Herzbeutelentzündung

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 20. November 2017
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So vielfältig wie die möglichen Ursachen einer Herzbeutelentzündung oder Perikarditis sind, sind auch die jeweiligen Behandlungsmöglichkeiten. Bei meist guten Heilungschancen ist ein Vorbeugen schwierig.

Inhaltsverzeichnis

Definition Herzbeutelentzündung

Der Herzbeutel ist eine Gewebehülle, die das Herz umgibt. Diese Gewebehülle wird auch als Perikard bezeichnet. In der Medizin wird die Herzbeutelentzündung darum auch als Perikarditis bezeichnet.

Symptomatisch bemerkbar macht sich die Herzbeutelentzündung beim Betroffenen beispielsweise durch starke Schmerzen unterhalb des Brustbeins. Häufig verstärken sich diese Schmerzen bei körperlicher Bewegung oder bei tiefem Atmen. Neben den Schmerzen kann eine Herzbeutelentzündung auch zu Fieber führen.

Unterschieden werden kann zwischen einer sogenannten primären Herzbeutelentzündung und einer sekundären Herzbeutelentzündung. Die häufiger auftretende primäre und die seltenere sekundäre Herzbeutelentzündung unterschieden sich unter anderem in den ihnen zugrunde liegenden Ursachen.

Begleitet werden kann eine Herzbeutelentzündung in vielen Fällen von einem sogenannten Perikarderguss (also einem Herzbeutelerguss). Hierbei kommt es zu einer Ansammlung von Flüssigkeit im Herzbeutel.

Ursachen

Es gibt verschiedene Ursachen, die einer Herzbeutelentzündung zugrunde liegen können. Während die primäre Herzbeutelentzündung in den meisten Fällen durch Viren ausgelöst wird (in selteneren Fällen auch durch Bakterien), sind für eine sekundäre Herzbeutelentzündung Erkrankungen verantwortlich, die nicht hauptsächlich das Herz betreffen.

Kann einer Herzbeutelentzündung keine eindeutige Ursache zugeordnet werden, so spricht man hierbei in der Medizin auch von einer idiopathischen Herzbeutelentzündung.

Ursache einer viral bedingten Herzbeutelentzündung sind häufig sogenannte Coxsackie-Viren. Aber auch Influenzaviren oder Adenoviren können für eine Herzbeutelentzündung verantwortlich sein.

Bakterien, die zu einer Herzbeutelentzündung führen, stammen häufig aus Entzündungsherden im Körper und werden über das Blut ins Herz transportiert. Eine sekundäre Herzbeutelentzündung schließlich kann beispielsweise durch verschiedene Krebserkrankungen entstehen, bei denen sich Metastasen im Herzbeutel bilden.

Typische Symptome

Diagnose & Verlauf

Herzbeutelentzündung

Um eine Herzbeutelentzündung zu diagnostizieren, erfolgen durch den behandelnden Arzt meist zunächst eine Befragung des Patienten zu seiner Krankengeschichte und eine körperliche Untersuchung mit dem Stethoskop statt.

Im Fall eines Verdachts auf Herzbeutelentzündung kann dann unter anderem ein EKG durchgeführt und Blut abgenommen werden (Letzteres, um Hinweise auf eine Entzündung zu erhalten).

In den meisten Fällen nimmt eine Herzbeutelentzündung einen guten Heilungsverlauf. Vor allem, wenn die Herzbeutelentzündung durch Viren bedingt ist, tritt eine Heilung häufig bereits nach einigen Wochen ein. In einigen Fällen kann es aber zu Komplikationen kommen, wenn beispielsweise die Herzbeutelentzündung auf andere Strukturen des Herzens übergreift.

Eine weitere Komplikation ist beispielsweise die Herzbeuteltamponade. Hierbei wird der Druck des Herzbeutels auf die Herzvorhöfe so hoch, dass der Blutdruck stark sinkt.

Komplikationen

Eine akute Herzbeutelentzündung heilt bei richtiger Behandlung zumeist ohne Komplikationen ab. Bleibt die Perikarditis allerdings unbehandelt, können sich lebensbedrohliche Herzprobleme einstellen. Zunächst besteht die Gefahr, dass die Entzündung auf andere Schichten des Herzens übergreift und zu einer Herzmuskel- oder Herzinnenschicht-Entzündung führt. Auch eine Herzbeuteltamponade kann entstehen.

Dabei sammelt sich Flüssigkeit im Herzbeutel an und drückt auf das Herz, was im Extremfall zu einem kardiogenen Schock führt. Dauerhaft kann ein solcher Herzbeutelerguss weitere Erkrankungen und Symptome wie zum Beispiel Blutungen oder eine Rechtsherzinsuffizienz hervorrufen. Chronische Entzündungen des Herzbeutels können zu einem sogenannten „Panzerherz“ führen, bei welchem sich der Herzbeutel kapselartig verhärtet und verkalkt.

Langfristig kann ein Panzerherz zu bleibenden Herzschäden führen und die Pumpfunktion des Herzens stark beeinträchtigen. Zudem kann es zu dauerhaften stauungsbedingten Nieren- oder Leberschäden kommen, die mit weiteren Komplikationen verbunden sind. So kann eine angeschwollene Leber zu Schwellungen der Beine und Flüssigkeitsansammlungen in der Bauchhöhle führen. Eine geschädigte Niere kann Bluthochdruck, Vergiftungen und weitere Beschwerden hervorrufen. Zudem sind die Betroffenen meist stark erschöpft und leiden unter diversen Begleitsymptomen.

Wann sollte man zum Arzt gehen?

Man sollte auf jeden Fall sofort einen Arzt aufsuchen, wenn bei einem Infekt körperliche Symptome wie Schmerzen auf der linken Seite des Brustkorbes und hinter dem Brustbein auftreten, besonders bei gleichzeitigem Schwächegefühl. Gerade bei bakteriellen Infekten oder bei Menschen mit Autoimmunerkrankungen besteht eine erhöhte Anfälligkeit für eine Herzbeutelentzündung. Aber auch wenn kein Infekt vorliegt, sollten Symptome, die auf Herzprobleme hindeuten können, immer ernst genommen werden und in jedem Fall ärztlich abgeklärt werden.

Wer schnell erschöpft ist, wiederholt zu Fieber neigt und öfter unter Herzstechen leidet, sollte sich unverzüglich in ärztliche Behandlung begeben, weil eine unbehandelte Herzerkrankung lebensgefährlich sein kann. Je früher die Behandlung einsetzt, umso besser sind die Heilungschancen. Wenn bei einem grippalen Infekt mit Fieber Schmerzen hinter dem Brustbein und Atemnot auftreten und der Kreislauf so instabil ist, dass ein Kreislaufkollaps droht, muss sofort ein Notarzt gerufen werden. Zusätzlich muss bei Atemnot und einem Verdacht auf einen Herzinfarkt bis zum Eintreffen des Notarztes und Rettungswagens Erste Hilfe geleistet werden.

Behandlung & Therapie

Für eine erfolgreiche Therapie der Herzbeutelentzündung ist unter anderem die Diagnose entsprechender Ursachen wichtig, um auch eventuell grundlegende Erkrankungen behandeln zu können. Unabhängig von der Ursache ist bei einer Herzbeutelentzündung aber in der Regel zunächst eine körperliche Schonung durch Bettruhe notwendig. Während in vielen Fällen die Herzbeutelentzündung medikamentös therapiert werden kann, ist in einigen Fällen eine Operation notwendig.

Ist eine Herzbeutelentzündung von Viren verursacht worden, bestehen Möglichkeiten der medikamentösen Therapie unter anderem in der Gabe von entzündungs- und schmerzhemmenden Medikamenten. Hier ist vornehmlich eine Symptombekämpfung möglich. Stecken Bakterien hinter einer Herzbeutelentzündung, lassen sich diese zusätzlich durch Antibiotika bekämpfen. Liegt beispielsweise eine Autoimmunerkrankung einer sekundären Herzbeutelentzündung zugrunde, kann eine Therapie immunsuppressive Medikamente integrieren. Ist ein Nierenversagen für die Herzbeutelentzündung verantwortlich, kann zusätzlich zur medikamentösen Behandlung eine Dialyse notwendig werden.

Tritt im Rahmen einer Herzbeutelentzündung beispielsweise eine Herzbeuteltamponade auf, ist eine mögliche operative Maßnahme die sogenannte Perikardpunktion, notwendig. Hierbei wird die Flüssigkeit aus dem Herzbeutel, die auf die Herzkammern drückt, abgelassen. Bildet sich die Flüssigkeit schnell nach, kann im Zuge des Eingriffs auch das Legen eines Herzkatheters zur kontinuierlichen Ableitung der Flüssigkeit aus dem Herzbeutel notwendig werden.

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Vorbeugung

Es gibt wenige Möglichkeiten, einer Herzbeutelentzündung vorzubeugen. Ist ein Patient betroffen von wiederholten Herzbeutelentzündungen, denen keine Ursache zugeordnet werden kann, ist in Rücksprache mit dem behandelnden Arzt gelegentlich die Gabe eines prophylaktischen Medikaments möglich.

Das können Sie selbst tun

Personen, bei denen eine Herzbeutelentzündung diagnostiziert wurde, können die ärztliche Behandlung durch einige Maßnahmen und verschiedene Mittel aus dem Haushalt und der Natur unterstützen.

Wichtig ist vor allem Bettruhe, denn nur durch Schonung verläuft die Genesung optional und ohne Komplikationen. Betroffene sollten sich außerdem gesund ernähren, Stress vermeiden und auf regelmäßige, aber moderate körperliche Bewegung achten. Eine medikamentöse Therapie kann durch natürliche Mittel unterstützt werden. Neben Kräutertee aus Kamille oder Melisse bieten sich auch sanfte Präparate aus Baldrian an.

Bei starken Schmerzen im Bereich des Herzens sollte jedoch der Arzt eingeschaltet werden. Generell ist bei einer Perikarditis eine ärztliche Überwachung notwendig, insbesondere bei Vorerkrankungen und anderen Risikofaktoren.

Bestimmte Hausmittel wie warme Wickel oder Auflagen dürfen aber in den meisten Fällen angewendet werden. Nach Rücksprache mit dem Arzt können verschiedene Mittel aus dem Bereich der Homöopathie probiert werden. Bewährt hat sich zum Beispiel das Mittel Kalium carbonicum oder auch „Pottasche“. Bei stechenden Brustschmerzen helfen Asclepias tuberosa oder Kalmia. Sollte die Herzbeutelentzündung trotz aller Maßnahmen nicht zurückgehen, ist eine weitere ärztliche Untersuchung notwendig.

Bücher über Herzerkrankungen

Quellen

  • Erdmann, E.: Klinische Kardiologie. Springer, Heidelberg 2011
  • Herold, G.: Innere Medizin. Selbstverlag, Köln 2016
  • Roskamm, H., et al.: Herzkrankheiten. Springer, Heidelberg 2004

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