Sexualkopfschmerzen

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 10. Oktober 2017
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Sexualkopfschmerzen sind Kopfschmerzen, die während des Geschlechtsakts auftreten. Sie werden meist durch zu schnell gesteigerte Erregung ausgelöst. In der Regel treten die Sexualkopfschmerzen nur temporär auf, das heißt sie verschwinden nach einigen Wochen oder Monaten wieder von selbst.

Inhaltsverzeichnis

Was sind Sexualkopfschmerzen?

Als Sexualkopfschmerzen bezeichnet man Kopfschmerzen, die während des Geschlechtsverkehrs auftreten. Dabei kommt es entweder vor dem Orgasmus (Präorgasmuskopfschmerz) oder direkt während des sexuellen Höhepunkts (Orgasmuskopfschmerz) zu den Schmerzen im Kopf.

Die Sexualkopfschmerzen treten in der Regel episodenhaft auf, das heißt, sie lassen nach kurzer Zeit von selbst wieder nach. Männer sind häufiger davon betroffen als Frauen. Menschen, die an Migräne leiden, sind besonders oft unter den Patienten zu finden. Etwa jeder zweite ist ein Migränepatient.

Insgesamt schätzt man in Deutschland die Zahl der von diesen speziellen Kopfschmerzen betroffenen Menschen auf etwa 80.000. Das typische Alter liegt zwischen 25 und 50 Jahren, wobei die Sexualkopfschmerzen öfters bei jüngeren Menschen auftreten als bei älteren.

Ursachen

Die Ursache für Sexualkopfschmerzen ist noch nicht genau bekannt. Man vermutet, dass das Gehirn von Betroffenen die Reizüberflutung während einer schnell einsetzenden körperlichen Erregung nicht verarbeiten kann.

Weiterhin geht man davon aus, dass der Regulierungsvorgang in den Gefäßen nicht richtig funktioniert. Durch die schnelle Erregungssteigerung erhöht sich der Blutdruck in sehr kurzer Zeit. Die Gefäße können sich nicht so schnell anpassen und der Orgasmuskopfschmerz setzt explosionsartig direkt während des Höhepunkts ein. Diese Störung bei der Regulierung der Gefäßweite würde auch das häufige Auftreten der Sexualkopfschmerzen bei Migränepatienten erklären, denn Migräne ist eine Gefäßerkrankung.

Der Präorgasmuskopfschmerz dagegen tritt eher schleichend auf. Man nimmt an, dass hier die Ursache in einer zu starken Belastung der Kopf- und Nackenmuskulatur liegt. Allgemein vermutet man, dass auch Stress, Müdigkeit, zu häufiger Geschlechtsverkehr oder chronisch erhöhter Blutdruck Auslöser für den Sexualkopfschmerz sein können.

Typische Symptome & Anzeichen

Diagnose & Verlauf

Es kommen zwei Arten von Sexualkopfschmerz vor. Während der Präorgasmuskopfschmerz langsam im Nacken beginnt, sich bis zum Kopf hin ausbreitet und mit zunehmender Erregung immer stärker wird, tritt der Orgasmuskopfschmerz explosionsartig und sehr heftig ein.

Die Dauer des Sexualkopfschmerzes kann zwischen ein paar Minuten und 2-3 Stunden liegen. Ein Schmerzanfall kann von Übelkeit und Erbrechen und, ähnlich wie bei Migräne, von Schwindel und extremer Lichtempfindlichkeit begleitet sein. Häufig bleibt nach Abklingen der Hauptschmerzen noch eine Zeit lang ein leichter diffuser Nackenschmerz bestehen. Der Verdacht auf die Diagnose Sexualkopfschmerzen kommt bereits durch die Schilderung der Symptome auf und durch die Tatsache, dass die Schmerzen immer während des Geschlechtsverkehrs stattfinden.

Der Arzt wird dennoch eine neurologische Untersuchung durchführen, da andere Erkrankungen ausgeschlossen werden müssen. Mithilfe einer CT (Computertomografie) kann überprüft werden, ob eventuell ein Schlaganfall oder eine Gehirnblutung der Auslöser für den Schmerz war. Auch ein Schmerztagebuch kann helfen, die Diagnose Sexualkopfschmerzen abzusichern.

Komplikationen

In aller Regel ist bei Sexualkopfschmerzen nicht mit Komplikationen zu rechnen. Den Betroffenen wird meist empfohlen, kurz vor dem Geschlechtsverkehr ein leichtes Schmerzmittel einzunehmen, was sehr häufig dazu führt, dass die Symptome nicht mehr auftreten. Medikamente können aber mit Nebenwirkungen einhergehen. Meist wird Acetylsalicylsäure oder Paracetamol verordnet.

Insbesondere Acetylsalicylsäure kann den Magen angreifen und die Magenschleimhaut schädigen. Wird Koffein verabreicht, um die Gefäße zu weiten, kann dies bei empfindlichen Personen zu Herzrasen und Schlafstörungen führen. Werden bei schwereren Formen von Sexualkopfschmerzen Betablocker verordnet, steht zu fürchten, dass das sexuelle Empfinden beeinträchtigt wird.

Unbehandelt oder bei schweren Verlauf sind auch noch andere Komplikationen denkbar. Die Schmerzen können zum Beispiel sehr intensiv werden und einen migräneähnlichen Verlauf zeigen. In diesen Fällen leiden die Betroffenen nicht nur unter heftigen Kopfschmerzen, es kommt dann zusätzlich zu Übelkeit, Schwindel und Erbrechen.

Aufgrund der belastenden Begleiterscheinungen des Geschlechtsverkehrs entwickeln viele Betroffenen entweder Ängste oder sexuelle Unlust, die die Beziehung schwer belasten können. Die aus den Kopfschmerzen resultierenden Beziehungsstörungen können zu weiteren therapiebedürftigen seelischen Störungen führen. Manche Betroffene benötigen mitunter eine Psychotherapie. In manchen Fällen wird auch eine Paartherapie erforderlich.

Behandlung & Therapie

Sexualkopfschmerzen können durchaus behandelt werden und Betroffene müssen nicht befürchten, dass ihnen sexuelle Abstinenz verordnet wird. Es besteht die Möglichkeit, etwa 30 bis 60 Minuten vor dem Geschlechtsverkehr ein leichtes Schmerzmittel einzunehmen.

In der Regel wird Acetylsalicylsäure oder Paracetamol verordnet. Auch Koffein kann helfen, da es die Gefäße weitet. In schwereren Fällen werden Betablocker verschrieben, um das Auftreten von Sexualkopfschmerzen zu verhindern. Man kann aber auch den Ablauf des Geschlechtsverkehrs derart verändern, dass man die Erregung nur langsam steigert. Dies ermöglicht dem Gehirn die Reize besser zu verarbeiten und die Gefäße können sich allmählich und ausreichend weiten.

Ist man gestresst, müde oder ausgepowert, ist die Gefahr, dass Sexualkopfschmerzen auftreten größer, als wenn man ausgeruht und ausgeglichen ist. Sanfter Sex und eine langsam steigende Erregung ist die beste Therapie bei Sexualkopfschmerzen. In der Regel verschwinden die Schmerzanfälle aber sowieso nach einem gewissen Zeitraum von selbst wieder.

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Vorbeugung

Man kann gegen die Sexualkopfschmerzen vorbeugen, indem man die Erregung beim Geschlechtsverkehr nur langsam steigert. Besonders wenn man bereits von Migräne oder Bluthochdruck betroffen ist, empfiehlt es sich, keine Sexualtechniken. die zu schneller Erregung führen, zu praktizieren.

Bücher über Kopfschmerzen & Migräne

Quellen

  • Goerke, K., Steller, J., Valet, A.: Klinikleitfaden Gynäkologie. Urban & Fischer, München 2003
  • Haag, P., Harnhart, N., Müller, M. (Hrsg.): Gynäkologie und Urologie. Für Studium und Praxis 2014/15. Medizinische Verlags- und Informationsdienste, Breisach 2014
  • Kaufmann, M., Costa, S.-D., Scharl, A. (Hrsg.): Die Gynäkologie. Springer, Berlin 2013

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