Hallux Valgus (Ballenzeh)

Letzte Aktualisierung am 11. April 2018 | Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher.
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Der Hallux Valgus (Ballenzeh) - eine der häufigsten Fußfehlstellungen westlicher Kulturen. Im Verlauf der Krankheit kommt es zu einer Zehenfehlstellung; im Besonderen des großen Zehs.

Inhaltsverzeichnis

Was ist Hallux Valgus (Ballenzeh)?

Bei der Bezeichnung Hallux Vagus (Ballenzeh) handelt es sich um den medizinischen Ausdruck für eine zur Fußaußenseite gerichtete Fehlstellung des sogenannten Großzehs.

Je nach Patient kann die Fehlstellung, die mit dem Hallux Valgus (Ballenzeh) einhergeht, schwerpunktmäßig unterschiedliche Glieder der Mittelfußknochen betreffen.

Gemein ist dem Erscheinungsbild des Hallux Valgus (Ballenzeh) allerdings ein Hervortreten des Mittelfußknochenkopfes zur Fußinnenseite. Der Verlauf der Strecksehnen ist durch das Vorliegen des Hallux Valgus (Ballenzeh) beeinträchtigt und kann so die Fehlstellung weiter begünstigen.

Ursachen

Mögliche Ursachen für das Auftreten des Hallux Valgus (Ballenzeh) sind vielfältig: So gehen Mediziner unter anderem von erblichen Faktoren aus, die das Risiko erhöhen können, einen Hallux Valgus (Ballenzeh) zu entwickeln.

Solche erblichen Faktoren können beispielsweise Anlagen zu schwachem Bindegewebe sein, das Muskulatur und Knochen des Fußes in der Folge weniger gut stützen kann. Dieser Faktor ist auch mitverantwortlich dafür, dass überwiegend Frauen vom Hallux Valgus (Ballenzeh) betroffen sind.

Weiterhin ist das Vorhandensein eines sogenannten Spreizfußes ein Risikofaktor für die Entwicklung eines Hallux Valgus (Ballenzeh), da der Druck auf den Zehballen so erhöht wird. Und besonders häufig kann auch falsches Schuhwerk zum Hallux Valgus (Ballenzeh) führen:

In westlichen Kulturen tritt der Hallux Valgus (Ballenzeh) wesentlich häufiger auf; ungünstig ist vor allem das Tragen von hohen Schuhen (z.B. High-Heels, Hackenschuhe, Absatzschuhe)), die spitz zulaufen.

Symptome, Beschwerden & Anzeichen

Ein äußerlich schon erkennbares Symptom eines Hallux valgus ist eine Verformung des großen Zehs mit Neigungswinkel zu den kleinen Zehen, während das Grundgelenk des großen Zehs durch die Verformung nach innen ragt und meistens geschwollen ist. Weil normale Schuhe oft nicht weit genug sind, um keinen Druck auf das gereizte Mittelfußköpfchen auszuüben, kommt es häufig an dieser Stelle zu Schwellungen, Rötungen und einer Schleimbeutelreizung am Gelenk, was Schmerzen beim Gehen verursacht.

In der Anfangszeit treten meistens noch keine Schmerzen auf, die Verformung ist noch in erster Linie ein ästhetisches Problem. Weil das Gelenk auf Dauer aber durch die ständige Druckbelastung gereizt wird, nehmen die Schmerzen mit den Jahren zu und die Reizung des Grundgelenks des großen Zehs kann zu einer Arthrose im Gelenk führen, die das Gehen stark beeinträchtigt.

Darüber hinaus führt die Fehlstellung des großen Zehs zu Platzmangel bei den mittleren Zehen, die dadurch nach oben ausweichen müssen, wodurch Hammer- oder Krallenzehen begünstigt werden, auf denen sich meistens durch den Druck von oben im Schuh schmerzhafte Druckstellen bilden. Weil durch den Ballenzeh die Statik des gesamten Fußes gestört ist, kann auch der gesamte Fuß schmerzen.

Krankheitsverlauf

Schematische Darstellung zur Anatomie und Aufbau des Fußes mit und ohne Hallux Valgus. Klicken, um zu vergrößern.

Ein Hallux Valgus (Ballenzeh) kann verschiedene Ausprägungsgrade erreichen. Allerdings stehen diese nicht immer im Zusammenhang mit den Beschwerden durch den Hallux Valgus (Ballenzeh):

So kann auch eine geringe Ausprägung zu Beschwerden führen. Erste Beschwerden treten häufig an der Großzehbasis auf: Hier schiebt sich der Kopf des Mittelfußknochens in Richtung der Fußinnenseite. Da hier der Fuß am breitesten ist, ist der Druck des Schuhs auch am größten; unter der Haut gelegene Schleimbeutel wachsen häufig an, um den Knochen vor dem Druck zu schützen.

An diesem Schleimbeutel kann es dann zu Entzündungen kommen. Die entstehende Fehlbelastungen kann im weiteren Verlauf zu Arthrose (Abnutzung des Knorpels) im Grundgelenk des Großzehs führen. Die Verschiebung des Großzehs kann in schweren Fällen bis zu 90 Grad betragen.

Komplikationen

Je nach Stadium wird ein Hallux valgus operativ korrigiert. Ziel der Operation ist nicht nur die Wiederherstellung eines kosmetisch schönen Fußes, sondern auch die schmerzfreie und uneingeschränkte Belastbarkeit des Fußes. Je nach Ausprägung und je nachdem, wie weit die Abnutzung des falsch belasteten Zehs bereits vorangeschritten ist, kann nicht in jedem Falle eine Operation den gewünschten Erfolg bringen.

Neben dieser Komplikation bestehen die allgemein gültigen Operationsrisiken, die im Nachgang zu Komplikationen führen können (Lungenembolien, Wundheilungsstörungen). Trotz möglicher Komplikationen sollte ein Hallux valgus stets behandelt werden. Bleibt der Zustand unbehandelt, können massive Schmerzen im Fuß auftreten. Die Schmerzen schließen aufgrund der "Hammerzehenbildung" auch die kleinen Zehen mit ein.

Da die Ausbuchtung des großen Zehs permanent gegen den Schuh drückt, sind Blasen und Entzündungen an den Reibungspunkten kaum vermeidbar. Auf lange Sicht führt ein Hallux valgus zu einer erheblichen Einschränkung der Bewegungsfähigkeit; Betroffene meiden es, zu gehen. Verlust der Lebensfreude und Isolation sind besonders für ältere Menschen die Folgen eines nicht behandelten Hallux valgus.

Nicht zu unterschätzen ist die erhöhte Sturzgefahr. Da den Betroffenen das Gehen schwer fällt, neigen sie zu unsicherem Verhalten, was wiederum dazu führt, dass die Betroffenen zu Stürzen mit den unterschiedlichsten Folgen neigen.

Wann sollte man zum Arzt gehen?

Ein Arzt sollte schon bei einer leichten Fehlstellung des großen Zehs aufgesucht werden, am besten ein Orthopäde, weil die Fehlstellung sonst weiter voranschreitet und immer mehr Beschwerden verursachen kann. Ein Arztbesuch ist auch anzuraten, wenn der Hallux Valgus schon Schmerzen in den Füßen und im Beckenbereich verursacht. Durch die Fehlstellung des großen Zehs kann es zu starken Schmerzen und behandlungsbedürftigen Unsicherheiten beim Gehen kommen, durch die der Alltag der Betroffenen stark eingeschränkt wird.

Oft ist es notwendig, die dadurch entstehenden Schmerzen in Muskeln, Sehnen und Gelenken, Missempfindungen, Schwellungen und Durchblutungsstörungen ärztlich zu behandeln. Ein Facharzt sollte immer dann aufgesucht werden, wenn die Fehlstellung nicht nur ein ästhetisches Problem ist, sondern mit Schmerzen beim Gehen verbunden ist. Ein Arzt kann zu Schuhen raten, die besser geeignet sind, und geeignete Behandlungsmaßnahmen zur Korrektur der Fehlstellung einleiten. Darüber hinaus kann er über operative Verfahren zur Korrektur eines Hallux Valgus beraten, denn zur Heilung ist es oft notwendig, die Fehlstellung operativ korrigieren zu lassen, um langfristig eine Besserung der Beschwerden zu erzielen.

Behandlung & Therapie

Je nach Ausprägungsgrad eines Hallux Valgus (Ballenzeh) gibt es verschiedene Behandlungsmethoden. Ist der Hallux Valgus (Ballenzeh) noch nicht weit fortgeschritten oder bereitet er keine Beschwerden, sind Behandlungen auf konservativem Wege möglich. Ist der Hallux Valgus (Ballenzeh) weiter fortgeschritten und der Großzeh eventuell bereits von Arthrose betroffen, so wird teilweise auch zu Operationen geraten.

Konservative Behandlungsschritte bestehen beispielsweise in der Anwendung gezielter Fußgymnastik zur Stärkung der Muskulatur. Gestärkt wird die Muskulatur weiterhin durch Barfußlaufen. Auch kann entsprechendes orthopädisches Schuhwerk dazu beitragen, dem Hallux Valgus (Ballenzeh) zu mehr Entlastung zu verhelfen. Erreicht werden kann eine solche Entlastung beispielsweise auch durch das Einkleben entsprechender orthopädischer Stützpolster in Standardschuhwerk.

Schmerzhafte Schleimbeutelentzündungen, die häufig mit dem Hallux Valgus (Ballenzeh) einhergehen, können medikamentös durch entzündungshemmende Wirkstoffe bekämpft werden. Bei dem Entschluss einer operativen Maßnahme hängt es von verschiedenen Faktoren ab, welche Operationsmethode am geeignetsten ist; zu diesen Faktoren zählen beispielsweise die Menge der Komplikationen, das Stadium des Hallux Valgus (Ballenzeh), das Vorliegen von Arthrose im Großzeh oder auch das Lebensalter eines Patienten. Es gibt derzeit circa sechs verschiedene Operationen des Hallux Valgus (Ballenzeh), die am häufigsten durchgeführt werden.

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Aussicht & Prognose

Wenn ein Ballenzeh nicht behandelt wird, kann er sich mit den Jahren verschlimmern und durch den Dauerdruck eine Arthrose im Grundgelenk des großen Zehs hervorrufen. Die Aussichten hängen vom Alter der Betroffenen ab. Im Kindes- und jungen Erwachsenenalter lässt sich die Fehlstellung noch leichter durch konservative Behandlungsmethoden wie eine Schiene korrigieren. Wenn sie nicht mehr durch konservative Maßnahmen behoben werden kann, hilft meistens nur noch eine Operation. Komplikationen treten bei Operationen des Ballenzehs kaum auf, Wundinfektionen und Empfindungsstörungen nur bei ca. 4 % aller Betroffenen. Manchmal kann die Knochenheilung länger dauern, aber weitere Operationen sind selten notwendig.

Auch wenn eine Operation erfolgreich verlaufen ist, dauert es in der Regel ein paar Wochen bis zur Heilung. Während dieser Zeit kann es noch zu Schmerzen und Schwellungen kommen. Eine Operation eines Hallux valgus hat einen großen Einfluss auf die Statik des Fußes und das Gehen und beeinflusst den gesamten Halteapparat. Wenn der Fuß falsch belastet wird, kann die dadurch verursachte Fehlbelastung der Wirbelsäule schaden und Rückenschmerzen verursachen. Mit Sport sollten Betroffene ca. 12 Wochen warten, weil die Koordination erst wieder langsam trainiert werden muss.

Vorbeugung

Ein wichtiger Schritt, um dem Hallux Valgus (Ballenzeh) vorzubeugen, liegt in der Wahl des geeigneten Schuhwerks: Günstig ist vor allem das Tragen von flachen Schuhen, die den Zehen zu den Seiten und nach oben Bewegungsfreiheit lassen.

Neben regelmäßiger Bewegung des Fußes gibt es außerdem die Möglichkeit, vorbeugend sogenannte Hallux Valgus (Ballenzeh)-Schienen (beispielsweise in der Nacht) zu tragen, die einer Verformung von Großzeh und Zehenballen entgegenwirken sollen.

Der Hallux Valgus (Ballenzeh) - eine Fußfehlstellung, der durch konsequente Maßnahmen effektiv vorgebeugt werden kann.

Das können Sie selbst tun

Um die Beschwerden eines Ballenzehs zu lindern, gibt es einiges Maßnahmen, die Betroffene anwenden können.

Muskulatur und Sehnen im Fuß lassen sich mit regelmäßiger Fußgymnastik stärken. Im Internet gibt es unter dem Suchbegriff „Hallux Valgus Gymnastik“ zahlreiche Anleitungen. Barfuß zu laufen wirkt ebenfalls stärkend für den Fuß und unterstützt die natürliche Fußstellung. Entscheidende Entlastung bringt passendes Schuhwerk, breit genug für den Vorderfuß; also nicht spitz zulaufend und ohne zu hohe Absätze. Weiches Schuhobermaterial kann über den Ballen nachgeben und vermeidet weiteren Druck.

Im Fachhandel erhältlich sind orthopädische Einlagen, die durch ein positioniertes Versteifungselement die Beweglichkeit des Großzehengrundgelenks einschränken und somit für eine Linderung der Schmerzen beim Gehen sorgen. Die Einlagen haben einen flexiblen Kern, der den Mittelfußbereich unterstützt, sie sind geeignet für Indoor- und Outdoorschuhe.

Zur Linderung der typischen Beschwerden kann ein Zehenspreizer beitragen, er wird zwischen der Großzehe und der zweiten Zehe getragen. Ein Spreizer besteht aus weichem Material, kann in jedem Schuh getragen werden und wirkt Schock absorbierend.

Korrigierend auf die Fehlstellung der Großzehe wirkt eine Hallux Valgus Schiene, es gibt sie in Ausführungen mit Schienengelenk und Gelkissen, die in Bequemschuhen tragbar sind. Sie bringen den Mittelfußknochen in eine optimale Position und richten das Quergewölbe des Fußes auf. Hauptsächlich werden Schienen jedoch über Nacht angelegt.

Eine Fußreflexzonenmassage, bei der gezielt Triggerpunkte angegangen werden, kann ebenso eine Linderung herbeiführen.

Quellen

  • Hahn, J.-M.: Checkliste Innere Medizin. Thieme, Stuttgart 2013
  • Krämer, J., Grifka, J.: Orthopädie, Unfallchirurgie. Springer, Berlin 2013
  • Wülker, N., Kluba, T., Roetman, B., Rudert, M.: Taschenlehrbuch Orthopädie und Unfallchirurgie. Thieme, Stuttgart 2015

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