Aszites

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 4. Dezember 2017
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Aszites oder Bauchwassersucht ist eine Ansammlung von Flüssigkeit in der Bauchhöhle und stellt in aller Regel ein Symptom einer fortgeschrittenen Grunderkrankung mit zumeist infauster (ungünstiger) Prognose dar. In der überwiegenden Zahl der Fälle korreliert ein Aszites mit einer Leberzirrhose.

Inhaltsverzeichnis

Was sind Aszites?

Als Aszites (auch Bauchwassersucht) wird eine pathologische Flüssigkeitsansammlung in der freien Peritonealhöhle (Bauchhöhle) bezeichnet, die sich in der Regel als Symptom einer progredienten Grunderkrankung mit zumeist schlechter Prognose manifestiert.

In den meisten Fällen äußert sich ein Aszites anhand eines vergrößerten Bauchumfangs bzw. vorgewölbten Bauches mit verstrichenem Nabelbereich, dem oftmals eine Flatulenz (Blähungen) vorausgeht. Teilweise kann sich infolge des Aszites eine Nabelhernie (Hernia umbilicalis) entwickeln.

Ein Aszites kann anhand des Aussehens in seriösen (klaren bis gelblichen), chylösen (milchigen), hämorrhagischen (blutigen) sowie eitrigen (bakteriell bedingten) Aszites differenziert werden.

Ursachen

Die häufigste Ursache für einen Aszites ist eine fortgeschrittene Leberinsuffizienz wie Leberzirrhose (80 Prozent). Eine Leberzirrhose kann durch Medikamenten- und/oder Alkoholabusus, chronische Hepatitis, Autoimmunhepatitis, nicht-alkoholische Steatohepatitis (Fettleber-Hepatitis) sowie in selteneren Fällen durch Hämochromatose (Eisenspeicherkrankheit) oder Morbus Wilson (Kupferspeicherkrankheit) bedingt sein.

Bedeutend ist, dass die Leber mit dem Fortschreiten der Leberzirrhose zunehmend vernarbt. Dadurch wird der Blutfluss behindert, was zu einer Blutstauung im Bauchraum führt. Das Blut wird durch den Druck aus den Gefäßen gepresst und tritt in die freie Bauchhöhle aus. Katalysiert wird dieser Prozess zusätzlich durch die verminderte Synthese von Bluteiweißen, insbesondere von Albumin, durch die zunehmend insuffiziente Leber.

Darüber hinaus können maligne (bösartige) Tumoren sowie entzündliche Veränderungen der Peritonealhöhle (Peritonitis) bzw. Bauchspeicheldrüse (Pankreatitis) ein Aszites hervorrufen. Eine Rechtherz- und Niereninsuffizienz gelten zudem als begünstigende Faktoren.

Typische Symptome & Anzeichen

Diagnose & Verlauf

Ein Aszites kann im Rahmen einer Palpation (Abtasten) und Perkussion (Abklopfen) des Abdomens ab einer akkumulierten Flüssigkeit von etwa 1 Liter nachgewiesen werden. Darüber hinaus wird die Diagnose durch eine abdominelle Sonographie, durch welche bereits Flüssigkeitsmengen ab 50 bis 200 ml festgestellt werden können, abgesichert.

Bei ungeklärter Ursache kommt in aller Regel eine Aszitespunktion mit anschließender Analyse der punktierten Flüssigkeit und/oder eine Computertomographie zum Einsatz. Ist die punktierte Flüssigkeit milchig oder blutig sollte durch eine Bauchspiegelung abgeklärt werden, ob Traumata oder Tumoren zugrunde liegen. Ein eitriger Aszites weist dagegen auf eine entzündliche Erkrankung des Bauchraums (Peritonitis). Zudem werden bei Verdacht auf eine Leberinsuffizienz die Leberwerte (v.a. Albumin) kontrolliert.

Ein ausgeprägter Aszites kann untherapiert zu Leistenbruch oder Nabelbruch, einem gestörten Natrium-Kalium-Haushalt, Niereninsuffizienz sowie Tachykardie führen. Generell hängt die Prognose von der spezifisch vorliegenden Grunderkrankung ab. Tritt der Aszites im Zusammenhang mit einer Leberzirrhose auf, ist dies ein prognostisch infaustes Zeichen, da ungefähr die Hälfte der Betroffenen innerhalb von 5 Jahren nach Diagnosestellung stirbt.

Dagegen bildet sich ein Aszites infolge einer akuten Pankreatitis in der Regel mit Ausheilung der Grunderkrankung zurück.

Komplikationen

Die Aszites geht mit verschiedenen Komplikationen einher. Fast immer verursacht die Bauchwandsucht Hernien in der Darmwand. Die Einrisse können sich entzünden und zu schweren Infektionen im Bauch- und Darmraum führen. Der erhöhte intraabdominelle Druck erhöht außerdem das Risiko einer Hydrothorax und weiteren Schädigungen des Magen-Darm-Traktes.

Des Weiteren kann eine Aszites Folgeerscheinungen wie die Dyspnoe, einen Zwerchfellhochstand oder einen Upside-down-Magen verursachen. Eine bakterielle Virusinfektion kann neben oftmals starken Schmerzen, Fiebersymptomen und Druckgefühlen, weitere Komplikationen wie akutes Nierenversagen bedingen. Bei einer Leberzirrhose erhöht die Aszites das Risiko von Varizenblutungen. Eine besonders gefährliche Komplikation ist die spontane bakterielle Peritonitis, eine Auswanderung der Darmbakterien in andere Körperregionen.

Die Störung tritt oft ohne nennenswerte Symptome wie Fieber oder Schmerzen im Abdominalbereich auf, führt jedoch bei bis zu 50 Prozent aller Patienten zum Tod. Bei der Therapie einer Aszites können Komplikationen auftreten, wenn bei einer Operation die Darmwand verletzt wird. Wird Lokalanästhetikum verabreicht, kann es zu allergischen Reaktionen kommen. Die diagnostische Aszites-Punktion kann Infektionen und stärkere Blutungen auslösen. Selten kommt es zur Verletzung von Organen im Bauchraum.

Ab wann sollte man zum Arzt gehen?

Bei dem Verdacht auf eine Aszites sollte möglichst rasch ein Arzt konsultiert werden. Sollte es zu einer ungewöhnlichen Gewichtszunahme oder Schwellungen im Bauchraum kommen, muss ein Arzt die Ursache abklären. Dasselbe gilt, wenn ganz plötzlich ein allgemeines Unwohlsein, ein Druckempfinden in der Bauchregion oder ein stechender Schmerz unter dem Brustbein auftritt. Bleiben diese Beschwerden länger als einige Tage bestehen, empfiehlt es sich, medizinischen Rat einzuholen. Bei anhaltenden Blähungen oder Symptomen einer Verstopfung sollte ebenfalls ein Arzt eingeschaltet werden.

Blut im Urin oder Stuhl sowie Erbrechen oder Durchfall sind weitere Warnzeichen, die einer medizinischen Abklärung bedürfen. Patienten, die unter einer Herzerkrankung, Tumoren des Bauchfells oder einer akuten Bauchspeicheldrüsenentzündung leiden, sollten mit einem Arzt sprechen. Womöglich liegt der Bauchwassersucht auch eine Chlamydien- oder Gonokokkeninfektion, Tuberkulose oder eine entzündliche Gefäßerkrankung zugrunde. Patienten mit einer entsprechenden Krankengeschichte sollten ungewöhnliche Symptome umgehend abklären lassen, da möglicherweise bereits eine Aszites entstanden ist. Eine rasche Behandlung ist dann unter Umständen lebenswichtig.

Behandlung & Therapie

Die therapeutischen Maßnahmen hängen bei einem Aszites vom Ausmaß und der zugrunde liegenden Erkrankung ab. Bei einem gering ausgeprägten Aszites zielt die medikamentöse Therapie mit Diuretika (u.a. Spironolacton, Xipamid, Furosemid) in Kombination mit einer minimierten Flüssigkeitszufuhr (1,2 bis 1,5 Liter täglich) auf die Reduzierung bzw. Ausschwemmung der in der freien Peritonealhöhle befindlichen Flüssigkeit.

Hierbei sollten die Nierenwerte regelmäßig kontrolliert werden, da ein zu schnelles Ausschwemmen eine Niereninsuffizienz (hepatorenales Syndrom) bedingen kann. Bleibt die medikamentöse Therapie erfolglos bzw. liegt ein ausgeprägter Aszites vor, kann eine Paracentese (Aszitespunktion) infrage kommen. Da mit der Flüssigkeit hohe Konzentrationen an Bluteiweißen abgeleitet werden, sollte die Leberfunktion überprüft werden. Bei insuffizienter Funktion der Leber ist eine Albuminsubstitution durch Infusionen zur Kompensation angezeigt.

Im Rahmen eines operativen Eingriffs kann zudem ein TIPS (transjugulärer intrahepatischer portosystemischer Stentshunt) zur Druckminimierung im Pfortadersystem oder ein peritoneovenöser Shunt implantiert werden, durch welche die Flüssigkeit über einen Katheder abgeleitet werden kann.

Grundsätzlich sollte immer die Grunderkrankung des Aszites therapiert werden. So kann gegebenenfalls bei Vorliegen einer Leberzirrhose eine Lebertransplantation indiziert sein. Tumoren bzw. deren Metastasen im Bauchraum werden in aller Regel chemotherapeutisch angegangen, während ein blutiger bzw. milchiger Aszites infolge eines Traumas unter Umständen chirurgisch behandelt werden muss.

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Aussicht & Prognose

Die Prognose bei einer Aszites ist abhängig von der vorliegenden Grunderkrankung. Da es sich hierbei um keine alleinstehende Krankheit sondern um eine Folgeerscheinung aufgrund von Vorerkrankungen handelt, muss zuerst die Ursache der Grunderkrankung gefunden und behandelt werden. Gelingt dies, bildet sich auch die Aszites vollständig zurück, bis sie vollständig verschwunden ist.

Bei schwerwiegenden Erkrankungen wie Krebs, hängt die Prognoseaussicht von dem Zeitpunkt der Diagnose und der Art des Tumors ab. Ist er gut behandelbar und wird er frühzeitig entdeckt, bestehen oftmals gute Heilungschancen. Dies ändert sich, sobald der Tumor gestreut hat oder bereits große Schädigungen des Gewebes vorhanden sind.

Bei einer chronischen Grunderkrankung ist die Prognose ebenfalls weniger optimistisch. Chronische Krankheiten haben einen progressiven Krankheitsverlauf. Es kommt daher stetig zu einer Zunahme der vorhandenen Beschwerden. Bei einer Behandlung wird versucht, Einfluss auf den Krankheitsverlauf zu nehmen und möglichst lange eine Verzögerung des Fortschreitens zu bewirken. Zudem werden einzelne Symptome im Rahmen der Möglichkeiten bekämpft. Dennoch bestehen selten Heilungsaussichten.

Um die Beschwerden einer Aszites zu minimieren, wird innerhalb einer Behandlung die überschüssige Flüssigkeit abgeleitet. Da sie sich aufgrund der Erkrankung neu bildet, handelt es sich hierbei jedoch nicht um einen Eingriff, der eine Heilung bewirken kann.

Vorbeugung

Einem Aszites kann durch die konsequente Therapie der potenziellen Grunderkrankungen vorgebeugt werden. Zudem geht ein Aszites in den meisten Fällen mit einer Leberzirrhose einher, die insbesondere durch Alkohol- und Medikamentenabusus verursacht wird. Schutzimpfungen gegen entzündliche Lebererkrankungen (Hepatitis) stellen ebenfalls eine prophylaktische Maßnahme gegen Aszites dar.

Das können Sie selbst tun

Die ärztliche Behandlung orientiert sich bei einem Aszites an dem Ausmaß der Beschwerden und der ursächlichen Erkrankung. Ein schwach ausgeprägtes Aszites bedarf nicht unbedingt einer umfassenden Therapie. Meist genügt die Einnahme sanfter Diuretika, die in Verbindung mit Schonung und Bettruhe eine schnelle Linderung versprechen. Begleitend dazu muss die Flüssigkeitszufuhr reduziert werden, um die Ausschwemmung der infizierten Flüssigkeit zu gewährleisten.

Nach der akuten Phase muss der Wasserhaushalt des Körpers durch entsprechende Mehraufnahme von Flüssigkeit wieder ausgeglichen werden. Begleitend dazu muss die Diät umgestellt werden. Durch eine gesunde und ausgewogene Ernährung, die im besten in Zusammenarbeit mit einem Ernährungsmediziner erstellt wird, sollten die Beschwerden rasch zurückgehen. Falls sich dennoch Komplikationen einstellen sollten, muss der zuständige Arzt informiert werden. Womöglich hat sich ein Rezidiv gebildet oder es liegt ein anderes Problem vor, das abgeklärt und gegebenenfalls behandelt werden muss.

Sollte ein operativer Eingriff durchgeführt werden, muss sich der Patient schonen. Nach der Operation sollte auf körperliche Aktivitäten verzichtet werden. Dies gilt insbesondere dann, wenn eine ernste Grunderkrankung wie ein Tumorleiden vorliegt. Bei blutiger Aszites sind nach der OP weitere ärztliche Untersuchungen nötig.

Bücher über Lebererkrankungen

Quellen

  • Ferlinz, R. (Hrsg.): Internistische Differentialdiagnostik. Thieme, Stuttgart 1999
  • Messmann, H.: Klinische Gastroenterologie. Thieme, Stuttgart 2012
  • Piper, W.: Innere Medizin. Springer, Berlin 2013

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