Anthrakose

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 14. Oktober 2017
Startseite » Krankheiten » Anthrakose

Bei einer Anthrakose (auch Kohlenstaublunge genannt) handelt es sich um eine Lungenerkrankung, bei der sich kohlehaltiger Staub in der Lunge ablagert. Die meist unkompliziert verlaufende Erkrankung tritt auf, wenn ein Mensch über längere Zeit hinweg mit Ruß- und Kohlepartikeln belastete Luft einatmet. Erstmals erforscht wurde die Erkrankung zu Beginn des 20. Jahrhunderts, als sie besonders bei Arbeitern in Steinkohleminen festgestellt wurde.

Inhaltsverzeichnis

Was ist eine Anthrakose?

Eine Anthrakose (von griechisch anthrax, „Kohle“) ist eine pathologische Veränderung der Lunge. Sie wird durch das Einatmen von kohlehaltigem Staub hervorgerufen. Durch eine langanhaltende, übermäßige Exposition des Betroffenen ist der Selbstreinigungsmechanismus der Lunge überlastet.

Die Ruß- und Kohlepartikel, die mit der Luft eingeatmet werden, verteilen sich infolgedessen in der Lunge und werden eingelagert. Die Einlagerung findet in den Lungenbläschen (Alveolen), den Zellzwischenräumen der Bronchien und in der Umgebung von Blut- und Lymphgefäßen sowie in Lymphbahnen und -knoten statt. Durch die Einlagerungen verfärbt sich die Lunge zunehmend dunkel.

Die Anthrakose ist ein Typ der Pneumokoniose (griechisch pneuma, „Luft“ und konis, „Staub“), die auch Staublunge genannt wird. Hierbei reagiert das Lungengewebe auf verschiedene eingeatmete und eingelagerte Stäube. Die einzelnen Typen der Pneumokoniose werden nach der auslösenden Staubart unterschieden.

Der bei einer Anthrakose eingeatmete Kohlenstaub selbst schädigt die Lunge nicht. Auch macht sich eine einfache Anthrakose in der Regel nicht durch Symptome bemerkbar. Sie kann jedoch weitere, schwerwiegende Erkrankungen der Lunge nach sich ziehen.

Ursachen

Ursache einer Anthrakose ist das Einatmen von mit Kohlenstaub belasteter Luft. Betroffen sind besonders Menschen, die über mehrere Jahre hinweg in einem Kohlenbergwerk gearbeitet haben. Weitere Quellen des verursachenden Kohlenstaubs sind die Abgase von Verbrennungsmotoren und Zigarettenrauch.

Atmet ein Mensch über längere Zeit Luft ein, die stark mit Ruß- und Kohlepartikeln belastet ist, überfordert das den Selbstreinigungsmechanismus der Lunge: Die Bronchien und Bronchiolen (größere und kleinere Verästelungen des Atemsystems) sind mit schleimabsondernden Zellen und Flimmerhärchen ausgekleidet. Der Schleim bindet eingeatmete Schadstoffe.

Die Flimmerhärchen bewegen den Schleim mit den an ihm haftenden Fremdpartikeln unablässig aus der Lunge hinaus Richtung Hals. Dort wird er verschluckt oder abgehustet. Dringt feinster Staub bis in die Lungenbläschen vor, sorgen dort Makrophagen (Fresszellen) als Teil des Immunsystems für dessen Zersetzung.

Unter normalen Bedingungen reinigt sich die Lunge auf diese Art selbst. Ist dieser Mechanismus jedoch überlastet, können die Staubpartikel nicht mehr ausgeschwemmt oder abgebaut werden. Sie verteilen sich in der Lunge bis zu den Lungenbläschen und werden eingelagert.

Symptome, Beschwerden & Anzeichen

Verteilt sich der eingeatmete Kohlenstaub in der Lunge, kann er im weiteren Verlauf der Erkrankung die Atemwege verschließen. Die Einlagerungen zeigen sich in Form kleiner Flecken auf Röntgenaufnahmen des Brustkorbs. Bei einer einfachen Anthrakose treten für gewöhnlich keine Symptome auf. Liegt eine zusätzliche Erkrankung der Atemwege vor, beispielsweise eine Bronchitis, kommt es vermehrt zu Husten und Atemnot.

Dies ist besonders bei Rauchern der Fall. Auch bei einer schweren Anthrakose treten Husten und Atemnot auf. Führt die Anthrakose zu einem Lungenemphysem, leidet der Betroffene unter Atemnot. Bei einer fortgeschrittenen massiven Lungenfibrose, die ebenfalls durch eine Anthrakose ausgelöst werden kann, kommt es zu Husten und starker Kurzatmigkeit bis hin zu schwerer Atemnot.

Diagnose & Krankheitsverlauf

Die Diagnose einer Anthrakose erfolgt mittels bildgebender Verfahren. Der Arzt macht Röntgenaufnahmen und führt eine Computertomographie des Brustkorbs durch. Eine Anthrakose zeigt sich dabei mit charakteristischen Flecken in der Lunge. Die Erkrankung verläuft meist unkompliziert.

Bei einem geringen Teil der Betroffenen entwickelt sich daraus jedoch eine ernstere Erkrankung. So kann eine Anthrakose die Bildung eines Emphysems nach sich ziehen. In diesem Fall führt eine Überblähung der Lunge zu einer irreversiblen Schädigung. Eine Anthrakose begünstigt außerdem andere Lungenerkrankungen, besonders eine massive, fortschreitende Lungenfibrose.

Dabei bildet sich in der Lunge krankhaft viel Bindegewebe, wodurch die Sauerstoffaufnahme gestört ist. Eine Lungenfibrose kann sich auch dann noch verschlimmern, wenn der Betroffene keine kohlenstaubhaltige Luft mehr einatmet.

Komplikationen

Bei einer Anthrakose kommt es in der Regel zu starken Erkrankungen der Lunge und der Atemwege. In den meisten Fällen hängt der Verlauf der Krankheit und die damit verbundenen Komplikationen davon ab, wie viel Kohlenstoffstaub sich in der Lunge des Patienten eingelagert hat. Oft ist die Anthrakose reversibel, sodass es zu keinen weiteren Folgeschäden kommt.

Durch die Anthrakose kann es bei vielen Patienten zu einer akuten Atemnot und zu starkem Husten kommen. In eignen Fällen tritt auch der Bluthusten auf. Falls der Husten schlimmer wird, kann es zur Kurzatmigkeit kommen. In seltenen Fällen führt die Anthrakose zum Tode, wenn der Patient keine Luft mehr erhält.

Falls die Anthrakose nicht umgehend von einem Arzt behandelt wird, kann es zu irreversiblen Schäden an der Lunge kommen. Oft geht das Symptom nur langsam zurück, auch wenn der Betroffene nur noch reine Luft einatmet. Durch Probleme mit der Lunge können keine ausdauernden Tätigkeiten mehr betrieben werden.

Dies wirkt sich vor allem negativ auf die Arbeit und den Sport aus. Allgemein wird auch der Alltag des Patienten stark erschwert. Eine Behandlung findet in der Regel nicht statt. Allerdings darf der Patient bei einer Anthrakose keine kohlenstoffhaltige Luft mehr einatmen, um dadurch das Symptom abzuschwächen.

Ab wann sollte man zum Arzt gehen?

Eine Anthrakose sollte bei ersten Anzeichen der Erkrankung abklärt werden. Sobald es vermehrt zu Husten und Atemnot kommt, muss ein Arzt die Ursache abklären und gegebenenfalls direkt behandeln. Vor allem Raucher und Kohlenbergarbeiter sollten bei den typischen Symptomen einen Arzt konsultieren. Dies gilt insbesondere dann, wenn diese mit gesundheitlichen Beschwerden verbunden sind oder das Allgemeinbefinden verschlechtern. Bei starker Kurzatmigkeit und Hustenattacken sollte ein Notarzt gerufen werden. Mitunter kommt es auch zu schwerer Atemnot, bei der bis zum Eintreffen des Rettungsdienstes Erste-Hilfe-Maßnahmen zu ergreifen sind.

Bei dem Verdacht auf eine Anthrakose muss also in jedem Fall ein Arzt konsultiert werden. Zwar können die Therapiemaßnahmen zum Großteil selbstständig durchgeführt werden, hierzu ist jedoch eine eindeutige Diagnose vonnöten. Zudem sollten Betroffene sich gegen Pneumokokken und Grippen impfen lassen, um die Infektionsgefahr zu senken. Bleibt sie gänzlich unbehandelt, kann eine Staublunge irreversible Lungenschäden und weitere Komplikationen hervorrufen. In schweren Fällen endet die Anthrakose mit dem Tod durch Ersticken.

Behandlung & Therapie

Eine Anthrakose kann nicht geheilt werden. Der Verlauf der Erkrankung kann jedoch verlangsamt oder aufgehalten werden, indem der Betroffene die Belastung seiner Lunge durch kohlenstaubhaltige Luft minimiert. Leidet der Erkrankte unter Atemnot, kann die Einnahme von Medikamenten notwendig sein, die die Atemwege offen halten und den Schleim verdünnen.

Hier finden Sie Ihre Medikamente:

Aussicht & Prognose

Die Prognoseaussichten bei der Anthrakose sind abhängig von dem Grad der Schädigung der Lunge sowie der Atemwege. In der heutigen Zeit sind die Chancen einer Heilung jedoch grundsätzlich als gut einzustufen.

Gilt der Kontakt mit Kohle und Kohlestaub als gering, so kommt es zu einer deutlichen Verminderung der Erkrankung sowie schwerwiegender Probleme. Die Einlagerungen des Kohlestaubs führen in den meisten Fällen zu keiner dauerhaften Schädigung des Lungengewebes. Damit ist im Normalfall mit keiner Funktionseinschränkung der Lungentätigkeit zu rechnen. Sobald der Betroffene ausreichend Sauerstoff einatmen kann, lindern sich die Beschwerden und ein Abtransport der Schadstoffe findet statt. Die Atemwege sind jedoch leichter für bleibende Schäden anfällig. Die Gefäßwände können durch die Rußpartikel beschädigt werden.

Bei einer medizinischen Versorgung klingen die Beschwerden meist innerhalb weniger Wochen nahezu vollständig ab. Eine vollständige Heilung der Anthrakose ist dann möglich. Schwieriger ist ein Heilungsverlauf, wenn es zusätzlich zum Konsum weiterer Schad- oder Giftstoffe kommt. Der Konsum von Tabak oder Zigaretten verschlechtert beispielsweise den Heilungsprozess. Es kann zu einer dauerhaften Schädigung des Gewebes und zu einer Krebserkrankung kommen. Ohne eine Behandlung droht ein lebensgefährdender Krankheitsverlauf. Bei einem vollständigen Verzicht auf Nikotin tritt innerhalb einiger Monate eine deutliche Besserung und nach einigen Jahren eine Beschwerdefreiheit ein.

Vorbeugung

Da eine bestehende Anthrakose nicht geheilt werden kann, ist die Vorbeugung umso wichtiger. Die Belastung der Lunge mit kohlehaltigem Staub sollte minimiert werden, indem der Ausstoß von Kohlenstaub am Arbeitsplatz verringert wird. Lüftungssysteme und Atemschutzfilter sind für die Säuberung der Atemluft ebenfalls förderlich, bieten jedoch keinen vollkommenen Schutz.

Menschen, die regelmäßig Umgang mit Steinkohle haben, wird empfohlen, jährliche Röntgenaufnahmen des Brustkorbs machen zu lassen. So kann eine mögliche Erkrankung frühzeitig entdeckt werden. Im Fall eines positiven Befundes sollte der Betroffene an einen Arbeitsplatz versetzt werden, an dem die Luft möglichst wenig mit Kohlenstaub belastet ist.

Dadurch wird dem Fortschreiten der Erkrankung und einer fortgeschrittenen Lungenfibrose vorgebeugt. Rauchende Kohlenbergarbeiter können das Risiko einer Erkrankung verringern, indem sie mit dem Rauchen aufhören. Außerdem können sich Kohlenbergarbeiter gegen Pneumokokken und Grippe impfen lassen, um vor Infektionen geschützt zu sein, für die sie eine erhöhte Anfälligkeit haben können.

Das können Sie selbst tun

Anthrakose ist nicht heilbar, weshalb der Vorbeugung eine besonders große Bedeutung zukommt. Die Lunge sollte nicht mit kohlehaltigem Staub belastet oder die Belastung zumindest so gering wie möglich gehalten werden. Am Arbeitsplatz kann der Ausstoß von Kohlenstaub durch die sorgfältige Auswahl der eingesetzten Maschinen und Geräte sowie durch ihre richtige Platzierung verringert werden. Bei Risikotätigkeiten oder in einem stark belasteten Umfeld kann der Einsatz von speziellen Lüftungssystemen oder Atemschutzfiltern angezeigt sein. Personen, die regelmäßig in Kontakt mit großen Mengen Kohlenstaubs kommen, weil sie zum Beispiel in der Montanindustrie tätig sind, sollten sich wenigstens einmal jährlich einer Vorsorgeuntersuchung unterziehen.

Sofern bereits eine Anthrakose diagnostiziert wurde, ist es wichtig, eine weitere Belastung der Lungen mit Kohlenstaub soweit als möglich auszuschließen. Hierzu kann ein Wechsel des Arbeitsplatzes oder des ausgeübten Berufs erforderlich werden. Betroffene sollten außerdem das Rauchen aufgeben, um die Lunge nicht zusätzlich zu belasten. Eine Impfung gegen Pneumokokken und Grippeerreger kann zudem das Infektionsrisiko senken.

Bei starker Kurzatmigkeit und anhaltenden Hustattacken muss im Fall einer Anthrakose stets sofort der Notarzt gerufen werden, da hier ein akutes Erstickungsrisiko für den Patienten besteht.

Die Symptome der Krankheit, insbesondere permanenter Hustenreiz oder starke Schleimbildung, können zusätzlich zu den ärztlich verordneten Medikamenten mit milden Hausmitteln behandelt werden. Hilfreich sind Dampfbäder mit Salzwasser oder Kamillentee. Gegen starken Husten hat sich Spitzwegerich bewährt.

Bücher über Atemwegserkrankungen

Quellen

  • Baenkler, H.-W., et al.: Kurzlehrbuch Innere Medizin. Thieme Verlag, Stuttgart 2010
  • Gerok, W., Huber, C., Meinertz, T., Zeidler, H. (Hrsg.): Die innere Medizin – Referenzwerk für den Facharzt. Schattauer, Stuttgart 2007
  • Herold, G.: Innere Medizin. Selbstverlag, Köln 2016

Das könnte Sie auch interessieren:

Bekannt aus: