Posttraumatische Belastungsstörung (PTBS)

Letzte Aktualisierung am 27. Juni 2018 | Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher.
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Eine posttraumatische Belastungsstörung kann traumatischen Erlebnissen, wie der Tod eines Familienmitgliedes oder ein schwerer Unfall, folgen und setzt dann meist sehr rasch nach dem Erleben ein. Die Therapiekonzepte sind vielfältig.

Inhaltsverzeichnis

Definition posttraumatische Belastungsstörung

Die posttraumatische Belastungsstörung ist eine psychische Störung, die bei einer Person infolge einer traumatischen Situation auftreten kann. Unter einer traumatischen Situation wird dabei eine Situation verstanden, in der die Gesundheit oder das Leben der eigenen Person oder einer nahestehenden Person gefährdet ist.

Eine posttraumatische Belastungsstörung kann während jedes Lebensalters auftreten und setzt in der Regel unmittelbar nach einer traumatischen Situation ein. Nicht selten ist es der Fall, dass eine Person keine isolierte posttraumatische Belastungsstörung aufweist, sondern auch weitere psychische Problematiken, die neben eine posttraumatische Belastungsstörung treten (so beispielsweise Depressionen oder Ängste).

Die posttraumatische Belastungsstörung zeigt sich beispielsweise darin, dass die traumatische Situation vom Betroffenen in Gedanken oder Träumen häufig wiederholt durchlebt wird (man spricht dabei auch von sogenannten Flashbacks). Auch Schlafstörungen und Bedrohungsgefühle (z.B. angedrohte oder ausgeübte Gewalt von anderen Menschen) zählen zu der Symptomatik, die eine posttraumatische Belastungsstörung mit sich bringen kann.

Ursachen

Die direkte Ursache dafür, dass sich bei einem Menschen eine posttraumatische Belastungsstörung entwickelt, ist das Teilhaben an einer traumatischen Situation. Dabei kann die traumatische Situation, die eine posttraumatische Belastungsstörung hervorruft, entweder von der Person direkt erlebt worden sein, oder die entsprechende Person war Beobachter der Situation.

Entsprechende traumatische Situationen wären etwa Kriegserlebnisse oder Terroranschläge, schwere Unfälle, Vergewaltigung, Geiselnahme oder auch eine Nachricht über den unerwarteten Tod eines nahestehenden Menschen.

Wissenschaftliche Studien legen außerdem nahe, dass eine posttraumatische Belastungsstörung häufiger bei Personen zu beobachten ist, die vor einer traumatischen Situation bereits psychische Problematiken aufwiesen, die wenig soziale Unterstützung erhalten oder die negative Kindheitserfahrungen machten.

Symptome, Beschwerden & Anzeichen

Die Posttraumatische Belastungsstörung kann bereits kurz nach einem traumatischen Erlebnis, aber auch mit erheblicher zeitlicher Verzögerung auftreten. Das belastende Ereignis kehrt dabei ständig in Alpträumen und unvermittelt auftretenden Gedankenfetzen (Flashbacks) wieder, die bedrückenden Erinnerungen sind nicht zu kontrollieren und bestimmen weitgehend das Denken und Fühlen.

Auch eine Teilamnesie, bei der wichtige Einzelheiten des Traumas aus dem Bewusstsein verdrängt werden, ist möglich. Die Patienten leiden unter großer Angst und Hilflosigkeit, sind aber nicht in der Lage, darüber zu sprechen. Körperliche Schmerzen werden ebenso stark wie in der traumatischen Situation empfunden.

Um sich zu schützen, meiden Betroffene alle Situationen, die an das Erlebnis erinnern könnten, sie werden ihrer Umgebung und ihren Mitmenschen gegenüber gleichgültig und stumpfen emotional ab. Zudem beeinflusst die Posttraumatische Belastungsstörung das vegetative Nervensystem: Anzeichen einer vegetativen Übererregung können Ein- und Durchschlafstörungen, erhöhte Reizbarkeit, Konzentrationsstörungen und übermäßige Schreckhaftigkeit sein.

Viele Patienten verlieren das Vertrauen in sich selbst und andere, Schuld- und Schamgefühle können sich bis zum Selbsthass steigern. Im Alltag führt die PTBS zu massiven Einschränkungen, die den Verlust des Arbeitsplatzes und eine soziale Isolation zur Folge haben können. Häufig gehen mit der Posttraumatischen Belastungsstörungen Suchterkrankungen, Depressionen oder andere psychische Erkrankungen einher, bereits bestehende körperliche Beschwerden können sich massiv verschlechtern.

Verlauf & Diagnose

Posttraumatische Belastungsstörung

In der Medizin gibt es verschiedene Manuale, die Kriterien definieren, nach denen eine posttraumatische Belastungsstörung diagnostiziert wird. Voraussetzungen zum Diagnostizieren einer posttraumatische Belastungsstörung sind danach beispielsweise, dass ein Mensch mit einem traumatischen Erlebnis konfrontiert wurde und darauf mit starker Angst, Entsetzen oder Hilflosigkeit reagiert.

Weitere Kriterien, die auf eine posttraumatische Belastungsstörung hinweisen können, sind das beharrliche Wiedererleben der traumatischen Situation, eine Vermeidung von Themen, die die traumatische Situation betreffen, eine verminderte emotionale Ansprechbarkeit oder eine erhöhte Nervosität; so werden bei Personen, die eine posttraumatische Belastungsstörung aufweisen, beispielsweise eine erhöhte Schreckhaftigkeit, Schlafprobleme, Konzentrationsschwierigkeiten oder eine gesteigerte Reizbarkeit beobachtet.

Während eine posttraumatische Belastungsstörung bei Betroffenen meist unmittelbar nach einer traumatischen Situation auftritt, kann sie in manchen Fällen auch zeitverzögert auftreten.

Komplikationen

Das Risiko für Komplikationen, die im Zusammenhang mit der Posttraumatischen Belastungsstörung stehen, steigt mit der Dauer einer nicht erfolgten Behandlung und ist dazu abhängig von den Lebensumständen des Betroffenen und seiner Möglichkeit, sich helfen zu lassen. Dabei spielt auch die hohe Komorbidität bei der PTBS eine Rolle.

So kommt es etwa bei einem chronischen Verlauf der PTBS vermehrt zu einem Missbrauch von Substanzen, darunter vor allem Alkohol oder nicht verschreibungspflichtige Medikamente. Dieses einsetzende Suchtverhalten bewirkt, dass sich zu den psychischen Symptomen nach einiger Zeit noch körperliche Symptome hinzugesellen, was die Ängste der Betroffenen weiter verstärken kann.

Zudem können die körperlichen Symptome, die sich aus der ständigen Alarmbereitschaft des Körpers ergeben, vermehrt zu Schäden am Herz-Kreislauf-System, der Verdauung und zu weiteren chronischen Krankheiten führen. Insgesamt ist die Krankheitsanfälligkeit höher. Unfallopfer mit PTBS haben durchschnittlich eine längere Verweildauer in Krankenhäusern und ein höheres Risiko für verletzungsbedingte Komplikationen.

Auftretende Depressionen und Persönlichkeitsveränderungen ziehen nicht selten soziale Komplikationen mit sich, die in Isolation oder übermäßiger Aggression Ausdruck finden. Der Hang zum selbstverletzenden Verhalten ist verstärkt, was bis zum Suizid reichen kann. Dabei sind die auftretenden psychischen Störungen, allen voran Angststörungen und Persönlichkeitsstörungen, oftmals ein Anlass für eine erweiterte Therapie.

Wann sollte man zum Arzt gehen?

Nach einem traumatischen Ereignis sollte grundsätzlich mit einem Therapeuten oder einer anderen Vertrauensperson gesprochen werden. Wenn nach dem Ereignis eine erhöhte Schreckhaftigkeit, Gefühle der Gleichgültigkeit und andere Anzeichen einer PTBS auftreten, empfiehlt sich ein Arztbesuch. Die Beschwerden können mit der Unterstützung eines Experten reduziert werden, indem das auslösende Ereignis aufgearbeitet und bewältigt wird. Nach einem Trauma oder einer stressigen Lebensphase sollte frühzeitig fachlicher Rat eingeholt werden, denn je früher eine Posttraumatische Belastungsstörung behandelt wird, desto besser sind die Heilungschancen.

Personen, die nach einem schweren Unfall oder einem Gewaltverbrechen Symptome einer PTBS bemerken, sprechen am besten umgehend mit einem Psychologen. Weitere Ansprechpartner sind der Hausarzt, ein Psychotherapeut oder die Telefonseelsorge. Wenn ein Kind Symptome einer Posttraumatischen Belastungsstörung zeigt, sollte zunächst der Kinderarzt oder ein Kinder- und Jugendpsychologe eingeschaltet werden. Der Experte kann bei der Ursachenfindung helfen, den Betroffenen bei der Verarbeitung des Traumas unterstützen und bei Bedarf ein geeignetes Arzneimittel gegen die Symptome verschreiben.

Behandlung & Therapie

Es gibt verschiedene Behandlungsansätze, nach denen eine posttraumatische Belastungsstörung therapiert wird. So gibt es beispielsweise den Ansatz der sogenannten kognitiven Verhaltenstherapie, um eine posttraumatische Belastungsstörung zu bekämpfen. Im Rahmen dieser psychotherapeutischen Maßnahme wird beispielsweise mit Angstmanagement gearbeitet.

Außerdem gibt es in der Psychologie eine Reihe weiterer Psychotherapiekonzepte, die speziell konzipiert sind, um eine Pposttraumatische Belastungsstörung zu bekämpfen.

Eine weitere Methode, die bei der Bekämpfung einer posttraumatische Belastungsstörung Einsatz findet, ist das sogenannte EMDR (Eye-Movement Desensitization and Reprocessing). Diese Methode baut unter anderem auf eine Kombination aus einer Konfrontation des Betroffenen mit den Reizen, die eine posttraumatische Belastungsstörung verursacht haben und sehr schnellen Augenbewegungen. In der Kombination soll die psychische Erkrankung in ihrer Schwere gemildert werden können.

Auch die Pharmakotherapie (also die Therapie durch Arzneimittel) hält Produkte bereit, die gegen eine posttraumatische Belastungsstörung eingesetzt werden. So sollen entsprechende Medikamente beispielsweise Ängste mindern, die eine posttraumatische Belastungsstörung begleiten oder depressive Symptome mildern, die die Erkrankung ebenfalls mit sich bringen kann.

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Vorbeugung

Da traumatische Situationen, die eine posttraumatische Belastungsstörung hervorrufen, sehr selten vorhersehbar sind und auch in der Regel nicht der Kontrolle des Betroffenen unterliegen, ist es sehr schwer, vorbeugende Maßnahmen gegen eine posttraumatische Belastungsstörung zu unternehmen.

Allerdings kann es sehr wichtig sein, dass eine therapeutische Betreuung unmittelbar nach einer traumatischen Situation erfolgt, um so evtl. eine posttraumatische Belastungsstörung verhindern zu können.

Das können Sie selbst tun

Patienten mit einer Posttraumatischen Belastungsstörung können Soforthilfemaßnahmen erlernen, die ihnen den Alltag maßgeblich erleichtern können. Außerdem kann dadurch der Prozess der Heilung unterstützt werden.

Informationen über das eigene Krankheitsbild sind sehr wichtig, dies sollte über die Lektüre von entsprechenden Büchern oder Ratgebern geschehen. Der Austausch mit anderen Betroffenen am besten in Selbsthilfegruppen hilft dabei, den eigenen Leidensdruck zu senken. Außerdem kann dazu geraten werden, sich ausgiebig sportlich zu betätigen. Denn Sport jeder Art hilft insbesondere bei Schlafstörungen und Angst, wie sie bei einer Posttraumatischen Belastungsstörung häufig auftreten. Sehr hilfreich ist es auch, die eigenen Schlafqualität zu verbessern. In speziellen Gruppenseminaren können Verfahren erlernt werden, um das Ein- und Durchschlafen zu erleichtern.

Patienten mit einer Posttraumatischen Belastungsstörung sollten im Alltag auf Suchtmittel jeder Art verzichten, weil dies zu einer Verschlimmerung des Krankheitsbildes führen könnte. Auch legale Drogen, also Alkohol oder Nikotin, können negativ dazu beitragen, den Heilungsprozess zu verzögern.

Sinnvoll ist es für PTBS Betroffene, die eigene Familie aber auch wenn möglich den Freundes- und Bekanntenkreis in das Krankheitsgeschehen mit einzubinden. Hierfür sind oft viele erklärende Gespräche erforderlich. Patienten mit einer Posttraumatischen Belastungsstörung sollten lernen, langfristig aufmerksam und achtsam durch die Welt zu gehen, denn auf diese Weise werden oft ganz neue Eigenschaften an der eigenen Person entdeckt. Ideal wäre es auch, der eigenen Kreativität, beispielsweise mit einem neuen künstlerischen Hobby, freien Lauf zu lassen.

Quellen

  • Arolt, V., Reimer, C., Dilling, H.: Basiswissen Psychiatrie und Psychotherapie. Springer, Heidelberg 2007
  • Köhler, T.: Medizin für Psychologen und Psychotherapeuten. Schattauer, Stuttgart 2014
  • Lieb, K., Frauenknecht, S., Brunnhuber, S.: Intensivkurs Psychiatrie und Psychotherapie. Urban & Fischer, München 2015

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