Platzbauch

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 11. September 2017
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Als Platzbauch bezeichnet die Medizin das Aufplatzen der Operationswunde nach einer offenen Bauchoperation. Potenzielle Ursachen für den Platzbauch sind schlechte Wundheilung, Übergewicht und physische Beanspruchung.

Inhaltsverzeichnis

Was ist ein Platzbauch?

Beim Platzbauch handelt es sich um eine Komplikation nach offener Laparotomie. Eine Laparotomie ist ein operativer Eingriff, für den die Bauchdecke im abdominalen Bereich geöffnet wird. Die Wunde der Operation wird anschließend vernäht. Der Platzbauch entsteht, indem die Wundnaht aufplatzt und die Wundränder auseinander klaffen. Dieser Zustand ist unter dem Fachbegriff Nahtdehiszenz bekannt.

Dabei fallen innere Bestandteile des Bauchraums vor, das heißt: sie drängen aus dem Körperinneren hinaus. Davon betroffen sind potenziell Organe, Teile des Darms und das Netz. Beim Netz handelt es sich um einen Gewebeschicht, welche die zwei Magengekröse des Menschen umschließt. Der Vorfall der Eingeweide ist auch unter der Bezeichnung Prolaps oder Prolapsus bekannt.

Die Medizin unterscheidet zwischen zwei verschiedenen Formen des Platzbauches: Von einem kompletten oder offenen Platzbauch sprechen Fachleute, wenn alle Nähte am Bauch aufplatzen. Hingegen bleibt beim inkompletten oder subkutanen Platzbauch die äußere Hautnaht intakt, während die tragende Naht zerreißt.

Ursachen

Dem Platzbauch können verschiedene Ursachen zugrunde liegen. Ein Bluterguss (Hämatom) kann die Entstehung des Platzbauches begünstigen. Auch ein Serom kann zum Platzbauch führen. Bei einem Serom handelt es sich um eine Pseudozyste, die Blutserum oder Lymphflüssigkeit beinhaltet. Das Serom kann an der Operationswunde entstehen, wenn diese sich bereits oberflächlich geschlossen hat.

Eine weitere potenzielle Ursache für den Platzbauch stellt die Anwendung einer nicht geeigneten Nahttechnik beim Verschließen der Wunde dar. Auch eine starke Bauchpresse, bei der zum Beispiel durch starkes Husten Druck auf den Bauchraum entsteht, kann den Platzbauch verursachen. Ebenso ist überhöhter Druck durch zu frühe Mobilisierung ein möglicher Auslöser des Platzbauches; bei schneller Mobilisierung unterliegen vor allem übergewichtige Patienten einem erhöhten Risiko, einen Platzbauch zu erleiden.

Davon unabhängig stellt Übergewicht generell einen Risikofaktor für Komplikationen nach einem operativen Eingriff dar. Es schwächt und überdehnt zudem potenziell die Bauchdecke, was die Wahrscheinlichkeit für einen Platzbauch ebenfalls erhöht. Vor allem ein Übermaß an subkutanem Fettgewebe begünstigt die Entstehung des Platzbauches. Des Weiteren kann der Platzbauch durch eine Stoffwechselstörung verursacht werden; diese wirkt sich negativ auf die Verheilung der Wunde aus.

Verminderte Wundheilung kann ihren Ursprung außerdem in einer Krebserkrankung und/oder damit verbundener Chemo- oder Strahlentherapie, Diabetes, Infektionen, Leber- oder Niereninsuffizienz haben.

Symptome, Beschwerden & Anzeichen

Der Platzbauch manifestiert sich meistens vier bis sechs Tage nach der Operation. Patienten verspüren durch den Platzbauch eventuell vermehrt Schmerzen an der Wunde und in deren Umgebung. Symptomatisch für den kompletten oder offenen Platzbauch sind die äußerlich sichtbaren, auseinander klaffenden Wundränder. Der offene Platzbauch zieht für gewöhnlich bei der standardmäßigen Kontrolle der Operationsnaht die Aufmerksamkeit auf sich.

Eine entsprechende Kontrolluntersuchung kann auch einen inkompletten beziehungsweise subkutanen Platzbauch detektieren. Im Falle eines subkutanen Platzbauches ist die äußere Naht jedoch intakt, was die Erkennung erschwert. Einen eventuellen Hinweis auf den subkutanen Platzbauch liefert beispielsweise der Austritt klarer Flüssigkeit aus der Wunde, der nicht zu stillen ist. Die Absonderung der Flüssigkeit wird durch eine Infektion der Operationswunde bedingt, die wiederum eine gesteigerte Durchblutung der betroffenen Region zur Folge hat.

Diagnose & Krankheitsverlauf

Bei Verdacht auf einen subkutanen Platzbauch besteht die Notwendigkeit der genaueren Diagnostik, zu der bildgebende Verfahren eingesetzt werden. Dazu kommen Untersuchungen mittels Ultraschall und/oder Computertomografie (CT) in Betracht. Eine möglichst schnelle Entdeckung des Platzbauches ist von großer Bedeutung.

Die erneut geöffnete Wunde bietet Eindringlingen wie Bakterien und Viren ein offenes Tor und kann die Infektion der Operationswunde nach sich ziehen. Des Weiteren können Organe, Teile des Darms sowie des Netzes vorfallen und zwischen den auseinander klaffenden Wundrändern hinaus drängen. Dies kann zusätzliche Komplikationen und Schmerzen nach sich ziehen.

Komplikationen

Betroffenen leiden in der Regel nach der Operation an relativ starken Schmerzen an der Wunde. Diese Schmerzen können sich dabei auch in andere Regionen des Körpers ausbreiten und damit auch im Rücken oder an den Flanken zu Schmerzen führen. Die Lebensqualität des Betroffenen wird dadurch deutlich verringert und eingeschränkt.

Weiterhin kommt es ohne Behandlung zu Entzündungen und Infektionen an der Wunde selbst. Aus der Wunde kann dabei auch Flüssigkeit austreten, die nicht gestillt werden kann. Ebenso kann eine stärkere Durchblutung an der Wunde selbst auftreten. Im schlimmsten Falle kommt es zu Blutungen oder zu einer Blutvergiftung. Der Betroffene kann an dieser schließlich versterben.

Die Behandlung des Platzbauches erfolgt in der Regel durch einen weiteren geringen Eingriff. Damit kann die Wundheilung beschleunigt werden, sodass es zu keinen weiteren Komplikationen kommt. Möglicherweise bleiben allerdings Narben vom operativen Eingriff über oder es kommt zu Verwachsungen. Die Lebenserwartung des Patienten wird bei einer erfolgreichen Behandlung nicht beeinflusst. Weiterhin kommt es nach der vollständigen Verhüllung zu keinen weiteren Komplikationen.

Therapie & Behandlung

Die Behandlung des Platzbauches erfolgt in den meisten Fällen operativ. Der chirurgische Eingriff ermöglicht die Kontrolle des Bauchraums, um andere Ursachen oder Schäden ausschließen zu können. Erst anschließend führt der Operateur eine Anfrischung der Wundränder durch, damit das Gewebe zusammenwachsen kann. Die neuen Nähte ersetzen häufig nicht nur die alte, aufgeplatzte Wundnaht. Zusätzliche Nähte durch Gewebe, das weiter von der Operationswunde entfernt liegt, können den Druck und die Spannung auf die eigentliche Naht verringern.

Nach dem Schließen der Bauchdecke kann eine Leibbinde oder ein Bauchmieder zusätzlichen Schutz vor einem erneuten Platzbauch oder weiteren Komplikationen bieten. In selteneren Fällen verläuft die Krankheit chronisch und führt zu einer sogenannten Narbenhernie. Dabei reißt das vernarbte Gewebe auseinander und bildet mit dieser Öffnung die Bruchpforte, durch die sich als Bruchsack eine beutelförmig Ausstülpung (innerhalb des Bauches, da die Bauchdecke von der oberflächlichen Naht zusammengehalten wird) aus Bauchwand-Gewebe vorwölben kann.

In den Bruchsack können sich einzelne Darmschlingen, Organe wie Eierstöcke oder andere körperliche Bestandteile verschieben. Eine eventuelle Folge des chronischen Platzbauches sind Verwachsungen, welche die Behandlung erschweren. Die Narbenhernie vergrößert sich womöglich mit der Zeit, wodurch die Wahrscheinlichkeit des Operationserfolgs abnimmt. Zur Behandlung des chronischen Platzbauches wird in der Regel eine operative Behandlung nach einem halben oder einem ganzen Jahr empfohlen. Der genaue Zeitpunkt kann jedoch abweichen, da individuelle Faktoren in die Operationsplanung einfließen.

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Vorbeugung

Zur Prävention des Platzbauches kommen heutzutage des Öfteren elastische Leibbinden nach der Laparotomie zum Einsatz. Sie verringern die Belastung der Wundnaht und wirken dem Innendruck des Bauches entgegen, um einen Vorfall der inneren Organe zu verhindern.

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Quellen

  • Arasteh, K., et. al.: Innere Medizin. Thieme, Stuttgart 2013
  • Braun, J., Dormann, A .J.: Klinikleitfaden Innere Medizin. Urban & Fischer, München 2013
  • I care Krankheitslehre. Thieme, Stuttgart 2015

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