Klatskin-Tumor

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 21. Oktober 2017
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Der Klatskin-Tumor zählt zu den Gallenwegskarzinomen. Er gilt als spezielle Form des cholangiozellulären Karzinoms.

Inhaltsverzeichnis

Was ist ein Klatskin-Tumor?

Beim Klatskin-Tumor handelt es sich um eine bösartige Geschwulst, die sich an den zentralen Gallenwegen bildet. Er stellt eine besondere Variante des Gallenwegskarzinoms dar. Positioniert ist der Klatskin-Tumor an der Hepatikusgabel. An dieser Stelle kommt es zur Vereinigung von rechtem und linkem Lebergang zu einem gemeinsamen Gang. In der Medizin trägt der Tumor auch die Bezeichnung Karzinom der Hepatikusgabel oder Bifurkationskarzinom. Besonders betroffen von einem Klatskin-Tumor sind Menschen im Alter von 60 bis 70 Jahren.

Ursachen

Der Klatskin-Tumor wird zu den cholangiozellulären Karzinomen gerechnet, dessen Ursachen noch ungeklärt sind. Aus diesem Grund ließen sich bislang noch keine genauen Auslöser für das Entstehen der seltenen Krankheit finden. Es sind allerdings bestimmte Risikofaktoren bekannt, die das Auftreten eines Klatskin-Tumors begünstigen können. Dazu gehören Vorerkrankungen wie Gallensteine in der Leber (Hepatolithiasis), eine primäre sklerosierende Cholangitis, das Caroli-Syndrom sowie eine Choledochuszyste.

Einen weiteren Risikofaktor bilden Infektionen mit Parasiten wie Clonorchis sinensis und Opisthorchis viverrini. Diese Erkrankungen treten in erster Linie in China und Thailand auf. Mediziner teilen den Klatskin-Tumor in zwei Formen ein. Dies sind der polypös intraluminale Typ sowie der diffus infiltrierende Typ. Bei beiden Formen besteht die Möglichkeit, dass sie ineinander übergehen. An den Gallenwegen entlang wird von ihnen die Leber befallen.

Bei etwa der Hälfte aller Malignome sind bei der Diagnose auch Metastasen an den Lymphknoten erkennbar. Vom Klatskin-Tumor werden bereits frühzeitig die Perineuralscheiden infiltriert, was bis zum periortalen Nervenplexus geschehen kann. Da sich die Ausbreitung des Tumors mit bildgebenden Untersuchungsmethoden nur schwer erfassen lässt, zeigt erst eine histologische Untersuchung sein Ausmaß an.

Der Klatskin-Tumor wird außerdem in die Typen I bis IV untergliedert. Bei Typ I ist die Hepatikusgabel von dem Karzinom nicht betroffen, das sich an den Gallengängen bildet. Besteht dagegen eine Beteiligung der Hepatikusgabel, ist von Typ II die Rede. Im Falle von Typ III erreicht der Tumor die Segmentabgänge auf einer Seite. Liegt Typ IV vor, sind die sekundären Zusammenflüsse auf der rechten und linken Seite betroffen. Dabei lässt sich keine kurative Resektion mehr durchführen.

Symptome, Beschwerden & Anzeichen

Das Entstehen eines Klatskin-Tumors wird in den meisten Fällen von den Patienten gar nicht bemerkt. Zu Beschwerden kommt es erst, wenn der Tumor an Umfang zunimmt. Dann vergrößert sich die Gallenblase unterhalb der rechten Rippe, was schmerzlos verläuft. Außerdem leiden die Betroffenen unter starker Gelbsucht (Ikterus). Zumeist besteht auch ein größerer Verlust an Gewicht.

Weitere Beschwerden können Juckreiz und Fettstuhl (Steatorrhoe) sein. Außerdem dringt der Klatskin-Tumor bis in die Leber vor. Im weiteren Verlauf kommt es zu Beschwerden im Oberbauch, Appetitlosigkeit und Müdigkeit. Die schon frühzeitig einsetzende Gelbsucht entsteht durch eine Verstopfung der Gallenwege. So wird dadurch der Abfluss des Gallenfarbstoffs Bilirubin gestört.

Das Ausbleiben der Gallensäure führt im Darm dazu, dass Fettsäuren und Trialcylglyceride keine Konjugation eingehen. Außerdem lassen sie sich von den Lipasen nicht mehr spalten und aufnehmen. Weil sie innerhalb des Darmlumens bleiben, kommt es zur Verfettung des Stuhlgangs.

Diagnose & Krankheitsverlaufs

Zur Diagnose eines Klatskin-Tumors eignen sich mehrere Untersuchungsmethoden. Dabei handelt es sich in der Regel um eine Blutuntersuchung auf Veränderungen von Gallen- und Leberwerten. Darüber hinaus findet eine Abdomensonographie (Ultraschalluntersuchung des Bauchraums) statt. Im Rahmen einer Röntgenuntersuchung nimmt der Patient zuvor ein Kontrastmittel ein, um die Gallenwege sichtbar zu machen.

Auf diese Weise lassen sich Verengungen der Gallenwege, die durch eine Geschwulst zustande kommen, identifizieren. Zur Darstellung einer Tumorstenose kann außerdem eine Magnetresonanz-Cholangiopankreaticographie (MRCP) stattfinden. Dabei besteht keine Gefahr der Keimeinschleppung durch ein Kontrastmittel. In seiner gesamten Ausdehnung lässt sich der Klatskin-Tumor durch die bildgebenden Verfahren jedoch nicht darstellen, weil er sich an den Nervenscheiden ausbreitet. Sein Kernbereich wird allerdings in der Regel gut erkannt.

Ein Klatskin-Tumor nimmt oftmals einen negativen Verlauf. So ist er zumeist bei der Diagnose schon so stark angewachsen, dass sich keine Operation mehr durchführen lässt. Aus diesem Grund gilt die Lebenserwartung bei dieser Erkrankung als gering. Nur etwa fünf Prozent aller Patienten sind fünf Jahre nach der Diagnose noch am Leben.

Komplikationen

Da es sich beim Klatskin-Tumor um eine Krebserkrankung handelt, kommt es hierbei zu den gewöhnlichen Komplikationen und Risiken einer Tumorerkrankung. In einem ungünstigen Fall oder bei einer spät eingeleiteten Behandlung kann sich dieser Tumor schon in andere Regionen des Körpers ausbreiten und damit anderes gesundes Gewebe befallen. Dabei kann es in der Regel auch zu einer verringerten Lebenserwartung kommen.

Im schlimmsten Falle verstirbt der Betroffene an den Folgen des Tumors. Nicht selten kommt es durch den Klatskin-Tumor zu einer Gelbsucht und zu einem starken Gewichtsverlust. In vielen Fällen leiden die Betroffenen auch an Schmerzen im Bauch und an einer Appetitlosigkeit. Dabei treten weiterhin Mangelerscheinungen und ein Fettstuhl auf. Die Lebensqualität des Betroffenen wird durch den Klatskin-Tumor erheblich eingeschränkt und die Belastbarkeit sinkt ebenfalls stark ab.

Der Tumor kann relativ einfach diagnostiziert werden, sodass eine Behandlung schon früh eingeleitet werden kann. Allerdings kann der Tumor nicht in jedem Fall erfolgreich behandelt und entfernt werden. Die Entfernung erfolgt durch einen operativen Eingriff und weiterhin durch eine Bestrahlung. Meistens ist der Betroffene auch nach der Behandlung auf Kontrolluntersuchungen angewiesen. Gegebenenfalls kann die Lebenserwartung durch den Klatskin-Tumor verringert sein.

Therapie & Behandlung

Im Rahmen einer Behandlung des Klatskin-Tumors wird der Versuch unternommen, die gestauten Gallenwege zu dekomprimieren. Beste Methode dazu ist die endoskopische retrograde Cholangiopancreaticographie (ERC), bei der der Patient einen Stent erhält. Dabei wird eine transpapilläre Drainage einer transkutan-transhepatischen vorgezogen. So ist es erforderlich, die Galle nach außen abzuleiten, da sie im Darm wichtig für die Verdauung ist.

Im Vorfeld kann es nötig sein, einen ersten transhepatischen Zugang anzulegen. Dieser wird im weiteren Verlauf zu einem innerlichen Stent umgewandelt, dessen Abfluss in den Zwölffingerdarm reicht. Ist eine chirurgische Entfernung des Klatskin-Tumors noch möglich, wird diese durchgeführt. Im Anschluss daran findet eine Chemotherapie statt. Lässt sich keine Operation mehr durchführen, erfolgt eine Strahlentherapie oder Chemotherapie.

Da die Diagnose meist erst spät erfolgt, lässt sich in den meisten Fällen jedoch keine Tumorfreiheit mehr erreichen. Daher wird in der Regel eine symptomatische Behandlung vorgenommen, deren Ziel die Bekämpfung von Gelbsucht, Verdauungsstörungen und Juckreiz ist.

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Vorbeugung

Weil die genauen Ursachen eines Klatskin-Tumors unbekannt sind, stehen auch keine wirkungsvollen Vorbeugemaßnahmen zur Verfügung.

Das können Sie selbst tun

Wurde ein Klatskin-Tumor diagnostiziert, gilt es, diesen so rasch wie möglich operativ zu entfernen. Eine frühzeitige Operation ist notwendig, um eine weitere Vergrößerung des Karzinoms und damit einen negativen Verlauf zu verhindern. Welche Maßnahmen der Patient noch ergreifen kann, kann nur der zuständige Arzt beantworten.

Im Allgemeinen sollten die üblichen präoperativen Maßnahmen ergriffen werden, um einen komplikationsfreien Ablauf zu gewährleisten. Nach dem Eingriff gilt für den Betroffenen Schonung und Bettruhe. Unter Umständen muss die Diät umgestellt werden, da die Gallenblase durch die Operation geschwächt ist. Begleitend dazu sind regelmäßige Kontrolluntersuchungen beim Arzt angezeigt. Es besteht immer die Gefahr, dass sich Rezidive bilden oder der Eingriff auch nach Monaten oder Jahren noch Störungen der Gallenblase hervorruft. Darum ist eine engmaschige ärztliche Überwachung die wichtigste Selbsthilfemaßnahme.

Sollte der Klatskin-Tumor zu spät entdeckt worden sein, ist eine therapeutische Beratung sinnvoll. Die relativ geringe Lebenserwartung kann einen Schock hervorrufen, weshalb psychologische Unterstützung, aber auch die Hilfe von Freunden und Familienmitgliedern notwendig ist. Eine symptomatische Behandlung ist weiterhin möglich und kann von den Betroffenen durch Allgemeinmaßnahmen wie einen gesunden Lebensstil und Schonung unterstützt werden.

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Quellen

  • Herold, G.: Innere Medizin. Selbstverlag, Köln 2016
  • Pfeifer, B., Preiß, J., Unger, C. (Hrsg.): Onkologie integrativ. Urban & Fischer, München 2006
  • Preiß, J. et al.(Hrsg.): Taschenbuch Onkologie. Zuckschwerdt, München 2014

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