Bindegewebsschwäche

Medizinische Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher (Facharzt für innere Medizin) am 4. Juli 2017
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Eine Bindegewebsschwäche zeigt sich in unterschiedlichen, optisch mehr oder weniger sichtbaren Beeinträchtigungen eines normalen und attraktiven Hautbildes. Die Bindegewebsschwäche kann bereits im jungen oder erst im fortgeschrittenen Lebensalter auftreten.

Inhaltsverzeichnis

Was ist eine Bindegewebsschwäche?

Das Bindegewebe, welches, wie die Bezeichnung aussagt, von einer Bindegewebsschwäche betroffen ist, befindet sich an verschiedenen Organen des Körpers. Nicht nur die äußere Hauthülle, sondern auch viele innere Organe sind durch eine bindegewebige Schicht gekennzeichnet.

Wie alle Gewebsschichten der Haut, so kann auch das Bindegewebe von einer zunehmenden Erschlaffung und einem Verlust an Elastizität betroffen sein. Die Bindegewebszellen, welche im Laufe des Lebens und durch kaum beeinflussbare Beeinträchtigungen geschädigt werden können, sterben ab, verhärten und verlieren ihre Funktionsfähigkeit.

Eine Bindegewebsschwäche wird definiert durch die nachlassende stützende und stabilisierende Wirkung, welche das Bindegewebe eigentlich zu erfüllen hat. Darüber hinaus kann bei einer Bindegewebsschwäche die eigentliche Gleit- und Verschiebefunktion nicht mehr in ausreichendem Maße gewährleistet werden.

Ursachen

Im Rahmen der medizinischen Diagnostik werden für eine Bindegewebsschwäche abweichende Ursachen angegeben. Zunächst kommen körperliche Veränderungen in Frage, zu denen insbesondere ein starkes Übergewicht, eine Dehnung der Haut durch eine Schwangerschaft und eine zu geringe Nahrungs- und Flüssigkeitszufuhr gehören.

Häufig kann die Haut abwechselnde Dehnungen durch eine damit verbundene ständige Erschlaffung von Bindegewebe nicht mehr ausgleichen, sodass es zu einer Bindegewebsschwäche kommt. Zu wenig körperliche Bewegung sowie eine normale fortschreitende Alterung der Haut sind ebenfalls die Ursachen für eine Bindegewebsschwäche.

Die Stärke und Stabilität des Bindegewebes wird dadurch bestimmt, in welcher Menge ein Mensch kollagene Fasern im Bindegewebe ausgebildet hat. Dieses Merkmal kann genetisch bedingt sein und eine Bindegewebsschwäche begünstigen. Die Bindgewebsschwäche betrifft sowohl weibliche als auch männliche Patienten und übergewichtige Kinder.

Diagnose & Verlauf

Schematische Darstellung zur Anatomie und Aufbau der Haut mit und ohne Cellulite. Klicken, um zu vergrößern.

Eine vorliegende Bindgewebsschwäche entwickelt sich langsam und zeigt sich erst im fortgeschrittenen Stadium in unschönen Veränderungen der Haut. Neben dem Auftreten von von Cellulite, der sogenannten Orangenhaut, zeigt sich eine Bindegewebsschwäche in weißlichen, bläulichen oder hellrosa Streifen auf der Haut. Diese werden umgangssprachlich als Schwangerschaftsstreifen oder Striae (Dehnungsstreifen) bezeichnet. Die Haut sieht so aus, als ob sie gerissen ist.

Bei einer Bindegewebsschwäche treten manchen Betroffenen schon bei geringen mechanischen Blutergüsse auf. Auch Krampfadern werden mehr oder weniger stark sichtbar.

Da eine Bindegewebsschwäche nicht nur die äußere Hauthülle betrifft, sondern ebenfalls die Einbettung vieler innerer Organe, treten ganz spezifische Symptome auf. Betrifft eine Bindegewebsschwäche die Lunge, die Augen, das Herz und die Blutgefäße sowie das Bewegungs- und Skelettsystem, dann sind organbezogene und die Gesundheit stark beeinträchtigende Krankheitszeichen typisch.

Es wird von einem Marfan-Syndrom gesprochen, welches aufgrund einer erblich bedingten Bindegewebsschwäche auftritt. An den inneren Organen kann es zu Vernarbungen kommen, wodurch diese ihre natürliche Physiologie bei einer genetischen Bindegewebsschwäche nicht mehr gewährleisten können. Die angeborenen Bindgewebsschwäche tritt selten auf.

Komplikationen

Die Cellulite ist das bekannteste Symptom einer Bindegewebsschwäche. Die unansehnlichen Dellen treten vorwiegend bei Frauen auf. Dehnungsstreifen sind ein vorwiegend optisches Symptom der Bindegewebsschwäche und treten sowohl bei Frauen als auch bei Männern gleichermaßen auf. Durch eine Überdehnung des Bindegewebes entstehen irreparable Risse in der Unterhaut.

Diese haben anfänglich eine rötlich-blaue Färbung, die später jedoch verblassen kann. Zurück bleiben sichtbare, helle Narben. Besenreiser und Varikose betreffen sowohl Frauen als auch Männer. Sie treten vornehmlich an den Beinen auf. Dabei sind sie nicht nur unansehnlich, sondern rufen auch gesundheitliche Komplikationen wie Juckreiz, Schweregefühl, Wadenkrämpfe und Hautveränderungen hervor.

Bei Frauen kann eine Bindegewebsschwäche in Kombination mit einer geschwächten Beckenbodenmuskulatur nach einer Geburt die Absenkung von Uterus oder Vagina hervorrufen. Cellulite kann oberflächlich mit Peelings und Cremes behandelt werden. Die Maßnahmen bringen keine grundlegende Linderung der Bindegewebsschwäche.

Dehnungsstreifen kann mit Massagen während der Schwangerschaft entgegengearbeitet werden. Dies kann das Ausmaß mindern, jedoch die Streifen nicht komplett verhindern. Die weißen Narben können mit Hilfe von einer Kältetherapie oder durch Lasereinsatz vermindert werden. Varikose wird abhängig vom Schweregrad durch einen chirurgischen Eingriff behandelt. Dabei werden die Krampfadern entfernt. Ein Wiederauftreten ist möglich, da das Bindegewebe geschwächt bleibt.

Behandlung & Therapie

Die Behandlungsmethoden bei einer Bindegewebsschwäche sind recht begrenzt und können durch spezielle individuelle Maßnahmen ganz wesentlich unterstützt werden. Grundsätzlich ist eine Bindegewebsschwäche eine Hauterkrankung, die bei genetischen Ursachen eine spezielle medizinische Behandlung erfordert. Bei einem vorliegenden Marfan-Syndrom kann eine gezielte Therapie in der Art erfolgen, dass lediglich die Symptome in geringem Umfang behandelt werden können.

Treten lediglich äußerlich sichtbare Veränderungen des Hautbildes auf, so können diese durch geeignete schönheitsmedizinische und kosmetische Eingriffe therapiert werden. In diesem Zusammenhang versprechen sowohl die hautstraffenden chirurgischen oder nicht operativen Verfahren als auch diverse Cremes und Salben eine Verbesserung des Hautbildes.

Darüber hinaus tragen regelmäßige körperliche Bewegung sowie die Stärkung der Muskulatur zu einer Reduzierung einer Bindegewebsschwäche bei. Diese Resultate basieren auf einer zunehmenden Straffung des Bindegewebes.

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Vorbeugung

Um eine Bindegewebsschwäche zu vermeiden, sind die Beanspruchung entsprechender Muskelgruppen durch Sport und durchblutungsfördernde Verfahren sinnvoll. Darüber hinaus können eine wirksame Hautpflege insbesondere während einer Schwangerschaft und die Vermeidung von Übergewicht einer Bildung der Bindgewebsschwäche vorbeugen.

Eine ausreichende Zufuhr von Flüssigkeit kann die Entstehung von Orangenhaut als Folge einer Bindegewebsschwäche reduzieren. Gegen eine individuelle Veranlagung für eine Bindgewebsschwäche kann prophylaktisch leider nichts getan werden.

Das können Sie selbst tun

Einer Bindegewebsschwäche lässt sich auf vielerlei Weise entgegnen. Je früher mit der Stärkung des Gewebes – innerlich wie äußerlich – begonnen wird, desto größer sind die Erfolgschancen.

In einem schwachen Bindegewebe lagert der Körper bevorzugt Abfallprodukte des Stoffwechsels ein, welche als Cellulite sichtbar wird. Um diesen Balast zu minimieren gilt es auf eine ausgeglichene Ernährung zu achten. Säurebildende Lebensmittel sollten gemieden werden und durch basenbildende (frisches Obst und Gemüse) ersetzt werden. Auch eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr von mindestens zwei Litern – basisch wirkende stille Mineralwässer – verbessert die Struktur des Bindegewebes. Unterstützend kann auch über einen begrenzten Zeitraum ein Nahrungsergänzungsmittel, sogenanntes Basenpulver, eingenommen werden. Dieses besteht aus hochkonzentrierten und für den Organismus leicht verwertbaren Mineralstoffen wie Magnesium, Calcium und Zink.

Auch homöopathisch kann der Körper unterstützt werden: mit den Schüssler Salzen Nummer 1 (Calcium fluoratum) und Nummer 11 (Silicea). Die orale Einnahme sollte über einen längeren Zeitraumen erfolgen. Ebenso können Schüssler-Salben aufgetragen werden – vor allem bei Dehnungsstreifen, Cellulite oder Krampfadern. Reich an Silizium sind auch Hafer und Hirse. Die Naturheilkunde empfiehlt zudem Produkte aus Rosskastanie bei Venenproblemen sowie Bärlauch und Schachtelhalm zur Stärkung des Bindegewebes.

Regelmäßige Bewegung reduziert Übergewicht und fördert die Durchblutung des Gewebes. Um die Durchblutung weiter zu stimulieren empfehlen sich auch wechselwarme Duschen oder Kneippgüsse sowie Bürstenmassagen.

Bücher über Bindegewebsschwäche

Quellen

  • Greten, H., Rinninger, F., Greten, T. (Hrsg.): Innere Medizin. Thieme, Stuttgart 2010
  • Hahn, J.-M.: Checkliste Innere Medizin. Thieme, Stuttgart 2013
  • Herold, G.: Innere Medizin. Selbstverlag, Köln 2016

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Kommentare und Erfahrungen von anderen Besuchern

Waldhorn 54 kommentierte am 17.09.2016 um 15:36 Uhr

Seit fast 50 Jahren spiele ich Blechblasinstrumente. Seit mehreren Monaten treten nach intensivem Spielen Entzündungen an der Mundschleimhaut im Bereich des Mundstücks auf. Mein Zahnarzt ist der Überzeugung, dass bei mir aufgrund meines Alters von 61 Jahren eine Schwäche des Bindegewebes vorliegt und durch eine über Jahrzehnte lange Vibration das Gewebe geschädigt ist.
Mir ist bekannt, dass sich durch hormonelle Veränderungen die Zusammensetzung der Mundschleimhaut verändert.
Hat jemand ähnliche Beobachtungen gemacht?

Heidi kommentierte am 28.10.2015 um 20:52 Uhr

Für Couperose auf den Wangen soll auch eine Bindegewebsschwäche verantwortlich sein. Dies wird in Ihren Beschreibungen allerdings nicht erwähnt. Gibt es gegen Couperose Pflegeprodukte die wirklich helfen? Oder vielleicht ein Naturheilmittel von innen? Denn dass ich unter Bindegewebsschwäche leide, beweisen schon die dauernden Blutergüsse nach geringstem anstoßen.

Engelke kommentierte am 06.05.2015 um 18:36 Uhr

Ich bin 81 Jahre alt. Auf beiden Handrücken bilden sich zeitweise bis zu 2 Euro große Flächen, die mit Blut unterlaufen sind. Sie kommen nicht von einem Anstoß oder sonstigen Druckstellen. Diese bilden sich nach 14 Tagen oder 3 Wochen wieder zurück. Woran könnte das liegen?

Gunter kommentierte am 22.08.2013 um 11:00 Uhr

Ich bekomme an meinen Unterarmen immer rote Flecken aufgrund meiner Bindegewebsschwäche. Was kann ich dagegen tun? Ich danke Ihnen für eine schnelle Abhilfe!

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