Aktinomykose

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 1. August 2017
Startseite » Krankheiten » Aktinomykose

Die Aktinomykose ist eine bakterielle Infektion, die zur Abszessbildung in tieferen Geweben führt. Die Ursache der Infektion sind Bakterien der Art Aktinomyces. Zur Therapie der Erkrankung erfolgt eine medikamentöse und zum Teil chirurgische Intervention.

Inhaltsverzeichnis

Was ist eine Aktinomykose?

Bei Aktinomyzeten handelt es sich um Stäbchenbakterien mit grampositivem Färbeverhalten. Die Anaerobier bilden keine Sporen und besitzen mikroskopisches Aussehen mit radiär-filamentösen Verzweigungen. Es gibt zahlreiche Spezies der Actinomyces. Einige der humanpathogen Arten erregen die sogenannte Aktinomykose. Aktinomkyosen sind durch Abszessbildung gekennzeichnet.

Die Eiteransammlungen in den Geweben greifen auf das umliegende Gewebe über und werden von Binde- und Granulationsgewebe gerahmt. Deutschlandweit ist die Erkrankung auch als Strahlenpilz bekannt. Durch Fistelbildung gelangen die bakteriellen Erreger ins Blutsystem, sodass eine kurzweilige oder bei immundefiziten Patienten eine dauerhafte Bakteriämie eintritt.

Als Komplikation der Bakteriämie gilt die Sepsis, die einer systemischen Entzündungsreaktion im Sinne einer Blutvergiftung entspricht und im Rahmen eines septischen Schocks lebensbedrohliche Ausmaße annehmen kann. Zu den Aktinomykosen zählen neben der zerviko-fazialen, der thorakalen und der abdominalen Aktinomykose auch die kutane Aktinomykose und verschiedene Sonderformen, die alle von Actinomyces hervorgerufen werden.

Ursachen

Die Ursache einer Aktinomykose ist eine bakteriell anaerob aerobe Mischinfektion mit Actinomyces. Vorwiegend wird die Infektion durch die Spezies Actinomyces israelii verursacht, aber auch Actinomyces naeslundii, viscosus und odontolyticus sind mögliche Erreger. Die Spezies Actinomyces viscosus kann beispielsweise den weiblichen Urogenitaltrakt besiedeln. Actinomyces israelii zählen wiederum zur normalen Mundflora des Menschen und bringen dort ein Dasein als Kommensale zu.

Wenn die Mundschleimhaut verletzt wird, dringen die Bakterien in tiefere Gewebe vor. In diesen tieferen Schichten rufen sie eitrige Entzündungen hervor, die mit der Bildung von Granulationsgewebe und gangartigen Fisteln einhergehen. Das Auftreten einer Aktinomykose im zentralen Nervensystem ist eher selten. Dasselbe gilt für das Auftreten in der Lunge, das nur durch die Aspiration der Bakterien stattfinden kann.

Auch auf der Haut wird die Erkrankung seltener beobachtet als im Halsbereich. Im Grunde genommen kann jegliches Eindringen der Bakterien aus der Mundflora in tiefere Gewebe eine Aktinomykose zur Folge haben. Das heißt, dass nicht nur Entzündungen, sondern auch Fisteln die Erkrankung begünstigen können. Nichtsdestotrotz gelten invasive Zahnbehandlungen als häufigster Auslöser der Aktinomykose.

Symptome, Beschwerden & Anzeichen

Die Aktinomykose ist eine bakterielle Infektion, die zur Abszessbildung in tieferen Geweben führt. Die Ursache der Infektion sind Bakterien der Art Aktinomyces.

Patienten mit Aktinomykose sind von Abszessbildung betroffen, deren Eiteransammlungen sich auf das umliegende Gewebe erweitern und in Binde- und Granulationsgewebe liegen. Das besiedelte Gewebe ist von derber Konsistenz, wobei der Eiter aus entzündlich eingeschmolzenen Zellen, Immunbestandteilen und Bakterien besteht.

Entlang der anatomischen Spalträume können sich Abszesse weiter ausbreiten und damit die Vermehrung der Erreger unterstützen.

  • Bei der zerviko-fazialen Aktinomykose und damit der häufigsten Form der Erkrankung dringen Bakterien der Art Actinomyces israelii durch eine Verletzung im Mund in tiefere Gewebe ein und verursachen eine endogene Infektion.
  • Eine thorakale Aktinomykose kann durch Speichelaspiration entstehen, wird durch eine um sich greifend zerviko-faziale Aktinomykose verursacht oder entsteht durch eine Streuung der Bakterien im Blut. Bei dieser Form ist der Bereich des Brustkorbs und der Lungen von den Abszessen betroffen.
  • Die Abszesse der abdominalen Aktinomykose betreffen die Bauchorgane und entstehen bei Darmverletzungen oder beginnen im weiblichen Genitalbereich. Abszesse der Haut treten bei der kutanen Variante auf, die nach Verletzungen mit Speichelübertragung entsteht. Bei einigen Sonderformen der Erkrankung sind die Leber und die Tränenkanäle von der Abszessbildung betroffen, was meist auf die Streuung der Bakterien im Blut zurückzuführen ist.

Die Infektion kann mit allgemeinen Infektionsanzeichen wie Abgeschlagenheit, Fieber und Schüttelfrost einhergehen. Bei Beteiligung des zentralen Nervensystems können die Abszesse so gut wie alle Körperfunktionen beeinträchtigen.

Diagnose & Krankheitsverlauf

Bei Aktinomykosen bilden sich Drusen die harten Körnchen im Fisteleiter entsprechen und mikroskopisch als eine Anhäufung von Bakterien imponieren. Diese Drusen lassen den Arzt vor dem Hintergrund der Anamnese einen ersten Verdacht auf eine Aktinomykose entwickeln. Der kulturelle Nachweis erfolgt unter anaeroben Bedingungen, aber ist sehr aufwändig und dauert mehrere Wochen. Aufgrund der hohen Rezidiv-Rate besteht eine eher ungünstige Prognose. Unbehandelt stellt die Aktinomykose vor allem im Bereich des Thorax ein lebensgefährliches Phänomen dar.

Komplikationen

In den meisten Fällen treten bei einer Aktinomykose keine Komplikationen auf. Das Symptom kann relativ gut behandelt werden und führt dabei nicht zu weiteren Problemen, Beschwerden oder Einschränkungen. In den meisten Fällen tritt die Aktinomykose nach Operationen im Mundraum auf, bei welchen der Betroffene nicht auf die notwendigen Hygienestandards achtet.

Hier kann es zu Entzündungen und zum Übergang der Bakterien in das Blut des Patienten kommen. Um die Aktinomykose zu verhindern, können Antibiotika prophylaktisch nach einer Operation im Mundraum verwendet werden. Die Behandlung erfolgt ohne Komplikationen. Dazu werden in den meisten Fällen nur Medikamente verabreicht. Allerdings kann die Behandlung selbst bis zu einem Jahr andauern. Sie schränkt das Leben des Patienten allerdings kaum ein.

Eine Behandlung ist auch in Form einer dreimonatigen Kurztherapie möglich. Im weiteren Verlauf der Krankheit kann auch ein operativer Eingriff erfolgen. Dieser führt ebenfalls zu keinen weiteren Komplikationen. Die einzige Komplikation, die auftreten kann, ist eine akute Blutvergiftung. Die Aktinomykose kann auch nach der Behandlung nochmals auftreten. Bei einer guten Hygiene und einer Prophylaxe ist die Wahrscheinlichkeit allerdings sehr gering.

Wann sollte man zum Arzt gehen?

In den meisten Fällen zeigt die Aktinomykose keine besonderen und charakteristischen Beschwerden oder Symptome. Aus diesem Grund ist eine frühzeitige Diagnose in den meisten Fällen nicht möglich. Die Betroffenen leiden durch die Infektion allerdings immer an Fieber und Schüttelfrost. In den meisten Fällen fühlen sich die Betroffenen auch müde und abgeschlagen und nehmen nicht mehr aktiv am Leben teil.

Sollten diese Beschwerden auftreten, so muss in der Regel ein Arzt aufgesucht werden. Vor allem bei langanhaltenden Beschwerden ist eine ärztliche Behandlung auf jeden Fall notwendig. Auch die anderen Körperfunktionen können beeinträchtigt sein. Sollte der Betroffene vorher eine Behandlung im Mundraum gehabt haben, so können die Beschwerden direkt auf eine Infektion oder Entzündung hindeuten. Dabei kann der behandelnde Arzt aufgesucht werden. In der Regel kann die Aktinomykose relativ schnell und einfach wieder behandelt werden, sodass die Beschwerden rasch wieder verschwinden. Sollten die Symptome allerdings nicht direkt auf die Aktinomykose hindeuten, so kann in erster Linie auch ein Allgemeinarzt aufgesucht werden.

Behandlung & Therapie

Die Therapie einer Aktinomykose erfolgt vor allem im Anfangsstadium medikamentös. Meist entspricht die Behandlung der Gabe von Aminopenicillin, das gerade im Anfangsstadium optimalerweise intravenös verabreicht wird. Die Therapie kann sich über ein gesamtes Jahr erstrecken. Aktuellen Studien zufolge ist auch eine Kurzzeit-Therapie möglich, die höchstens drei Monate lang erfolgt.

Medikamentöse Alternativen zu Aminopenicillin bieten sich mit Tetracyclin und Cephalosporin. Darüber hinaus hat hochdosiertes Iod in der Vergangenheit günstige Auswirkungen auf den Krankheitsverlauf gezeigt. Oft findet in späteren Stadien der Erkrankung eine kombiniert medikamentöse und chirurgische Therapie statt. Bei der chirurgischen Behandlung der Abszesse wird der Entzündungsherd geöffnet, wobei der Arzt das befallene Gewebe entfernt.

Da die Aktinomykose zu Fistelbildung führen kann, stellt die systemische Blutvergiftung eine der wichtigsten Komplikationen dar. Bei Fisteln findet eine invasive Behandlung zur Entfernung der Gangsysteme statt, damit der Abszess nicht ins Blut streuen kann. Die Erkrankung ist mit einer hohen Rezidiv-Rate assoziiert und kann dementsprechend auch nach einer Abheilung wieder eintreten.

Aussicht & Prognose

Durch die Aktinomykose kommt es zu unterschiedlichen Beschwerden. Diese Beschwerden verschwinden nicht von alleine, sodass immer eine Behandlung durch einen Arzt notwendig ist. Der Betroffene fühlt sich krank und müde und leidet dabei an einer Abgeschlagenheit. Es tritt ein relativ hohes Fieber ein, welches die Lebensqualität des Betroffenen deutlich verringert. Ebenfalls kommt es zu Schüttelfrost.

Oft können auch Lähmungen und andere Störungen des Nervensystems auftreten, die den Alltag des Patienten erschweren können. Im Mundraum kommt es zu Entzündungen und Infektionen, die eine gewöhnliche Aufnahme von Nahrung und Flüssigkeiten erschweren können.

Durch eine Behandlung können die Beschwerden der Aktinomykose relativ gut eingeschränkt und die Krankheit damit vollständig bekämpft werden. Es kommt dabei in den meisten Fällen nicht zu einer verringerten Lebenserwartung oder zu weiteren Beschwerden. Allerdings kann auch bei einer erfolgreichen Behandlung nicht garantiert werden, dass die Aktinomykose nicht noch ein Mal beim Patienten auftreten wird. Bei einer operativen Behandlung wird das betroffene Gewebe entfernt. Meistens muss der Betroffene allerdings auch Medikamente einnehmen, damit es nicht zu einer Ausbreitung der Krankheit kommt.

Hier finden Sie Ihre Medikamente:

Vorbeugung

Zur Vorbeugung einer Aktinomykose erhalten Patienten vor und nach Operationen im Mundbereich in der Regel Antibiotika-Prophylaxe, um den Übertritt der mundfloralen Bakterien ins Blut zu verhindern.

Bücher über Infektionskrankheiten

Quellen

  • Arastéh, K., et al.: Duale Reihe. Innere Medizin. Thieme, Stuttgart 2013
  • Groß, U.: Kurzlehrbuch Medizinische Mikrobiologie und Infektiologie. Thieme, Stuttgart 2013
  • Neumeister, B., Geiss, H., Braun, R.: Mikrobiologische Diagnostik. Thieme, Stuttgart 2009

Diese Seite teilen:

Das könnte Sie auch interessieren:

Bekannt aus: