Netzhauterkrankung bei Bluthochdruck

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 26. September 2017
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Die Netzhauterkrankung bei Bluthochdruck (hypertensive Retinopathie) entsteht, wenn hoher Blutdruck (Hypertonie), der grundsätzlich auf alle Organe des menschlichen Körpers Auswirkungen hat, zu Veränderungen der Netzhaut (Retina) führt.

Inhaltsverzeichnis

Was ist die Netzhauterkrankung bei Bluthochdruck?

Ein fortgeschrittenes Stadium chronischer Netzhaut-Veränderungen wird als hypertensive Retinopathie (Netzhauterkrankung bei Bluthochdruck) bezeichnet, die zu bleibenden Schäden der Netzhaut führen kann.

Die im hinteren Teil des Auges befindliche Retina verfügt über besondere Sinneszellen (Fotorezeptoren), die Farb- und Lichtimpulse über Nervenzellen an das Gehirn weiterleiten. Die für das Sehvermögen somit entscheidende Netzhaut wird durch dünne arterielle Blutgefäße versorgt, die bei Bluthochdruck geschädigt werden können, so dass die Versorgung der Retina nicht mehr ausreichend gewährleistet ist.

Das Ausmaß der Retinaschädigungen hängt von Dauer und Schwere des Bluthochdrucks sowie davon ab, ob die Hypertonie auf sonstigen Erkrankungen beruht und in welchem Alter der Bluthochdruck in Erscheinung tritt. Eine Netzhauterkrankung bei Bluthochdruck kann entstehen, wenn die normalen Blutdruckwerte von 140/90 mmHg immer wieder oder dauerhaft übertroffen werden.

Ursachen

Eine Netzhauterkrankung bei Bluthochdruck kann in einer akuten oder in einer chronischen Form auftreten. Die Möglichkeit einer akuten Retinopathie besteht bei einer plötzlichen Steigerung des Blutdrucks bei bereits bestehender Hypertonie („essenzielle“ oder „primäre“ Hypertonie).

Die in geringerer Zahl anzutreffende, aber schlechter beherrschbare „sekundäre“ Form der Retinopathie beruht auf einer sonstigen Erkrankung. Dazu gehören Krankheiten von Niere (renale Hypertonie) oder Nierengefäßen, die verengt oder verschlossen sein können. Auch bei Ausbildung der Tumorart Phäochromozytom oder im späteren Schwangerschaftsverlauf können Hypertonien zu Retinopathien führen.

Bei der hauptsächlich im letzten Schwangerschaftsdrittel auftretenden Eklampsie, deren Vorstadium als Präeklampsie bezeichnet wird, kommt es u. a. zu Krämpfen, denen ein schneller Anstieg des Blutdrucks, Kopfschmerzen und verschwommenes Sehen vorausgeht. Bei der betroffenen Schwangeren kann es dann zu einer Netzhauterkrankung bei Bluthochdruck („eklamptische Retinopathie“) kommen.

Typische Symptome & Anzeichen

Diagnose & Verlauf

Mit einer Augenhintergrundspiegelung (Funduskopie oder Opthalmoskopie) kann ein Augenarzt bei Netzhauterkrankung bei Bluthochdruck mit einer Lichtquelle und einer Lupe Erkrankungen der im hinteren Augenabschnitt (Fundus) liegenden Netzhaut erkennen, nachdem die Pupillen durch Einträufelung von Tropfen auf die Augen erweitert wurden.

Nachdem der Patient das Kinn auf einer Stützvorrichtung aufgelegt hat, werden die Augen nacheinander mit einem dünnen Lichtstrahl beleuchtet. Unter Mikroskop und Lupenglas können Einzelheiten der Retina (wie z. B. die Blutgefäße, die Austrittsstelle des Sehnervens, die in der Mitte befindliche Stelle des schärfsten Sehvermögens und die Aderhaut) dreidimensional betrachtet werden. Nach Erweiterung der Pupillen lassen sich die Ränder der Netzhaut betrachten. Nach der Untersuchung besteht für sechs Stunden Fahruntüchtigkeit.

Die Netzhauterkrankung bei Bluthochdruck wird in vier Stadien untergliedert: Im Grad 1 werden leichte Verengungen arterieller Gefäße diagnostiziert. Bei Grad 2 sind entweder deutliche Engstellungen oder unterschiedliche Eng- und Weitstellungen (sog. Kaliberschwankungen) von Gefäßen zu beobachten.

Im Grad 3 werden zusätzlich Ödeme (Flüssigkeitsansammlungen), flaumförmige Zellbereiche, deren Funktion wegen Nervenfaserinfarkten eingeschränkt ist sowie streifenartige Netzhauteinblutungen festgestellt. Im Erkrankungsgrad 4 ist bei Netzhauterkrankung bei Bluthochdruck zudem der Sehnerv an seiner Austrittsstelle geschwollen.

Komplikationen

Die Netzhauterkrankung bei Bluthochdruck kann unbehandelt zu Sehschwäche und gar zu Blindheit führen. Bei akuten Blutdruckspitzen entwickeln sich die Netzhautschäden viel schneller als bei chronisch hohem Blutdruck. Die Augenschäden entstehen hier plötzlich mit massiven Sehstörungen, die unbehandelt schnell zur Erblindung führen können. Plötzliche Sehstörungen sind für den Arzt ein Hinweis auf einen akuten Bluthochdruck. Dieser Zustand stellt aber einen medizinischen Notfall dar und muss dringend notärztlich behandelt werden.

Neben den plötzlichen Sehschäden können Schwindel, Übelkeit, massive Kopfschmerzen, Gefühlsstörungen, Lähmungen, Brustschmerzen oder Atemnot auftreten. Diese Symptome zeigen an, dass aufgrund der plötzlichen Blutdruckspitzen auch schon andere Organe betroffen sind. Wenn die Behandlung nicht sofort einsetzt, droht außerdem ein Schlaganfall oder Herzinfarkt. Als Ursache kann ein entgleister primärer Bluthochdruck vorliegen.

Manchmal handelt es sich aber auch um einen plötzlich auftretenden sekundären Bluthochdruck, der unter anderem auf eine Nierenerkrankung zurückzuführen ist. Bluthochdruckkrisen können sich auch aus Komplikationen der Schwangerschaft ergeben. So kann sich in der Spätschwangerschaft eine sogenannte Präeklampsie entwickeln, in deren Folge es zu Bluthochdruckkrisen kommt.

Die Netzhautschädigungen bedingt durch chronischen Bluthochdruck oder auch durch akute Bluthochdruckkrisen können sich bei Normalisierung des Blutdrucks wieder bessern. Allerdings bleiben oft chronische Netzhautschäden zurück, die empfindlich gegen jegliche Formen des Bluthochdrucks reagieren. Obwohl heute aufgrund der guten Therapiestandards eine völlige Erblindung selten geworden ist, kann sie jedoch nicht völlig ausgeschlossen werden.

Behandlung & Therapie

Die Netzhauterkrankung bei Bluthochdruck muss mit einer systematischen Senkung des Blutdrucks therapiert werden. Eine Blutdrucksenkung kann durch Verabreichung blutdrucksenkender Medikamente oder durch eine Veränderung des Lebensstils erfolgen.

Die Anpassung von Lebensgewohnheiten sollte im Vordergrund stehen. Dazu gehören die Reduzierung eines eventuell bestehenden Übergewichts und die Einstellung von Zigarettenkonsum. Eine Reduzierung fett-, salz- und fleischärmerer Nahrundbestandteile zugunsten von Fisch, Obst und Gemüse sollte vorgenommen werden. Alkoholkonsum ist zu begrenzen. Körperliche Betätigung sollte wöchentlich mindestens etwa dreimal für 30 Minuten stattfinden.

Häufig sind aber auch Medikamente vonnöten, da eine hypertensive Retinopathie darauf hindeutet, dass der Bluthochdruck schon längere Zeit auf die Netzhaut eingewirkt hat. Als blutdrucksenkende Medikamente können u. a. Diuretika (entwässernde Präparate) und Betablocker eingesetzt werden. Bei besonders starken Hypertonien erfolgt die Behandlung in einer Klinik und im Notfall intensivmedizinisch. Ist eine andere Erkrankung ursächlich für den Bluthochdruck, so muss diese Krankheit behandelt werden.

Bestand bei einer Bluthochdruckpatientin schon vor der Schwangerschaft eine Hypertonie, erfolgt eine Umstellung auf geeignete Medikamente. Eine besonders enge Betreuung durch den Frauenarzt erfolgt bei Anzeichen von Präeklampsie (z. B. mittelschwere Blutdruckanstiege). Bei Netzhauterkrankung durch Bluthochdruck in Form einer Eklampsie kann möglicherweise nur eine vorzeitige Entbindung gefährliche Komplikationen für Mutter und Kind abwenden.

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Vorbeugung

Einer Netzhauterkrankung durch Bluthochdruck sollte durch Maßnahmen zur Früherkennung vorgebeugt werden. Patienten mit Diabetes mellitus, Nierenkrankheiten und Bluthochdruck sollten in regelmäßigen Abständen Herz, Nieren und Blutdruck sowie ihre Augen überprüfen lassen. Ab einem Alter von 40 Jahren empfiehlt sich eine jährliche Augenuntersuchung.

Die Durchführung eines Herz-Kreislauf-Checks fällt ab einem Alter von 35 Jahren in den Leistungskatalog der Krankenkassen. Frauen, die im letzten Drittel der Schwangerschaft an Präeklampsie gelitten haben, sollten wegen des nachweislich erhöhten Hypertonie-Risikos ab dem 40. Lebensjahr regelmäßig Herz und Kreislauf kontrollieren lassen, um einer Netzhauterkrankung durch Bluthochdruck vorzubeugen.

Bücher über Bluthochdruck

Quellen

  • Augustin, A.J.: Augenheilkunde. Springer, Berlin 2007
  • Hahn, J.-M.: Checkliste Innere Medizin. Thieme, Stuttgart 2013
  • Lang, G. K.: Augenheilkunde. Thieme, Stuttgart 2014

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