Multiorganversagen

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 3. August 2017
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Zu den gefürchtetsten Komplikationen, die bei einer medizinischen Behandlung auftreten können, gehört das Multiorganversagen. Nur etwa die Hälfte der betroffenen Patienten überlebt es, wenn gleichzeitig mehrere Organe wie Nieren, Lunge oder Herz gleichzeitig ausfallen.

Inhaltsverzeichnis

Was ist ein Multiorganversagen?

Die Organe lassen sich zur Not eine zeitlang durch Maschinen ersetzen. Sind Gehirn oder Leber von dem Ausfall betroffen, ist dem Patienten in der Regel gar nicht mehr zu helfen. Um bei einem mehrfachen Versagen verschiedener Organe überhaupt eine Überlebenschance zu haben, muss der Patient unbedingt intensivmedizinisch behandelt werden.

Allerdings tritt das Multiorganversagen oft erst auf der Intensivstation auf. Dort wird es jedoch meist sehr schnell erkannt. Trotz schneller Gegenmaßnamen bleibt diese Komplikation eine der häufigsten Todesursachen auf Intensivstationen.

Das Multiorganversagen ist im Grunde sehr einfach definiert. Stellen zwei oder mehr Organe gleichzeitig ihre Arbeit ein, ist das bereits ein Multiorganversagen. Mediziner sprechen allerdings inzwischen von einen multiplen Organdisfunktions-Syndrom, abgekürzt MODS.

Ursachen

Es gibt verschiedene Gründe, die zu einem Multiorganversagen führen können. Die beiden wichtigsten sind Unfälle und bakterielle Vergiftungen.

Wenn mehrere Organe bei einem Unfall verletzt werden, kann das zu einer Kettenreaktion führen, die den Ausfall anderer Organe mit sich bringt. Ähnliches gilt für die gefürchtete Sepsis. Dabei handelt es sich um eine Vergiftung, die sich rasend schnell über den gesamten Körper verbreitet und überall zu schweren Entzündungen führen kann.

Auch Herzerkrankungen oder Allergien können ein Multiorganversagen auslösen. Das kann der Fall sein, wenn der Patient einen lebensbedrohlichen anaphylaktischen Schock erleidet, der den Kreislauf und verschiedene Organe lahm legen kann. Eine weitere Ursache ist hingegen einfach die Altersschwäche. Bei einem sehr alten und sehr geschwächten Körper kann schon der Ausfall eines Organs die anderen schnell zu Fall bringen.

Diagnose & Verlauf

Die genaue Diagnose des Multiorganversagens hängt natürlich davon ab, welche Organe betroffen sind. Da diese Komplikation jedoch meistens auf Intensivstationen auftritt, wird der Ausfall verschiedener Organe normalerweise auch sehr schnell erkannt und durch technische Mittel dem Pflege- und behandelnden Personal angezeigt. In dem Moment, in dem ein multiples Versagen der Organe erkannt wird, muss sehr schnell gehandelt werden, da jegliche Verzögerung die Überlebensaussichten des Patienten dramatisch einschränkt.

Komplikationen

Ein Multiorganversagen infolge einer schwerwiegenden Krankheit, Infektion, Schockreaktionen, Allergien oder einer gravierenden Nährstoffunterversorgung ist bereits eine Komplikationen, die mit der Anzahl versagender Organsysteme an Schwere gewinnt. Müssen die Funktionen einzelner Organe durch intensivmedizinische Maßnahmen kompensiert werden, ist dies mit erheblichen Eingriffen in den Patienten verbunden. So können Operationen und Organentnahmen nötig sein, die noch einmal eigene Risiken bergen.

Das Entfernen von Organen führt zu einer lebenslänglichen Abhängigkeit von Maschinen wie zum Beispiel Dialysegeräten (Nieren) oder Beatmungsgeräten (im Falle einer versagenden Lunge). Besonders gefährlich ist das Auftreten einer Sepsis, die infolge von toten Organen und in den Körper entlassenen Zell- und Stoffwechselgiften auftreten kann. Die Vergiftung sorgt für weitere Entzündungen und den Verlust weiterer Organfunktionen.

Zudem kann infolge eines multiplen Organsversagens, oder auch eines eingeleiteten Komas in einem solchen Fall, eine Sauerstoffunterversorgung von Hirnarealen auftreten. Die ausgelösten Schädigungen sind nicht reversibel und beeinträchtigen den Betroffenen anschließend für immer.

Werden die Leber oder das Gehirn von einer Sepsis betroffen, die im Zuge von multiplem Organversagen auftritt, sind die medizinischen Maßnahmen erschöpft. Gleiches gilt bei völligem Leberversagen als Teil eines multiplen Organversagens. Ein Hirntod ist mit dem Tod gleichzusetzen. Die Mortalitätsrate erhöht sich mit der Menge der versagenden Organe und den Folgeerscheinungen.

Behandlung & Therapie

Die Behandlung eines Multiorganversagens hängt naturgemäß von den betroffenen Organen, aber auch von dem Auslöser der Komplikation ab. Ist beispielsweise eine Sepsis Ausgangspunkt für das Organversagen, muss der Entzündungsherd so schnell wie möglich ermittelt und beseitigt werden, außerdem wird der Patient mit Antibiotika behandelt. Bei schwereren äußeren Verletzungen, etwa durch einen Unfall, müssen die betroffenen Organe in ihrer Funktion unter Umständen maschinell unterstützt oder gar ersetzt werden.

Ein wichtiges Mittel bei der Behandlung des Multiorganversagens ist das künstliche Koma. Mediziner bevorzugen allerdings den Ausdruck „Künstlicher Tiefschlaf“. Dabei wird der Patient mittels verschiedener Medikamente in einen Koma ähnlichen Zustand versetzt. Damit soll das Gehirn vor den Auswirkungen des mehrfachen Versagens der Organe geschützt werden. Wenn das Gehirn betroffen ist, gibt es für den Patienten normalerweise keine Rettung mehr.

Hirnregionen, die von einer MODS berührt sind, etwa durch Sauerstoffmangel, bleiben unwiderruflich geschädigt. Durch den künstlichen Tiefschlaf werden alle Körperfunktionen deutlich herunter gefahren. Auch die Körpertemperatur sinkt. Dadurch können sich bestimmte Körperregionen leichter regenerieren beziehungsweise betroffene Organe besser behandelt und wieder in Gang gesetzt werden.

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Vorbeugung

Gegen Unfälle lässt sich schlecht vorbeugen. Gegen Infektionen hingegen schon. 15 Prozent aller Patienten auf deutschen Intensivstationen erleiden eine sogenannte Nosokomiale Infektion. Dahinter steckt die gefürchtete „Krankenhaus-Infektion“. Diese kann zur zu einem Multiorganversagen führen, vor allem, wenn die Infektion durch resistente Erreger ausgelöst wurde.

Daher gehört zu den wichtigsten Vorbeugungsmaßnamen gegen das Mehrfachversagen der Organe eine sehr ausgeprägte und penible Krankenhaushygiene. Allergiker hingegen sollten jegliche Situation vermeiden, die zu einem allergischen Schock führen könnte. Deshalb ist es auch grundsätzlich wichtig, genau über das eigene mögliche Allergieverhalten Bescheid zu wissen.

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Quellen

  • Hahn, J.-M.: Checkliste Innere Medizin. Thieme, Stuttgart 2013
  • Piper, W.: Innere Medizin. Springer, Berlin 2013
  • Ziegenfuß, T.: Notfallmedizin. Springer, Heidelberg 2011

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