Scheideninfektionen (Vaginalinfektionen)

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 27. September 2017
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Unter Scheideninfektionen bzw. Vaginalinfektionen werden alle Krankheiten gefasst, bei denen Entzündungen im Scheidenbereich auftreten. Die Ursachen sind vielfältig und zahlreich, daher ist eine eingehende gynäkologische Untersuchung unerlässlich, um die Erkrankung zielgerichtet behandeln zu können. Die Heilungschancen sind jedoch in Deutschland gut.

Inhaltsverzeichnis

Was sind Scheideninfektionen?

Vaginalinfektionen gehören zu den häufigsten Krankheitsheitsbildern, die Patientinnen zu Gynäkologen führen. Verschiedene Ursachen, darunter übertriebene Intimhygiene, mechanische Überreizung - das sogenannte Honeymoon-Syndrom - und die Einnahme von Antibiotika, führen zu einer Störung der Scheidenflora.

Eine gesunde Scheidenflora zeichnet sich vor Allem durch die Anzahl an Milchsäurebakterien aus. Diese halten das natürliche saure Milieu der Vagina in einem ph-Wert-Bereich von 4 - 4,5 und verhindern so die Vermehrung schädlicher Keime.

In einer gestörten Scheidenflora können sich schädliche Erreger vermehren und die verschiedenen entzündlichen Vaginalinfektionen auslösen. Die Symptome sind vielseitig und hängen vom jeweiligen Erreger ab.

Ursachen

Die wichtigsten Erreger von Scheidenlinfektionen sollen im Folgenden kurz vorgestellt werden. Alle führen in übermäßiger Anzahl zu vermehrtem Ausfluss, Brennen und/oder Juckreiz verschiedener Stärke und Schwellungen oder Rötungen.

Typisch für eine bakterielle Vaginalinfektion, verursacht insbesondere durch Gardnerella vaginalis, ist der fischige Geruch des Ausflusses. Die wichtigsten Auslöser viraler Scheideninfektionen sind Herpes simplex-Viren und Humane Papilloma-Viren. Herpes simplex zeigt sich durch die, von Lippenherpes bekannten, Bläschen an der Scheide.

Humane Papilloma-Viren verursachen zumeist gutartige Feigwarzen im Genitalbereich, die eher optisch störend sind und selten Symptome verursachen. Es kann jedoch auch zu Zellveränderungen und daraus folgendem Gebärmutterhalskrebs kommen.

Die meisten Scheideninfektionen werden durch den Hefepilz Candida Albicans verursacht, der sich durch nach Hüttenkäse aussehendem Ausfluss und Schmerzen beim Wasserlassen kennzeichnet.

Wurde die Vaginalinfektion durch Einzeller verursacht, der in den Schleimhäuten vorkommen kann, so ist der Ausfluss scharf riechend und schaumig. Ein weiterer Risikofaktor ist die Übertragung von Erregern beim Geschlechtsverkehr.

Typische & häufige Scheideninfektionen

Diagnose & Verlauf

Aufgrund der beschriebenen Symptome erhält der Gynäkologe erste Hinweise auf den Erreger der Vaginalinfektion. Insbesondere eine genaue Beschreibung des beobachteten Auflusses und des Sexualverhaltens vor Auftreten der ersten Symptome sind wichtig.

Zur Diagnose einer gestörten Scheidenflora, Definition des ph-Wertes und sicheren Feststellung des Auslösers nimmt der Gynäkologe einen Abstrich aus der Vagina und legt er eine Bakterien- und Pilzkultur an. Auch die genaue Untersuchung der Vagina ist hilfreich, so fällt bei eine durch Einzeller verursachten Infektion die geschwollene, hochempfindliche Scheidenschleimhaut auf.

Auch eine Infektion mit Herpes simplex oder humanen Papilloma-Viren zeigt sich bei der körperlichen Untersuchung durch die typischen Hautsymptome. Die Prognose ist in der Regel gut, lediglich eine Infektion mit humanen Papilloma-Viren kann zu schwerwiegenden Erkrankungen führen.

Komplikationen

Scheideninfektionen rufen im Normalfall keine größeren Komplikationen hervor. Die bakterielle Vaginose führt zunächst zu Schmerzen beim Wasserlassen oder beim Geschlechtsverkehr und kann das Wohlbefinden stark beeinträchtigen. Bei chronischen Leiden kann es in der Folge zu psychischen Beschwerden wie Depressionen oder Minderwertigkeitskomplexen kommen.

Die größte Gefahr geht bei einer bakteriellen Vaginose von gynäkologischen Entzündungen aus. Vor allem der äußere Genitalbereich, der Scheideneingang, die Eileiter und die Schleimhaut des Gebärmutterhalses sind anfällig für Infektionen. Wenn eine Scheideninfektion während der Schwangerschaft auftritt, besteht ein erhöhtes Risiko für eine Fehlgeburt. Zudem besteht die Gefahr, dass die Betroffenen unbemerkt ihren Partner anstecken und dadurch selbst erneut erkranken.

Bei der Behandlung einer Scheideninfektion gehen die Risiken von ungeeigneten und unsachgemäß angewendeten Behandlungsmaßnahmen aus. So kann eine übertriebene Intimhygiene die Beschwerden in manchen Fällen noch verstärken. Die Anwendung von reizenden Pflegeprodukten kann Reizungen begünstigen und im schlimmsten Fall zu einer Ausbreitung der Infektion auf andere Körperregionen führen. Die Anwendung von Antibiotika geht mit diversen Neben- und Wechselwirkungen einher. Häufig kommt es beispielsweise zu Magenschmerzen, Durchfall oder Hautreizungen.

Behandlung & Therapie

Die Therapie der Scheideninfektion orientiert sich am festgestellten Erreger und richtet sich zumeist an die Betroffene und ihre Sexualpartner. Ein Verzicht auf Geschlechtsverkehr bis zum Abklingen der Symptome ist empfehlenswert.

Wichtig ist auch die Harmonisierung der Scheidenflora durch Vermeidung verursachender Faktoren und gegebenenfalls Unterstützung der Regeneration mit Zäpfchen mit Milchsäurebakterien.

Die bakteriell verursachte Scheideninfektion und die Infektion mit Einzellern werden mit Antibiotika behandelt, die als Tabletten, Vaginalcremes oder Zäpfchen verabreicht werden. Die bakterielle Infektion wird bei Nicht-Schwangeren nur behandelt, wenn die Patientin unter Symptomen leidet, bei Schwangeren stets.

Die Therapie der Infektion mit humanen Papilloma-Viren oder Herpes simplex kann der Patient mit virostatischen Salben oder Tabletten durchführen. Nur in schweren Fällen ist eine ärztliche Behandlung mit Trichloressigsäure oder einer Lasertherapie nötig, auch die operative Entfernung der betroffenen Hautstellen ist möglich.

Candida Albicans wird mit Antimykotika als Creme, Zäpfchen oder Tabletten behandelt. Aus homöopathischer Sicht ist auch Grapefruitkernextrakt empfehlenswert.

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Vorbeugung

Um einer Scheideninfektion vorzubeugen, empfehlen sich eine gesunde Intimhygiene, Vorsicht bei der Wahl der Geschlechtspartner und geschützter Geschlechtsverkehr. Vor humanen Papilloma-Viren gibt es keinen 100%igen Schutz, daher sollten sich alle Mädchen vor dem ersten Geschlechtsverkehr einer Impfung unterziehen. Auch regelmäßige frauenärztliche Kontrollen schützen, indem der ph-Wert der Scheide kontrolliert wird.

Bücher über Scheideninfektionen

Quellen

  • Beckermann, M.J.: Frauenheilkunde und Geburtshilfe. Schwabe, Basel 2004
  • Goerke, K., Steller, J., Valet, A.: Klinikleitfaden Gynäkologie. Urban & Fischer, München 2003
  • Kaufmann, M., Costa, S.-D., Scharl, A. (Hrsg.): Die Gynäkologie. Springer, Berlin 2013

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