Posttraumatische Belastungsstörung (PTBS)

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 18. September 2017
Startseite » Krankheiten » Posttraumatische Belastungsstörung (PTBS)

Eine posttraumatische Belastungsstörung kann traumatischen Erlebnissen, wie der Tod eines Familienmitgliedes oder ein schwerer Unfall, folgen und setzt dann meist sehr rasch nach dem Erleben ein. Die Therapiekonzepte sind vielfältig.

Inhaltsverzeichnis

Definition posttraumatische Belastungsstörung

Die posttraumatische Belastungsstörung ist eine psychische Störung, die bei einer Person infolge einer traumatischen Situation auftreten kann. Unter einer traumatischen Situation wird dabei eine Situation verstanden, in der die Gesundheit oder das Leben der eigenen Person oder einer nahestehenden Person gefährdet ist.

Eine posttraumatische Belastungsstörung kann während jedes Lebensalters auftreten und setzt in der Regel unmittelbar nach einer traumatischen Situation ein. Nicht selten ist es der Fall, dass eine Person keine isolierte posttraumatische Belastungsstörung aufweist, sondern auch weitere psychische Problematiken, die neben eine posttraumatische Belastungsstörung treten (so beispielsweise Depressionen oder Ängste).

Die posttraumatische Belastungsstörung zeigt sich beispielsweise darin, dass die traumatische Situation vom Betroffenen in Gedanken oder Träumen häufig wiederholt durchlebt wird (man spricht dabei auch von sogenannten Flashbacks). Auch Schlafstörungen und Bedrohungsgefühle (z.B. angedrohte oder ausgeübte Gewalt von anderen Menschen) zählen zu der Symptomatik, die eine posttraumatische Belastungsstörung mit sich bringen kann.

Ursachen

Die direkte Ursache dafür, dass sich bei einem Menschen eine posttraumatische Belastungsstörung entwickelt, ist das Teilhaben an einer traumatischen Situation. Dabei kann die traumatische Situation, die eine posttraumatische Belastungsstörung hervorruft, entweder von der Person direkt erlebt worden sein, oder die entsprechende Person war Beobachter der Situation.

Entsprechende traumatische Situationen wären etwa Kriegserlebnisse oder Terroranschläge, schwere Unfälle, Vergewaltigung, Geiselnahme oder auch eine Nachricht über den unerwarteten Tod eines nahestehenden Menschen.

Wissenschaftliche Studien legen außerdem nahe, dass eine posttraumatische Belastungsstörung häufiger bei Personen zu beobachten ist, die vor einer traumatischen Situation bereits psychische Problematiken aufwiesen, die wenig soziale Unterstützung erhalten oder die negative Kindheitserfahrungen machten.

Typische Symptome

Verlauf & Diagnose

Posttraumatische Belastungsstörung

In der Medizin gibt es verschiedene Manuale, die Kriterien definieren, nach denen eine posttraumatische Belastungsstörung diagnostiziert wird. Voraussetzungen zum Diagnostizieren einer posttraumatische Belastungsstörung sind danach beispielsweise, dass ein Mensch mit einem traumatischen Erlebnis konfrontiert wurde und darauf mit starker Angst, Entsetzen oder Hilflosigkeit reagiert.

Weitere Kriterien, die auf eine posttraumatische Belastungsstörung hinweisen können, sind das beharrliche Wiedererleben der traumatischen Situation, eine Vermeidung von Themen, die die traumatische Situation betreffen, eine verminderte emotionale Ansprechbarkeit oder eine erhöhte Nervosität; so werden bei Personen, die eine posttraumatische Belastungsstörung aufweisen, beispielsweise eine erhöhte Schreckhaftigkeit, Schlafprobleme, Konzentrationsschwierigkeiten oder eine gesteigerte Reizbarkeit beobachtet.

Während eine posttraumatische Belastungsstörung bei Betroffenen meist unmittelbar nach einer traumatischen Situation auftritt, kann sie in manchen Fällen auch zeitverzögert auftreten.

Komplikationen

Das Risiko für Komplikationen, die im Zusammenhang mit der Posttraumatischen Belastungsstörung stehen, steigt mit der Dauer einer nicht erfolgten Behandlung und ist dazu abhängig von den Lebensumständen des Betroffenen und seiner Möglichkeit, sich helfen zu lassen. Dabei spielt auch die hohe Komorbidität bei der PTBS eine Rolle.

So kommt es etwa bei einem chronischen Verlauf der PTBS vermehrt zu einem Missbrauch von Substanzen, darunter vor allem Alkohol oder nicht verschreibungspflichtige Medikamente. Dieses einsetzende Suchtverhalten bewirkt, dass sich zu den psychischen Symptomen nach einiger Zeit noch körperliche Symptome hinzugesellen, was die Ängste der Betroffenen weiter verstärken kann.

Zudem können die körperlichen Symptome, die sich aus der ständigen Alarmbereitschaft des Körpers ergeben, vermehrt zu Schäden am Herz-Kreislauf-System, der Verdauung und zu weiteren chronischen Krankheiten führen. Insgesamt ist die Krankheitsanfälligkeit höher. Unfallopfer mit PTBS haben durchschnittlich eine längere Verweildauer in Krankenhäusern und ein höheres Risiko für verletzungsbedingte Komplikationen.

Auftretende Depressionen und Persönlichkeitsveränderungen ziehen nicht selten soziale Komplikationen mit sich, die in Isolation oder übermäßiger Aggression Ausdruck finden. Der Hang zum selbstverletzenden Verhalten ist verstärkt, was bis zum Suizid reichen kann. Dabei sind die auftretenden psychischen Störungen, allen voran Angststörungen und Persönlichkeitsstörungen, oftmals ein Anlass für eine erweiterte Therapie.

Behandlung & Therapie

Es gibt verschiedene Behandlungsansätze, nach denen eine posttraumatische Belastungsstörung therapiert wird. So gibt es beispielsweise den Ansatz der sogenannten kognitiven Verhaltenstherapie, um eine posttraumatische Belastungsstörung zu bekämpfen. Im Rahmen dieser psychotherapeutischen Maßnahme wird beispielsweise mit Angstmanagement gearbeitet.

Außerdem gibt es in der Psychologie eine Reihe weiterer Psychotherapiekonzepte, die speziell konzipiert sind, um eine Pposttraumatische Belastungsstörung zu bekämpfen.

Eine weitere Methode, die bei der Bekämpfung einer posttraumatische Belastungsstörung Einsatz findet, ist das sogenannte EMDR (Eye-Movement Desensitization and Reprocessing). Diese Methode baut unter anderem auf eine Kombination aus einer Konfrontation des Betroffenen mit den Reizen, die eine posttraumatische Belastungsstörung verursacht haben und sehr schnellen Augenbewegungen. In der Kombination soll die psychische Erkrankung in ihrer Schwere gemildert werden können.

Auch die Pharmakotherapie (also die Therapie durch Arzneimittel) hält Produkte bereit, die gegen eine posttraumatische Belastungsstörung eingesetzt werden. So sollen entsprechende Medikamente beispielsweise Ängste mindern, die eine posttraumatische Belastungsstörung begleiten oder depressive Symptome mildern, die die Erkrankung ebenfalls mit sich bringen kann.

Hier finden Sie Ihre Medikamente:

Vorbeugung

Da traumatische Situationen, die eine posttraumatische Belastungsstörung hervorrufen, sehr selten vorhersehbar sind und auch in der Regel nicht der Kontrolle des Betroffenen unterliegen, ist es sehr schwer, vorbeugende Maßnahmen gegen eine posttraumatische Belastungsstörung zu unternehmen.

Allerdings kann es sehr wichtig sein, dass eine therapeutische Betreuung unmittelbar nach einer traumatischen Situation erfolgt, um so evtl. eine posttraumatische Belastungsstörung verhindern zu können.

Bücher über posttraumatische Belastungsstörung

Quellen

  • Arolt, V., Reimer, C., Dilling, H.: Basiswissen Psychiatrie und Psychotherapie. Springer, Heidelberg 2007
  • Köhler, T.: Medizin für Psychologen und Psychotherapeuten. Schattauer, Stuttgart 2014
  • Lieb, K., Frauenknecht, S., Brunnhuber, S.: Intensivkurs Psychiatrie und Psychotherapie. Urban & Fischer, München 2015

Diese Seite teilen:

Das könnte Sie auch interessieren:

Bekannt aus: