Rauchvergiftung

Letzte Aktualisierung am 28. Juni 2018 | Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher.
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Nicht nur Brände können eine Rauchvergiftung verursachen. Ist medizinische Hilfe frühzeitig zur Stelle, verlaufen Rauchvergiftungen meist günstig.

Inhaltsverzeichnis

Was ist eine Rauchvergiftung?

Eine Rauchvergiftung entsteht meist durch eingeatmete Gifte, die in Brandrauch vorzufinden sind. Bei der Mehrzahl der Menschen, die eine Rauchvergiftung erleiden, geschieht die Vergiftung meist während des Schlafens.

Ein Grund hierfür ist der, dass verschiedene Atemgifte im Brandrauch für den Menschen geruchlos sind und den Betroffenen daher nicht zum Aufwachen veranlassen. Die meisten Todesopfer nach Bränden sterben nicht etwa durch Verbrennungen, sondern aufgrund einer starken Rauchvergiftung.

Zu den typischen Symptomen einer Rauchvergiftung zählen beispielsweise eine starke Atemnot und das Auftreten von Schwindelgefühlen. Häufig geht die starke Atemnot bei Betroffenen mit einem Gefühl einher, ersticken zu müssen. Auch Kopfschmerzen zählen zu den häufigen Symptomen einer Rauchvergiftung. Gelegentlich treten bei Betroffenen darüber hinaus Krampfanfälle und/oder Herzrasen auf.

Ursachen

Eine Rauchvergiftung wird meistens verursacht durch Gebäudebrände. Da aber nicht der Rauch an sich zu einer Rauchvergiftung führt, sondern die im Rauch enthaltenen Atemgifte, wie etwa Kohlenmonoxid (eine alternative Bezeichnung für Rauchvergiftung lautet in der Medizin daher auch Rauchgasvergiftung), können auch verschiedene weitere Faktoren für die Vergiftung verantwortlich sein.

So sind einige Rauchvergiftungen etwa die Folge eines Einatmens großer Mengen von Auspuffgasen. Auch defekte Boiler oder Öfen können die Ursache einer Rauchvergiftung sein.

Schwere Folgen einer Rauchvergiftung wie etwa Bewusstlosigkeit, die zum Versterben eines Betroffenen führen kann, werden bei Bränden beispielsweise durch das Atemgift Cyanid verursacht. Dieses Atemgift entsteht unter anderem durch die verschiedenen brennenden Gegenstände.

Eingeatmetes Cyanid blockiert die Funktionsfähigkeit von Körperzellen, sodass es in den Zellen zu Sauerstoffmangel kommt. In der Folge tritt häufig ein inneres Ersticken ein.

Symptome, Beschwerden & Anzeichen

Die Symptome für eine Rauchvergiftung können vielfältig sein. Ebenso kann das zeitliche Auftreten von Beschwerden variieren. Dies hängt von der Art und Intensität des Gases ab. Als typische Anzeichen für eine Rauchgasvergiftung gelten heftiger Husten und Atemnot. Außerdem entwickeln sich oftmals durch die eingeatmeten Stoffe starke Kopfschmerzen, Schwindelgefühle sowie Übelkeit.

Die Beeinträchtigung durch die Gase kann ebenfalls Schweißausbrüche und Muskelkrämpfe verursachen. Die toxischen Stoffe des Rauchs können ebenso ein Gefühl der Benommenheit und Verwirrtheit bewirken. Als Symptom für eine Rauchgasintoxikation kann auch eine rötlich/bläuliche Hautverfärbung auftreten. Hinweise auf eine Rauchvergiftung können auch Verbrennungen im Hals- und Gesichtsbereich sein.

Anhaltspunkte für eine Rauchgasvergiftung können ebenfalls Rußpartikel im Mundraum und verbrannt riechende Haare sein. Klassische Anzeichen sind außerdem Schluckbeschwerden, starke innere Unruhe sowie erkennbare Angstgefühle. Das Sprechen kann mit großen Anstrengungen verbunden sein und durch das Aushusten von Schleim unterbrochen werden.

Je nach Schadstoff kann es zu Gliederschwäche sowie zu brennenden Schmerzen im Bereich der Atemwege kommen. Aufgrund von Hitzeeinwirkung sind auch Verbrennungen der Atemwegsschleimhäute möglich. Als Folge der Rauchvergiftung kann Herzrasen einsetzen. Eine spät bemerkte oder unbehandelte Rauchvergiftung kann zur Bewusstlosigkeit führen. Im schlimmsten Fall tritt ein Atemstillstand ein.

Diagnose & Verlauf

Da Patienten mit einer akut behandlungsbedürftigen Rauchvergiftung häufig bewusstlos sind, muss eine Notfalldiagnose in der Regel aufgrund des beobachtbaren Zustandes eines Patienten erfolgen. Mobilen Notärzten ist es nicht möglich, eine Cyanidkonzentration im Blut nachzuweisen, sodass eine rasch notwendige Behandlung bei Rauchvergiftung oft auf Grundlage der Verdachtsdiagnose erfolgt.

Der Verlauf einer Rauchvergiftung ist interindividuell verschieden und hängt unter anderem vom Grad der Vergiftung und von den auftretenden Symptomen ab. Vor allem ein rasches medizinisches Eingreifen beeinflusst den Verlauf einer Rauchvergiftung positiv:

Kann eine entsprechende Vergiftung frühzeitig behandelt werden, geht sie in der Regel mit einer guten Prognose einher. Ist allerdings medizinische Hilfe nicht frühzeitig vor Ort, kann eine Rauchvergiftung tödlich verlaufen.

Komplikationen

Abhängig vom eingeatmeten Schadstoff, kann eine Rauchvergiftung verschiedene Komplikationen hervorrufen. Im Allgemeinen treten akute Komplikationen wie Krampfanfälle, Herzrasen und Bewusstlosigkeit. Im weiteren Verlauf bilden sich Lungenödeme, die unbehandelt zu einer Lungenentzündung und im Extremfall zum Tod des Patienten führen können. Auch Spätfolgen können in Folge schwerer Vergiftungen auftreten.

Sind die Schleimhäute geschädigt, begünstigt dies Infektionen und Erkrankungen des Immunsystems. Eine Vernarbung des Lungengewebes beeinträchtigt die Blutzirkulation und kann unter anderem Atemnot und eine Schädigung des Herzens hervorrufen. Bei schwerer Schädigung kommt es bereits im Ruhezustand zu Atemnot. Die Kurzatmigkeit führt bei dem Betroffenen oftmals zu Panikattacken und langfristig auch zu psychischen Beschwerden. Bei der Behandlung einer Rauchvergiftung kann es etwa durch verordnete Medikamente zu Beschwerden kommen.

Eine Herz-Lungen-Massage kann zu Rippen- oder Brustbeinfrakturen und zu Leber- und Milzverletzungen führen. Zudem können Luft oder Blut in den Bereich zwischen Brustfell und Lungenfell eindringen und Erbrechen und Aspiration verursachen. Gelangt Blut in den Herzbeutel, kann dies einen Herzanfall zur Folge haben. Bei der Beatmung besteht ein geringes Risiko von Verletzungen und Infektionen des Nasenrachenraumes.

Wann sollte man zum Arzt gehen?

Treten Schwindel, Übelkeit oder Gangunsicherheiten auf, besteht Anlass zur Besorgnis. Bei einer Rauchvergiftung ist die Umgebungsluft unsauber, was zu einer schleichenden Abnahme der inneren Kräfte führt. Der Mangel an Sauerstoff löst beim Betroffenen Schweißausbrüche, eine innere Hitzeentwicklung oder Schwächegefühle aus. Ein Arzt wird benötigt, wenn das Bewusstsein getrübt ist, es zu Störungen der Konzentration sowie Aufmerksamkeit kommt und eine Verwirrtheit einsetzt. Unregelmäßigkeiten der Gedächtnisfunktion, Orientierungslosigkeit oder Angstzustände sind Alarmsignale des Organismus. Ein Arzt muss aufgesucht werden, da ein sofortiger Handlungsbedarf besteht. Oftmals entsteht eine Angst vor dem Erstickungstod, die zu panischem Verhalten führt. Erbrechen, Husten und Atemnot sind weitere Anzeichen einer Rauchvergiftung.

Bei einer Bewusstlosigkeit muss ein Rettungsdienst alarmiert werden. Anwesende Personen sind gleichzeitig in der Pflicht, Maßnahmen der Ersten Hilfe einzuleiten, damit das Überleben des Betroffenen sichergestellt ist. Die Atemtätigkeit muss unterstützt werden, um weitere Komplikationen zu vermeiden. Einschränkungen der Bewegungsabläufe, ein Verlust der Muskelkraft und ein Kratzen im Hals weisen ebenfalls auf Unstimmigkeiten hin. Bei Kopfschmerzen, allgemeinen Funktionsstörungen oder einer plötzlichen Müdigkeit benötigt der Betroffene Hilfe. Zur Abklärung der Ursache ist ein Arztbesuch notwendig.

Behandlung & Therapie

Besonders rasch behandlungsbedürftig ist eine Rauchvergiftung, wenn das Atemgift Cyanid beteiligt ist, denn Cyanid wirkt sich vergleichsweise zügig auf die Körperzellen aus.

Da allerdings eine Cyanidbeteiligung in der Notfallsituation nicht nachgewiesen werden kann, erfolgen vor Ort in der Regel zunächst allgemeine notfallmedizinische Maßnahmen: Bei Vorliegen einer Rauchvergiftung werden beispielsweise zunächst die Atemwege des Patienten frei gehalten. Auch die Stabilisierung von Herz und Kreislauf zählen zu den wichtigen Sofortmaßnahmen.

Parallel wird ein Patient darüber hinaus mit ausreichend Sauerstoff und Flüssigkeit versorgt. Treten im Rahmen einer Rauchvergiftung Krampfanfälle auf, so werden auch diese notfallmedizinisch behandelt.

Besteht beispielsweise aufgrund verschiedener Charakteristika des Unfallortes der starke Verdacht, dass beim Betroffenen eine Rauchvergiftung mit der Beteiligung von Cyanid vorliegt, kann von Medizinern ein Gegengift verabreicht werden. Ein solches Gegengift führt dazu, dass bereits in die Körperzellen vorgedrungenes Cyanid neutralisiert wird. Somit kann der Erstickungstod eines Betroffenen verhindert werden. Die Verabreichung von Gegengift bei Rauchvergiftung erfolgt meist mithilfe einer Infusion.

Hat eine Rauchvergiftung bereits zu Kreislauf- und/oder Atemstillstand geführt, so werden Wiederbelebungsmaßnahmen über eine Herz-Lungen-Massage oder eine Atemspende notwendig. Häufig erfolgt im Anschluss eine künstliche Beatmung.

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Vorbeugung

Da die meisten Rauchvergiftungen während der Nacht auftreten, liegt eine effektive Methode des Vorbeugens in einer ausreichenden Ausstattung des eigenen Wohnsitzes mit Brandmeldern. Entsprechende Brandmelder lösen im Brandfall frühzeitigen Alarm aus. So können medizinische Helfer rasch vor Ort sein, wodurch schweren Folgen der Rauchvergiftung oft vorzubeugen ist.

Das können Sie selbst tun

Besteht der Verdacht, dass man selber oder eine andere Person eine Rauchvergiftung erlitten hat, muss erste Hilfe geleistet werden. Nachdem der Notarzt alarmiert wurde, muss der Ersthelfer Fenster und Türen öffnen, um die Sauerstoffzufuhr zu gewährleisten. Die betroffene Person muss aus der Gefahrenlage gebracht und ruhig gelagert werden.

Bei einer leichten Rauchvergiftung gilt es, Ruhe zu bewahren bzw. beruhigend auf die vergiftete Person einzuwirken. Je nach Ursache der Rauchvergiftung sollten die Ersthelfer zudem in Erfahrung bringen, ob weitere Person in Gefahr sind und ob durch austretende Gase eventuell weitere Gesundheitsrisiken bestehen. Hat der Erkrankte Atemnot, sollte er mit erhöhtem Oberkörper gelagert werden. Jacken und enge Oberteile gilt es zu lockern. Bei Bewusstlosigkeit sind gegebenenfalls lebensrettende Maßnahmen wie Atemspende oder Herz-Lungen-Wiederbelebung einzuleiten.

Nach einer Rauchvergiftung fühlen sich Betroffenen meist krank und schlapp. Wichtig sind Schonung und Ruhe. Außerdem sollte für ein bis zwei Tage kein anstrengender Sport durchgeführt werden. Der zuständige Arzt wird meist eine weitere Kontrolluntersuchung vorschlagen, die in Anspruch genommen werden sollte, um die gesundheitlichen Risiken zu minimieren. Nach einer schweren Rauchvergiftung muss der Betroffene einige Tage im Krankenhaus verbringen. Die Selbsthilfe konzentriert sich darauf, ein etwaiges Trauma oder den Schock aufzuarbeiten und den ärztlichen Vorgaben zu folgen.

Quellen

  • Bungeroth, U.: BASICS Pneumologie. Urban & Fischer, München 2010
  • Herold, G.: Innere Medizin. Selbstverlag, Köln 2016
  • Piper, W.: Innere Medizin. Springer, Berlin 2013

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