Östrogenmangel

Letzte Aktualisierung am 12. März 2018 | Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher.
Startseite » Krankheiten » Östrogenmangel

Vom Östrogenmangel sind vorwiegend Frauen betroffen. Der Östrogenmangel kann krankheitsbedingt auftreten, begleitet häufig aber Reifungsprozesse.

Inhaltsverzeichnis

Was ist Östrogenmangel?

Ein Östrogenmangel liegt vor, wenn der Organismus einer betroffenen Person über eine reduzierte Menge an körpereigenen Östrogenen verfügt. Bei Östrogenen handelt es sich um eine Form weiblicher Geschlechtshormone.

In der Regel tritt der Östrogenmangel daher annähernd ausschließlich bei Frauen auf. In den meisten Fällen geht ein Östrogenmangel bei Betroffenen mit einem parallelen Mangel an weiteren Hormonen einher; so wird der Östrogenmangel beispielsweise häufig von einem vorliegenden Gestagenmangel begleitet.

Gestagene zählen ebenso wie Östrogene zu den weiblichen Sexualhormonen. Durch einen Östrogenmangel hervorgerufene Symptome unterscheiden sich vor allem in Abhängigkeit vom Reifestadium einer betroffenen Frau: Bei geschlechtsreifen Betroffenen äußern sich entsprechende Beschwerden beispielsweise in ausbleibenden Regelblutungen oder Zwischenblutungen.

Je nach Ausprägung kann ein Östrogenmangel hier auch zur Unfruchtbarkeit führen. Während der Wechseljahre kann ein Östrogenmangel etwa Hitzewallungen, Schlafstörungen und/oder depressiven Verstimmungen nach sich ziehen.

Ursachen

Bei Frauen in den Wechseljahren ist ein Östrogenmangel meist die Folge natürlicher Prozesse: Im Verlauf des Klimakteriums (der Wechseljahre) stellen die Eierstöcke zunehmend ihre Funktion ein. In der Folge nimmt auch die körpereigene Produktion von Östrogenen ab, sodass sich bei Betroffenen ein Östrogenmangel einstellt.

Weitere mögliche Faktoren können auch bei Frauen während der Geschlechtsreife einen Östrogenmangel hervorrufen: Bedingt sein kann ein entsprechender Mangel an Östrogenen beispielsweise durch Fehlentwicklungen und/oder eingeschränkte Funktionen der Eierstöcke.

Darüber hinaus kann auch eine chirurgische Entfernung der Eierstöcke bei einer betroffenen Frau zu Östrogenmangel führen. Ein solcher operativer Eingriff als seltene Ursache von Östrogenmangel kann beispielsweise aufgrund von Krebserkrankungen notwendig werden.

Symptome, Beschwerden & Anzeichen

Ein Östrogenmangel kann mit zahlreichen Begleiterscheinungen einhergehen. Welche Beschwerden die Störung verursacht, hängt auch vom Ausmaß des Mangels sowie dem Alter, in dem er auftritt, ab. Eine Östrogenmangel bei Mädchen im Teenageralter kann dazu führen, dass die geschlechtliche Entwicklung während der Pubertät verzögert wird oder gar vollständig ausbleibt.

In unbehandelten oder schweren Fällen kann dies zur Unfruchtbarkeit führen. Bei erwachsenen Frauen bedingt ein Östrogenmangel oftmals einen unregelmäßgen Zyklus oder ein vollständiges Ausbleiben der Regelblutung. Zudem verdickt sich der Zervix-Schleim und wird für männliche Spermien undurchdringlich.

Östrogenmangel ist deshalb ein häufiger Grund für ungewollte Kinderlosigkeit bei Frauen. Die Störung kann außerdem zu erhöhten Blutfettwerten, Haut- und Haarproblemen, insbesondere Haarausfall und Akne, sowie zu einer vorzeitigen Bildung von Hautfalten führen. Des Weiteren kann es zu östrogenmangelbedingten Veränderungen an den Geschlechtsorganen und den Harnwegen kommen, die mit ständigem Harndrang sowie wiederkehrenden, oftmals chronischen, Infektionen der Harnwege und der Vagina einhergehen.

In schweren Fällen können sogar Herzrhythmusstörungen auftreten. Während der Wechseljahre kommt es bei nahezu allen Frauen zu einem Östrogenmangel. Die typischen Wechseljahrbeschwerden wie Hitzewallungen,depressive Verstimmungen und Schlafstörungen sind auf die verminderte Produktion dieses Sexualhormons zurückzuführen. Bleibt der Hormonmangel unbehandelt, kann er, insbesondere in Kombination mit einer falschen Ernährung und Bewegungsmangel, eine Osteoporose begünstigen.

Diagnose & Verlauf

Der Diagnose Östrogenmangel dient meist zunächst ein ausführliches Patientengespräch. Im Rahmen eines solchen Gesprächs übermittelt eine Patientin dem behandelnden Arzt beispielsweise Informationen über individuelle Beschwerden und Krankenvorgeschichte. In einem nächsten Schritt folgt häufig eine gynäkologische (frauenärztliche) Untersuchung.

Mithilfe einer solchen Untersuchung können etwa Beeinträchtigungen der Eileiter bei vorliegendem Östrogenmangel festgestellt oder auch ausgeschlossen werden. Im Bedarfsfall kann schließlich auch eine Hormonanalyse Aufschluss über den aktuellen Hormonstatus einer Patientin geben.

Der individuelle Verlauf eines Östrogenmangels hängt unter anderem von der jeweiligen Ursache des Hormonmangels und von möglicherweise stattfindenden Therapiemaßnahmen ab.

Liegen einem Östrogenmangel etwa Beeinträchtigungen der Eierstöcke zugrunde, so können erfolgreiche Therapiemaßnahmen zu einem Östrogenanstieg beitragen. Auch ein Östrogenmangel und einhergehende Beschwerden im Rahmen der Wechseljahre können durch medizinische Maßnahmen positiv beeinflusst werden. Verschiedene, für das Klimakterium typische Symptome eines Östrogenmangels klingen nach Abschluss dieser Lebensphase selbstständig ab.

Komplikationen

Ein Östrogenmangel kann unterschiedliche Beschwerden hervorrufen, die bei fehlender oder unzureichender Behandlung ernste Komplikationen nach sich ziehen. Zunächst begünstigt ein Mangel an weiblichen Sexualhormonen akute Symptome wie Schlafstörungen oder Menstruationsbeschwerden, die das Wohlbefinden beeinträchtigen und die Entstehung seelischer Leiden begünstigen. Im weiteren Verlauf kann es dann zu depressiven Verstimmungen, erhöhten Blutfettwerten und diversen Erkrankungen des Herz-Kreislauf-Systems kommen.

Zu den schwersten Komplikationen zählen Herzrhythmusstörungen, Osteoporose und Haarausfall. Außerdem verändert ein Östrogenmangel die Beschaffenheit des Zervixschleims – die Substanz wird dickflüssiger und erschwert eine Befruchtung erheblich. In extremen Fällen kann es zu einer Unfruchtbarkeit kommen. Weiterhin besteht ein erhöhtes Risiko für Infektionen von Scheide und Harnwegen, Inkontinenz und Scheidentrockenheit.

Die Behandlung eines Östrogenmangels kann ebenfalls Komplikationen hervorrufen, etwa aufgrund der jeweils verordneten Arzneimittel oder durch eine schlecht abgestimmte Hormonersatztherapie. Eine länger andauernde Therapie (mehr als fünf Jahre) erhöhte zudem das Risiko für eine Brustkrebserkrankung. Zuletzt kann es auch durch Hausmittel oder Präparate aus der Homöopathie zu Beschwerden kommen. Da der Körper aufgrund des Östrogenmangels bereits geschwächt ist, können Mittel wie Mönchspfeffer oder Nahrungsergänzungspräparate schnell zu ernsten Beschwerden führen, die einer eigenständigen Behandlung bedürfen.

Behandlung & Therapie

Eine fachgerechte Behandlung von Östrogenmangel orientiert sich zunächst an dessen auslösenden Faktoren. Liegen einem Östrogenmangel im Einzelfall Erkrankungen bzw. Funktionsstörungen zugrunde, so zählt eine Ursachenbehandlung zu den wichtigen Therapiebausteinen.

Soll ein Östrogenmangel an sich mithilfe medizinischer Maßnahmen ausgeglichen werden, so ist dies mithilfe verschiedener Formen der Hormonbehandlung möglich. Im Rahmen einer solchen Behandlung werden dem Organismus Östrogene auf synthetischer Basis zugeführt. Wurde bei einer Betroffenen neben dem Östrogenmangel beispielsweise auch ein vorliegender Gestagenmangel diagnostiziert, so werden zur Hormonbehandlung häufig Präparate angewendet, die beide Hormone kombinieren.

Die synthetischen Hormone zur Hormonbehandlung können dem Organismus etwa über die Einnahme von Tabletten zugeführt werden. Außerdem können die Hormone über die Haut in den Körper einer Patientin vordringen. Dies geschieht beispielsweise über spezielle Pflaster, die Hormone abgeben.

Zu den vielfältigen Formen der Hormontherapie bei Östrogenmangel zählt schließlich auch die Anwendung spezieller Salben, die im Genitalbereich aufzutragen sind. Im Bedarfsfall können individuell auftretende Symptome bei Östrogenmangel ergänzend behandelt werden; so beispielsweise mithilfe schlaffördernder Wirkstoffe bei Schlafstörungen.

Hier finden Sie Ihre Medikamente:

Vorbeugung

Einem natürlichen Östrogenmangel im Rahmen eines einsetzenden Klimakteriums ist nicht vorzubeugen. Möglichen Symptomen, die mit einem natürlichen Östrogenmangel einhergehen, kann dagegen (sofern im Einzelfall medizinisch sinnvoll) durch eine frühzeitige Hormontherapie vorgebeugt werden. Östrogenmangel aufgrund von körperlichen Funktionsstörungen ist vornehmlich durch regelmäßige und frühzeitige Arztbesuche zu verhindern.

Das können Sie selbst tun

Zur unterstützenden Therapie bei Östrogenmangel können Moorsitzbäder angewandt werden. Diese Bäder verbessern die Durchblutung der Scheide und erhöhen deren Widerstandsfähigkeit gegen Infektionen. Zur Nahrungsergänzung können Patienten Kalzium und Vitamin D einnehmen – die empfohlene Tagesdosis soll dabei nicht überschritten werden. Auch sportliche Aktivitäten wie beispielsweise Nordic Walking, Schwimmen oder Radfahren, können die Beschwerden, basierend auf dem Östrogenmangel, lindern. Den oftmals trockenen Augen kann mit befeuchtenden Augentropfen entgegengewirkt werden.

Positive Effekte können auch durch die Verabreichung von Johanniskraut beobachtet werden. Hier gilt es jedoch zu beachten, dass die Wirkung der Anti-Baby-Pille durch das Johanniskraut möglicherweise eingeschränkt sein kann. Auch Mönchspfeffer und Traubensilberkerze wirken sich positiv auf den Allgemeinzustand aus, hierzu empfiehlt es sich jedoch vorab mit dem betreuenden Arzt diesbezüglich Rücksprache zu halten. Das Gleiche gilt für die Verwendung von östrogenhaltigen Cremes oder Zäpfchen zur Behandlung der häufig auftretenden Scheidentrockenheit.

Von der Verwendung von Intimlotionen und Intimsprays wird dagegen abgeraten, da diese die Scheidenflora langfristig zerstören. Weiterhin empfiehlt sich das Tragen von Unterwäsche aus Baumwolle, die bei 90° Celsius waschbar ist. Nur bei so einer heißen Wäsche werden Krankheitserreger abgetötet.

Bücher über Menstruationsbeschwerden

Quellen

  • Beckermann, M.J.: Frauenheilkunde und Geburtshilfe. Schwabe, Basel 2004
  • Kleine, B., Rossmanith, W.G.: Hormone und Hormonsystem. Springer Verlag, Berlin 2010
  • Stauber, M., Weyerstrahl, T.: Gynäkologie und Geburtshilfe. Thieme, Stuttgart 2013

Das könnte Sie auch interessieren: