Hyperkaliämie

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 11. Dezember 2017
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Patienten mit bestimmten Grunderkrankungen wie einer Niereninsuffizienz oder einer Nebennierenunterfunktion (Morbus Addison) sowie Patienten, die harntreibende Medikamente in Kombination mit blutdrucksenkenden Mitteln einnehmen, sollten an eine Hyperkaliämie denken und einen Arzt aufsuchen, wenn sie plötzlich ein pelziges Gefühl auf der Zunge oder ein Kribbeln auf der Haut feststellen. Herzrhythmusstörungen können die Folge dieser Störung sein.

Inhaltsverzeichnis

Was ist Hyperkaliämie?

Bei einer Hyperkaliämie ist der Elektrolythaushalt des Patienten gestört und der Kaliumgehalt im Blut im Vergleich zum Normalwert erhöht. Bei Erwachsenen sollte dieser Wert nicht höher als 5,0 mmol/l und Kindern nicht höher als 5,4 mmol/l sein.

Meist kommt es bei chronischem Nierenversagen zu einer Hyperkaliämie, seltener sind blutdrucksenkende Medikamente wie ACE-Hemmer oder harntreibende Medikamente die Auslöser der Störung. Beim Patienten macht sie sich durch ein Kribbeln auf der Haut sowie ein pelziges Gefühl auf der Zunge bemerkbar.

Außerdem kann es zu Lähmungserscheinungen und Muskelschwäche kommen. Unbehandelt ist eine Hyperkaliämie ein äußerst bedrohlicher Zustand, da sie zu Herzrhythmusstörungen führen kann. Außerdem kann es in der Folge zu Kammerflimmern mit anschließendem Herzstillstand kommen.

Ursachen

Die Hyperkaliämie bezeichnet die Erhöhung des Kaliumgehaltes im Blut. Bei einem chronischen Nierenversagen kann die Niere das vorhandene Kalium nicht mehr hinreichend ausscheiden.

Da die Konzentration des Kaliums jedoch für die Weiterleitung von Impulsen des Herzmuskels entscheidend ist, können Herzrhythmusstörungen auftreten, die für den Patienten lebensgefährlich sind. Eine Hyperkaliämie kann zeitweise während einer Infusionstherapie auftreten oder auch durch den Zerfall der roten Blutkörperchen, wie sie nach großflächigen Verbrennungen vorkommt.

Auch während einer Chemotherapie kann es zu einer Erhöhung des Kaliumspielgels im Blut kommen. Auch bei einer starken Übersäuerung des Patienten, einer sogenannten Azidose, kann eine Hyperkaliämie auftreten. Medikamente wie Beta-Blocker und ACE-Hemmer zur Blutdrucksenkung sowie harntreibende Mittel führen unter Umständen ebenfalls zu einer Hyperkaliämie.

Typische Symptome & Anzeichen

Diagnose & Verlauf

Im Anamnesegespräch lassen die Angaben des Patienten bereits erste Vermutungen auf eine Hyperkaliämie zu, wenn der Patient typische Symptome wie ein pelziges Gefühl auf der Zunge und ein Kribbeln auf der Haut angibt.

Muskelschwäche und Lähmungserscheinungen sowie Ohrensausen können ebenfalls noch vor den Herzrhythmusstörungen auftreten. Die Diagnose der Störung wird vom Arzt anhand einer Laboruntersuchung des Blutes gestellt. Dazu werden die Elektrolytwerte Kalium und Natrium sowie Kalzium und Chlorid und weitere Enzymwerte ermittelt. Rückschlüsse über die Nierenfunktion lassen sich über den Kreatininwert ziehen.

Auch der pH-Wert des Blutes und der Säure-Basen-Status werden zur Diagnostik einer Hyperkaliämie herangezogen. Da Herzrhythmusstörungen die Folge einer Hyperkaliämie sein können und diese unbehandelt tödlich enden können, wird auch ein EKG (Elektrokardiogramm) angefertigt um die Herzfunktion zu überprüfen und vorliegende Störungen sofort zu erkennen.

Komplikationen

Hyperkaliämie kann in einigen Fällen tödlich enden, führt jedoch nicht immer zum Tod. Aus diesem Grund ist im Einzelfall eine kompetente Einschätzung und Behandlung durch einen Arzt erforderlich. Problematisch sind vor allem Herzkomplikationen, zu denen Herzrhythmusstörungen, Kammerflimmern und Herz-Kreislauf-Stillstand gehören. Solche Auffälligkeiten im Herzrhythmus können mithilfe eines Elektrokardiogramms (EKG) sichtbar gemacht werden.

Die Hyperkaliämie geht oft auf eine andere Erkrankung zurück. Ohne Behandlung der Grunderkrankung (sofern möglich) sowie der Hyperkaliämie kann es zur Verschlechterung des Zustands kommen. Zu den Symptomen der Hyperkaliämie zählen unter anderem Parästhesien und Muskelschwäche. Beide können in kritischen Situationen (zum Beispiel beim Führen von Maschinen und Fahrzeugen oder beim Arbeiten auf einem Gerüst) das Unfallrisiko erhöhen.

Verletzungen und Stürze, die eventuell entstehen, müssen gegebenenfalls ebenfalls behandelt werden. Des Weiteren sind bei einer Hyperkaliämie psychische Symptome wie Verwirrtheit und Halluzinationen möglich. Sie können dazu führen, dass sich Betroffene des eigenen Zustands nicht bewusst sind oder sich nicht klar mitteilen können. Diese Umstände können die Diagnostik und Behandlung erschweren. Die Verwirrtheit des Betroffenen kann außerdem dazu beitragen, dass auch andere Personen die Situation falsch einschätzen und sich dadurch „abschrecken“ lassen.

Wann sollte man zum Arzt gehen?

Patienten, die an einer Erkrankung der Nieren leiden, sollten bei Ohrensausen, Muskelschwäche und anderen ungewöhnlichen Symptomen einen Arzt aufsuchen. Wenn sich Beschwerden wie Herzrhythmusstörungen oder anhaltende Muskelzuckungen einstellen, muss umgehend ein Mediziner konsultiert werden. Bei starken Komplikationen ist notärztliche Hilfe gefragt. So sollte bei einem Kreislaufstillstand oder Anzeichen eines Herzinfarktes umgehend der Rettungsdienst alarmiert werden. Begleitend dazu sind Erste-Hilfe-Maßnahmen zu leisten. Der Patient muss anschließend einige Tage im Krankenhaus verbringen. Abhängig vom Verlauf und der zugrunde liegenden Erkrankung sind weitere ärztliche Kontrolluntersuchungen angezeigt.

Eine Hyperkaliämie tritt im Zusammenhang mit verschiedenen Erkrankungen der Nieren auf. Dazu gehören Niereninsuffizienz, Nebennierenunterfunktion und Nierenkrebs. Auch während einer Chemotherapie oder nach großflächigen Verbrennungen besteht ein erhöhtes Risiko für einen zu hohen Kaliumgehalt im Blut. Wer zu diesen Risikogruppen zählt, sollte genannte Anzeichen von einem Arzt abklären lassen. Geeignete Ansprechpartner sind der Hausarzt oder ein Nephrologe. Bei einem medizinischen Notfall muss in jedem Fall der Notarzt gerufen werden.

Behandlung & Therapie

Die Behandlung der Hyperkaliämie richtet sich nach ihrer Ursache. Sind Medikamente ursächlich für die Störung, werden diese abgesetzt oder gegen andere Mittel ersetzt. Es können ebenfalls Medikamente verordnet werden, die die Kaliumaufnahme im Darm reduzieren.

Bei einem stark erhöhten Kaliumwert muss der Patient jedoch intensivmedizinisch betreut werden, da er sich in einem lebensbedrohlichen Zustand befindet. Unter ständiger EKG-Kontrolle erhält er eine Kombination von Medikamenten, die einerseits die Harnbildung der Niere anregen und andererseits die Aufnahme des Kaliums in die Zellen des Körpers vorantreiben.

Eine gleichzeitige Gabe von Insulin und Glukose fördert ebenfalls die Kaliumaufnahme. Ziel dieser Maßnahmen ist es, den Kaliumspiegel im Blut zu senken und den damit den Herzmuskel zu schützen. Um Herzrhythmusstörungen vorzubeugen, können auch Infusionen mit Kalzium hilfreich sein. Zeigen diese Therapiemaßnahmen keine hinreichende Wirkung, kann auch über eine Blutwäsche der Kaliumwert gesenkt und somit die Hyperkaliämie beseitigt werden.

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Vorbeugung

Eine Hyperkaliämie kommt sehr selten vor. Bei bestimmten Grunderkrankungen wie der Niereninsuffizienz und Morbus Addison sowie bei Patienten, die harntreibende und blutdrucksenkende Medikamente einnehmen müssen, sollte der Kaliumspiegel im Blut regelmäßig überprüft werden, um bei ersten Anzeichen einer Hyperkaliämie sofort Gegenmaßnahmen einleiten zu können.

Das können Sie selbst tun

Die Hyperkaliämie ist eine Erkrankung, die der Patient nicht selbst an sich diagnostizieren kann. Häufig ist ihr einziges Symptom der Herz-Kreislaufstillstand. In den meisten Fällen wird sie jedoch über eine routinemäßige Blutbildkontrolle festgestellt. Der Behandlung der Hyperkaliämie liegt ein ärztlich ausgearbeiteter Therapieplan zugrunde, den der Patient gewissenhaft einhalten sollte. Im Wesentlichen geht es darum, den Überschuss an Kalium aus dem Körper auszuleiten und anschließend dafür zu sorgen, dass sich kein weiterer Überschuss anstaut.

Für die Ausscheidung des Kalims sind hauptsächlich die Nieren verantwortlich. Der Patient kann den Prozess unterstützen, indem er seine Lebensgewohnheiten so anpasst, dass die Nierenfunktion möglichst gestärkt und unterstützt wird. Dazu gehört die Einhaltung bestimmter Diätvorschriften, die die Nieren entlasten. Sehr wichtig ist es in diesem Zusammenhang auch, die Nieren gut zu spülen und ihnen so die Arbeit zu erleichtern. Von einer Hyperkaliämie betroffene Patienten sollten also während der Therapiemaßnahme und später auch präventiv sehr viel trinken. Ideal sind zwei bis drei Liter am Tag. Emfpohlen wird stilles Mineralwasser, aber auch ungesüßte Früchtetees oder verdünnte Säfte wirken sich positiv auf die Nierenfunktion aus.

Da es bei der Hyperkaliämie häufig auch zu Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten kommt ist es erforderlich, dass der Patient bei seinem Arzt genaue Angaben über die eingenommenen Medikamente macht und nicht selbst zusätzliche Therapiemaßnahmen ergreift.

Bücher über Niereninsuffizienz

Quellen

  • Arasteh, K., et. al.: Innere Medizin. Thieme, Stuttgart 2013
  • Herold, G.: Innere Medizin. Selbstverlag, Köln 2016
  • Keller, C.K., Geberth, S.K.: Praxis der Nephrologie. Springer, Berlin 2010

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