelle auf das umliegende Gewebe aus. Die Ansammlungen sind von Bindegewebe oder Granulationsgewebe mit derber Konsistenz umgeben. Neben den Abszessbildungen können Aktinomyzeten auch Karies oder Parodontitis bedingen.

Die Aktinomykse wird in verschiedene Formen unterschieden. Die zervikofaziale Form ist die relevanteste und wird vorwiegend durch Actinomyces israelii verursacht. Der Infektion liegt häufig eine Verletzung innerhalb der Mundhöhle zugrunde, sodass von einer endogenen Infektion die Rede sein kann. Von dieser Form zu unterscheiden ist die thorakale Aktinomykose, die im Rahmen von Speichelaspiration aus einer zervikofazialen Aktinomykose entstehen kann. Bei der abdominalen Aktinomykose gelten Verletzungen des Darms oder des weiblichen Genitalbereichs als Ursprung. Die kutane Aktinomykose tritt nach Verletzungen mit Speichelübertragung auf. In seltenen Fällen ist auch die Leber von der Infektion betroffen. Noch seltener, aber möglich, ist eine Besiedelung der Tränenkanäle.

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