Gilbweiderich

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 29. November 2016
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Der Gilbweiderich ist eine in unseren Breiten vorkommende Wildstaude. Seine Bedeutung als Heilpflanze ist im Allgemeinen wenig bekannt.

Inhaltsverzeichnis

Vorkommen & Anbau des Gilbweiderich

Der Gilbweiderich (Lysimachia vulgaris), auch als Felberich bezeichnet, ist eine Pflanze feuchter Standorte. In der freien Natur ist er nicht sehr häufig anzutreffen. Da er winterhart ist und sich durch Ausläufer gut vermehren kann, wird er im Garten gern zur Bepflanzung von Teichrändern verwendet. Die Pflanze kann mehr als einen Meter hoch werden. Ihre Blütezeit ist von Juni bis August.

Der ebenfalls im Garten häufig anzutreffende, stark wuchernde Punktierte Gilbfelberich (Lysimachia punctata) wird auch als Goldfelberich angesprochen. Er unterscheidet sich von Lysimachia vulgaris durch seine dichtere Blütenrispe und samtig behaarte Blätter. Wer ein Blütenblatt herauszupfen will, hält gleich die ganze Blütenkrone in der Hand. Wer eine Rispe als Schnittblume in die Vase stellt, wird bald feststellen, dass die kompletten Blütenkronen ausfallen und den Tisch neben der Vase sprenkeln.

Bei allen Lysimachia-Arten sind nämlich die fünf Blütenblätter, ebenso wie die Staubblätter und die Kelchblätter, am Grund zu einer kurzen Röhre verwachsen. Deshalb werden sie der Pflanzenfamilie der Primelgewächse (Primulaceae) zugerechnet. Der häufiger wild anzutreffende rot blühende Gewöhnliche Blutweiderich (Lythrum salicaria) ist mit dem Gilbweidereich botanisch nicht verwandt. Er gehört zur Familie der Weiderichgewächse. Die Namensähnlichkeit hängt möglicherweise mit dem Auftreten an ähnlichen Standorten und mit ähnlichen Anwendungsmöglichkeiten in der Heilkunde zusammen.

Wirkung & Anwendung

Für die Verwendung von Gilbweiderich in der Heilkunst gibt es viele überlieferte Hinweise. Gilbweiderich enthält beispielsweise Vitamin C. Er konnte damit den früher in der Winterzeit entstandenen Vitaminmangel ausgleichen helfen. Auch heute noch empfehlen Kräuterkundler, Gilbweiderich zur Bereicherung des Speisezettels im Frühjahr als Gemüse zuzubereiten. Dazu werden die jungen Triebe und Blätter der Pflanze, bevor sie zu blühen beginnt, gekocht oder gedünstet und geschmort.

In der Pflanzenheilkunde wird das blühende Kraut gesammelt, um daraus einen Tee zu bereiten. Ein Esslöffel des frischen oder getrockneten Krautes wird mit einem halben Liter Wasser übergossen. Nach ungefähr drei- bis fünfminütigem Ziehen ist der Tee fertig zur Anwendung. Aufgrund seiner blutstillenden adstringierenden Wirkung wird er äußerlich zur Förderung der Wundheilung angewendet. Bei Hämorrhoiden vermag eventuell ein Sitzbad Linderung zu verschaffen.

Die Pflanze kann mehr als einen Meter hoch werden. Ihre Blütezeit ist von Juni bis August.

Auch bei Couperose kann die Behandlung mit Gilbweiderich-Tee angezeigt sein. Aus der Volksheilkunde ist die Bereitung einer Wundauflage aus dem frischen zerquetschten Kraut überliefert. Bei Entzündungen der Mundschleimhaut, des Zahnfleisches und bei Zahnfleischbluten soll das Gurgeln mit dem Tee heilend und blutungsstillend wirken.

Innerlich wird der Tee oder auch eine Zubereitung als Tinktur (als alkoholischer Extrakt) in der Phytotherapie bei Husten, Nervosität, Schlaflosigkeit sowie Magen- und Darmproblemen eingesetzt. Bei Durchfall soll Gilbweiderich zudem helfen, die gestörte Darmflora wieder aufzubauen. Die Homöopathie setzt Lysimachia beispielsweise in Form von Globuli ein. Bei Durchfall sind das in der Regel Kügelchen der Potenzen D1 bis D6.

Die Traditionelle chinesische Medizin schätzt Zubereitungen aus einer anderen Gilbweiderich-Art (Lysimachia christianae) bei Leber und Gallenproblemen. Der gelbe Farbstoff aus den Blüten der vielseitigen Pflanzen kann, zusammen mit Alaun, als Naturfarbe zum Färben von Textilien aus Wolle und Seide benutzt werden. Die Wurzeln ergeben einen braunen Farbton. Früher diente der Gilbweiderich wegen seines Gehaltes an Gerbstoffen auch zum Gerben von Leder. Und die Menschen räucherten Wohnungen damit aus. So konnten sie lästige Insekten vertreiben.

Bedeutung für die Gesundheit, Behandlung & Vorbeugung

Das oben genannte Anwendungsspektrum legt nahe, dass Gilbweiderich viele Stoffe enthalten muss, die für die Gesundheit von Bedeutung sind. Sie können nicht nur zur Behandlung, sondern gegebenenfalls auch zur Vorbeugung von Gesundheitsstörungen eingesetzt werden. Das enthaltene Vitamin C beispielsweise wirkt gegen Skorbut und es wird benötigt, um die Immunabwehr zu unterstützen.

Die Kieselsäure, die auch in vielen anderen Pflanzen enthalten ist, trägt dazu bei, dass Haut und Bindegewebe gesund und elastisch bleiben. Die Saponine im Gilbweiderich können Fette binden und das Wachstum schädlicher Pilze behindern. Das ist möglicherweise mit ein Grund für die positive Wirkung im Magen- und Darmtrakt. Auch Sesquiterpenlactone scheinen in relevanter Menge vorhanden zu sein. Diese bitter schmeckenden Stoffe werden von der Pflanze gebildet, um Schädlinge und Parasiten sowie Fressfeinde fernzuhalten. Es wird vermutet, dass sie beim Menschen entzündungshemmende Eigenschaften entfalten können.

Das Glycosid Salicarin ist ein sekundärer Pflanzenstoff. Es zeigt im Darm eine antibakterielle Wirkung. Damit kann es die Wirkung des Krautes gegen Darminfektionen und Durchfälle unterstützen. Der Gilbweiderich Lysimachia vulgaris enthält auch weitere für die Verdauung günstige Schleimstoffe und Pektin. Wie stark die gesundheitlichen Potenzen all der genannten Wirkstoffe im Gilbweiderich sind, ist schwer abzuschätzen. Die Erkenntnisse aus der Volksmedizin beruhen auf individuell gemachten Erfahrungen und der Weitergabe von traditionellen Anwendungsweisen.

Pharmakologische Erkenntnisse, die auf Untersuchungen mit modernen wissenschaftlichen Methoden beruhen, sind in Bezug auf diese alte Heilpflanze kaum zu finden. Als wichtigste therapeutisch wirksame Stoffe können wohl die unterschiedlichen Gerbstoffe betrachtet werden. Auf ihren Eigenschaften beruhen die meisten der bekannten Anwendungsgebiete für Zubereitungen aus Gilbweiderich, die die Wundheilung betreffen. Das ist auf der einen Seite die zusammenziehende Wirkung, die dafür verantwortlich ist, dass Blutungen besser gestillt werden können. Hinzu kommt unterstützend die entzündungshemmende Wirkung.

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