REM-Schlaf-Verhaltensstörung

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 16. Oktober 2017
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Eine REM-Schlaf-Verhaltensstörung (RBD) ist eine Schlafstörung, bei welcher in der Traumphase komplexe Bewegungsabläufe stattfinden. Der Erkrankte reagiert durch aggressives Agieren auf bestimmte Trauminhalte. Eine RBD ist oft der Vorläufer von Morbus Parkinson, Lewy-Körperchen-Demenz oder einer MSA (Multisystematrophie).

Inhaltsverzeichnis

Was ist eine REM-Schlaf-Verhaltensstörung?

Bei der REM-Schlaf-Verhaltensstörung handelt es sich um eine Parasomnie (Verhaltensauffälligkeit im Schlaf), die in der REM-Schlaf-Phase auftritt. Dabei kommt es zu lebhaften Träumen mit oft aggressiven Inhalten, in denen der Betroffene mit Schlagen, Treten oder Schreien reagiert. Oftmals wird dadurch der Bettnachbar angegriffen und sogar verletzt. Es kommt auch zu Selbstverletzungen. Der Traum wird ausgelebt.

Nach dem Erwachen besteht jedoch keine Erinnerung mehr. Die Erkrankung ist auch als sogenanntes Schenck-Syndrom oder RBD (Rapid eye movement sleep behavior disorder) bekannt. Zu über 90 Prozent sind Männer betroffen. Die RBD tritt meist im Alter von 40 bis 70 Jahren auf. In der Mehrzahl der Fälle (über 80 Prozent) sind die betroffenen Personen über 60 Jahre alt. Nur sehr selten sind Personen unter 40 Jahren an einer REM-Schlaf-Verhaltensstörung erkrankt.

Ursachen

Als Ursache der REM-Schlaf-Verhaltensstörung wird eine Synucleinopathie angenommen. Dabei handelt es sich um eine Ablagerung von falsch gefaltetem Alpha-Synuclein innerhalb der Nervenzellen im Hirnstamm. Das Synuclein ist verantwortlich für die Bildung von Dopamin. Infolge einer genetischen Veränderung dieses Proteins kann es zu einer Fehlfaltung kommen, wobei seine Sekundärstruktur unter Bildung von unlöslichen Eiweißkomplexen zerstört wird.

Dadurch verringert sich einerseits die Bildung von Dopamin und andererseits blockieren diese Ablagerungen wichtige Abschnitte des Hirnstamms. Dabei werden die Motorik hemmenden Prozesse während des Schlafes im Hirn abgeschaltet. Das führt wiederum dazu, dass die Trauminhalte mithilfe von Bewegungen ausgelebt werden können. Da die Synucleine gleichzeitig für die Dopamin-Bildung verantwortlich sind, kommt es bei ihrer Fehlfaltung zur Verringerung der Dopamin-Produktion.

Deshalb ist die REM-Schlaf-Verhaltensstörung oft ein Begleitsymptom von Parkinson. Dabei kann sich diese Störung vor oder während einer Parkinson-Erkrankung herausbilden. Da die entstehenden Ablagerungen bestimmte Hirnbereiche schädigen, entsteht in der Folge von RBD oft auch eine Lewy-Körperchen-Demenz. In selteneren Fällen entwickelt sich eine Multisystematrophie (MSA).

Symptome, Beschwerden & Anzeichen

Eine REM-Schlaf-Verhaltensstörung äußert sich in einer verstärkten Motorik während der REM-Schlaf-Phase. Die Patienten erleben heftige Träume, bei denen es hauptsächlich um Angriffe von Insekten, Tieren oder Menschen geht. Der Betroffene verteidigt sich mit Schlagen, Treten und Schreien. Die Bewegungen werden ausgeführt, weil die Motorik-Hemmung durch die falsch gefalteten Alpha-Synucleine aufgehoben ist. Die Bewegungen sind komplex, wobei das Bett im Gegensatz zum Schlafwandeln nicht verlassen wird.

Das Verhalten der betroffenen Person im Schlaf ist inklusive seiner Sprechweise und Schreie nicht typisch für sein Verhalten in der Wachphase. Der Betroffene kann sich nach dem Aufwachen auch nicht mehr an den Traum erinnern. Beim Wecken kommt es zur Vermischung von Weckaktion und Traum. Die Folge sind Fremdgefährdung und Eigengefährdung durch gewalttätige Aktionen. Die anderen Phasen des Schlafes sind jedoch ruhig und unterliegen dem normalen Rhythmus.

Die Häufigkeit der Schlafauffälligkeiten liegt zwischen einmal in der Woche bis zu mehrmals in der Nacht. In vielen Fällen ist die RBD ein Begleitsymptom der Parkinson-Erkrankung. Oft tritt die REM-Schlaf-Verhaltensstörung idiopathisch auf und stellt das erste Symptom einer Parkinson-Erkrankung oder Lewy-Körperchen-Demenz dar. Manchmal ist die Störung auch mit Symptomen kognitiver Einschränkung verbunden.

Diagnose & Krankheitsverlauf

Eine REM-Schlaf-Verhaltensstörung kann mithilfe verschiedener Diagnoseverfahren festgestellt werden. Dazu werden im Rahmen einer Fremdanamnese Angehörige befragt. Auch der Patient gibt eine Eigeneinschätzung zu den Symptomen ab, wobei verschiedene Fragebögen zum Einsatz kommen. Neurologische Untersuchungen werden bezüglich von Begleiterkrankungen einer RBD durchgeführt. So kann die REM-Schlaf-Verhaltensstörung im Zusammenhang mit Parkinson oder einer Lewy-Körperchen-Demenz verifiziert werden.

Außerdem lässt sich die RBD durch eine Polysomnographie feststellen. Dabei wird mittels einer EMG die Aktivität des Musculus mentalis (Kinnmuskel) während der REM-Schlafphase untersucht. Bei einer erhöhten Aktivität des Muskels kann von einer RBD ausgegangen werden.

Komplikationen

Eine REM-Schlaf-Verhaltensstörung erhöht in erster Linie das Risiko für Unfälle und Stürze aus dem Bett. Da der Betroffene nach dem Aufwachen kurzzeitig nicht zwischen Traum und Wachzustand unterscheiden kann, besteht das Risiko einer Eigen- und Fremdgefährdung. Leidet der Betroffene an einer psychischen Erkrankung, kann die Verhaltensstörung unter Umständen traumatische Zustände, Wahnverhalten und andere Komplikationen hervorrufen.

Oft tritt die REM-Schlaf-Verhaltensstörung auch als Erstsymptom einer Parkinson-Erkrankung oder Lewy-Körperchen-Demenz auf. In der Folge kommt es dementsprechend zu weiteren Beschwerden und mitunter auch zu einer Zunahme der Verhaltensstörung. Die Behandlung via Clonazepam kann Nebenwirkungen wie Muskelschwäche, Schwindel, Gangunsicherheit und Müdigkeit hervorrufen.

Selten treten Kopfschmerzen, Übelkeit, Hautirritationen und Harninkontinenz auf. In Einzelfällen kommt es zu allergischen Reaktionen oder einem allergischen Schock. Bei Kindern kann das Medikament eine vorzeitige Entwicklung der sekundären Geschlechtsmerkmale auslösen.

Das häufig begleitend verschriebene Melatonin kann neben den typischen Nebenwirkungen auch zu Albträumen, Hyperaktivität und Gewichtszunahme führen. Gerade zu Beginn der Medikation kann es auch zu Reizbarkeit, Unruhe, Abgeschlagenheit und Mundtrockenheit kommen, wobei diese Beschwerden im Falle von Melatonin nach einigen Tagen bis Wochen ohne weitere Komplikationen verschwinden.

Therapie & Behandlung

Zur Behandlung der idiopathischen REM-Schlaf-Verhaltensstörung wird derzeit hauptsächlich das Medikament Clonanzepam verwendet. Dieses Arzneimittel gehört zu den Benzodiazepinen und wirkt beruhigend und muskelrelaxierend. Es wird vor dem Schlafengehen eingenommen, um die Muskelaktivität während des REM-Schlafes zu reduzieren. Auch bei seiner langjährigen Einnahme tritt kein Wirkungsverlust auf. Einige Patienten reagieren auch positiv auf Melatonin.

Bisher gibt es jedoch leider noch keine Aussicht auf Heilung der RBD. Die Symptome bei der idiopathischen Form der Erkrankung können zwar verbessert werden. Leider hat das aber keinen Einfluss auf die Entwicklung einer Parkinson-Erkrankung oder einer Lewy-Körperchen-Demenz. Für die Therapie der RBD als Begleitsymptom von neurodegenerativen Erkrankungen liegen noch keine ausreichenden Studien vor. Die Erhöhung der dopaminergenen Dosis bessert zwar die Symptome von Parkinson, ändert aber nichts an der Häufigkeit und Intensität einer vorliegenden REM-Schlaf-Verhaltensstörung.

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Vorbeugung

Gegen eine REM-Schlaf-Verhaltensstörung sind keine vorbeugenden Maßnahmen bekannt. Bei einer entsprechenden genetischen Veranlagung kann es ab dem vierzigsten Lebensjahr zu einer RBD kommen. Gleichzeitig kann ihr Auftreten als Anzeichen für eine Veranlagung zu neurodegenerativen Erkrankungen gedeutet werden. Ob besondere Stresssituationen als Auslöser der Erkrankung infrage kommen, ist noch nicht geklärt.

Nach einer schwedischen Studie kann das Auftreten von Parkinson durch körperliche Aktivität gesenkt werden. Inwieweit das auch auf die REM-Schlaf-Verhaltensstörung zutrifft, bedarf weiterer Untersuchungen.

Bücher über Schlafstörungen

Quellen

  • Berlit, P.: Basiswissen Neurologie. Springer, Berlin 2007
  • Herold, G.: Innere Medizin. Selbstverlag, Köln 2016
  • Piper, W.: Innere Medizin. Springer, Berlin 2013

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