Einflussstauung

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 9. Oktober 2017
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Als Einflussstauung wird ein gestörter venöser Rückstrom des Blutes aus dem Körperkreislauf über die obere oder die untere Hohlvene in den rechten Vorhof bezeichnet. Es entsteht in einer oder in beiden Hohlvenen ein Rückstau, der durch eine innere Blockade in einer der beiden Venen oder durch eine von außen bewirkte Kompression entsteht. Eine Rechtsherzinsuffizienz kann ebenfalls zu einer Einflussstauung führen mit den gleichen Symptomen.

Inhaltsverzeichnis

Was ist eine Einflussstauung?

Der venöse Rückstrom des Blutes aus dem Körperkreislauf verläuft zentral über die obere Hohlvene (Vena cava superior) und die untere Hohlvene (Vena cava inferior), die beide in den rechten Vorhof münden. Wenn der Rückfluss des venösen Blutes in einer der beiden Hohlvenen gestört ist, liegt eine Einflussstauung vor.

Je nachdem welche der beiden Hohlvenen betroffen ist, spricht man von oberer oder unterer Einflussstauung. Falls die Ursache nicht in oder an einer der beiden Hohlvenen selbst liegt, sondern am rechten Vorhof, weil er aufgrund einer Rechtsherzinsuffizienz das venöse Blut nicht vollumfänglich aufnehmen kann, sind beide Hohlvenen gleichermaßen betroffen.

Eine obere oder untere Einflussstauung kann auch grundsätzlich durch einen Verschluss innerhalb einer der beiden Hohlvenen eintreten oder durch eine äußere Blockade, zum Beispiel durch eine Kompression, verursacht werden.

Ursachen

Die Ursachen für Einflussstauungen sind sehr vielfältig und in der Häufigkeitsverteilung unterschiedlich für die obere und die untere Einflussstauung. Eine innere Verlegung der beiden Hohlvenen durch verklumptes Blut (Thromben) ist relativ selten.

Als häufigste Ursache für eine isoliert auftretende obere Einflussstauung sind Gewebswucherungen (Karzinome), die zu einer Kompression der oberen Hohlvene bis hin zu einem völligen Verschluss führen können.

Es handelt sich dabei meist um Bronchialkarzinome, Lymphome, Schilddrüsenkarzinome oder auch um eine akute lymphatische Leukämie (T-ALL). Die Ursachen für eine isoliert auftretende untere Einflussstauung sind meist Thromben, die sich direkt in der unteren Hohlvene festsetzen oder den Verschluss tiefer Venen (Phlebothrombose) bewirken. Häufig wird die untere Einflussstauung auch durch eine Kompression einzelner oder mehrerer Hauptvenen verursacht.

Eine Kompression kann durch maligne oder benigne Gewebswucherungen oder durch ein Aneurysma in der absteigenden Aorta im Bauchbereich hervorgerufen werden. Bei hochschwangeren Frauen kann eine vorübergehende untere Einflussstauung auftreten, wenn der Uterus in Rückenlage die untere Hohlvene verlegt.

In vielen Fällen, in denen gleichzeitig Symptome der oberen und der unteren Einflussstauung auftreten, liegt eine Rechtsherzschwäche vor, bei der die ordnungsgemäße Entleerung und Wiederbefüllung des rechten Vorhofs gestört ist.

Symptome, Beschwerden & Anzeichen

Obere und untere Einflussstauungen werden durch unterschiedliche Symptome und Beschwerden begleitet und charakterisiert. Allgemeine Symptome und Anzeichen, die beide Formen der Einlassstauung charakterisieren, sind nach außen sichtbar geweitete Venen im Bereich des Einlassstaus. Weitere sichtbare Anzeichen können eine Blauverfärbung der Haut (Zyanose) und Ödeme sein.

Die Zyanose entsteht durch mangelhafte Sauerstoffversorgung bei anhaltendem Einlassstau, und Ödeme können sich beispielsweise durch eine Erhöhung des hydrostatischen Drucks im Bereich der Kapillaren bilden. Neben angeschwollenen Halsvenen ist für die obere Einflussstauung auch ein Anschwellen der sogenannten Drosselvene (Vena jugularis externa) charakteristische.

Sie verläuft vom Hals in Richtung Schlüsselbein und ist im angeschwollenen Zustand gut sichtbar. In liegender Position in Rückenlage sind die symptomatisch angeschwollenen Halsvenen besonders gut sichtbar, weil die Unterstützung des Blutrückflusses in den rechten Vorhof durch die Schwerkraft wegfällt.

Diagnose & Krankheitsverlauf

Die Anzeichen für das Vorliegen einer Einflussstauung sind zwar meist erkennbar, nicht aber die Ursachen für die krankhaften Veränderungen. Bei gleichzeitigem Auftreten der oberen und unteren Einflussstauung besteht Verdacht auf einer Rechtsherzschwäche, deren Ursachen abgeklärt werden können.

Bei Auftreten einer oberen Einflussstauung, deren zugrunde liegenden Ursachen nicht ohne Weiteres erkennbar sind, kann der Einsatz bildgebender Verfahren wie Computer Tomografie (CT), Magnetresonanztomografie (MRT) oder auch eine Thorax-Röntgenaufnahme weitere Klarheit schaffen. Der Verlauf einer Einflussstauung hängt vom Verlauf und der Therapierung der verursachenden Grunderkrankung ab. Beispielsweise kann eine erfolgreiche Eindämmung eines Tumors durch Strahlen- und/ oder Chemotherapie eine zügige Entlastung einer Venenkompression bewirken, so dass sich die Symptome der Einflussstauung ebenso zügig verbessern.

Komplikationen

Die Beschwerden und Komplikationen bei einer Einflussstauung hängen relativ stark vom betroffenen Bereich ab. In den meisten Fällen kommt es allerdings zu Schwellungen und Schmerzen an den betroffenen Regionen, sodass der Patient in seiner Bewegung und im Alltag stark eingeschränkt wird. Die Haut färbt sich in den meisten Fällen blau und die Regionen werden nicht mehr ausreichend mit Sauerstoff versorgt.

Bei einer langanhaltenden Unterversorgung mit Sauerstoff kann es zu schwerwiegenden Folgeschäden und Komplikationen kommen. Im schlimmsten Falle können Extremitäten absterben oder irreversibel geschädigt werden. Sollte die Einflussstauung durch einen Tumor entstehen, so wird dieser in der Regel operativ entfernt. Der weitere Verlauf der Krankheit hängt allerdings von der Art und Ausbreitung des Tumors ab, sodass dabei kein allgemeiner Krankheitsverlauf vorhergesagt werden kann.

Bei einem Blutgerinnsel können Medikamente eingesetzt werden, um dieses zu lösen. Dabei kommt es meistens zu keinen weiteren Komplikationen. In schwerwiegenden Fällen kann auch das Herz betroffen sein, wobei es zu einer Insuffizienz kommen kann. Diese kann im schlimmsten Falle auch zum Tode führen. Die Lebenserwartung wird durch die Krankheit verringert.

Wann sollte man zum Arzt gehen?

Bei einer Einflussstauung muss umgehend ein Arzt aufgesucht werden. Unbehandelt kann diese Erkrankung im schlimmsten Falle zum Tod des Betroffenen oder zu irreversiblen Schäden an den inneren Organen führen. Der Arzt sollte dann aufgesucht werden, wenn der Patient eine Blaufärbung der Haut aufweist oder Schwierigkeiten beim Atmen hat. In der Regel ist dabei die Atemfrequenz deutlich erhöht. Weiterhin können auch angeschwollene und vergrößerte Venen am Hals auf die Einflussstauung hindeuten und sollten sofort von einem Arzt untersucht werden.

Vor allem in einer liegenden Position sind diese Symptome schnell zu identifizieren. Sollte der Betroffene durch die Einflussstauung das Bewusstsein verlieren, so muss sofort ein Notarzt gerufen oder das Krankenhaus aufgesucht werden. Die Behandlung erfolgt dabei in der Regel operativ und ist mit einem stationären Aufenthalt im Krankenhaus verbunden. Auch die Lebenserwartung wird dadurch meistens verringert. Weiterhin ist der Betroffene auf regelmäßige Kontrollen und Untersuchungen angewiesen, um eine erneute Einflussstauung zu verhindern.

Behandlung & Therapie

Einflussstauungen beruhen immer auf einer verursachenden Grunderkrankung, so dass Behandlungen in der Regel auf eine Therapierung der Grunderkrankung abzielen. Das bedeutet, dass beispielsweise Venenkompressionen durch Behandlung oder operative Entfernung verursachender Tumoren verbessert werden können, so dass sich auch die Einflussstauung verbessert.

Wenn ein Thrombus, ein Blutgerinnsel eine wichtige Vene „verstopft“, kann die Therapie in einer medikamentösen Auflösung des Thrombus bestehen oder in der Schaffung einer Umgehung des blockierten Venenstücks. Entsprechende Stents stehen für einen Einsatz als Venenersatz zur Verfügung.

Im Fall einer Rechtsherzinsuffizienz müssen die Ursachen geklärt werden, um eine gezielte Therapie zu beginnen. Bei vorliegender Insuffizienz der Trikuspidalklappe, kann es notwendig werden, die Klappe durch eine künstliche Klappe zu ersetzen. Die Trikuspidalklappe ist eine sogenannte Segelklappe, mit deren Hilfe der Blutstrom vom rechten Vorhof zur rechten Kammer gesteuert wird.

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Vorbeugung

Vorbeugende Maßnahmen zur Vermeidung einer Einflussstauung müssen sich in der Regel auf vorbeugende Maßnahmen zur Vermeidung einer der Grunderkrankungen richten, die eine Einflussstauung verursachen können. Direkte vorbeugende Maßnahmen existieren nicht.

Grundsätzlich ist eine immunstärkende Lebensform und Ernährungsweise zu empfehlen. Dazu gehört auch, dass sich Phasen mit verstärkten Stressoren und Entspannungsphasen abwechseln, so dass ein natürliches Wechselspiel zwischen dem sympathischen und parasympathischen Nervensystem entsteht.

Das können Sie selbst tun

Wenn eine Einflussstauung vorliegt, ist eine engmaschige ärztliche Überwachung angezeigt. Der Mediziner muss die Beschwerden im Hinblick auf die Grunderkrankung beobachten und zielgerichtet behandeln, denn nur so lassen sich etwaige Komplikationen ausschließen. Die Betroffenen können selbst nicht viel tun, sollten bei ungewöhnlichen Symptomen allerdings sofort den Arzt aufsuchen. Davon ab muss die Grunderkrankung behandelt werden.

Bei einer Krebserkrankung beschränken sich die Selbsthilfe-Maßnahmen auf einen gesunden Lebensstil und die Vermeidung von Stress. Wucherungen des Gewebes bedürfen einer operativen Behandlung, die durch Schonung und Bettruhe unterstützt werden kann. Auch bei einer Thrombose ist in erster Linie Schonung wichtig. Im späteren Verlauf können außerdem durchblutungsfördernde Maßnahmen durchgeführt werden. So kann regelmäßige Bewegung oder sogar eine umfassende Krankengymnastik die Genesung fördern und damit auch zu einer raschen Auflösung der Einflussstauung beitragen. Eine geeignete Diät unterstützt diese Maßnahmen. Der neue Ernährungsplan wird am besten gemeinsam mit einem Ernährungsberater und im Hinblick auf etwaige Allergien, Unverträglichkeiten oder Vorerkrankungen erstellt.

Sollte die Einflussstauung trotz allem nicht zurückgehen, muss noch einmal mit dem Arzt gesprochen werden. Meist ist dann ein chirurgischer Eingriff vonnöten.

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Quellen

  • Luther, B. (Hrsg.): Kompaktwissen Gefäßchirurgie. Springer, Berlin 2011
  • Marshall, M., Loew, D.: Venenerkrankungen. Springer, Berlin 2003
  • Piper, W.: Innere Medizin. Springer, Berlin 2013

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