Nierenentzündung

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 18. September 2017
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Der Begriff Nierenentzündung beziehungsweise Glomerulonephritis umfasst mehrere Erkrankungen der Niere. Dabei kommt es bei allen Formen der Nierenentzündung zu Störungen und Entzündungen des Nierengewebes bzw. Nierenrinde. Die häufigste Ursache für Nierenentzündungen sind Autoimmunreaktionen des körpereigenen Immunsystems.

Inhaltsverzeichnis

Was ist eine Nierenentzündung?

Unter dem Begriff Nierenentzündung sind im allgemeinen eine Reihe verschiedener Erkrankungen zusammengefasst. Sie haben alle eine Gemeinsamkeit: Im Sinne einer Autoimmunreaktion, entzündet sich ein Teil des Nierengewebes – die Nierenrinde.

Nierenentzündung ist also vom Begriff her keine eigenständige Erkrankung, sondern ein Sammelbegriff für eine Symptomatik bei verschiedenen Erkrankungen, an denen die Nieren beteiligt sind.

Folgende Krankheiten gehören zu den Nierenentzündungen:

  • akute Glomerulonephritis
  • rasch fortschreitende (progrendiente) Glomerulonephritis (RPGN)
  • nephritische Syndrom
  • chronische Glomerulonephritis
  • asymptomatische Proteinurie

Die Nierenentzündung ist eine zunächst "lautlose" Erkrankung, da sie zumeist keine Schmerzen verursacht. Doch da beide Nieren betroffen sind und diese ggf. ihre Filterfunktion des Blutes nicht mehr wahrnehmen können (Nierenversagen droht), kann die Nierenentzündung eine durchaus schwere Erkrankung sein.

Ursachen

Die eigentliche Ursache der Nierenentzündung ist eine Stressreaktion (Autoimmunreaktion) des Körpers auf eine bestehende Erkrankung. Bei dieser greift das Immunsystem, im Sinne von Abwehr, körpereigene Strukturen an – in diesem Fall Teile der Niere.

Den weiter oben genannten Erkrankungen, welche alle unter den Begriff Nierenentzündung (Glomerulonephritis) fallen, ist eines gemeinsam: Bei einer Nierenentzündung liegt eine Entzündung der Nierenrinde vor – also der äußeren Nierenschicht. Betroffen sind vor allem die Filterzellen in den Nierenkörperchen (Glomeruli), die dadurch ihre Filterfunktion des Blutes nicht mehr genügend gut wahrnehmen können.

Abgrenzbar, gegen durch Bakterien verursachte Entzündungen der Niere, z.B. im Verlauf einer unbehandelten Nierenbeckenentzündung (Pyelonephritis), ist die Glomerulonephritis, weil ihre Entzündungen durchweg nicht eitrig sind und beidseitig auftreten. Das heißt, beide Nieren sind betroffen. Die Nierenentzündung verläuft außerdem zumeist schmerzlos – sie wird deshalb häufig lange nicht oder nur durch Zufall entdeckt. Doch die Nieren sind lebenswichtige Organe. Sehr wichtig ist daher eine schnelle Diagnosestellung und Behandlung einer Nierenentzündung!

Typische Symptome & Anzeichen

Komplikationen

Wenn eine akute Nierenentzündung (Glomerulonephritis) frühzeitig diagnostiziert wird, bestehen gute Heilungschancen. Allerdings kann sich aus einer akuten Nierenentzündung auch eine chronische Form entwickeln, wenn die Beschwerden übergangen werden. Als Folge einer verschleppten Glomerulonephritis bildet sich als Komplikation oftmals das nephrotische Syndrom heraus. Das nephrotische Syndrom ist dadurch gekennzeichnet, dass die Nierenkörperchen für Proteine durchlässig werden.

Diese Durchlässigkeit kann sich im Laufe der Zeit noch weiter steigern. Aufgrund der vermehrten Ausscheidung von Eiweißen mit dem Urin kommt es schließlich zum Proteinmangel im Blut. Dieser führt wiederum in den Beinen oder Augenlidern zunehmend zu Wassereinlagerungen, die auch als Ödeme bezeichnet werden. Sogar eine Bauchwassersucht (Aszites) kann sich entwickeln. Des Weiteren ist beim nephrotischen Syndrom der Fettstoffwechsel gestört. Die Blutfettwerte sind erhöht.

Im Rahmen des nephrotischen Syndroms treten außerdem häufig Thrombosen als Komplikation auf. Außerdem wird das Immunsystem geschwächt. Als Folge kommt es zu häufigen Infektionen. Schließlich kann das nephrotische Syndrom sogar bis zum Nierenversagen führen. Um die Nieren vor dem vollständigen Versagen zu schützen, muss das Blut regelmäßig mit Hilfe einer sogenannten Dialyse von Giftstoffen gereinigt werden. Das nephrotische Syndrom ist bei intensiver Behandlung jedoch heilbar. In vielen Fällen bleiben aber dauerhafte Nierenschäden zurück. Im Extremfall ist eine Nierentransplantation notwendig, um das Leben zu retten.

Behandlung & Therapie

Je nach dem, wie schwer die Nierenentzündung (Glomerulonephritis) verläuft, sind folgende Behandlungsmöglichkeiten gegeben:

Wenn die Eiweißausscheidung und Ausscheidung roter Blutkörperchen im Urin (als Folge der mangelnden Filterfunktion des Blutes) nur geringfügig ist, bedarf es zunächst nur einer regelmäßigen Kontrolle ohne weitere Behandlung.

In der Regel ist bei einer Nierenentzündung jedoch eine "immunsuppressive Therapie", z.B. mit Kortison, nötig. Diese unterdrückt das überreagierende Immunsystem, was ein Fortschreiten der Nierenentzündung verhindert. Dies ist besonders wichtig, da bei einem etwaigen schweren akutem oder auch chronischem Verlauf die Nieren versagen können. Dann wäre eine dauerhafte Dialyse (Blutwäsche) nötig, um die Filterung des Blutes zu übernehmen.

Wichtig ist auch die Senkung eines zu hohen Blutdruckes, da dieser die Filterfunktion der Nieren zusätzlich belastet und nachhaltig schädigt. Solange die Nieren noch genügend gut funktionieren, sollte auf eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr durch Trinken geachtet werden.

In einigen Fällen wird bei Nierenentzündung auch zu einer salz- und eiweißarmen Ernährung geraten.

Eine die Ursachen behandelnde Therapieform der Nierenentzündung (Glomerulonephritis) gibt es bislang nicht.

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Vorbeugung

Einer Nierenentzündung kann durch folgende Maßnahmen vorgebeugt werden:

Infektionen, die durch Streptokokken hervorgerufen werden (z.B. Scharlach) sollten rechtzeitig und genügend lange mit Antibiotika behandelt werden. Eine postinfektiöse Nierenentzündung ist dadurch zu verhindern.

Auch andere Erkrankungen, die zu einer schweren Verlaufsform der Nierenentzündung (nephritisches Syndrom) führen können, sollten konsequent behandelt werden. Hier sei insbesondere auf die Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit) hingewiesen.

Weiterhin ist es vorteilhaft viel zu trinken, auf Alkohol und Rauchen zu verzichten und allgemein einen gesunden und sportlichen Lebensstil zu pflegen.

Bücher über Nierenentzündung

Quellen

  • Herold, G.: Innere Medizin. Selbstverlag, Köln 2016
  • Keller, C.K., Geberth, S.K.: Praxis der Nephrologie. Springer, Berlin 2010
  • Piper, W.: Innere Medizin. Springer, Berlin 2013

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