Aktinomykose

Medizinische Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher (Facharzt für innere Medizin) am 11. Oktober 2016
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Die Aktinomykose ist eine bakterielle Infektion, die zur Abszessbildung in tieferen Geweben führt. Die Ursache der Infektion sind Bakterien der Art Aktinomyces. Zur Therapie der Erkrankung erfolgt eine medikamentöse und zum Teil chirurgische Intervention.

Inhaltsverzeichnis

Was ist eine Aktinomykose?

Bei Aktinomyzeten handelt es sich um Stäbchenbakterien mit grampositivem Färbeverhalten. Die Anaerobier bilden keine Sporen und besitzen mikroskopisches Aussehen mit radiär-filamentösen Verzweigungen. Es gibt zahlreiche Spezies der Actinomyces. Einige der humanpathogen Arten erregen die sogenannte Aktinomykose. Aktinomkyosen sind durch Abszessbildung gekennzeichnet.

Die Eiteransammlungen in den Geweben greifen auf das umliegende Gewebe über und werden von Binde- und Granulationsgewebe gerahmt. Deutschlandweit ist die Erkrankung auch als Strahlenpilz bekannt. Durch Fistelbildung gelangen die bakteriellen Erreger ins Blutsystem, sodass eine kurzweilige oder bei immundefiziten Patienten eine dauerhafte Bakteriämie eintritt.

Als Komplikation der Bakteriämie gilt die Sepsis, die einer systemischen Entzündungsreaktion im Sinne einer Blutvergiftung entspricht und im Rahmen eines septischen Schocks lebensbedrohliche Ausmaße annehmen kann. Zu den Aktinomykosen zählen neben der zerviko-fazialen, der thorakalen und der abdominalen Aktinomykose auch die kutane Aktinomykose und verschiedene Sonderformen, die alle von Actinomyces hervorgerufen werden.

Ursachen

Die Ursache einer Aktinomykose ist eine bakteriell anaerob aerobe Mischinfektion mit Actinomyces. Vorwiegend wird die Infektion durch die Spezies Actinomyces israelii verursacht, aber auch Actinomyces naeslundii, viscosus und odontolyticus sind mögliche Erreger. Die Spezies Actinomyces viscosus kann beispielsweise den weiblichen Urogenitaltrakt besiedeln. Actinomyces israelii zählen wiederum zur normalen Mundflora des Menschen und bringen dort ein Dasein als Kommensale zu.

Wenn die Mundschleimhaut verletzt wird, dringen die Bakterien in tiefere Gewebe vor. In diesen tieferen Schichten rufen sie eitrige Entzündungen hervor, die mit der Bildung von Granulationsgewebe und gangartigen Fisteln einhergehen. Das Auftreten einer Aktinomykose im zentralen Nervensystem ist eher selten. Dasselbe gilt für das Auftreten in der Lunge, das nur durch die Aspiration der Bakterien stattfinden kann.

Auch auf der Haut wird die Erkrankung seltener beobachtet als im Halsbereich. Im Grunde genommen kann jegliches Eindringen der Bakterien aus der Mundflora in tiefere Gewebe eine Aktinomykose zur Folge haben. Das heißt, dass nicht nur Entzündungen, sondern auch Fisteln die Erkrankung begünstigen können. Nichtsdestotrotz gelten invasive Zahnbehandlungen als häufigster Auslöser der Aktinomykose.

Symptome, Beschwerden & Anzeichen

Patienten mit Aktinomykose sind von Abszessbildung betroffen, deren Eiteransammlungen sich auf das umliegende Gewebe erweitern und in Binde- und Granulationsgewebe liegen. Das besiedelte Gewebe ist von derber Konsistenz, wobei der Eiter aus entzündlich eingeschmolzenen Zellen, Immunbestandteilen und Bakterien besteht.

Entlang der anatomischen Spalträume können sich Abszesse weiter ausbreiten und damit die Vermehrung der Erreger unterstützen.

  • Bei der zerviko-fazialen Aktinomykose und damit der häufigsten Form der Erkrankung dringen Bakterien der Art Actinomyces israelii durch eine Verletzung im Mund in tiefere Gewebe ein und verursachen eine endogene Infektion.
  • Eine thorakale Aktinomykose kann durch Speichelaspiration entstehen, wird durch eine um sich greifend zerviko-faziale Aktinomykose verursacht oder entsteht durch eine Streuung der Bakterien im Blut. Bei dieser Form ist der Bereich des Brustkorbs und der Lungen von den Abszessen betroffen.
  • Die Abszesse der abdominalen Aktinomykose betreffen die Bauchorgane und entstehen bei Darmverletzungen oder beginnen im weiblichen Genitalbereich. Abszesse der Haut treten bei der kutanen Variante auf, die nach Verletzungen mit Speichelübertragung entsteht. Bei einigen Sonderformen der Erkrankung sind die Leber und die Tränenkanäle von der Abszessbildung betroffen, was meist auf die Streuung der Bakterien im Blut zurückzuführen ist.

Die Infektion kann mit allgemeinen Infektionsanzeichen wie Abgeschlagenheit, Fieber und Schüttelfrost einhergehen. Bei Beteiligung des zentralen Nervensystems können die Abszesse so gut wie alle Körperfunktionen beeinträchtigen.

Diagnose & Krankheitsverlauf

Bei Aktinomykosen bilden sich Drusen die harten Körnchen im Fisteleiter entsprechen und mikroskopisch als eine Anhäufung von Bakterien imponieren. Diese Drusen lassen den Arzt vor dem Hintergrund der Anamnese einen ersten Verdacht auf eine Aktinomykose entwickeln. Der kulturelle Nachweis erfolgt unter anaeroben Bedingungen, aber ist sehr aufwändig und dauert mehrere Wochen. Aufgrund der hohen Rezidiv-Rate besteht eine eher ungünstige Prognose. Unbehandelt stellt die Aktinomykose vor allem im Bereich des Thorax ein lebensgefährliches Phänomen dar.

Behandlung & Therapie

Die Therapie einer Aktinomykose erfolgt vor allem im Anfangsstadium medikamentös. Meist entspricht die Behandlung der Gabe von Aminopenicillin, das gerade im Anfangsstadium optimalerweise intravenös verabreicht wird. Die Therapie kann sich über ein gesamtes Jahr erstrecken. Aktuellen Studien zufolge ist auch eine Kurzzeit-Therapie möglich, die höchstens drei Monate lang erfolgt.

Medikamentöse Alternativen zu Aminopenicillin bieten sich mit Tetracyclin und Cephalosporin. Darüber hinaus hat hochdosiertes Iod in der Vergangenheit günstige Auswirkungen auf den Krankheitsverlauf gezeigt. Oft findet in späteren Stadien der Erkrankung eine kombiniert medikamentöse und chirurgische Therapie statt. Bei der chirurgischen Behandlung der Abszesse wird der Entzündungsherd geöffnet, wobei der Arzt das befallene Gewebe entfernt.

Da die Aktinomykose zu Fistelbildung führen kann, stellt die systemische Blutvergiftung eine der wichtigsten Komplikationen dar. Bei Fisteln findet eine invasive Behandlung zur Entfernung der Gangsysteme statt, damit der Abszess nicht ins Blut streuen kann. Die Erkrankung ist mit einer hohen Rezidiv-Rate assoziiert und kann dementsprechend auch nach einer Abheilung wieder eintreten.




Vorbeugung

Zur Vorbeugung einer Aktinomykose erhalten Patienten vor und nach Operationen im Mundbereich in der Regel Antibiotika-Prophylaxe, um den Übertritt der mundfloralen Bakterien ins Blut zu verhindern.

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Kommentare und Erfahrungen von anderen Besuchern

Siegunth kommentierte am 17.12.2016 um 01:00 Uhr

Seit 30 Jahren habe ich Aktinomykose, dies ist mir aber erst seit ca. drei Jahren bekannt. Ich habe vier positive Befunde, doch kein Arzt hilft mir. Vor ca. 30 Jahren habe ich mir einen Zahnstocher ins Zahfleisch gebissen, seitdem habe ich diese Probleme. Es ist viermal operiert worden. Ich habe unzählig viele Fistelgänge aus denen ich massenhaft Schleim und feinen Grieß (Actinomyceten) hole. Weiterhin kann ich über eine Triefnase, oder Boken-Nase, Herz-Rhythmusstörungen, Nervenstörungen, Schüttelfrost, Sauerstoffmangel, Kraftlosigkeit und Müdigkeit klagen.
Ich brauche einen Spezialisten. Was kann ich machen?

Blankenstein kommentierte am 18.12.2016 um 19:53 Uhr

Ich hatte im Jahr 2015 eine OP des Darms mit Stoma wegen einer Aktinomykose. Dies ist der zweite Ausbruch. Erster war unter dem Haaransatz am Hinterkopf, Kapsel ohne wirkliche Schmerzen nur hinderlich beim Kämmen. Dann abdonominale Aktinomykose mit sehr langen Schmerzen ohne Ursachenfindung vor OP und dann auch sehr langes Warten auf Diagnose. Nun gelesen, dass chronisch. Kann es die Gelenke erfassen? Woran erkenne ich das? Ich habe zunehmende Gelenkschmerzen bis hin zur starken Bewegungseinschränkung. Wie kann ich Gewissheit erlangen? Der orthopädische Gutachter fragte mich, wie die Nach- und Vorsorge ist? Ich konnte nicht antworten.

Mit freundlichem Gruß
Blankenstein

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