Halswirbelsäulenbruch

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 14. November 2017
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Unter einem Halswirbelsäulenbruch oder einer Halswirbelsäulenfraktur versteht der Mediziner den vollständigen oder teilweisen Wirbelbruch der Halswirbelsäule. Umgangssprachlich wird der Halswirbelbruch oftmals auch als Genickbruch bezeichnet. Diese Verletzung birgt die Gefahr einer Querschnittslähmung, wenn das Rückenmark der Halswirbelsäule mitbetroffen ist. Die Therapie richtet sich nach Schweregrad und Bruchart.

Inhaltsverzeichnis

Was ist ein Halswirbelsäulenbruch?

Als Halswirbelsäule, kurz HWS, sind die sieben Wirbel von Menschen und Säugetieren definiert, die zwischen Kopf und Brustwirbelsäule liegen. Verletzungen und Frakturen der Halswirbelsäule treten gehäuft bei Kindern und Senioren auf.

Durch die HWS verlaufen alle Nervenbahnen, die Körper und Gehirn verbinden, sodass eine Fraktur dieses Bereiches zahlreiche Folgen und Symptome aufweisen kann. Die typischerweise auftretenden Beschwerden einer HWS-Fraktur sind Schmerzen im betroffenen Bereich, sowohl in Ruhe als auch bei Bewegung, eine Fehlhaltung des Kopfes und das subjektive Gefühl des Betroffenen, den Kopf nicht mehr halten zu können.

Wurden durch den Wirbelbruch Nervenbahnen beschädigt, so treten zusätzlich Gefühlsausfälle und Lähmungserscheinungen auf, beispielsweise kommt es zum Atem- oder Kreislaufstillstand oder zur Querschnittslähmung.

Ursachen

Die möglichen Ursachen der HWS-Fraktur müssen danach unterschieden werden, ob der Betroffene zu einer besonderen Risikogruppe zählt. Bei älteren Menschen können schon kleine Gewalteinwirkungen wie Stürze zu einem Halswirbelsäulenbruch führen.

Bei Kleinkindern und Säuglingen ist die Halsmuskulatur zu schwach, um den großen Kopf stabil zu halten, sodass ebenfalls leichte Gewalteinwirkungen zu Frakturen der Halswirbelsäule führen können. Auch schwere Verkehrsunfälle mit Frontal- oder Heckkollisionen führen bei älteren Menschen und Kindern häufiger zu einer Halswirbelsäulenverletzung.

Gehört der Betroffene nicht zu einer Risikogruppe, so liegen die Ursachen einer HWS-Fraktur in einer Überdehnung oder Überstreckung der Halswirbelsäule, wie sie bei direkter oder indirekter Gewalteinwirkung vorkommen kann. Häufig sind Fahrrad- und Motorradunfälle, Unfälle bei Kontaktsportarten und beim Pferdesport und unvorsichtige Kopfsprünge in unbekannte Gewässer oder aus zu großen Höhen die Ursache einer HWS-Fraktur.

Typische Symptome & Anzeichen

Diagnose & Verlauf

Besteht nach einer Gewalteinwirkung auf die Halswirbelsäule der Verdacht auf eine HWS-Fraktur, so führt der Arzt zunächst eine körperliche Untersuchung durch. Im Rahmen dieser vorsichtigen Diagnostik von Beweglichkeit und Schmerzhaftigkeit der Halswirbel wird auch die Nervenfunktion überprüft.

Die Untersuchung erfolgt unter Vermeidung größerer Belastungen für die HWS. Da eine manuelle Untersuchung den Verdacht auf Halswirbelsäulenbruch nur erhärten, nicht bestätigen oder ausschließen, kann, muss im Anschluss eine radiologische Diagnostik erfolgen. In der Regel reicht hierfür die Röntgenuntersuchung von vorne und von der Seite. Das Röntgenbild ist aussagekräftig und kann schnell erstellt werden, sodass Röntgen die Diagnosemethode erster Wahl ist.

Um Zweifel an der Diagnose auszuräumen oder weitere Fragestellungen, wie den genauen Verlauf des Bruches oder Verletzungen der Nervenbahnen, zu klären, können zusätzlich Aufnahmen im Computertomografen (CT) oder im Magnetresonanztomografen (MRT) erfolgen. Prognose und Verlauf eines Halswirbelsäulenbruches müssen individuell anhand der genauen Verletzungsform und mitbetroffener Nervenbahnen beurteilt werden.

Komplikationen

Die Beschwerden bei einem Halswirbelsäulenbruch hängen in der Regel von der Ausprägung des Bruches ab. Im schlimmsten Falle erleidet der Betroffene eine sogenannte Querschnittslähmung und ist dabei in seinem Alltag extrem eingeschränkt. Es kommt dabei zu erheblichen Einschränkungen der Bewegung, sodass der Patient eventuell auf einen Rollstuhl und auf andere Menschen in seinem Alltag angewiesen ist.

Die Lebensqualität wird durch den Halswirbelsäulenbruch extrem verringert. Weiterhin kommt es zu verschiedenen Lähmungen am Körper und zu Schmerzen in den betroffenen Regionen. Durch die plötzlichen Lähmungen und Schmerzen bilden sich nicht selten psychische Beschwerden oder Depressionen aus. Ebenso leiden die Patienten an Schlafstörungen und können dadurch nur erschwert Flüssigkeiten und Nahrung aufnehmen.

In der Regel erschweren auch starke Schmerzen den Alltag, welche auch nachts in Form von Ruheschmerzen zu Schlafbeschwerden führen können. Nicht selten treten auch Selbstmordgedanken auf. Ob bei einem Halswirbelsäulenbruch eine Behandlung möglich ist, hängt dabei stark von der Ausprägung des Bruches ab.

Es kann allerdings kein positiver Krankheitsverlauf garantiert werden. In einigen Fällen sind die Betroffenen ihr Leben lang auf einen Rollstuhl und andere Hilfen im Alltag angewiesen. Die Lebenserwartung wird durch den Halswirbelsäulenbruch allerdings nicht beeinflusst.

Wann sollte man zum Arzt gehen?

Da es durch einen Halswirbelsäulenbruch im schlimmsten Falle zu einer Querschnittslähmung kommen kann, die nicht mehr behandelt werden kann, sollte immer ein Arzt aufgesucht werden. Da der Halswirbelsäulenbruch in der Regel durch einen Unfall zustande kommt, wird der Betroffene in ein Krankenhaus eingeliefert. Einen Arzt sollte der Patient andernfalls dann aufsuchen, wenn es zu starken Schmerzen an den Halswirbeln oder an der Wirbelsäule kommt.

Auch deutliche Bewegungseinschränkungen treten dabei auf. Weiterhin deutet ein Bluterguss auf einen Halswirbelsäulenbruch hin, dieser wird von Schluckstörungen begleitet. Eine gewöhnliche Einnahme von Nahrung und Flüssigkeiten ist dabei für den Patienten nicht mehr möglich. Ein Arzt sollte auch dann aufgesucht werden, wenn es durch den Halswirbelsäulenbruch zu Lähmungen oder Taubheitsgefühlen kommt. Je früher diese diagnostiziert werden, desto höher sind die Chancen eines positiven Krankheitsverlaufes.

Der Halswirbelsäulenbruch sollte in der Regel immer in einem Krankenhaus oder durch einen Notarzt behandelt werden. Nach der Behandlung des Bruches sind die Patienten häufig auf verschiedene Übungen und Therapien angewiesen, um Lähmungen zu verringern und die Beweglichkeit wiederherzustellen.

Behandlung & Therapie

Wichtig ist, den Patienten so wenig wie möglich zu bewegen. Der Kopf muss gleichmäßigem Zug ausgesetzt werden, sodass er in einer leichten Rückwärtsbeugung gehalten wird. Der Verletzte sollte in Rückenlage und unter Tragen einer Halskrause (Cervicalstütze) transportiert werden.

Die Behandlung des Halswirbelsäulenbruches richtet sich ebenfalls nach der genauen Verletzungsart und besteht primär in Schonung und Ruhigstellung des betroffenen Wirbelbereiches. Neben der Ruhigstellung mit einem Gips stehen verschiedene Arten der Cervicalstütze zur Verfügung, die über acht bis zwölf Wochen getragen werden müssen. Die konservative Therapie darf nur eingeleitet werden, wenn die Bandscheibe zwischen 2. und 3. Halswirbel unverletzt ist. Dann spricht der Mediziner von einer stabilen Verletzung.

Ein instabiler Bruch, bei dem durch die Bandscheibenverletzung der zweite und der dritte Wirbel gegeneinander verschoben sind, muss operativ behandelt werden. Ebenso darf bei einer Verletzung des Rückenmarks keine konservative Therapie erfolgen. Mit der Osteosynthese, der Fixierung der Bruchstücke mit Metallimplantaten, wurden gute Erfolge erzielt.

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Vorbeugung

Es ist nicht möglich, einem Halswirbelsäulenbruch vollständig vorzubeugen. Insbesondere Risikogruppen und ihre Angehörigen sollten sich der Verletzungsgefahr bewusst sein und entsprechend vorsichtig handeln. Mit einer rechtzeitigen Behandlung kann schweren Komplikationen vorgebeugt werden.

Das können Sie selbst tun

Der Halswirbelsäulenbruch erfordert zwingend eine ärztliche Behandlung, die durch aktive Mitarbeit des Patienten in vielen Fällen jedoch positiv unterstützt werden kann. Dies beginnt bereits in der Akutphase, in der die von den behandelnden Ärzten angeratenen Verhaltensmaßnahmen wie Schonung unbedingt zu befolgen sind. Hierzu gehört insbesondere auch das konsequente Tragen einer Halskrause über den von den Medizinern festgelegten Zeitraum.

Auch in der Phase der Regeneration gibt es, am besten in Absprache mit Arzt oder Physiotherapeut, Mittel, mit denen der Betroffene den Heilungsprozess günstig beeinflussen kann. So kann in der Teilnahme an einer speziellen Rückenschule gelernt werden, welche Bewegungen ungünstig für die Halswirbelsäule sind und wie diese vermieden werden. Selbst in der Nacht kann der Patient den Heilungsverlauf unterstützen, in dem er durch die geeignete Wahl von Kopfkissen und Matratze für die ärztliche empfohlene Lagerung der Halswirbelsäule sorgt.

Wenn die knöchernen Strukturen nach einem Halswirbelsäulenbruch wieder stabilisiert sind, sorgt ein trainiertes Muskelkorsett für zusätzlichen Halt. Die dafür geeigneten Übungen werden dem Patienten vom Physiotherapeuten gezeigt. Anschließend kann er dieses gezielte Trainingsprogramm für eine stabile Hals- und Nackenregion auch zu Hause durchführen. Ein motorisches Training ist auch für Bereiche des Körpers empfehlenswert, bei denen es aufgrund einer Schädigung von Nerven zu Funktionsausfällen gekommen ist.

Bücher über Halswirbelsäulenbruch

Quellen

  • Hahn, J.-M.: Checkliste Innere Medizin. Thieme, Stuttgart 2013
  • Herold, G.: Innere Medizin. Selbstverlag, Köln 2016
  • Wilhelm, W. (Hrsg.): Praxis der Intensivmedizin. Springer, Berlin 2013

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