Pericarditis constrictiva

Medizinische Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher (Facharzt für innere Medizin) am 7. November 2016
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Unter einer Pericarditis constrictiva wird eine Komplikation der akuten Herzbeutelentzündung verstanden. Dabei kommt es zu einem narbigen Umbau des Herzbeutels.

Inhaltsverzeichnis

Was ist eine Pericarditis constrictiva?

In der Medizin trägt eine Pericarditis constrictiva auch die Bezeichnungen konstriktive Perikarditis oder Panzerherz. Gemeint ist damit eine Verdickung und Verhärtung des Herzbeutels (Perikards) aufgrund einer verstärkten Bindegewebsbildung (Fibrose). Dieser Vorgang ist oftmals die Folgeerscheinung einer akuten Herzbeutelentzündung (Perikarditis).

Durch die Verdickung kann sich das Herz während seiner Füllungsphase nicht mehr problemlos ausdehnen. Im Normalfall stellt der Herzbeutel einen bindegewebsartigen flexiblen Sack dar, von dem das menschliche Herz umgeben wird. Er erfüllt die Funktion, das Herz vor einer Überdehnung zu bewahren. Außerdem wird im Inneren des Herzbeutels ein schmaler Flüssigkeitsfilm gebildet, der das reibungslose Gleiten des wichtigen Organs ermöglicht.

Ursachen

Urheber einer Pericarditis constrictiva sind oftmals wiederholt auftretende Entzündungen. Dabei wird durch Keime wie Bakterien oder eine Immunreaktion des Organismus das Entstehen von Narben verursacht. Außerdem bildet sich zur gleichen Zeit verstärkt Bindegewebe.

Des Weiteren reichert sich Kalk im Herzbeutel an. Die mehrfach auftretenden Entzündungen bewirken im Laufe der Zeit das Verdicken des Herzbeutels, was sich wiederum negativ auf dessen Elastizität auswirkt. Weil der Herzbeutel sich kaum noch bewegen kann, ist das Herz wie in einem Panzer gefangen, was zur Bezeichnung „Panzerherz“ führte.

Dadurch kommt es zu Störungen der Herztätigkeit. Nicht immer lassen sich die Ursachen für die Herzbeutelentzündung finden. Bei rund 30 Prozent aller betroffenen Personen gilt jedoch die Tuberkulose als Auslöser für eine Pericarditis constrictiva.

Weitere mögliche Gründe sind Tumorerkrankungen, eine Bestrahlung des Brustkorbs, chronische Nierenleiden wie eine urämische Perikarditis sowie Autoimmunkrankheiten wie Lupus erythematodes. Auch voroperative Eingriffe kommen als mögliche Auslöser für die Entzündungen in Betracht.

Symptome, Beschwerden & Anzeichen

Da bei der Pericarditis constrictiva die diastolische Ventrikelfüllung in Mitleidenschaft gezogen wird, hat dies Anzeichen einer Einflussstauung zur Folge. Als typisch für die Erkrankung gilt eine obere sowie eine untere Einflussstauung. Weitere Symptome können Wasseransammlungen im Körper (Ödeme), eine Vergrößerung der Leber (Hepatomegalie), die nicht selten mit einem Wasserbauch (Aszites) verbunden ist.

Auch eine Nierenstauung ist möglich, bei der sich in den Gliedmaßen Wasser anlagert. Hervorgerufen wird der Nierenstau durch einen Mangel an Eiweiß. Zu den häufig auftretenden Beschwerden gehören außerdem Atemnot, Leistungsschwäche, ein starkes Hervortreten der Halsvenen und eine bläuliche Verfärbung der Lippen.

Grund für die Stauung ist die Unbeweglichkeit des Perikards, wodurch die Herzkammern nicht mehr genügend Blut erhalten und sich das venöse Blut anstaut. Die verringerte Füllung in den Herzkammern bewirkt, dass der Körper nur noch unzureichend Sauerstoff erhält. Aus diesem Grund schlägt das Herz oft in einem bestimmten Galopprhythmus.

Außerdem kann ein Pulsus paradoxus vorkommen. Ein weiteres typisches Merkmal der Pericarditis constrictiva stellen die Anzeichen einer Rechtsherzinsuffizienz (Rechtsherzschwäche) dar.

Diagnose & Krankheitsverlauf

Besteht Verdacht auf eine Pericarditis constrictiva, ist eine Untersuchung beim Arzt empfehlenswert. Im Rahmen der Untersuchungen nimmt der Mediziner ein EKG vor. Mit dessen Hilfe lässt sich die konstriktive Perikarditis durch unspezifische Veränderungen feststellen.

Auffällig sind in erster Linie Negativierungen der T-Welle. Im Falle einer umfangreichen Vernarbung kann zudem eine Niedervoltage vorliegen. Beim Abhören der Herztöne nimmt der Arzt meist einen dritten zusätzlichen Ton wahr. Durch diesen entsteht der Eindruck eines Galopprhythmus. Verantwortlich für diesen Herzton ist der abrupte Füllungsstopp innerhalb der Herzkammern.

Mit einer Echokardiographie ist ein verstärktes Echo an den vernarbten Arealen des Herzbeutels feststellbar. Auch eine reduzierte Herzbeweglichkeit lässt sich im Rahmen einer Echtzeitbeobachtung ermitteln. Dabei kommt es zu einem verfrühten Anhalten der Ventrikelfüllung innerhalb der Diastole.

Durch eine Röntgenuntersuchung besteht die Möglichkeit, Verkalkungen zu erfassen. Weitere hilfreiche Untersuchungsmethoden stellen die Computertomographie (CT) und die Magnetresonanztomographie (MRT) dar. So lässt sich bei einer Computertomographie die Dicke des Herzbeutels ermitteln, während die Kernspintomographie Aufschlüsse über die Veränderungen im Perikard liefert.

Der Verlauf der Pericarditis constrictiva hängt davon ab, zu welchem Zeitpunkt ein operativer Eingriff erfolgt. Wird dieser zu spät vorgenommen und ist die Krankheit schon weit fortgeschritten, gilt die Prognose eher als negativ.

Behandlung & Therapie

Zur Behandlung einer Pericarditis constrictiva kommen oft Diuretika zur Anwendung. Durch die Einnahme dieser harntreibenden Medikamente lässt sich der Körper entwässern, wodurch eine Entlastung des Herzens möglich ist. Da jedoch die eigentliche Ursache der Erkrankung mit diesem Vorgehen unbehandelt bleibt, liegt nur eine begrenzte Wirkung vor.

Als sinnvoller gilt dagegen eine Operation, um das Herz aus dem vernarbten Herzbeutel zu befreien. Der Eingriff trägt die Bezeichnung Perikardektomie. In dessen Rahmen entfernt der Chirurg den größten Teil des Perikards. In der Regel kann die Perikardektomie ohne eine Herz-Lungen-Maschine vorgenommen werden.

Wichtig ist jedoch, dass die Operation stattfindet, bevor es zu einer unmittelbaren Schädigung des Herzmuskels kommt. Ferner ist auf irreversible Schäden an Leber und Nieren aufgrund der Stauung zu achten. Nach dem Eingriff muss der Patient noch einige Tage auf der Intensivstation bleiben, damit sich das Herz an die neuen Abläufe gewöhnen kann. Darüber hinaus besteht nach der Operation noch immer die Gefahr von Herzversagen.




Vorbeugung

Vorbeugende Maßnahmen gegen eine Pericarditis constrictiva sind nicht bekannt. So lässt sich in vielen Fällen keine konkrete auslösende Ursache finden.

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