Luftschlucken

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 31. Oktober 2017
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Bei einer Aerophagie kommt es zu einem Luftüberschuss im Magen-Darm-Trakt, der mit chronischen Magenkrämpfen, Blähungen und etwas seltener auch Atemnot einhergeht. Ursache dafür ist meist das Luft schlucken bei vermehrter Mundatmung oder zu schnellen Kauen, Schlucken und Sprechen.

In den meisten Fällen bleibt eine Aerophagie unbedenklich und wird über Atem- sowie Sprachtraining therapiert, eine schwere Aerophagie kann wegen der veränderten Luftdruckverhältnisse im Magen allerdings auch die Speiseröhre reißen lassen.

Inhaltsverzeichnis

Was ist Luft schlucken?

Die Aerophagie ist eine Erkrankung des Magen-Darm-Trakts. Zu den typischen Symptomen zählen Bauchschmerzen, Magenkrämpfe, Blähungen und vermehrtes Aufstoßen. Oft nehmen die Patienten zusätzlich ein anhaltendes Völlegefühl oder sogar Atemnot wahr. Ursächlich für diese Beschwerden ist ein Luftüberschuss im Verdauungsapparat, der zuweilen unangenehm auf die Lunge drückt, was das Gefühl der Atemnot erklärt.

Zu einem Luftüberschuss im Magen kommt es, wenn der Patient zu große Mengen an Luft schluckt. Bis zu einem gewissen Maß ist das Luftschlucken normal und bleibt gänzlich ohne Folgen. Überschüssige Luft wird dann über Aufstoßen wieder ausgestoßen. Zu große Luftmengen lassen sich aber nicht mehr durch bloßes Aufstoßen regulieren. Ab einer bestimmten Luftmenge gelangt so Sauerstoff in den Dünndarm, was schmerzhafte Magen-Darm-Krämpfe und chronische Blähungen zur Folge haben kann.

Ursachen

Zu den häufigsten Ursachen einer Aerophagie zählt eine verstopfte Nase oder ein anderes Atemwegsproblem, das den Patienten zur Mundatmung zwingt. Während bei der Atmung durch die Nase keine Luftmassen in den Magen gelangen, werden bei der Mundatmung teilweise große Luftmengen verschluckt, sodass es zu schmerzhaften Sauerstoffansammlungen im Dünndarm kommen kann. Auch die Nahrungsaufnahme kann für Aerophagien aber ursächlich sein.

Wer zu schnell isst oder trinkt, verschluckt zum Beispiel äußerst viel Luft. Insbesondere sind dabei Menschen gefährdet, die viele kohlensäurehaltigen Getränke zu sich nehmen. Kaut man zusätzlich gerne Kaugummi, sammeln sich besonders große Luftmengen im Magen, die bis in den Dünndarm vordringen. Teilweise kommt es auch dann zu einer Aerographie, wenn ein Patient zu schnell spricht.

Eine weitere Ursache können schlecht eingepasste Zahnprothesen sein. Manchmal ist die Aerophagie aber auch die Begleiterscheinung einer anderen Erkrankung. So leiden insbesondere Allergiker mit Laktoseintoleranz häufig an dem Phänomen.

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Diagnose & Verlauf

Die Aerophagie ist eine Erkrankung des Magen-Darm-Trakts. Zu den typischen Symptomen zählen Bauchschmerzen, Magenkrämpfe, Blähungen und vermehrtes Aufstoßen.

Von einer tatsächlichen Aerophagie ist nur dann die Rede, wenn der Patient unter andauernden Beschwerden zu leiden hat. Wenn einzelne Symptome der weiter oben genannten nur sporadisch auftreten, dann handelt es sich wahrscheinlich nicht um das Phänomen, sondern um eine normale Regulierungserscheinung des Magen-Darm-Trakts.

Wer innerhalb eines Jahres aber zum Beispiel über drei Monate hinweg kontinuierlich an Blähungen und Magenkrämpfen leidet, kann unter Umständen von einer Aerophagie betroffen sein. Der Arzt stellt die Diagnose hauptsächlich auf Basis der Anamnese, die ihm wichtige Hinweise zum individuellen Ess- und Sprachverhalten des Patienten gibt. Unter Umständen schließt der Mediziner andere Krankheitsbilder über differentialdiagnostische Verfahren aus und sichert die Diagnose der Aerophagie, indem er den Patienten mit einem Stethoskop abhört.

In den meisten Fällen sind Aerophagien in ihrem Verlauf nicht weiter bedrohlich. Nur in Extremfällen treten Varianten der Krankheit ein, die durch einen stark erhöhten Luftdruck im Magen die Speiseröhre reißen lassen. Zu solcherlei Extremfällen kann es mitunter dann kommen, wenn der Patient nach einer diagnostizierten Aerophagie keine Maßnahmen einleitet, um das Luft schlucken zu unterbinden.

Komplikationen

Prinzipiell ist das Luftschlucken zwar als äußerst unangenehmes, aber harmloses Symptom zu sehen. Dennoch kann es auch im Rahmen des Schluckens von Luft zu Komplikationen kommen. Allgemein können alle Folgen des Luftschluckens im weiteren Sinne als "Komplikation" aufgefasst werden. So kommt es in der Regel zu mehr oder minder starken Bauchschmerzen und recht starken Blähungen.

Diese Symptome stellen für den Patienten zumeist eine Belastung dar. Es kommt mitunter zu stark ausgeprägtem Unwohlsein. Ist das Luftschlucken jedoch sehr stark ausgeprägt, kann es zu ernsthaften Komplikationen kommen, die die Gesundheit und teilweise sogar das Leben des Patienten gefährden können. Vor allem bei Kleinkindern besteht im Rahmen eines stark ausgeprägten Luftschluckens die Gefahr eines Darmverschlusses. Ein solcher ist als lebensbedrohlich anzusehen und bedarf einer sofortigen Therapie im Krankenhaus.

Eine weitere mögliche Komplikation, die in Extremfällen auftreten kann, ist das Reißen der Speiseröhre. Zu dieser ebenfalls lebensbedrohlichen Komplikation kommt es, wenn große Mengen Luft geschluckt werden, die einen starken Druck auf die Speiseröhre ausüben, dem diese letztendlich nicht mehr standhalten kann. Zudem kann es im Rahmen stark ausgeprägter Blähungen, wie sie bei Luftschlucken häufig vorkommen, zu Atemnot kommen.

Wann sollte man zum Arzt gehen?

Es ist vollkommen normal, dass beim Essen oder Trinken auch Luft geschluckt wird. Deswegen einen Arzt zu konsultieren, ist nicht notwendig. Die Betroffenen können bewusster und langsamer kauen und sollten auf kohlensäurehaltige Getränke verzichten.

Das unbeabsichtigte Luftschlucken kann jedoch zu solchen Luftmengen im Bauchraum führen, dass der Bauch stark aufgebläht ist. Der Betroffene hat das Gefühl, das Herz werde ihm abgedrückt. Zwar kann hier eine Selbstbehandlung mit Lefax, Fenchel- oder Kümmeltee erfolgen. Doch es ist besser, wenn der Arzt den Ursachen für das vermehrte Luftschlucken nachgeht. Die Aerophagie kann beim Erwachsenen zu starkem Unwohlsein, Blähungen und chronischen Magen-Darm-Beschwerden führen.

Insbesondere wenn dieses Phänomen bei Kindern auftritt, kann es zu ernsthaften Komplikationen kommen. Klagen Kinder immer wieder über Bauchschmerzen, sollte daher ein Besuch beim Kinderarzt in Betracht gezogen werden. Das Luftschlucken kann so dramatische Auswirkungen bei Kindern haben, dass es zu einem Magenvolvulus, zu Darmverschlüssen oder Atembeschwerden kommen kann. Beim Verdacht auf solche Folgeerscheinungen ist sofortiges Handeln notwendig. Ohne rechtzeitige medizinische Intervention kann durchaus Lebensgefahr bestehen.

Der Arzt kann betroffene Erwachsene auf Nahrungsmittelunverträglichkeiten testen. Er kann Ernährungs-, Trink- und Essgewohnheiten hinterfragen. Der Mediziner sollte außerdem psychosomatische Gründe für das Luftschlucken ausschließen. Im schlimmsten Falle kann Luftschlucken beim Erwachsenen zu Rissen in der Speiseröhre führen.

Behandlung & Therapie

Die Behandlung von Luft schlucken ist eine ursächliche. Der Patient lernt so in der Therapie, genau die Angewohnheiten aufzugeben, die den Luftüberschuss im Magen verursacht haben. Ein Ansatzpunkt ist zum Beispiel die Erlernung von betont langsamem Kauen und Schlucken bei gänzlich geschlossenem Mund. In Einzelfällen kann eine Ernährungsumstellung indiziert sein. Kohlensäurehaltige Getränke sowie Kaffee und Kaugummi werden im Zuge dessen zum Beispiel gestrichen.

Falsche Redeangewohnheiten können in logopädischer Betreuung angepasst werden, falls diese mit dem Luftüberschuss im Verdauungstrakt in Verbindung stehen. Häufig wird die Therapie von Atemübungen begleitet, die den Patienten entspannen sollen. Zum anderen lernt der Patient bei diesen Übungen die Nasenatmung kennen. Zum Teil kommen zum Zweck der Atemübung Yoga-Praktiken zum Einsatz.

Falls das Luft schlucken mit medizinischen Geräten oder Zahnimplantaten in Zusammenhang steht, wird die für den Luftüberschuss verantwortliche Therapie unter Umständen ersetzt oder umgestellt. Zur Linderung der akuten Symptome finden häufig Kräutertees wie Fenchel oder Kamille Einsatz. Entsprechende Medikamente können unter Umständen die Gasbildung im Darmtrakt regulieren.

In seltenen Fällen begleitet die Gabe von Beruhigungsmitteln den Therapieweg. Erforderlich wird diese Maßnahme zum Beispiel für stark verängstigte Patienten oder Menschen mit geistiger Behinderung.

Aussicht & Prognose

Das Luftschlucken stellt ein relativ harmloses Symptom dar. Es hat keinen medizinischen Einfluss auf den menschlichen Körper, kann allerdings für den Patienten sehr unangenehm sein. In den meisten Fällen kommt es beim Luftschlucken zu starken Blähungen, Bauchschmerzen und zu einem starken Aufstoßen nach dem Essen.

Oft drücken die Blähungen auch auf die Lunge, sodass es zu Atembeschwerden kommen kann. Dies ist allerdings relativ selten. Diese Erkrankung ist bei Babys und Kleinkindern physiologisch bedingt. Die betroffene Person hat ein Gefühl des Aufgeblähtseins und leidet unter sehr starken Blähungen. Solche Blähungen können vor allem in einem sozialen Umfeld sehr unangenehm sein und zu sozialen Problemen führen.

In der Regel kann das Problem einfach behandelt werden, da es durch eine falsche Nahrungsaufnahme und Atemtechnik zustande kommt. Die Behandlung sollte auf jeden Fall zusammen mit einem Arzt durchgeführt werden, damit das Luftschlucken verschwindet. In der Regel tritt das Luftschlucken vor allem in Stresssituationen auf, wobei ein Gespräch mit einem Psychologen bei der Analyse dieser Situationen hilfreich sein kann. Die Behandlung kann auch mit Medikamenten durchgeführt werden, wobei diese vor allem die Blähungen nach dem Luftschlucken verhindern und bekämpfen. Das Luftschlucken selbst muss durch den Patienten behandelt werden.

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Vorbeugung

Luftschlucken lässt sich über betont langsames Kauen und Schlucken bei geschlossenem Mund vorbeugen. Auch bewusst langsames Sprechen ist eine geeignete Vorbeugungsmaßnahme. Bei der Ernährung dient die Vermeidung von kohlensäurehaltigen Getränken der Vorsorge.

Auch Entspannungspraktiken und bewusste Nasenatmung können helfen, die Erkrankung zu umschiffen. Eventuell kann zusätzlich die Abklärung von Allergien erforderlich sein, da auf sich so zum Beispiel Laktoseintoleranzen erkennen lassen, die bei der Entwicklung einer Aerophagie eine gesteigerte Rolle spielen können.

Das können Sie selbst tun

Wenn jemand mit dem Luftschlucken Probleme hat, sollte er aktiv werden. Möglicherweise liegt der mangelnde Luftausgleich an falschen Essgewohnheiten oder einem Übermaß an kohlensäurehaltigen Getränken. Auch Bewegungsmangel kann eine Rolle spielen, denn ein träger Darm kann zu viel aufgenommene Luft nicht wieder abführen.

Zunächst gilt es, das Essverhalten zu überprüfen und herauszufinden, warum zu viel Luft geschluckt wird. Möglicherweise ist der Esser gestresst oder abgelenkt, während er das Essen herunterschlingt. In diesem Fall können eine Entschleunigung des Essens und bewusstes Kauen eine Besserung erbringen. Bewusst zu essen, schafft häufig Abhilfe. Bei Aerophagie sollten Betroffene bevorzugt stilles Wasser trinken.

Besteht der Verdacht, wieder zu viel Luft geschluckt zu haben, können sanfte Bauchmassagen Linderung erbringen. Ein Spaziergang nach jedem Essen dient der Anregung der Darmperistaltik. Die Betroffenen können mit Fencheltee für kurzfristige Entlastung sorgen. Sollte das Luftschlucken zu einem psychischen Problem werden, sollte ein Arzt aufgesucht werden.

Bücher über Aufstoßen & Rülpsen

Quellen

  • Battegay, E.: Siegenthalers Differenzialdiagnose. Thieme, Stuttgart 2013
  • Herold, G.: Innere Medizin. Selbstverlag, Köln 2017
  • Messmann, H. (Hrsg.): Klinische Gastroenterologie. Thieme, Stuttgart 2011

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