Splenektomie

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 29. September 2017
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Splenektomie ist ein medizinischer Fachbegriff für die chirurgische Entfernung der Milz. Der Eingriff wird auch als Milzexstirpation bezeichnet.

Inhaltsverzeichnis

Was ist eine Splenektomie?

Bei einer Splenektomie wird die Milz operativ entfernt. Die Milz ist ein lymphatisches Organ, das in den Blutkreislauf eingeschaltet ist. Sie liegt in der Bauchhöhle in unmittelbarer Nähe zum Magen. Die Milz übernimmt im Körper drei Aufgaben. Zum einen findet in der Milz eine Vermehrung der Lymphozyten statt.

Lymphozyten sind weiße Blutkörperchen und damit Teil des Abwehrsystems. Zum anderen ist die Milz ein wichtiger Speicherort für die Monozyten. Auch diese gehören zu den weißen Blutkörperchen. Drittens dient sie der Entsorgung und Aussortierung veralteter roter Blutkörperchen (Erythrozyten). Bei Ungeborenen und bei Kindern spielt sie zudem eine Rolle bei der Bildung der Erythrozyten. Die Milz ist somit ein sehr gut durchblutetes Organ. Bei Verletzungen der Milz können lebensgefährliche Blutungen entstehen. Deshalb ist die Splenektomie in der Regel ein Notfalleingriff bei schweren Verletzungen der Milz, die mit starken Blutungen einhergehen.

Funktion, Wirkung & Ziele

Eine wichtige Indikation für eine Splenektomie ist eine Milzruptur. So ein Riss in der Milz entsteht meist durch ein stumpfes Bauchtrauma. Stumpfe Bauchtraumen kommen beispielsweise bei Arbeits- oder Sportunfällen vor. Spontane Rupturen treten eher selten auf, können aber bei bestimmten Infektionskrankheiten oder bei Bluterkrankungen vorkommen. Spontanen Rupturen geht in der Regel eine abnorme Vergrößerung der Milz (Splenomegalie) voraus.

Die Milz ist von einer Kapsel umgeben. Ist nur die Kapsel beschädigt, kommt es in der Regel nur zu kleineren Sickerblutungen. Bei einer gleichzeitigen Verletzung des Funktionsgewebes fällt die Blutung deutlich schwerer aus. In einigen Fällen kann die Blutung auch erst später auftreten. Wenn das Funktionsgewebe verletzt ist, die Kapsel aber zunächst noch intakt, entwickelt sich innerhalb der Milz ein Bluterguss. Bei zunehmendem Druck reißt die Kapsel und es kommt zu plötzlichen starken Blutungen in die Bauchhöhle. Eine solche zweizeitige Milzruptur ist eine Indikation für eine Splenektomie. Zu den nicht notfallmäßigen Indikationen gehören beispielsweise die Hereditäre Sphärozytose und die Hereditäre Elliptozytose. Die Hereditäre Sphärozytose ist eine angeborene hämolytische Anämie. Da ein Großteil der Erythrozyten Formanomalien aufweist, werden übermäßig viele rote Blutkörperchen von der Milz aussortiert.

Splenektomie ist ein medizinischer Fachbegriff für die chirurgische Entfernung der Milz. Der Eingriff wird auch als Milzexstirpation bezeichnet.

In der Folge entwickelt sich eine Blutarmut. Nur durch die Entfernung der Milz kann der übermäßige Abbau der roten Blutkörperchen gestoppt werden. Auch bei einer autoimmunen hämolytischen Anämie wird die Milz entfernt. Thalassämien mit Transfusionsbedarf stellen ebenfalls eine Operationsindikation dar. Die Thalassämie ist eine Erkrankung der roten Blutkörperchen. Früher wurde die Milz bei Vorliegen einer Thalassämie allerdings deutlich häufiger entfernt. Heute wird versucht auf Alternativen auszuweichen. Dasselbe gilt bei der Behandlung der Sichelzellenanämie.

Bei Fehlschlagen konservativer Maßnahmen wird die Milz auch bei der idiopathisch thrombozytopenischen Purpura (Morbus Werlhof) entfernt. Weitere Indikationen für eine Splenektomie sind die Thrombotisch-thrombozytopenische Purpura (Moschcowitz-Syndrom) und die Myelofibrose bei Milzinfarkt, Blutungen, symptomatischer Splenomegalie oder bei einem hohen Transfusionsbedarf.

In Notfallsituationen, die ein schnelles Handeln erfordern, erfolgt die Splenektomie über einen großzügigen Längsschnitt am Bauch. Alternativ kann auch ein Querschnitt über dem Nabel durchgeführt werden. Wenn die Milz sicher als Blutungsquelle identifiziert ist, wird der Längsschnitt nach links bzw. der Querschnitt nach oben erweitert. Die Blutungsquelle muss so schnell wie möglich erkannt und zunächst lokal komprimiert werden.

Nach einer eingehenden Inspektion der Milz fällt die Entscheidung für das weitere operative Vorgehen. Wenn die Blutungsstelle gut zugänglich ist, wird versucht die Blutung auch ohne eine Splenektomie zu stillen. Wenn dies nicht gelingt, wird der Milzhilus mit Klammern abgeklemmt. So wird die Blutzufuhr zur Milz unterbunden und die Blutung kommt zunächst zum Stillstand. Anschließend wird die Milz entfernt.

Bei einer geplanten Splenektomie wird die Milz in der Regel mithilfe eines linksseitigen Randschnitts am Rippenbogen entfernt. Die einzelnen Milzgefäße im Milzhilus werden zunächst abgeklemmt und dann durchtrennt. Anschließend wird das Organ entfernt. Die Splenektomie kann auch laparoskopisch als minimalinvasives Verfahren durchgeführt werden.

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Risiken, Nebenwirkungen & Gefahren

Nach einer Splenektomie kommt es häufiger zu Komplikationen des Atemsystems. Es können sich Lungenentzündungen, Pleuraergüsse und Atelektasen entwickeln. Bei einer Läsion des Schwanzes der Bauchspeicheldrüse (Pankreasschwanz) kann eine Pankreasfistel entstehen. Nach einer Splenektomie kommt es zudem vermehrt zu Thromboembolien. Diese sind durch den fehlenden Abbau der Thrombozyten und die daraus resultierende Thrombozytose bedingt. 2 bis 5 Prozent aller Patienten ohne Milz erleiden dadurch eine lebensgefährliche Thrombose.

Eine Splenektomie zieht ein lebenslang erhöhtes Infektionsrisiko mit sich. Gefürchtet sind vor allem hämatogene Infektionen mit Pneumokokken, Meningokokken oder Haemophilus influenzae. Eine besonders schwere Verlaufsform einer bakteriellen Infektion nach einer Splenektomie ist das Postsplenektomie-Syndrom. Es tritt in 1 bis 5 Prozent aller Operationsfälle auf und ist mit einer hohen Sterblichkeit verbunden. 40 bis 70 Prozent aller Patienten mit Postsplenektomie-Syndrom versterben. Ursache ist eine Störung der Fresszellen aufgrund der Milzentfernung, die zu einer verminderten Abwehr gegenüber bekapselten Bakterien führt.

Das Postsplenektomie-Syndrom tritt wenige Tage bis hin zu mehreren Jahren nach der Operation auf. Häufig geht das Syndrom mit dem Waterhouse-Friderichsen-Syndrom einher. Prophylaktisch werden Patienten nach einer Splenektomie gegen Pneumokokken, Meningokokken und Haemophilus influenzae B geimpft. Auch eine stand-by-Antibiose oder eine dauerhafte Behandlung mit Antibiotika werden prophylaktisch genutzt.

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Quellen

  • Bleese, N., Mommsen, U., Schumpelick, V.: Kurzlehrbuch Chirurgie. Thieme, Stuttgart 2010
  • Hahn, J.-M.: Checkliste Innere Medizin. Thieme, Stuttgart 2013
  • Herold, G.: Innere Medizin. Selbstverlag, Köln 2016

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