Übereinander liegende Zehen

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 2. Oktober 2017
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Fußfehlstellungen wie übereinander liegende Zehen gehören zu den häufigsten Fußproblemen. Meistens liegt es an den Schuhen, die getragen werden, besonders wenn spitze Schuhe und High Heels bevorzugt werden.

Inhaltsverzeichnis

Was sind übereinander liegende Zehen?

Wenn häufig enge Schuhe getragen werden, müssen die Zehen zwangsläufig immer enger zusammenrücken und liegen irgendwann teilweise sogar übereinander. Vor allem Frauen sind häufig davon betroffen. Meistens sind die übereinander liegenden Zehen eine Begleiterscheinung des Hallux valgus, eines sogenannten Ballenzehs, bei dem sich der große Zeh nach innen verschiebt, teilweise richtig abknickt und durch diese Fehlstellung die anderen Zehen bedrängt, dass diese sich ebenfalls verschieben.

Nicht selten legt sich der große Zeh über oder unter die nachfolgenden Zehen, so dass auch der dritte und vierte Zeh in Mitleidenschaft gezogen werden. Durch die Fehlstellungen der Zehen kommt es zu Beschwerden beim Laufen, teilweise auch zu Folgebeschwerden wie Hühneraugen, da die übereinander liegenden Zehen beim Gehen am Schuh scheuern.

Ursachen

Die Hauptursache für übereinander liegende Zehen ist das dauerhafte Tragen zu enger Schuhe, besonders wenn sie im Vorderfuß zu eng sind. Trotzdem werden sie von vielen Frauen regelmäßig getragen. Dadurch werden die Zehen beim Gehen permanent zusammengequetscht und aneinander gedrückt. Beim Ballenzeh oder Hallux valgus lässt sich deutlich erkennen, wie die Schuhform den Fuß in eine unnatürliche Form zwingt und die Zehen zusammenquetscht.

Verformungen der Zehen können aber auch Veranlagung sein. Als weitere Ursache kommt ein geschwächtes Bindegewebe in Betracht, das meistens den gesamten Fuß schwächt. Auch häufiges Stehen und Übergewicht können eine Rolle spielen. Bei rheumatischen Erkrankungen können sich Zehen krankheitsbedingt verformen, auch wenn keine engen Schuhe getragen werden.

Diagnose & Krankheitsverlauf

Meistens sind die übereinander liegenden Zehen eine Begleiterscheinung des Hallux valgus, eines sogenannten Ballenzehs, bei dem sich der große Zeh nach innen verschiebt.

Zu einer detaillierten Diagnose gehört die genaue Untersuchung und Abtastung des Fußes, um erkennen zu können, wie weit der Grad der Verformung fortgeschritten ist. Durch ein Röntgenbild lässt sich eine mögliche Verformung des Zehengrundgelenks zum Beispiel des großen Zehs erkennen. Eine Verformung kann eine Arthrose nach sich ziehen, weil durch die Fehlstellung das Gelenk vorzeitig abgenutzt wird.

Meistens beginnt die Verformung schleichend mit einem Spreizfuß, bei dem sich der Vorderfuß verbreitert. Durch die Verformung entsteht Druck im Bereich der Zehen und führt zur Bildung von Hornhaut, Schwielen und teilweise auch Hühneraugen. Dadurch wird der große Zeh zunehmend in Richtung der mittleren Zehen gedrückt, gleichzeitig wölbt sich die Innenseite des Fußes. In dieser Phase entsteht der Hallux valgus, der unbehandelt dafür sorgt, dass die Zehen immer weiter zusammengedrückt werden und sich schließlich übereinander schieben, was zu Schmerzen, Schleimbeutelentzündungen und Schwellungen im Ballenbereich führt.

Komplikationen

Übereinander liegende Zehen müssen nicht zwingend behandelt oder entfernt werden, wenn sie den Patienten nicht stören oder ihm keine Schmerzen bereiten. Sie sehen allerdings nicht besonders ästhetisch aus, weswegen viele Menschen diese von einem Chirurgen begradigen lassen. Dies sollte dann in Erwägung gezogen werden, wenn der Patient permanente Schmerzen hat, durch die Reibung, die bei Gehen durch die übereinander liegenden Zehen verursacht wird. Mitunter sind Betroffene beim Laufen eingeschränkt.

Die Entfernung findet unter einer Narkose statt. Hierbei besteht das gewöhnlich niedrige Risiko. Nach der Begradigung verspürt der Patient starke Schmerzen, da es sich um einen schwerwiegenden Eingriff handelt. Schwellungen können auftreten, wenn die Stellen nicht gut genug gekühlt wurden. In der Regel treten hier keine besonderen Komplikationen auf, wenn dieses Symptom rechtzeitig behandelt wird. Passendes Schuhwerk

Wann sollte man zum Arzt gehen?

Übereinander liegende Zehen sind ein Resultat zu engen Schuhwerks. Wenn die übereinander geschobenen Zehen keine Schmerzen verursachen, muss nicht unbedingt ein Arztbesuch die Folge sein. Sind aber Gangunsicherheiten, Schmerzen und Schamgefühle im Spiel, ist ein Arztbesuch eine gute Idee.

Auch Entzündungen, die durch Reibung oder Druck entstehen, sollten behandelt werden. Dieses Gebot gilt insbesondere dann, wenn der Betroffene Diabetiker ist und einen diebetischen Fuß hat. Bei einem Diabetiker ist eine operative Korrektur der Zehendeformierung auf jeden Fall ratsam. Nur so können gefährliche Druckstellen am diabetischen Fuß vermieden werden.

Auch sonst können übereinander liegende Zehen Probleme bereiten. Diese können das Anpassen orthopädischer Schuhe notwendig machen. In anderen Fällen bietet sich eine operative Korrektur an. Diese wird aufgrund von Schmerzen oder degenerativen Veränderungen an den Zehengelenken vorgenommen. Auch aus ästhetischen Gründen können operative Maßnahmen sinnvoll sein - zum Beispiel bei einem Filmstar oder einem Model.

Ein Mediziner kann mittels einer röntgenologischen Untersuchung den Schweregrad der Deformierungen ermitteln. Die operative Begradigung übereinander liegender Zehen ist möglich. Ob ein älterer Mensch sie noch vornehmen lässt, ist unterschiedlich. Manche alten Menschen betrachten übereinander liegende Zehen als kein großes Problem, sondern als normale Alterserscheinung. Diese betrifft häufig Frauen. Viele Senioren gehen daher auch nicht zum Arzt.

Behandlung & Therapie

Wenn Zehen übereinander liegen, muss zunächst versucht werden, sie in die ursprüngliche Lage zurückzubringen. Dazu gibt es eine Reihe von Behandlungsmöglichkeiten:

Die einfachste Möglichkeit ist, unterschiedliche Schuhe zu tragen, dass die Zehen immer wieder die Möglichkeit haben, in ihre normale Position zurückzukehren, am besten regelmäßiges Barfußlaufen. Schaumstoffkeile zwischen den Zehen können Schmerzen durch die Fehlpositionen der Zehen lindern, weil sie die Zehen aus der verkrampften Haltung bringen. Schienen und Bandagen bringen einen Ballenzeh in eine natürlichere Position zurück, helfen aber meistens nicht dauerhaft, besonders dann nicht, wenn sich der große Zeh schon stark verformt hat.

Für eine Korrektur des Hallux valgus ist daher meistens eine Operation unumgänglich. Es gibt dazu zwei verschiedene Operationsverfahren:

  • Verfahren zur Knochenkorrektur
  • Verfahren zur Weichteilbehandlung

Wenn eine operative Korrektur des Knochens stattfindet, wird ein großer Keil aus dem Knochen des großen Zehs herausgeschnitten. Die zwei Knochenteile, die durch diesen Schnitt entstehen, werden zusammengefügt und mit kleinen Metallstiften und -schrauben befestigt. Dadurch können auch die anderen Zehen wieder in ihre natürliche Position zurückwandern. Es ist möglich, dass der große Zeh nach einer solchen Operation steif bleibt. Zur Förderung der Heilung sollten Betroffene mehrere Monate lang eine Schiene tragen und den Fuß regelmäßig hoch lagern. Darüber hinaus ist Physiotherapie sinnvoll, weil sie die Muskulatur stärkt und die Beweglichkeit der Gelenke fördert.

Neben der Knochenkorrektur gibt es auch Verfahren zur Behandlung der Weichteile. Dabei wird der häufig entzündete Schleimbeutel herausgeschnitten, der große Zeh mit straffenden Nahttechniken in eine gerade Haltung gebracht und die Sehne ummantelt, um die Abweichung auszugleichen. Beide Operationstechniken können aber, auch wenn sie präzise und sorgfältig ausgeführt wurden, nicht garantieren, dass es nicht wieder zu Fehlstellungen kommt.

Aussciht & Prognose

Bei übereinander liegenden Zehen hängt die Prognose maßgeblich von der Ursache ab. Treten die Beschwerden in Folge von zu engen Schuhen auf, kann die Stellung der Zehen durch geeignetes Schuhwerk wieder angepasst werden. Hat sich bereits ein Spreizfuß gebildet, muss dieser zunächst operativ oder physiotherapeutisch behandelt werden. Gymnastische Übungen versprechen eine Begradigung der Zehen und erhöhen gleichzeitig die Beweglichkeit der Gelenke. Die Aussicht auf einen beschwerdefreien Gang ist in aller Regel gut.

Bei Diabetikern können übereinander liegende Zehen allerdings zu Druckstellen und weiteren Komplikationen führen, welche die Aussicht auf eine vollständige Genesung verschlechtern. Die eigentlichen Fehlstellungen lassen sich auch bei zuckerkranken Menschen operativ oder durch therapeutische Maßnahmen beheben. Allerdings können während und nach der Operation Komplikationen auftreten. So kann es zu Nervenverletzungen kommen und mitunter tritt auch ein Schock auf, der die Prognose verschlechtern kann. Ein chirurgischer Begradigungs-Eingriff kann außerdem starke Schmerzen verursachen, die meist bis zur Abheilung bestehen bleiben.

In ganz schweren Fällen ist bei übereinander liegenden Zehen eine Amputation der betroffenen Zehen notwendig. Eine umfassende Therapie kann allerdings auch hier eine positive Prognose ermöglichen, wobei die Gehstörungen mitunter dauerhaft bestehen bleiben. Spätfolgen sind bei übereinander liegenden Zehen nicht zu erwarten.

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Vorbeugung

Die Hauptvorbeugung gegen übereinander liegende Zehen besteht im Tragen von Schuhen, die dem Fuß nicht auf Dauer eine Einengung zumuten. Beim Schuhkauf sollte berücksichtigt werden, dass die Füße nachmittags größer werden, weil sie im Laufe des Tages anschwellen. Regelmäßige Fuß- und Zehengymnastik kann verhindern helfen, dass sich die Zehen übereinander legen. Besonders gut ist regelmäßiges Barfußlaufen, weil es die natürliche Fußstellung erhält und die Fußmuskulatur stärkt. Bei einer Veranlagung zum Ballenzeh können Fußbäder und Fußmassagen wirksam vorbeugen.

Das können Sie selbst tun

Übereinander liegende Zehen sind meist mit starken Schmerzen verbunden. Die Verschiebung der Zehen führt oft zu einer Verbreiterung des Fußes im Bereich des Ballens. Bei anhaltenden Schmerzen, Entzündungen oder Infektionen an dem betroffenen Fuß ist der Arzt umgehend aufzusuchen.

Sehr häufig können die übereinander liegenden Zehen nur noch operativ begradigt werden. Bei fortschreitender Erkrankung und anhaltenden Schmerzen ist ein Arztbesuch unablässig. Eine operative Entfernung von Knochengeweben kann die Zehenfehlstellung häufig korrigieren.

Sollte der Patient jedoch keinen Anstoß an den verschobenen Zehen nehmen und keinerlei Schmerzen haben, ist der Arztbesuch nicht notwendig. Im Vorfeld kann der Patient einige Maßnahmen ergreifen, um das Fortschreiten der Zehenfehlstellung hinauszuzögern. Passendes Schuhwerk verhindert Druckstellen an Zehen und ermöglicht schmerzfreies Gehen. Der Betroffene erhält so ein Stück Lebensqualität und Mobilität zurück.

Des Weiteren können gerade in der Entstehungsphase von übereinander liegenden Zehen einige Hilfsmittel Schmerzlinderung verschaffen. Einlagen, Nachtlagerungsschienen oder Schaumstoffpolster entlasten Füße und Zehen. Regelmäßige Fuß- und Zehengymnastik stärkt die Fußmuskulatur und wirkt übereinanderliegenden Zehen entgegen. Häufiges Barfußgehen stärkt die Muskulatur in den Füßen ebenfalls und kann eine Zehenfehlstellung verhindern.

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Quellen

  • Breusch, S., Clarius, M., Mau, H., Sabo, D. (Hrsg.): Klinikleitfaden Orthopädie, Unfallchirurgie. Urban & Fischer, München 2013
  • Krämer, J., Grifka, J.: Orthopädie, Unfallchirurgie. Springer, Berlin 2013
  • Wirth, C.J. et al.: Praxis der Orthopädie und Unfallchirurgie. Thieme, Stuttgart 2013

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