Postinfektiöse Glomerulonephritis

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 29. September 2017
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Die postinfektiöse Glomerulonephritis stellt einen Entzündungsvorgang in den Nierenkörperchen (medizinischer Fachbegriff Glomeruli) dar. Die Ursache der Krankheit liegt in einer Reaktion des Immunsystems auf eine bestimmte Art von Erregern, die sogenannten nephritogenen Streptokokken. Im überwiegenden Teil der Fälle tritt die postinfektiöse Glomerulonephritis im Zeitraum zwischen dem zweiten und zehnten Lebensjahr der betroffenen Patienten auf. Zudem weisen Beobachtungen darauf hin, dass männliche Personen öfter an der postinfektiösen Glomerulonephritis erkranken als Frauen.

Inhaltsverzeichnis

Was ist eine postinfektiöse Glomerulonephritis?

Die postinfektiöse Glomerulonephritis wird manchmal auch Poststreptokokken-Glomerulonephritis genannt. Grundsätzlich sind im Rahmen der Krankheit die Nierenkörperchen akut entzündet. In der Regel entwickelt sich die postinfektiöse Glomerulonephritis wenige Wochen im Anschluss an eine Infektion des Organismus mit einer speziellen Form von Streptokokken.

Oftmals entwickelt sich die Erkrankung in der ersten bis vierten Woche nach einer solchen Infektion. Zu beobachten ist, dass die postinfektiöse Glomerulonephritis zunehmend auch durch andere Arten von Krankheitserregern ausgelöst wird. Dazu gehören zum Beispiel diverse virale und bakterielle Erreger, aber auch Parasiten und Pilze.

Die Immunkomplexe reichern sich innerhalb der Kapillargefäße der Nierenkörperchen an, sodass das Organ geschädigt wird. Denn durch die Ansammlung der Substanzen wird das sogenannte Komplementsystem stimuliert. In der Folge zeigen sich diverse Beschwerden bei den an der postinfektiösen Glomerulonephritis erkrankten Personen. In vielen Fällen zählen dunkel gefärbter Urin sowie eine Hämaturie zu den kennzeichnenden Beschwerden.

Ursachen

Die häufigste Ursache für die Entstehung der postinfektiösen Glomerulonephritis stellen in der Regel Infektionen mit sogenannten nephritogenen Streptokokken der Kategorie A dar. Möglich ist eine Infektion mit den Erregern entweder über die Atemwege oder die Haut. In der Folge der Infektion bildet der betroffene Organismus spezielle Antikörper.

Diese sind zum einen auf die Epitopen auf der Oberfläche der Streptokokken spezialisiert, zur gleichen Zeit jedoch auch auf die körpereigenen Nierenkörperchen und deren strukturellen Aufbau. Die vom Immunsystem produzierten Antikörper reichern sich an der Oberfläche der basalen Membranen der Nierenkörperchen an. Dadurch entstehen Aufwölbungen, die im Rahmen von Untersuchungen mit dem Elektronenmikroskop deutlich erkennbar sind.

In der Folge reagiert der Organismus mit einer Entzündung, die sich durch verschiedene Merkmale auszeichnet. Bestimmte Arten von Granulozyten bewirken eine Freisetzung von sogenannten proinflammatorischen Zytokinen. Zudem wird das Komplementsystem stimuliert, wodurch spezielle Lysekomplexe entstehen. Schließlich wird die basale Membran der Glomeruli geschädigt.

Bedingt durch die entzündlichen Vorgänge schwellen die Endothelzellen an. Außerdem schließen sich die Kapillaren. Die postinfektiöse Glomerulonephritis wird in der heutigen Zeit nicht mehr nur durch Streptokokken ausgelöst, sondern in manchen Fällen auch durch gramnegative Keime, Pilze oder virale Keime. Sogar ein Befall des Organismus mit bestimmten Parasiten löst mitunter eine postinfektiöse Glomerulonephritis aus.

Symptome, Beschwerden & Anzeichen

Die postinfektiöse Glomerulonephritis äußert sich einer speziellen Symptomatik, die bei der ärztlichen Untersuchung auf die Erkrankung schließen lässt. In der Regel entwickeln sich die typischen Beschwerden circa ein bis drei Wochen nach der ursächlichen Infektion mit den Krankheitserregern. Die an der postinfektiösen Glomerulonephritis erkrankten Personen leiden zum Beispiel an Allgemeinsymptomen wie Schmerzen im Bereich des Kopfes, Fieber sowie Bauchschmerzen.

Dazu kommt ein bräunlich oder dunkel gefärbter Urin. Zudem entwickelt sich eine Proteinurie, sodass sich in der Folge davon sogenannte periorbitale Ödeme bilden. Außerdem leiden zahlreiche Patienten an einer Hypertonie. Der dunkle Urin ergibt sich insbesondere dadurch, dass vermehrt Erythrozyten über den Harn aus dem Organismus ausgeschieden werden. Dieses Phänomen wird auch als Hämaturie bezeichnet.

Die Funktion der Nieren vermindert sich in den meisten Fällen, während zugleich die Bildung von Urin geringer wird. Zudem zeigt sich, dass eine Behandlung mit Arzneimitteln kaum einen Einfluss auf die Erkrankung hat. Im überwiegenden Teil der Fälle limitiert sich die postinfektiöse Glomerulonephritis selbst, sodass die Prognose vergleichsweise positiv steht. Allerdings sind diverse Komplikationen möglich, etwa Hirnödeme, eine Nierenschwäche sowie epileptische Krampfanfälle.

Diagnose & Krankheitsverlauf

Die Diagnose der postinfektiösen Glomerulonephritis stellt der Arzt in erster Linie anhand der charakteristischen klinischen Symptome der Krankheit. Zu diesem Zweck führt er eine Anamnese mit dem Patienten durch, um Einblick in die individuellen Beschwerden zu erlangen. Nach dem Gespräch mit dem Betroffenen untersucht der Arzt die Symptome mit Hilfe verschiedener Verfahren. Eine wichtige Rolle spielen hier Analysen des Urins, mit denen sich die Erythrozyt- und Proteinurie nachweisen lassen.

Auch ist ein sogenannter Leukozytenzylinder feststellbar. Darüber hinaus zeigen sich im Fall einer Nierenschwäche typische Phänomene wie etwa eine Hyponatriämie sowie eine Hyperkaliämie. Dabei treten im Regelfall keine erhöhten Konzentrationen von Harnstoff und Kreatinin auf. Derartige Untersuchungen lassen in der Regel eine relativ sichere Diagnose der postinfektiösen Glomerulonephritis zu.

Komplikationen

Die postinfektiöse Glomerulonephritis stellt bereits eine Komplikation einer Infektionskrankheit dar. Allerdings ist die Prognose in den allermeisten Fällen sehr gut. Diese ist aber auch abhängig davon, ob Kinder oder ältere Menschen betroffen sind. Bei Kindern entwickeln sich die Symptome nach einem akuten Verlauf zwar meist schnell zurück. Bei ein bis zehn Prozent der erkrankten Kinder können sich dennoch schwerwiegende Komplikationen einstellen.

Aus unbekannten Gründen zeigt sich dann ein blitzartiger Verlauf, der zu Niereninsuffizienz bis zum Nierenversagen, Hirnödem sowie Krampfanfällen führen kann. Im Rahmen der Niereninsuffizienz ergibt sich beim Patienten im weiteren Verlauf dann oft die Notwendigkeit einer regelmäßigen Dialyse oder gar einer Nierentransplantation. Des Weiteren handelt es sich beim Auftreten eines Hirnödems um eine sehr ernste Komplikation.

Neben starken Kopfschmerzen, Übelkeit, Erbrechen und Schwindel werden hier auch Atembeschwerden, Sehstörungen, Bewusstseinsstörungen bis hin zum Koma sowie ein ungewöhnlicher Schluckauf beobachtet. Durch die heftige Drucksteigerung im Gehirn kommt es häufig zur Verdrängung und Kompression lebenswichtiger Hirnstrukturen. Das führt zu lebensbedrohlichen Situationen.

Bei älteren Personen ist die Prognose einer postinfektiösen Glomerulonephritis oft noch sehr viel schlechter als bei Kindern. Das gilt besonders für Betroffene, die unter Diabetes, Mangelernährung oder Alkoholismus leiden. Ungefähr 20 bis 25 Prozent aller älteren Patienten, die eine postinfektiöse Glomerulonephritis durchgemacht haben, versterben an Herzversagen, Urämie oder Nierenversagen.

Behandlung & Therapie

Die Behandlung der postinfektiösen Glomerulonephritis erfolgt in Abstimmung auf den individuellen Einzelfall. Wenn die Nierenfunktion beeinträchtigt ist, ist eine Regulierung von Wasser- und Salzhaushalt notwendig. Zu diesem Zweck kommen meist diuretische Wirkstoffe und Antihypertensiva zum Einsatz. Dadurch verringert sich das Risiko von Bluthochdruck und Ödemen. Zudem erhalten die Patienten oftmals vorbeugend Penicilline.

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Vorbeugung

Präventive Maßnahmen setzen an den Ursachen der postinfektiösen Glomerulonephritis an. Das Risiko von Infektionen ist durch hygienische Standards reduzierbar.

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Quellen

  • Hahn, J.-M.: Checkliste Innere Medizin. Thieme, Stuttgart 2013
  • Keller, C.K., Geberth, S.K.: Praxis der Nephrologie. Springer, Berlin 2010
  • Piper, W.: Innere Medizin. Springer, Berlin 2013

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