Verwachsungen

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 28. November 2017
Startseite » Krankheiten » Verwachsungen

Eine Verwachsung bezeichnet das Zusammenwachsen von unterschiedlichen Organen. Meist wird sie durch größere Verletzungen und Operationen ausgelöst. Die Folgen von Verwachsungen können sowohl harmlos als auch lebensgefährlich (Darmverschluss) sein.

Inhaltsverzeichnis

Was sind Verwachsungen?

Verwachsungen oder medizinisch ausgedrückt Adhäsionen treten häufig nach größeren Operationen im Bauchraum auf. Dabei stellt eine Verwachsung das Zusammenwachsen von unterschiedlichen Organen dar. In der Folge der Wundheilungen kann es zu Verklebungen kommen, die bei längerem Bestehen durch die Ausbildung einer Bindegewebsschicht zu einer Verwachsung wird. Häufig bildet sich zwischen den verwachsenen Organen ein Narbenstrang aus, der auch als Bride bezeichnet wird.

Innerhalb dieses Bindegewebsstrangs kommt es weiterhin zur Ausbildung von Blutgefäßen und Nervenverbindungen. Umgangssprachlich wird von einem „Verwachsungsbauch“ gesprochen. Als medizinischer Fachbegriff wird auch der Ausdruck Synechie verwendet. Meist ist bei einer Verwachsung das Bauchfell beteiligt. Das Bauchfell besteht aus Bindegewebe, das bei Verletzungen Verklebungen mit anderen inneren Organen bilden kann. Eine Verklebung kann aber auch bei einer Endometriose auftreten. Wenn der Verklebungsfilm länger als fünf Tage besteht, bilden sich neue Bindegewebszellen aus, welche das Bindegewebe der unterschiedlichen Organe miteinander verbinden.

Ursache

Die Ursache für eine Verwachsung ist in den meisten Fällen ein chirurgischer Eingriff im Bauchraum, wobei es zur Verletzung des Bauchfells kommt. Aber auch eine Bauchfellentzündung kann zu einer Verwachsung führen. Des Weiteren spielt bei der Frau manchmal auch eine Endometriose eine Rolle für die Entstehung von Verwachsungen. Die Endometriose stellt eine gutartige, aber schmerzhafte chronische Erkrankung dar, welche durch das Vorkommen von Gebärmuttergewebe außerhalb der Gebärmutterhöhle an fremden Organen gekennzeichnet ist.

Wird beispielsweise das Bauchfell verletzt, bildet sich zunächst eine Schicht Fibrin aus, um die Wunde abzudecken. Fibrin ist ein klebriger Belag, der den Heilungsprozess beschleunigen soll. Innerhalb des Bauchraumes liegen die Organe jedoch sehr eng beieinander und sind oft nur über einen schmalen Spalt durch einen Flüssigkeitsfilm voneinander getrennt. An beschädigten Stellen kann es dann jedoch zu Verklebungen kommen. Normalerweise wird der Fibrinbelag nach einsetzender Wundheilung innerhalb von fünf Tagen wieder abgebaut. Die benachbarten Organe trennen sich wieder.

Wenn sich der Fibrinabbau jedoch verzögert, entstehen neue Bindegewebszellen, welche das Bauchfell mit dem Bindegewebe des anderen Organs miteinander verbinden. Es bildet sich eine Verwachsung heraus. Verwachsungen können nach einer Operation überall im Bauchraum entstehen. Durch Verschleppung der Wundflüssigkeit ist es sogar möglich, dass an einer von der Operation weit entfernten Stelle im Bauchraum eine Adhäsion auftritt.

Symptome, Beschwerden & Anzeichen

Meist sind Verwachsungen harmlos und rufen keine Symptome hervor. In einigen wenigen Fällen können sie aber auch schwerwiegende Folgen haben. Häufig treten jedoch chronische Unterbauchschmerzen auf, die durch die verminderte Beweglichkeit der von der Verwachsung betroffenen Organe hervorgerufen werden.

Innerhalb des Verwachsungsstranges bilden sich Nervenverbindungen aus, welche die Schmerzen bei Beanspruchung verursachen. Die Schmerzen beeinträchtigen häufig die Lebensqualität der Patienten. Schlimmere Konsequenzen ergeben sich jedoch aus den möglicherweise entstehen Spätfolgen.

So kann es bei Verwachsungen im Bereich des Eierstocks oder des Eileiters zur Unfruchtbarkeit kommen, weil der Eitransport nicht mehr optimal abläuft. Eine weit schlimmere Konsequenz könnte sich jedoch bei einer Verwachsung mit dem Darm ergeben. Neben chronischen Bauchschmerzen, Stuhlunregelmäßigkeiten und Blähungen ist auch die Entwicklung eines Darmverschlusses möglich.

Diagnose & Krankheitsverlauf

Die Diagnose einer Verwachsung ist oft schwierig, weil die Beschwerden meist unspezifisch sind. In Röntgen- oder Ultraschalluntersuchungen werden Verwachsungen häufig gar nicht gefunden. Bei Verdacht auf eine Adhäsion können aber solche bildgebenden Verfahren wie hochauflösender Ultraschall oder eine spezielle Verwachsungsbauch-Kernspintomografie Aufschluss darüber geben. Aber auch diese Techniken sind nicht spezifisch genug. Nur eine Laparoskopie mittels Schlüssellochtechnik kann eine Verwachsung zweifelsfrei nachweisen.

Komplikationen

In den meisten Fällen kommt es aufgrund der Verwachsungen nicht zu Beschwerden oder zu Komplikationen. Sie treten sehr häufig auf und stellen ein gewöhnliches Symptom nach einem operativen Eingriff dar. Allerdings kann es durch Verwachsungen zu starken Schmerzen im Unterleib des Patienten kommen.

Auch eine deutlich verringerte Beweglichkeit tritt durch diese Schmerzen aus und wirkt sich dabei sehr negativ auf die Lebensqualität des Patienten aus. Weiterhin leiden die Betroffenen möglicherweise an Lähmungen oder an anderen Störungen der Sensibilität, da die Verwachsungen Nerven einklemmen oder sogar vollständig schädigen können. Bei Frauen können Verwachsungen auch zu einer Unfruchtbarkeit führen, falls sie den Eitransport negativ beeinflussen.

Die Betroffenen leiden ebenfalls an Beschwerden im Bereich des Darms, wobei es im schlimmsten Falle zu einem Darmverschluss kommen kann. Ebenso treten Blähungen und Flatulenzen auf, die den Alltag des Betroffenen weiterhin deutlich erschweren. In der Regel können Verwachsungen mit operativen Eingriffen behandelt werden.

Allerdings können sie auch direkt beim Eingriff schon vermieden werden. Komplikationen treten dabei nicht auf. Sollten die Verwachsungen schon frühzeitig diagnostiziert werden, kommt es zu einem positiven Krankheitsverlauf. Auch die Lebenserwartung des Patienten wird dann nicht negativ beeinflusst.

Therapie & Behandlung

Die Behandlung einer Verwachsung gestaltet sich oft als schwierig. Zwar können die verwachsenen Organe durch eine erneute Operation wieder getrennt werden. Häufig bilden sich dabei jedoch wieder neue Verwachsungen heraus. Nur zeitweilig verschwindet dann der chronische Schmerz unmittelbar nach der Operation und kehrt nach einiger Zeit wieder zurück. Wenn nur einzelne Brides vorhanden sind, verspricht die Operation zu einem Erfolg zu werden. Allerdings ist das auch nicht garantiert.

Bei mehreren Verwachsungen wird abgewartet, ob die Beschwerden auch ohne Operation wieder abklingen. Die Operation wird meist über einen Schlüssellocheingriff durchgeführt. Heute gibt es Methoden, bei der Operation sogenannte Adhäsionsbarrieren anzuwenden. Dabei handelt es sich um feste oder flüssige Trennschichten, die eine Verklebung der unterschiedlichen Gewebe verhindern sollen. Feste Adhäsionsbarrieren stellen Membranen dar, die nach der Operation auf die Wundstelle aufgebracht werden, um die Gewebe während des Heilungsprozesses auseinander zu halten.

Nach der Heilung bauen sich diese Barrieren nach einigen Wochen wieder ab. Bei Anwendung von flüssigen Adhäsionsbarrieren wird der gesamte Bauchraum nach der Operation gespült, um so eine Verklebung zu vermeiden. Nach einigen Tagen hat der Körper die Flüssigkeit vollständig resorbiert. Eine vollständige Garantie zur Vermeidung einer Verwachsung gibt es jedoch auch bei diesen Methoden nicht.

Hier finden Sie Ihre Medikamente:

Vorbeugung

Zur Vorbeugung von Verwachsungen werden zunehmend schonende Operationstechnologien angewendet, die möglichst wenig Gewebedefekte verursachen. Deshalb kommen immer häufiger Schlüssellochoperationen zum Einsatz. Prophylaktisch können nach umfangreichen chirurgischen Eingriffen heute feste oder flüssige Adhäsionsbarrieren eingesetzt werden. Allerdings sind die Erfolge dieser Methoden durch medizinische Studien noch nicht eindeutig belegt und werden deshalb noch nicht flächendeckend angewendet.

Bücher über Erste Hilfe

Quellen

  • Arasteh, K., et. al.: Innere Medizin. Thieme, Stuttgart 2013
  • Herold, G.: Innere Medizin. Selbstverlag, Köln 2016
  • Piper, W.: Innere Medizin. Springer, Berlin 2013

Diese Seite teilen:

Das könnte Sie auch interessieren:

Bekannt aus: