Densfraktur

Medizinische Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher (Facharzt für innere Medizin) am 18. Oktober 2016
Symptomat.deKrankheiten Densfraktur

Der Dens ist ein Teil des Axis, des zweiten Halswirbels. Dieser besteht aus einem Körper mit Wirbelbögen und Querfortsätzen und einem Knochenfortsatz, dem Dorn oder Zahn (Dens). Bei einer Fraktur (einem Knochenbruch) des Axis ist am häufigsten der Dens betroffen, weshalb diese Art von Knochenbruch als Densfraktur bezeichnet wird.

Inhaltsverzeichnis

Was ist eine Densfraktur?

Eine Densfraktur ist ein Bruch des Knochenfortsatzes des zweiten Halswirbels. Es werden nach der Klassifizierung von Anderson-D'Alonso drei verschiedene Frakturtypen unterschieden. Am Dens axis setzen verschiedene Bänder an, durch die die Bewegung der Halswirbel an die Muskulatur weitergegeben wird. Eines dieser Bänder ist das Ligamentum transversum.

  • Bei der Typ I Fraktur ist die Spitze des Dens axis oberhalb dieses Ligaments schräg gebrochen.
  • Typ II ist die häufigste der Densfrakturen. Hier verläuft die Bruchstelle nahe der Densbasis, dicht am Übergang zum Axis-Körper.
  • Typ III reicht bereits in den Körper des Axis hinein.

Ursachen

Die Fraktur Typ I entsteht durch eine Überdehnung der Ligamenta alaria. Dies kann durch eine schwere Verletzung mit Verschiebung der Kopfgelenke zwischen dem Hinterhauptsbein und dem ersten Halswirbel passieren. Hierbei kommt es zu einem Knochenabriss der dazugehörigen Bänder (Ligamenta alaria), die dadurch den Bruch verursachen.

Die Typ II Fraktur entsteht oft durch Stürze. Bei Stürzen auf das Gesicht entstehen Hyperextensionsverletzungen, die den Atlaswirbel nach hinten verschieben, bei Stürzen auf den Hinterkopf Hyperflexionstraumata, die für eine Verschiebung des Atlas nach vorne verantworlich sind. In beiden Fällen kann es zu einer Typ II Fraktur kommen.

Beim Typ III entsteht durch einen heftigen Aufprall eine Wirbelverschiebung. Dabei wird das Band, das den Dens axis umgibt (Ligamentum transversum) massiv gedehnt. Wenn es bei dieser Dehnung nicht reißt, gibt es die einwirkende Kraft an den Wirbel weiter, wodurch es zum Bruch kommt.

Von Brüchen des Dens sind häufig ältere Menschen betroffen, da die Knochen bei älteren Menschen zunehmend brüchiger werden. Bei jüngeren Menschen ist die Knochenstruktur noch fester, weshalb es bei ihnen eher zu Verletzungen der Bänder kommt.

Symptome, Beschwerden & Anzeichen

Die Anamnese ist hier besonders wichtig, da sich aufgrund des Ablaufs der Unfälle die Verletzungstypen ergeben. Verletzungen wie Kinnwunden, Verletzungen im Gesicht und Kopfplatzwunden können schon auf eine Verletzung im Halswirbelbereich hinweisen.

Kommt noch eine Schiefhaltung des Kopfes und Halses dazu, mit Schmerzen und Bewegungseinschränkung der oberen Halswirbelsäule deutet noch mehr auf eine solche Verletzung hin. Palpatorisch lässt eine lokale Druckschmerzhaftigkeit als ein Hauptsymptom auf eine obere Halswirbelsäulenverletzung schließen. Weitere Symptome sind Nackenschmerzen, Schluckbeschwerden und neurologische Ausfälle.

Diagnose & Krankheitsverlauf

Die Diagnose erfolgt mit bildgebenden Verfahren. Dies kann eine konventionelle Röntgenuntersuchung der oberen Halswirbelsäule in drei Ebenen sein, genauer ist jedoch eine Computertomografie. Sie macht Verletzungen sichtbar oder deutlicher, die im Röntgenbild häufig entweder nicht erkannt oder unterschätzt werden.

Behandlung & Therapie

Die Typ I Fraktur gilt als stabil und kann mit Zervikalstütze für ein bis zwei Wochen ausreichend versorgt werden. Kritisch ist die Typ II Fraktur. Sie ist instabil und schwierig zu behandeln. Es stehen zwei Behandlungswege zur Verfügung. Als konservative Therapie wird eine Halo-Weste für zwölf Wochen getragen.

Durch die Halo-Weste wird der Kopf fixiert und der Bruch kann ausheilen. Statt der Halo-Weste wird zunehmend eine zervikale Orthese eingesetzt. Gerade ältere Patienten haben damit weniger Schwierigkeiten. Gegen die konservative Therapie spricht, dass sich hier in 35 Prozent bis 85 Prozent aller Fälle Pseudarthrosen entwickeln.

Bei einer konservativen Behandlung besteht die Gefahr einer Pseudarthrose. Die Häufigkeit einer Pseudarthrose wird ebenfalls mit 35 bis 85 Prozent angegeben. Die Denspseudarthrose birgt zwei große Gefahren. Es kann zu einer akuten Lähmung des Atemzentrums mit Tetraparese (das ist eine Lähmung aller vier Gliedmaßen) kommen oder zu einer langsam zunehmenden Myelopathie.

Bei der Myelopathie wird das Rückenmark zunehmend geschädigt, durch wachsenden Druck der Denspseudarthrosen. Was ebenfalls zu Lähmungen bis hin zum Tod führen kann. Wobei es auch Patienten mit Pseudarthrose gibt, die stabil sind und keine Beschwerden haben. Bei einer unbehandelten Densfraktur Typ II kommt es in 100 Prozent der Fälle zu einer Pseudarthrose.

Da die konservative Therapie mit vielen Risiken behaftet ist, wird vermehrt auch bei alten Patienten einer Operation der Vorzug gegeben. Eine ideale Operationstechnik der zur Stabilisierung der Densfraktur Typ II ist noch nicht gefunden. Eine dorsale Verschraubung von den Halswirbeln C1 und C2 (Atlas und Axis) bringt zwar die größte Stabilität, aber dafür ist nur noch eine eingeschränkte Bewegung des Kopfes möglich.

Der Rotationsverlust beträgt 50 Prozent. Außerdem besteht während der Operation die Gefahr, die Arteria vertebralis zu verletzen und während des Eingriffs kann es zu einem größeren Blutverlust kommen. Eine andere Möglichkeit ist die ventrale Densschraubenfixierung.

Hier gibt es keinen Rotationsverlust und eine raschere Mobilisierung des Patienten ist möglich, was gerade bei älteren Patienten wichtig ist. Hier kommt es aber zu höheren Denspseudarthrosen und es muss in bis zu 20 Prozent der Fällen nochmals operiert werden. Mit einer zusätzlichen ventralen Verschraubung von C1 und C2 kann eine Stabilitätsverbesserung erreicht werden.

Bei dieser Fraktur ist die Art der Behandlung eine Abwägungssache. Entscheidendes Therapieziel ist eine rasche Mobilisierung und Wiedereingliederung eines alten Patienten. Die Densfraktur vom Typ III ist gut konservativ behandelbar. Hier bilden sich selten Pseudarthrosen und der Patient muss über zehn bis zwölf Wochen einen Halofixateur oder eine zervikale Orthese tragen. Eine Operation ist nur selten nötig.




Vorbeugung

Densverletzungen sind meist Folgen von Unfällen mit Beteiligung des Kopfes. Typisch dafür sind Verkehrsunfälle oder auch Sportunfälle, Stürze beim Reiten und Skilaufen, oder auch Kopfsprünge in unbekannte, zu flache Gewässer. Bei alten Menschen kann auch schon ein einfacher Sturz ausreichen.

Einen Schutz bieten nur adäquate Sicherheitsmaßnahmen. Vernünftiges Verhalten im Straßenverkehr. Ein verkehrssicheres Auto mit Airbags, richtig eingestellten Nackenstützen und guten Sicherheitsgurten. Beim Sport und bei der Arbeit Sicherheitsvorschriften beachten und Helme und Schutzkleidung tragen. Bei alten Menschen ist eine Behandlung von Kreislaufproblemen wichtig, um Ohnmachtsanfälle und Schwindel zu vermeiden, die zu Stürzen führen können.

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