Parodontalabszess

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 14. August 2017
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Entzündungen oder Erkrankungen an den Zähnen sind sehr häufig, werden aber von Patienten oftmals erst zu spät beachtet. Wichtige Nervenbahnen können in Mitleidenschaft gezogen werden. Und Abszesse und Entzündungserkrankungen können im Kopfbereich schnell das Gehirn erreichen oder eine Blutvergiftung ausbilden. Dabei sind Abszesse, auch Parodontalabszesse, nicht selten. Diese werden oftmals als harmlose Pickel abgetan, ohne dass die Gefährlichkeit dieser Entzündungen erkannt wird.

Inhaltsverzeichnis

Was ist ein Parodontalabszess?

Unter einem Parodontalabszess, auch bekannt als Zahnfleischtaschenabszess, wird ein Abszess verstanden, der im Zahnbereich entsteht. Ein Abszess ist ein mit Eiter gefüllter Hohlraum, der sich in abgetötetem Gewebe einkapselt. Da durch diese Abkapselung der Eiter nicht abfließen kann, besteht der Abszess über lange Zeit und kann auch auf gesundes Nachbargewebe übergreifen.

In manchen Fällen kann sich der Eiter auch in die Blutbahn ergießen und eine Sepsis (Blutvergiftung) verursachen. Im Gegensatz zu den Aknepickeln sind Abszesse großräumiger und die entstandenen Hohlräume sind mit abgestorbenem Gewebe gefüllt. Abszesse im Mundbereich sind gefährlich, da dieser Bereich über zahlreiche Nerven und Blutgefäße verfügt.

Ursachen

Ein Abszess wird durch Bakterien hervorgerufen. Gerade in der Mundhöhle kann es leicht zu kleinen Entzündungen kommen, da dieser Bereich mit vielen Bakterien in Berührung kommt. Eine ungenügende Mundhygiene kann diesen Prozess unterstützen. Die Bakterien entzünden das Zahnfleisch, aber auch innen liegende Bereiche des Zahns sowie des Knochens.

Das Gewebe stirbt ab und kapselt sich gegenüber der Umgebung ab. Dadurch bildet sich eine Tasche beziehungsweise ein Hohlraum. Der Abszess kann sich nicht zurückbilden, da der Eiter im Inneren nicht entweichen kann. Es ist zwar möglich, dass sich kleine Ventile bilden, aber dies geschieht selten. Beim Abfließen des bakteriell kontaminierten Eiters besteht vor allem die Gefahr, dass Nachbargewebe infiziert wird oder sich in andere Bereiche der Mundhöhle ergießt und diese entzündet.

Ein Aufstechen des Abszesses ist deswegen nicht ratsam. Wird der Abszess nicht behandelt, breitet er sich aus und wird größer. Das abgestorbene Gewebe wird im Inneren des Abszesses gelagert, bis sich die Möglichkeit ergibt, in andere Gewebehohlräume oder nach außen hin zu ergießen. Wird eine Blutbahn erreicht, ergießt sich der Abszess in diese. Dies führt zu einer lebensbedrohenden Blutvergiftung.

Symptome, Beschwerden & Anzeichen

Ein Parodontalabszess beginnt als kleine Rötung und Schwellung. Im Laufe einiger Stunden bildet sich ein kleiner Pickel, der anschließend größer wird. Dies wird von zunehmenden Zahnschmerzen begleitet, da sich der Abszess auch auf den Zahn selber ausbreitet. Das Zahnfleisch rötet sich stark und wölbt sich aus.

Mit Fortschreiten der Erkrankung bildet sich eine mit Eiter gefüllte Tasche, die im Gegensatz zu einem Aknepickel nicht einfach aufbricht. In manchen Fällen kann der Abszess aber auch unterhalb, an der Zahnwurzel, entstehen und vom Patienten nicht erkannt werden. Der Zahn beginnt zu degenerieren – im Alltag wird von einem „Faulen Zahn“ gesprochen. Der Abszess unterbricht die Durchblutung des Zahns. Intensive Schmerzen sind die Folge.

Weitere direkte Folgen sind Zahnlockerungen bis hin zu Zahnausfall. Die gesamte Region fühlt sich für den Patienten schmerzhaft an. An weiteren Symptomen können Fieber und allgemeine Müdigkeit und Abgeschlagenheit auftreten. Die Lebensqualität kann erheblich leiden, wenn der Patient kaum Nahrung zu sich nehmen kann. Auch soziale Kontakte können unter der Krankheit leiden, wenn durch den Abszess Mundgeruch entsteht. Sind die Symptome lange Zeit ignoriert worden, können sich Folgeabszesse bilden.

Diagnose & Krankheitsverlauf

Ein Zahnarzt kann einen Parodontalabszess leicht feststellen. Bereits die äußere Beobachtung des Zahnbereichs, der Schwellung und möglicherweise der Zahnfleischauflösung sind Indizien für diese Erkrankung. Um Folgeschäden für den Knochenbereich zu verhindern, wird der Zahnarzt auch eine Röntgenaufnahme des Bereichs erstellen, um den genauen Verlauf des Abszesses beurteilen zu können.

Die Aufnahme gibt ein genaues Bild des Eiterverlaufs wider. Wenn die Krankheit bereits länger fortgeschritten ist, wird der Arzt auch das Blutbild untersuchen. Auf diese Weise lässt sich feststellen, ob die Bakterien bereits in die Blutbahn gelangt sind. Ein Abszess lässt sich relativ einfach behandeln, so dass der Krankheitsverlauf nicht fortschreitet. Nach einer Behandlung verschwinden die Symptome nach ein paar Tagen.

Komplikationen

Parodontalabszesse treten häufig auf und sind meist die Folge kleiner Verletzungen im Mundbereich in Kombination mit unzureichender Mund- und Zahnhygiene. Größere Abszesse müssen unbedingt zahnärztlich behandelt werden. Im Falle einer professionellen Therapie heilen die Abszesse wieder ab, ohne dass es zu ernsthaften Komplikationen kommt. Gefährlich können diese Störungen aber dann werden, wenn der Betroffene sie ignoriert, selbst behandelt oder erst viel zu spät ärztliche Hilfe in Anspruch nimmt.

Wird der Abszess nicht fachgerecht behandelt, wird er in der Regel immer größer. Das abgestorbene Gewebe sammelt sich in der Abszess-Kapsel an, bis diese schließlich platzt und der Kapselinhalt sich in das umliegende Gewebe oder die Blutbahn ergießt. Letzteres kann sehr gefährlich werden, da die Krankheitserreger so nicht nur den angrenzenden Mund- und Rachenbereich, sondern auch andere Organe erreichen und befallen können. In diesem Fall droht eine schwere Blutvergiftung, die für den Patienten lebensgefährlich werden kann.

Das Risiko, dass die Krankheitserreger das umliegende Gewebe befallen, besteht auch dann, wenn der Zahnarzt den Abszess öffnet. Es ist bei einem kontrollierten Eingriff unter hygienisch einwandfreien Bedingungen aber sehr viel geringer, als bei einem unkontrollierten Durchbruch. Keinesfalls darf die Eiteransammlung vom Patienten selbst aufgestochen werden. Wird der Abszess zu spät behandelt, kann diese Entzündungen außerdem zur Zerstörung des Zahnhaltegewebes führen, was den Zahnverlust zur Folge hat.

Behandlung & Therapie

Eine Behandlung eines Parodontalabszesses muss von einem Arzt vorgenommen werden. Ein Aufstechen des Abszesses durch den Patienten wird die Krankheit nicht beseitigen, sondern kann im schlimmsten Fall zu einer Blutvergiftung führen. Die Behandlung erfolgt nach positiver Feststellung des Abszesses. Die Behandlung kann bei lokaler Betäubung erfolgen. Der Zahnarzt öffnet den Abszess und lässt den Eiter abfließen.

Er wird danach das abgetötete Gewebe beseitigen. Das Gewebe wird nicht vernäht, denn mithilfe von antibakteriellen Einlagen werden die Bakterien abgetötet. Der Zahnarzt muss diese Behandlung mehrmals durchführen, um kein erneutes Aufflammen sicher zu stellen. Zahnfleisch heilt sehr schnell ab, was den Heilungsprozess unterstützt.

Während der Behandlung wird der Zahnarzt auch weitere Ursachen für den Abszess untersuchen. So kann ein kariöser Zahn oder auch eine entzündete Wurzel den Abszess hervorrufen. Auch Folgeschäden werden während der Behandlung repariert. Der Abszess kann den Zahn oder dessen Umgebung stark geschädigt haben. Im schlimmsten Fall muss der Zahn extrahiert werden.

Die Behandlung kann ambulant erfolgen. Bei erfolgter Ausbreitung der Bakterien wird ein stationärer Aufenthalt im Krankenhaus erfolgen. Der Patient erhält dann antibakterielle Infusionen, wie zum Beispiel Penicillin. Folgeschäden sind bei rechtzeitiger Behandlung nicht zu erwarten. Allerdings können Parodontalabszesse auch später immer wieder auftreten.

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Vorbeugung

Eine Vorbeugung ist schwierig. Der Parodontalabszess wird von Bakterien hervorgerufen. Eine gesunde Mundflora sowie ein gesundes Immunsystem helfen, eine Infektion zu verhindern.

Bücher über Parodontose

Quellen

  • Gängler, P., et al.: Konservierende Zahnheilkunde und Parodontologie. Thieme, Stuttgart 2010
  • Müller, H.-P.: Checkliste Parodontologie. Thieme, Stuttgart 2012
  • Ott, R., Vollmer, H.P., Krug, W.: Klinik- und Praxisführer Zahnmedizin. Thieme, Stuttgart 2003

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