Rachitis

Medizinische Qualitätssicherung: Dr. med. Nonnenmacher (Facharzt für innere Medizin)

Rachitis ist eine in Deutschland nahezu ausgestorbene Erkrankung, die gerne auch als „Knochenerweichung“ bezeichnet wird. Es ist eine Krankheit, die im Kindesalter auftritt, aber unbehandelt Auswirkungen bis ins Erwachsenenalter hinein haben kann.

Inhaltsverzeichnis

Definition Rachitis

Das Wort Rachitis leitet sich vom griechischen Begriff „rhachis“ ab, der „Wirbelsäule“ bedeutet.

Vor der industriellen Revolution war die Rachitis in Europa sehr weit verbreitet, da gerade die Kinder als billige Arbeitskräfte in Fabriken und Bergwerken arbeiteten und kaum Sonnenlicht sahen. Die Luft in den Städten war stickig und verpestet, Sonnenlicht drang kaum bis zu den Menschen hervor. Erst viel später fanden die Ärzte den Zusammenhang von Rachitis und Sonnenlicht.

Rachitis ist eine Stoffwechselerkrankung, hervorgerufen durch Vitamin-D-Mangel. Vitamin D ist unbedingt notwendig, damit das Blut Kalzium und Phosphat aufnehmen und in die Knochen transportieren kann.

Bei Vitamin-D-Mangel kann das Vitamin in der Haut nicht mehr in seine wirksame Stufe umgewandelt werden. Die sich im Wachstum befindlichen Knochen verkalken bei der Rachitis nicht richtig, sie bleiben weich und werden unter Belastung krumm. Bei der Rachitis sind vor allem die Wirbelsäule, aber auch die Beine betroffen.

Ursachen für Rachitis

Wie oben erwähnt, funktioniert bei der Rachitis der Vitamin-D-Stoffwechsel nicht richtig. Ursache hierfür ist entweder eine Eiweißmangelernährung, zu wenig Sonnenbestrahlung oder eine fehlerhafte Nährstoffaufnahme im Magen-Darm-Trakt.

Es gibt auch eine Sonderform der Rachitis, die nicht durch einen Vitamin-D-Mangel verursacht wird.

Um Kalzium und Phosphat richtig in den Knochen einzubauen, braucht der Körper Vitamin D. Außerdem sorgt Vitamin D dafür, dass Kalzium und Phosphat aus dem Darm aufgenommen und aus den Nieren wieder zurückgewonnen werden können. Bei einem Vitamin-D-Mangel ist diese Aufnahme gestört. Die Knochen werden weich und verformen sich.

Vitamin D stellt der menschliche Körper mit Hilfe der ultravioletten Strahlung des Sonnenlichtes in der Haut selbst her. Einen kleinen Teil des Vitamin-D-Bedarfs nimmt man mit der Nahrung auf. Die Aufnahme aus der Nahrung langt zur Rachitisprophylaxe allerdings nicht aus.

Symptome bei Rachitis

In den ersten Lebensmonaten:

Im Kindesalter:

Im Erwachsenenalter:

  • irreversible Knochenverformungen

Krankheitsverlauf von Rachitis

Schon im zweiten oder dritten Lebensmonat zeigen sich die Symptome einer Rachitis. Unruhe, Schreckhaftigkeit und starkes Schwitzen am Hinterkopf gehören zu den Frühsymptomen. Dazu kommt ein juckender Hautausschlag.

Verstopfungen, eine schlaffe Bauchdecke, Krämpfe und Veränderungen am Skelett sind Symptome, die im dritten bis vierten Lebensmonat dazukommen. Noch offene Schädelnähte schließen sich nur verzögert, Schädelknochen erweichen. An den Rippen zeigt sich der typische rachitische Rosenkranz. Dabei handelt es sich um Auftreibungen an der Knochen-Knorpel Grenze der Rippen, die perlschnurartig aussehen.

Der Zahndurchbruch erfolgt verspätet, die Zahnschmelzbildung ist gestört und die Kinder neigen zu Karies. Typischerweise verformen sich bei der Rachitis die Oberschenkelknochen, die Kinder haben starke O-Beine.

Behandlung von Rachitis

Früher wurde Rachitis mit Lebertran behandelt, da Lebertran Vitamin D enthält. Heute erhalten erkrankte Kinder für drei Wochen Vitamin D (100 bis 200 IE pro Tag) und bei Kalziummangel auch Kalzium in hoher Dosierung. Danach folgt eine medikamentöse Behandlung in reduzierter Dosis für weitere drei Wochen.

Da fehlendes Sonnenlicht ebenfalls eine Ursache ist, gehört Sonnenlicht oder Höhensonnenbestrahlung ebenfalls zur Therapie. Im Anschluss an die medikamentöse Therapie muss eine kalziumreiche Ernährung eingehalten werden. Regelmäßiges Sonnenlicht ist ebenfalls notwendig.

Bei Phosphatmangelerscheinungen muss Phosphat medikamentös substituiert werden. Die Knochendeformierungen heilen in aller Regel mit dieser Behandlung aus. Schwere Oberschenkelverformungen durch die Krankheit Rachitis müssen allerdings oft mit Schienen korrigiert werden.

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Vorbeugung von Rachitis

Rachitis ist heute in Deutschland nahezu ausgestorben. Neugeborene und Säuglinge erhalten im ersten Lebensjahr prophylaktisch jeden Tag eine Vitamin-D-Tablette à 500 IE, da die Muttermilch und auch die Kuhmilch nicht genug Vitamin D enthält.

Säuglingsmilch ist meist mit Vitamin D angereichert. Eigentlich wird für Kinder diesen Alters 100-200 IE pro Tag empfohlen, mit der höheren Dosierung der Tablette sollen Schwankungen und auch gelegentliches Vergessen der Tablettengabe aufgefangen werden.

In den meisten Fällen erfolgt die Gabe heute in Kombination mit Fluor zur Kariesprophylaxe. Die Tabletten sind in Milch und Wasser löslich und können somit mit der Säuglingsmilch oder Tee zur Rachitisvermeidung verabreicht werden.

Das Spielen draußen im Freien oder in der Sonne sorgt ebenfalls für einen gesunden Vitamin D-Haushalt. Jedoch sollten Eltern besonders im Sommer darauf acht, dass ihre Kinder dabei keinen Sonnenstich, Hitzschlag oder Sonnenbrand bekommen.

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