Eileiterentzündung und Eierstockentzündung

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 11. Dezember 2017
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Eine Eileiterentzündung und Eierstockentzündung (medizinisch: Adnexitis) zählt zu den ernsthaften Erkrankungen im gynäkologischen Bereich. Häufig entstehen die Entzündungen durch bakterielle Infektionen. Die Erkrankung kann akut oder chronisch auftreten. Bei Nichtbehandlung kann es großen Komplikationen, bis hin zur Unfruchtbarkeit kommen.

Inhaltsverzeichnis

Was ist eine Eileiterentzündung und Eierstockentzündung?

Eileiterentzündung und Eierstockentzündung treten in den meisten Fällen immer gemeinsam auf. Isoliert Eileiter- oder Eierstockentzündungen treten äußerst selten auf.

Auch sind in der Regel immer beide Seiten des Eierstocks entzündet. Meist sind Frauen im fortpflanzungsfähigen Alter davon betroffen. Vor der Pubertät und nach der Menopause tritt die Erkrankung nur sehr selten auf. Das Auftreten einer Eileiter- und Eierstockentzündung hängt stark von der Hygiene und der sexuellen Aktivität der Betroffenen ab.

Die Erkrankung dauert oft sehr lange und beeinträchtigt komplette Leben zum Teil erheblich und kann zu schweren Komplikationen, sogar zu Unfruchtbarkeit führen. Unter den gynäkologischen Erkrankungen gehört die Eileiterentzündung und Eierstockentzündung zu den ernsthaften Krankheiten.

Ursachen

Eine Eileiterentzündung und Eierstockentzündung wird in den meisten Fällen durch eine bakterielle Infektion verursacht. Viren spielen dabei eher selten eine Rolle. Es gibt verschiedene Erregen, welche die Erkrankung verursachen können. Häufig entsteht die Entzündung durch Gonokokken.

Aber auch Chlamydia trachomatis, Staphylokokken, Streptokokken und andere Erreger können die Entzündung von Eileiter und Eierstock auslösen. In den meisten Fällen liegen sogenannte Mischinfektionen vor. Das bedeutet, für die Infektion sind gleich mehrere Erreger verantwortlich. Die Erreger können Eierstöcke und Eileiter auf verschiedenen Wegen erreichen. Gelangen die Erreger von der Scheide über die Gebärmutter in Eileiter und Eierstock, spricht man von einer aufsteigenden Infektion.

Bei einer absteigenden Infektion geraten die Erreger von einem Nachbarorgan, wie zum Beispiel dem Blinddarm in die Eierstöcke und die Eileiter. Eine hämatogene Infektion liegt vor, wenn die Erreger sich über den Blutweg verbreiten und so eine Eileiterentzündung und Eierstockentzündung auslösen.

Typische Symptome

Infobox

ICD-10: N70.9

Literatur: Breckwoldt, M.: Gynäkologie und Geburtshilfe, 2007

Eine akute Eileiter- und Eierstockentzündung macht sich in den meisten Fällen durch ziehende Schmerzen auf einer oder beiden Seiten des Unterleibs bemerkbar, je nachdem, ob nur eine Seite betroffen ist oder beide. Bei einem Großteil der Frauen treten die Symptome etwa eine Woche nach der Monatsblutung auf. Der Bauch kann aufgebläht sein, die Bauchdecke ist dabei angespannt und reagiert empfindlich auf Druck.

Auch fühlen sich die betroffenen Frauen meistens abgeschlagen und krank. Weitere Symptome wie schmerzhafter Geschlechtsverkehr, unangenehm riechender Scheidenausfluss, Zwischenblutungen und Schmerzen beim Wasserlassen. Auch Verstopfung oder Durchfall sowie Übelkeit mit Brechreiz sind möglich. Bei einer gynäkologischen Untersuchung reagiert der Gebärmutterhals schmerzempfindlich, die Gebärmutter ist vergrößert und reagiert auf Berührungen ebenfalls mit Schmerzen.

Betroffene Frauen sollten bei derartigen Beschwerden einen Gynäkologen aufsuchen, um die Ursache abzuklären. Wenn eine akute Eileiter-/Eierstockentzündung nicht oder nicht hinreichend behandelt wird, kann sie chronisch werden und wiederkehrende Entzündungen mit Narbenbildungen verursachen. Darüber hinaus wird das Allgemeinbefinden geschwächt und es kann es auch zu Unregelmäßigkeiten im Zyklus kommen.

Diagnose & Verlauf

Die Anatomie der weiblichen Geschlechts- und Fortpflanzungsorgane zeigt deutlich die Eileiter und die Eierstöcke.

Um eine Eileiterentzündung und Eierstockentzündung zu diagnostizieren, gibt eine gynäkologische Untersuchung erste Hinweise auf die Erkrankung. Dazu gehören eine druckempfindliche und vergrößerte Gebärmutter, Schmerzen am Muttermund bei Bewegung, sowie Ausfluss. Mit Hilfe eines Abstrichs vom Gebärmutterhals können die Erreger nachgewiesen werden und die Anzahl der weißen Blutkörperchen ermittelt werden.

Dazu werden die weißen Blutkörperchen unter dem Mikroskop ausgezählt und mit dem Abstrichmaterial eine Kultur angelegt. Diese gibt Auskunft darüber, welche Erreger vorhanden sind und welche Antibiotika zur Behandlung eingesetzt werden können. Auch eine Blutuntersuchung kann Auskunft über vorhandene Entzündungsanzeichen geben. Ultraschalluntersuchung oder eine Spiegelung der Bauchhöhle können gegebenenfalls dem Arzt weitere Auskünfte geben.

Für den Verlauf der Erkrankung ist eine schnelle Behandlung von entscheidender Bedeutung. Bei einer zu spät oder gar nicht behandelten Entzündung kann es zu Komplikationen kommen. So kann die Entzündung auf Nachorgane übergreifen. Langwierige Schmerzen oder gar Unfruchtbarkeit kann die Folge einer chronischen Eileiterentzündung und Eierstockentzündung sein.

Differentialdiagnose

Treten rechtseitige Bauchschmerzen auf, sollte der Arzt eine Blinddarmentzündung ausschließen. Weiterhin kann die Laparoskopie ein Akutes Abdomen aufklären.

Komplikationen

Eine Eileiterentzündung und Eierstockentzündung, auch Adnexitis genannt, entsteht entweder in Begleitung beziehungsweise nach einer Scheidenentzündung und betrifft zumeist junge Frauen. Während der Adoleszenz sowie in der Menopause tritt das Symptom selten in Erscheinung. Das Symptom entsteht aufgrund eines Infekts in der Scheidenregion.

Es besteht ein Zusammenhang zwischen mangelnder Hygiene und vermehrter sexueller Aktivität. Betroffene Frauen klagen über heftige Unterbauchschmerzen, Erschöpfungszustände und Fieber. Zumeist wird das Symptom vom Patienten selbst erst falsch gedeutet. Bei den ersten Anzeichen ist es gerade für junge Frauen ratsam, umgehend ärztliche Hilfe in Anspruch zu nehmen.

Nach Befundlage werden in der medizinischen Therapie Antibiotika und eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr verabreicht, um den Erreger einzudämmen. Wird die Eileiterentzündung und Eierstockentzündung nicht rechtzeitig behandelt, häufen sich die Komplikationsfolgen, welche schwere chronische Schäden verursachen. Das Symptom kann sich in wenigen Monaten ausweiten und eine Bauchfellentzündung verursachen. In der Bauchhöhle können sich Eiterherde und Abszesse bilden.

Sofern sich Eiter in der Bauchhöhle ansammelt, muss sofort operiert werden, da die Keime eine Blutvergiftung hervorrufen können. Ist ein chronisches Stadium erreicht, drohen Verwachsungen der Eierstöcke und bei Kinderwunsch eine eventuelle Eileiterschwangerschaft bis hin zur Unfruchtbarkeit. Bei chronischer Adnexitis und nicht mehr greifender Schmerzbehandlung lässt sich ein operativer Eingriff nur selten vermeiden.

Wann sollte man zum Arzt gehen?

Bei ungewöhnlichen Schmerzen im Unterbauch sowie Magen-Darm-Beschwerden oder Zwischenblutungen liegt womöglich eine Eileiterentzündung oder Eierstockentzündung vor. Sollten die Beschwerden nach spätestens einer Woche nicht abklingen oder im Verlauf sogar noch an Intensität und Dauer zunehmen, empfiehlt sich ein Arztbesuch. Dies gilt insbesondere dann, wenn die genannten Symptome nach einer Scheidenentzündung auftreten. Wenn weitere Beschwerden wie Schmerzen beim Wasserlassen oder Zwischenblutungen hinzukommen, ist ärztlicher Rat gefragt.

Weitere Warnzeichen sind eitriger Ausfluss aus der Scheide und eine schmerzempfindliche Gebärmutter. Mit zunehmender Krankheitsdauer kommen außerdem geschwollene und druckempfindliche Eileiter und Eierstöcke hinzu. Frauen, die genannte Symptome bemerken, sollten einen Termin beim Gynäkologen ausmachen und die Ursachen abklären und gegebenenfalls behandeln lassen. Bleibt eine Eileiterentzündung oder Eierstockentzündung unbehandelt, kann sie sich zu einer chronischen Adnexitis entwickeln. Diese Erkrankung bedarf einer umfassenden ärztlichen Behandlung, die oftmals Monate oder Jahre dauert und mit Komplikationen wie Unfruchtbarkeit verbunden ist. Darum sollte bereits die akute Eileiter- oder Eierstockentzündung medizinisch untersucht und behandelt.

Behandlung & Therapie

Die Behandlung einer Eileiterentzündung und Eierstockentzündung erfolgt im Normalfall immer auf konservative Art, also mit Hilfe von Medikamenten. Nur bei Komplikationen kann eine operative Behandlung notwendig werden. Dies kann zum Beispiel erforderlich sein, wenn sich im Beckenbereich Abszesse gebildet haben. Die konservative Behandlung erfolgt in der Regel mit Hilfe von Antibiotika.

Meist wird ein Breitband-Antibiotikum eingesetzt, da bei einer Eileiter- und Eierstockentzündung in der Mehrzahl der Fälle mehrere Erreger beteiligt sind. Zusätzlich zu den Antibiotika werden häufig antiphlogistisch wirkende Medikamente eingesetzt. Dies sind Medikamente, die dem Entzündungsprozess entgegenwirken. Zusätzlich werden den meisten Patientinnen auch schmerzlindernde Präparate verordnet. Eine Behandlung kann bis zu 20 Tage dauern.

Auch nach Abklingen der akuten Beschwerden sollte die Behandlung unbedingt fortgesetzt werden. Das ist wichtig, da es zu Unfruchtbarkeit kommen kann, sofern die Entzündung nicht vollständig ausgeheilt ist. Außerdem wird so verhindert, dass sich die Erreger weiter vermehren und womöglich eine Resistenz gegen das eingesetzte Antibiotikum entwickeln. Während der akuten Beschwerden sollte auf Geschlechtsverkehr verzichtet werden. Darüber hinaus sollte bei einer akuten Eileiterentzündung und Eierstockentzündung Bettruhe eingehalten werden.

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Vorbeugung

Einer Eileiterentzündung und Eierstockentzündung kann in gewissem Maße vorgebeugt werden. Eine sorgfältige persönliche Hygiene, sowie eine gute Sexualhygiene können eine Infektion verhindern. Das Benutzen von Kondomen ist ein guter Schutz vor Scheidenentzündungen. Diese sind häufig Ursache für eine Eileiterentzündung und Eierstockentzündung.

Das können Sie selbst tun

Da bei einer Nichtbehandlung die große Gefahr für eine Unfruchtbarkeit besteht, sollte eine Entzündung der Eileiter oder der Eierstöcke stets von einem Gynäkologen untersucht werden. Das Ergebnis dieser Untersuchung legt die anschließende Behandlung fest.

Zumeist erfolgt eine mehrtägige Antibiose. Da diese auch den Darm lahmlegt und die gesunden Darmbakterien abtötet, können Betroffene zeitgleich probiotische Bakterien einnehmen. Diese sind in der Apotheke in Pulver- oder Tropfenform erhältlich. Dadurch wird zugleich das Immunsystem unterstützt, welches neben der Antibiose vor allem durch die bestehende Entzündung sehr gefordert ist. Eine Eileiterentzündung steht zudem immer in Zusammenhang mit einer geschwächten Darmflora. Die Einnahme schmerzlindernder Medikamente wie Ibuprofen (Analgetikum) kann über einen begrenzten Zeitraum ergänzend erfolgen.

Um den Körper bei der Genesung zu unterstützen empfiehlt es sich Bettruhe zu halten. Der Ausbreitung der Erreger lässt sich durch die Aufnahme von ausreichend Flüssigkeit – ideal sind stille Mineralwässer und ungesüßte Kräutertees – sowie einer vital- und mineralstoffreichen Ernährung entgegnen. Auch eine Mikronährstofftherapie als Nahrungsergänzung könnte unterstützen. Beispielsweise reduziert Selen nachweislich entzündliche Prozesse im Körper.

Auf Geschlechtsverkehr sollte verzichtet werden. Homöopathisch helfen Apis D4 (rechtsseitige Beschwerden) und Lachesis D12 (linksseitige Beschwerden). Um einer erneuten Infektion vorzubeugen sollte auf eine ausreichende Hygiene im Intimbereich beider Partner – vor dem Geschlechtsverkehr – geachtet werden.

Bücher über Frauenkrankheiten

Quellen

  • Feige, A., Rempen, A., Würfel, W., Jawny, J., Rohde, A. (Hrsg.): Frauenheilkunde – Fortpflanzungsmedizin, Geburtsmedizin, Onkologie, Psychosomatik. Urban & Fischer, München 2005
  • Goerke, K., Steller, J., Valet, A.: Klinikleitfaden Gynäkologie. Urban & Fischer, München 2003
  • Kaufmann, M., Costa, S.-D., Scharl, A. (Hrsg.): Die Gynäkologie. Springer, Berlin 2013

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