Lysosomale Speicherkrankheit

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 1. Dezember 2017
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Insgesamt sind 45 verschiedene lysosomale Speichererkrankungen, bei denen es sich um eine heterogene Gruppe angeborener Stoffwechselerkrankungen handelt, bekannt. Menschen, die unter einer dieser Erkrankungen leiden, weisen einen genetischen Defekt auf. Alle Speicherkrankheiten haben eines gemeinsam: ein bestimmtes Enzym ist nicht vorhanden oder nur zum Teil funktionsfähig.

Inhaltsverzeichnis

Was ist eine lysosomale Speicherkrankheit?

Diese angeborenen Speicherkrankheiten treten nur selten auf, da weniger als fünf von 10.000 Menschen betroffen sind. Die verschiedenen Erkrankungen verlaufen sehr verschieden, die Symptome können stark variiert auftreten. Die bekanntesten Formen der lysosomalen Speicherkrankheit sind Morbus Fabry, Morbus Gaucher, Morbus Pompe und Mukopolysaccharidose (MPS). Sie werden häufig auch als „Waisenkinder der Medizin“ bezeichnet, weil der Weg zu einer konkreten Diagnose und einer geeigneten Therapie sehr lang sein kann.

Ursachen

Lysosomale Speicherkrankheiten zeichnen sich durch bestimmte Formen erblich bedingter Stoffwechselerkrankungen aus. Den Patienten fehlt ein wichtiges Enzym, das für einen reibungslosen Ablauf des Stoffwechselhaushaltes sorgt. Bei der weniger ausgeprägten Form ist dieses Enzym zumindest nicht in ausreichender Menge vorhanden.

Enzyme haben die Aufgabe, Schad- und Abfallstoffe, die sich im menschlichen Organismus über den Stoffwechsel ansammeln über die Lysosome zu entsorgen, beziehungsweise diese wieder so aufzuarbeiten, dass Beschwerden ausbleiben.

Liegt ein Enzymmangel vor, ist dieser reibungslos funktionierende Entsorgungskreislauf nicht mehr gewährleistet. Die schädlichen Stoffe setzen sich in den Zellen ab und stören den Stoffwechselkreislauf. In der Anfangsphase wirken sich die Störungen noch nicht merklich aus, es bestehen nur wenige Einschränkungen. Bleibt diese Stoffwechselwechselerkrankung als Folge eines Enzymmangels jedoch unbehandelt, vervielfachen sich die Beschwerden, da es zu einer starken Vergrößerung der Zellen kommt.

Symptome, Beschwerden & Anzeichen

Im schlimmsten Fall gehen diese unter. Die Folgen sind Schädigungen der Knochen, des Nervensystems, Milz, Nieren, Muskeln oder Herz. Morbus Fabry sorgt aufgrund der verminderten oder fehlenden Enzymtätigkeit für eine Fetteinlagerung (Globotriaosylceramide, Gb3) in den Zellen. Diese unerwünschten Ablagerungen können zu starken Schmerzzuständen in den Zehen oder Fingern, Hirnschlag und Nierenschädigungen führen.

Diagnose & Krankheitsverlauf

Dieses Krankheitsbild betrifft verschiedene Systeme gleichzeitig: Blutgefäße, Nieren, Herz und Nervensystem. Die autosomal-rezessiv vererbte Morbus-Gaucher-Erkrankung verursacht eine Mutation des Enzyms „Beta-Glukozerebrosidase“ und führt zu einer Akkumulation von Substrat innerhalb der Zellen, besonders in den Makrophagen (Fresszellen), die zum retikulo-endothelialen System gehören. Das Blutbild verändert sich, Leber und Milz sind vergrößert und die Knochen schmerzen.

Die Erkrankung verläuft progredient und ist meistens ethnisch bedingt, da sie in den meisten Fällen bei Menschen jüdischer Abstammung auftritt. Morbus Pompe ist auch als „Saure-Maltase-Mangel“ bekannt. Das Krankheitsbild gehört in die Gruppe der Glykogenesen Typ II. Den betroffenen Personen fehlt das Enzym „Alpha-1,4-Glucosidase“ (Saure Maltase) beziehungsweise es ist in nicht ausreichender Menge vorhanden. Patienten leiden aufgrund des gestörten Glykogenabbaus in den Muskeln unter einer Zerstörung der Muskelzellen in Form von Zuckereinlagerung.

Der Mukopolysaccharidose Typ I (MPS), auch als Morbus Hunter bezeichnet, führt zu verschiedenen klinischen Ursachen. Morbus Hurler ist die schwerste Verlaufsform und Morbus Scheie befindet sich am Schluss der klinischen Patogenese. Zwischen diesen beiden Verlaufsformen stehen Übergänge unterschiedlicher Ausprägung. Die hervorstechende Eigenschaft ist der gestörte Abbau von Kohlenhydraten, die sich in den Lysosomen der Zellen anreichern.

Morbus-Hunter-Patienten können unter Minderwuchs, vergrößerter Milz und Leber, groben Gesichtszügen, verdickter Haut, vergrößerter Zunge und Atemproblemen leiden. Zudem ist das Skelett häufig im Bereich von Becken, Wirbelsäule, Handknochen und Schädel verändert. Nabel- und [[Leistenbrüche] sind möglich.

Komplikationen

In den meisten Fällen kommt es bei dieser Krankheit erst sehr spät zu Beschwerden oder Komplikationen. Aus diesem Grund wird sie erst spät diagnostiziert, sodass eine frühzeitige Behandlung in den meisten Fällen nicht möglich ist. Ohne Behandlung kommt es dabei im weiteren Verlauf der Krankheit zu verschiedenen Beschwerden und Schäden an den inneren Organen.

Davon sind vor allem die Nieren, die Leber und die Milz betroffen. Auch das Herz kann von dieser Erkrankung betroffen sein, sodass es im schlimmsten Falle zum Herztod kommt. Weiterhin treten auch Schädigungen an den Nieren auf und die Betroffenen leiden nicht selten an Schmerzen an den Zehen oder Fingern. Auch Lähmungen können dabei auftreten, wenn das Gehirn durch diese Krankheit geschädigt wurde. Die Leber und die Milz können vergrößert sein und ebenso zu starken Schmerzen führen.

Nicht selten sind die Knochen des Betroffenen brüchig und schmerzen ebenfalls. Die Behandlung dieser Krankheit erweist sich als schwierig. In vielen Fällen ist die Lebenserwartung des Betroffenen dabei deutlich verringert. Bei der Behandlung mit Medikamenten kommt es in der Regel nicht zu besonderen Komplikationen. Ein positiver Krankheitsverlauf kann allerdings nicht in jedem Fall garantiert werden.

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Therapie & Behandlung

Je nachdem wie früh eine adäquate Diagnose gestellt wird, sind diese Erbkrankheiten durch eine Enzymersatztherapie sehr gut zu behandeln, so dass die betroffenen Personen wesentlich weniger Beschwerden haben und damit mehr Lebensqualität. Diese Ersatztherapie wird entsprechend des Krankheitsbildes eingesetzt.

Menschen, die unter Morbus Gaucher leiden, fehlt das „Enzym ß-Glukozerebrosidase“, das biotechnologisch hergestellt und dem Organismus des Patienten mittels Infusion zuführt wird. Lysosomen agieren effizient und sind in der Lage, Stoffe aus ihrer unmittelbaren Umgebung aufzunehmen. Aus diesem Grund sind die künstlich eingesetzten Enzyme derart modifiziert, dass sie den Lysosomen auf ideale Weise zugeführt werden können.

Die Makrophagen (Fresszellen) bauen die in den Zellen angereicherten Glukozerebroside ab. Diese Therapie lässt sich mit der Insulintherapie bei Diabetes mellitus vergleichen, mit dem Unterschied, dass nicht ein fehlendes Hormon, sondern ein nicht vorhandenes Enzym zugeführt wird. Der Körper baut alle Substanzen regelmäßig ab, so auch das zugeführte künstliche Enzym.

Aufgrund dieses regelmäßigen Substanzabbaus müssen sich die Patienten dieser Infusionstherapie regelmäßig bis zum Lebensende unterziehen. Die Enzymersatztherapie greift nicht symptomatisch, sondern bekämpft direkt die Ursache der Erberkrankung. Mediziner bezeichnen diese Therapie als kausal. Die Therapiegrundsätze sind für alle vier zuvor genannten häufigen Speichererkrankungen anzuwenden.

Auch Pompe-Patienten werden mittels einer Infusionstherapie behandelt. Bei dieser Erkrankung wird das nicht existente Enzym „saure Alfa Glukosidase“ zugeführt und ist dabei behilflich, Glykogen abzubauen, das sich in den Lysosomen der Muskeln angereichert hat. Bei Patienten mit dem Krankheitstyp „Mukopolysaccharidose Typ I“ ist das lysosomale Enzym „alpha-Iduronidase“ nicht oder in nicht ausreichender Mange vorhanden. Es handelt sich um eine der seltensten Speicherkrankheiten, bei der sich Zuckermoleküle in den Organen und im Gewebe anreichern.

Bei normalem Verlauf baut das Enzym Mukopolysacchariden ab. Die Zuckermoleküle sind langkettig und am Aufbau von Stütz- und Bindegewebe, zum Beispiel Knochen, Haut, Gelenkflüssigkeiten und Knorpel, beteiligt. Wird der normal verlaufende Abbau aufgrund des fehlenden Enzyms gestört, reichern sich krankhafte Glykosaminoglykane (GAG) in den einzelnen Zellen an. Zukünftige Therapie-Optionen zielen auf die Einnahme von Tabletten ab.

Vorbeugung

Da es sich um einen angeborenen Gendefekt handelt, der die Ausprägung eines Enzyms verhindert, ist diese Erkrankung präventiv nicht behandelbar. Allerdings könnten neueste Errungenschaften der Gentechnik auf diesem Feld einen Ansatz liefern.

Das können Sie selbst tun

Lysosomale Speicherkrankheiten bedürfen sehr häufig einer intensiven medizinischen Betreuung. Oft gibt es keine ausreichenden Selbsthilfemöglichkeiten. Die Eltern von betroffenen Kindern erleben häufig schwere Belastungen im häuslichen Umfeld, weil ihr Kind ständige Betreuung und Pflege benötigt.

Die Krankheitsbilder der einzelnen Speicherkrankheiten sind unterschiedlich. Es gibt sowohl leichte als auch sehr schwere Formen. Ein Beispiel ist Morbus Gaucher. Die Hilfe der Eltern beschränkt sich oft nur auf die Fütterung des schwerbehinderten Kindes. In leichteren Fällen kann die Lebenserwartung fast normal sein. Trotzdem ist eine ständige ärztliche Überwachung notwendig, um mögliche Komplikationen abzuwenden. Eine regelmäßige körperliche Betätigung gehört zu den Begleittherapien, die auch zuhause durchgeführt werden können. Des Weiteren muss eine sorgfältige Krebsvorsorgeuntersuchung veranlasst werden. Das erfordert von den Eltern ständige Arztbesuche mit ihrem Kind. Gleiches gilt auch für andere lysosomale Speicherkrankheiten.

Bei manchen Erkrankungen können neben körperlichen Behinderungen auch geistige Einschränkungen auftreten, die noch einer besonderen Förderung bedürfen. Bei leichteren Verlaufsformen bestimmter Erkrankungen wie unter anderem bei Morbus Hunter treten anfangs nur Skelettveränderungen und Gesichtsdysmorphien auf. Hier ist der betroffene Patient oft aber zu einem eigenständigen Leben befähigt. Allerdings sind auch hier ständige ärztliche Untersuchungen erforderlich, um eventuelle Komplikationen wie Herzinsuffizienz oder Atemwegserkrankungen auszuschließen. Psychische Belastungen aufgrund der körperlichen Deformationen kann der Patient durch psychologische Beratung aufarbeiten.

Bücher über Morbus Gaucher & Morbus Fabry

Quellen

  • Arasteh, K., et. al.: Innere Medizin. Thieme, Stuttgart 2013
  • Herold, G.: Innere Medizin. Selbstverlag, Köln 2016
  • Piper, W.: Innere Medizin. Springer, Berlin 2013

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