Hantavirus-Infektion

Letzte Aktualisierung am 11. April 2018 | Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher.
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Eine Hantavirus-Infektion ist in Deutschland meldepflichtig und kann einen schweren Verlauf nehmen. Erfolgreiche Therapien richten sich nach der Form der Hantavirus-Infektion.

Inhaltsverzeichnis

Definition Hantavirus-Infektion

Bei der Hantavirus-Infektion handelt es sich um eine infektiöse Erkrankung, die durch verschiedene Formen des Hantavirus hervorgerufen werden kann.

Die Hantavirus-Infektion ist weltweit in verschiedenem Umfang vorzufinden; so ist die Infektion beispielsweise in Südostasien relativ weit verbreitet. Auch in Europa kommen Fälle der Hantavirus-Infektion vor: Zu beobachten ist eine relative Häufung hier etwa im Balkan oder in Teilen Skandinaviens. Benannt wurde die Hantavirus-Infektion nach dem südkoreanischen Fluss Hantan, an dem während des Koreakrieges in den 1950er Jahren viele Soldaten an dem Virus erkrankten.

In Deutschland ist eine Hantavirus-Infektion seit dem Jahr 2001 meldepflichtig. Nach Angaben des Robert-Koch-Instituts (einem Bundesinstitut, das unter anderem mit Infektionskrankheiten vertraut ist) war die Hantavirus-Infektion im Jahr 2007 im Bundesdurchschnitt eine der fünf häufigsten Viruserkrankungen, die der Meldepflicht unterlagen.

Ursachen

Vorwiegend wird die Hantavirus-Infektion durch Nagetiere auf den Menschen übertragen. Zwar kann eine Infizierung auch von Mensch zu Mensch erfolgen, dies geschieht aber vergleichsweise selten.

Eine Übertragung der Hantavirus-Infektion durch Nager findet vor allem über Ausscheidungen der Tiere statt; über die Atemluft werden die Erreger der Hantavirus-Infektion dann vom Menschen aufgenommen. Aufgrund dieser Übertragungsquelle sind vor allem Personen gefährdet, die häufig mit potenziellen Ausscheidungen entsprechender Nager in Kontakt geraten:

So tragen beispielsweise Personen ein höheres Risiko einer Hantavirus-Infektion, die als Jäger, Förster oder Soldat beschäftigt sind und sich darum vergleichsweise häufig in Wäldern aufhalten, in denen Nagetiere beheimatet sind.

Symptome, Beschwerden & Anzeichen

Eine Hantavirus-Infektion kann sich durch sehr unspezifische Symptomen äußern. In der Regel zeigen sich anfangs grippeähnliche Beschwerden wie plötzlich auftretendes hohes Fieber mit Schüttelfrost, Kopfschmerzen und Gliederschmerzen. Häufig sind die Augen extrem lichtempfindlich, auch Sehstörungen sind möglich. Gelegentlich kommen Husten, Halsschmerzen, Durchfall, Erbrechen und Bauchschmerzen hinzu.

Abhängig vom Erregertyp kann sich die Infektion auf die Nieren oder die Lunge ausweiten: Bei einer Beteiligung der Nieren fallen oftmals Blutbeimengungen im Urin auf, zudem nimmt die Harnmenge deutlich ab. Im Harn ist Eiweiß in größeren Mengen nachweisbar. Weitere Alarmzeichen sind kleinste Einblutungen (Petechien) in die Haut, die Schleimhaut und die Bindehaut der Augen sowie ein signifikanter Blutdruckabfall.

Bei einem schwerem Verlauf führt die fortschreitende Infektion zu einem vollständigen Nierenversagen, in seltenen Fällen können im Rahmen einer Hantavirus-Infektion eine Entzündung des Herzmuskels (Myokarditis), eine Schilddrüsenentzündung (Thyreoiditis), eine Leberentzündung (Hepatitis) oder Funktionsstörungen des zentralen Nervensystems auftreten.

Mögliche Anzeichen einer Lungenbeteiligung sind starker Husten und zunehmende Luftnot, woraus sich ein lebensbedrohliches Akutes Atemnotsyndrom (ARDS) entwickeln kann. Hantavirus-Infektionen verlaufen sehr unterschiedlich, oftmals bleiben sie aufgrund der gering ausgeprägten Symptomatik unbemerkt oder werden mit einer harmlosen Erkältung verwechselt. Schwere Verlaufsformen, insbesondere solche mit einer lebensgefährlichen Beteiligung der Atemwege, kommen in Europa eher selten vor.

Diagnose & Verlauf

Um eine Hantavirus-Infektion diagnostizieren zu können, werden von einem Diagnostiker häufig zunächst Daten erhoben zur beruflichen Tätigkeit eines Patienten und zu dessen täglichem Umfeld. Dies kann einer ersten Risikoabschätzung in Bezug auf eine Hantavirus-Infektion dienen.

Weitere Informationsquellen des Diagnostikers für die Diagnose einer Hantavirus-Infektion sind die sogenannten klinischen (also die beobachtbaren bzw. aktuell vorliegenden) Symptome eines Patienten und verschiedene Laborwerte (wie beispielsweise Blutwerte).

Der Verlauf einer Hantavirus-Infektion kann je nach Form des Hantavirus und je nach Patient sehr verschieden sein. In schweren Fällen kann eine Hantavirus-Infektion tödlich verlaufen. Die Inkubationszeit (also die Zeit zwischen Infizierung und ersten spürbaren Symptomen) der Hantavirus-Infektion kann ca. 1-5 Wochen betragen.

Mögliche erste Symptome einer Hantavirus-Infektion sind beispielsweise Fieber, Schüttelfrost, Muskelschmerzen oder Schmerzen im Bereich der Lendenwirbelsäule. Je nach Form einer Hantavirus-Infektion kann es außerdem zu Husten, zu Erbrechen oder zu Durchfall kommen. Schwere Fälle zeigen sich etwa in Nierenentzündungen oder Blutungen des Magen-Darm-Traktes.

Komplikationen

Durch die Hantavirus-Infektion kann es im schlimmsten Falle zum Tode des Patienten kommen. Ohne Behandlung kommt es dabei nicht zu einem automatischen Heilungsprozess. Der Betroffene leidet durch diese Infektion an Fieber und an Schmerzen in verschiedenen Regionen des Körpers. Somit schmerzen Muskeln und Gelenke und es kommt zu stechenden Kopfschmerzen, die sich bis in den Rücken ausbreiten können.

Ebenso treten Bauchschmerzen, mitunter sogar Durchfall oder Erbrechen auf. Der Patient kann auch an einem Reizhusten leiden und erkrankt in der Regel auch an einer Bindehautentzündung. Der Alltag des Patienten wird erschwert und der Betroffene fühlt sich müde und abgeschlagen. Eine aktive Teilnahme am Leben ist durch die Symptome der Hantavirus-Infektion in der Regel nicht möglich. Weiterhin kann es zu einer schnellen Ansteckung bei anderen Patienten kommen.

Im schlimmsten Falle kann es zu Entzündungen in den Nieren kommen, wobei sich eine Niereninsuffizienz ausbilden kann. Diese kann unbehandelt zum Tode des Patienten führen. Die Behandlung findet mit Hilfe von Medikamenten statt und führt in der Regel zum Erfolg, wenn sie frühzeitig beginnt. Weitere Komplikationen treten nicht auf. Nach der Behandlung ist der Betroffene in der Regel immun gegen die Hantavirus-Infektion.

Wann sollte man zum Arzt gehen?

Eine Hantavirus-Infektion wird symptomatisch behandelt. Je nach Virustyp und Abwehrkraft des Infizierten können gar keine bis lebensbedrohliche Krankheitssymptome auftreten. Bei einer Infektion mit den in Nord- und Südamerika vorkommenden Hantaviren besteht unter anderem die Gefahr einer schweren Lungenentzündung mit Lungenödem, welche der ärztlichen Überwachung beziehungsweise Behandlung bedarf.

Es empfiehlt sich daher, bei Aufenthalten auf dem amerikanischen Kontinent bei plötzlich auftretenden Lungenbeschwerden die Möglichkeit einer Hantavirus-Infektion zu erwägen und umgehend einen Arzt aufzusuchen. Asiatische und europäische Stämme des Hantavirus' können, bei schwerer Verlaufsform der Infektion, HFRS (hämorrhagisches Fieber mit renalem Syndrom) auslösen; auch bei diesen Fällen ist die ärztliche Betreuung unbedingt erforderlich.

Zeigen sich Symptome der ersten Phase wie hohes Fieber, Schüttelfrost, Kopf- und Gliederschmerzen, gerötete Augen, Übelkeit, Leib- und/oder Rückenschmerzen, dann besteht die Gefahr des Einsetzens einer weiteren, unter Umständen lebensbedrohlichen Phase der Infektion, an deren Ende Nierenversagen stehen kann. Der Arzt ist bereits bei den genannten Symptomen der ersten Phase unbedingt hinzuzuziehen. Überdies ist eine Infektion mit dem Hantavirus meldepflichtig, wiewohl sie bei leichtem Verlauf oder aufgrund ihrer grippeartigen Symptome vom Arzt oder Betroffenen nicht immer erkannt wird.

Behandlung

Die erfolgreiche Therapie einer Hantavirus-Infektion richtet sich unter anderem nach der diagnostizierten Form einer Hantavirus-Infektion und nach den vorliegenden Symptomen. Häufig ist es sinnvoll, eine Hantavirus-Infektion in Kliniken behandeln zu lassen, die im Bedarfsfall mit einer ausreichenden intensivmedizinischen Abteilung ausgestattet sind.

Zur reinen Symptombehandlung einer Hantavirus-Infektion werden unter anderem Analgetika (Medikamente zur Schmerzbekämpfung) oder sogenannte Antipyretika (zur Bekämpfung von Fieber) eingesetzt. Wird bei einem Betroffenen eine infektionsbedingte Beeinträchtigung der Nieren festgestellt, können in der Therapie einer Hantavirus-Infektion beispielsweise Kontrollen des Flüssigkeitshaushaltes und bei Bedarf ein Ausgleich des Flüssigkeitshaushaltes notwendig werden.

Kommt es im Verlauf einer Hantavirus-Infektion darüber hinaus etwa zu einem Versagen der Nierentätigkeit, bestehen mögliche Therapieschritte in einer sogenannten Hämodialyse (also einer Blutwäsche, die außerhalb des Körpers mithilfe einer 'künstlichen Niere' stattfindet).

Ist bei einem Verlauf der Hantavirus-Infektion die Lungenfunktion beeinträchtigt, kann ein Therapieschritt eine Beatmung im intensivmedizinischen Umfeld sein. Nach erfolgreicher Therapie einer Hantavirus-Infektion besteht beim Betroffenen in der Regel eine Immunität gegen die therapierte Form der Hantavirus-Infektion.

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Aussicht & Prognose

Das Hantavirus führt statistisch gesehen in Europa in seltenen Fällen zum Tod. Viren von Nagern sind hier kaum aggressiv. Anders sieht es in Asien und Südamerika aus. Dort haben Wissenschaftler nicht nur weitaus gefährlichere Erreger nachgewiesen. Vielmehr bieten die dortigen klimatischen Bedingungen auch gute Lebens- und Verbreitungsvoraussetzungen. Die hygienischen Zustände erlauben einen Kontakt mit Ratten und Mäusen sowie deren Ausscheidungen.

Die Infektion mit dem Hantavirus klingt meist ohne Restschäden ab. Eine medizinisch angeordnete Therapie sorgt in kurzer Zeit für Besserung. Einzig das so genannte Hantavirus Pulmonary Syndrome weist eine Sterblichkeit von 50 Prozent auf. Meist wird der Tod durch Organversagen ausgelöst. Wer in Europa die üblichen Hygienestandards einhält, wird kaum mit infizierten Nagetieren in Kontakt kommen. Risikopersonen arbeiten fast ausschließlich in der Landwirtschaft. Nach einer erfolgreichen Bekämpfung des Virus bleibt man über Jahrzehnte gegen den Erreger immun. Bisher existiert kein Impfstoff zur Vorbeugung gegen Hantaviren.

Insgesamt lässt sich festhalten, dass eine Ansteckung mit Hantaviren in Deutschland meist einen guten Verlauf nimmt. Die Aussicht auf vollständige Heilung ist angesichts der wenig aggressiven Erreger als sehr günstig einzustufen.

Vorbeugung

Zwar existiert noch keine zugelassene Impfung gegen eine Hantavirus-Infektion, entsprechende vorbeugende Maßnahmen können aber das Risiko einer Hantavirus-Infektion senken. Werden beispielsweise Orte von Mäuse- oder Rattenkot gereinigt (wie beispielsweise Scheunen oder Dachböden), können ein vorheriges Anfeuchten der Exkremente oder das Tragen eines Atemschutzes das Risiko einer Hantavirus-Infektion senken.

Das können Sie selbst tun

Eine Hantavirus-Infektion wird immer medikamentös behandelt. Die Gabe von Analgetika und Anapyretika kann vom Betroffenen durch eine Reihe von Maßnahmen unterstützt werden.

Wichtig ist in erster Linie Bettruhe. Da es sich um eine klassische Virenerkrankung handelt, können die typischen Maßnahmen ergriffen werden. So hilft es, die Ernährung anzupassen und keine Speisen mehr zu verzehren, die den Magen-Darm-Trakt reizen könnten. Daneben sollte regelmäßig die Körpertemperatur gemessen werden. Bei einem plötzlichen Anstieg oder Abfall des Fiebers ist ein Arzt zu konsultieren. Der Betroffene sollte außerdem viel Wasser trinken und einen etwaigen Flüssigkeits- und Nährstoffverlust durch Ergänzungsmittel ausgleichen. In schweren Fällen muss der Erkrankte ein Krankenhaus aufsuchen.

Nach der intensivmedizinischen Versorgung ist der Körper sehr geschwächt und sollte für mindestens zwei bis drei Wochen geschont werden. Begleitend dazu ist eine engmaschige Kontrolle durch einen Arzt angezeigt, denn nur durch eine regelmäßige Prüfung der Blutwerte und des generellen Gesundheitszustands des Patienten können Komplikationen ausgeschlossen werden. Sollten sich nach der Behandlung Anzeichen eines erneuten Ausbruches des Hantavirus-Infektion bemerkbar machen, muss umgehend der zuständige Arzt aufgesucht werden.

Quellen

  • Arasteh, K., et. al.: Innere Medizin. Thieme, Stuttgart 2013
  • Darai, G., Handermann, M., Sonntag, H.-G., Zöller, L. (Hrsg.): Lexikon der Infektionskrankheiten des Menschen. Springer, Berlin 2012
  • Herold, G.: Innere Medizin. Selbstverlag, Köln 2016

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