Hinterer Kreuzbandriss

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 3. Dezember 2017
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Ein Riss des hinteren Kreuzbandes ist eine Unfallverletzung. Er tritt relativ selten auf und wird oft erst spät erkannt. Eine genaue Diagnostik ist daher wichtig, um Folgeschäden zu vermeiden.

Inhaltsverzeichnis

Was ist ein hinterer Kreuzbandriss?

Das hintere Kreuzband ist das dickste und wichtigste Band im Kniegelenk. Es sorgt dafür, dass der Unterschenkel am Ansatz des Kniegelenks nicht hinter den Oberschenkelknochen gleitet.

Ein hinterer Kreuzbandriss kommt aufgrund der Position und der Dicke des Bandes wesentlich seltener vor als ein Riss des vorderen Kreuzbandes. Da für diese Verletzung sehr viel Kraft nötig ist, tritt ein Riss des hinteren Kreuzbandes selten isoliert auf.

Meist wird er von weiteren Verletzungen des Knies begleitet, kann daher leicht übersehen werden und bleibt dann unbehandelt. In diesem Fall kann die ursprünglich akute Verletzung eine chronische Verlaufsform annehmen. Dadurch können Folgeschäden verursacht werden.

Ursachen

Risse des hinteren Kreuzbandes entstehen, wenn die größtmögliche Dehnung des Bandes überschritten wird. Häufig geschieht dies bei so genannten Rasanztraumata, damit sind Verletzungen gemeint, bei denen eine plötzliche starke Kraft auf das Knie einwirkt.

Das kann passieren bei Motorrad-, Fahrrad- oder Autounfällen. Von Autounfällen ist das Phänomen bekannt, dass durch den Aufprall des Knies gegen das Armaturenbrett der Unterschenkel nach hinten gedrückt wird, was einen Riss am hinteren Kreuzband verursachen kann. Allerdings kommt dies als Verletzungsursache zunehmend seltener vor.

Weitaus häufiger ist ein hinterer Kreuzbandriss als Folge einer Sportverletzung, etwa bei einem Sturz auf das gebeugte Knie oder einem Anpralltrauma durch einen Gegenspieler, wie es beispielsweise beim American Football häufiger ist. Hier kommt es oft zu weiteren Verletzungen des Knies an der Gelenkkapsel oder an weiteren Bändern.

Typische Symptome & Anzeichen

Diagnose & Verlauf

Schematische Darstellung der gesunden Kreuzbänder und die verschiedenen Formen von Kreuzbandriss. Klicken, um zu vergrößern.

Da ein Riss des hinteren Kreuzbandes vergleichsweise selten vorkommt und aufgrund der dafür notwendigen Krafteinwirkung meist mit zahlreichen Begleitverletzungen einhergeht, wird er leicht übersehen.

Aus diesem Grund ist bei Knieverletzungen eine besonders gründliche Diagnostik wichtig. Das betroffene Knie ist in der Regel geschwollen und unspezifisch schmerzhaft. Blutergüsse können sichtbar sein. Eine Schilderung des Unfallhergangs gibt erste Hinweise auf Umfang und Art der Beschädigungen des Knies, außerdem ist eine sorgfältige Untersuchung des Kniegelenkes mit speziellen Tests unerlässlich. Begleitverletzungen des Innen- und Außenbandapparates sollten überprüft werden, dazu gehören Kreuzbandverletzungen und Risse der Innen- oder Außenbänder.

Die so genannte hintere Schublade wird geprüft, dabei wird der Unterschenkel gegen den Oberschenkel nach hinten gedrückt. Röntgenuntersuchung und Kernspintomographie (MRT) gehören außerdem zur Diagnostik. Um das Ausmaß der Schubladenbewegung des Unterschenkels zu messen, können funktionelle Röntgenaufnahmen, so genannte gehaltene Aufnahmen mit Hilfe eines dafür vorgesehenen Apparats, sinnvoll sein.

Allerdings kann auch bei einem MRT ein Riss des hinteren Kreuzbandes schlecht erkennbar sein, da das Band relativ gut durchblutet ist. Auch ein verletztes Band kann von selbst verheilen, bleibt dann aber meist verlängert. Die so entstandene Instabilität des Knies kann auf diese Weise chronisch werden. Als Folge des falschen Bewegungsablaufs treten Knorpelschäden auf, die innerhalb weniger Jahre zu einer Arthrose im Knie führen können.

Komplikationen

In vielen Fällen kommt es leider erst zu einer verspäteten Diagnose dieser Verletzung, weswegen eine komplette Heilung oft nicht möglich ist. Durch den Kreuzbandriss entstehen häufig starke Schmerzen in den Knien. Diese Schmerzen breiten sich dabei nicht selten auch in andere Regionen des Körpers und können auch in Form von Ruheschmerzen nachts zu Schlafbeschwerden führen.

Das Knie ist dabei nicht selten geschwollen und von einem Bluterguss betroffen. Oft ist das Knie auch instabil, sodass schwere körperliche Arbeiten oder Sportarten vom Patienten nicht mehr ohne Weiteres durchgeführt werden können. Die Lebensqualität des Betroffenen wird durch den Kreuzbandriss erheblich eingeschränkt. Es treten weiterhin Gangunsicherheiten auf und der Betroffene nimmt nicht selten eine schonende Stellung ein, die sich allerdings negativ auf die Gesundheit auswirkt.

Ebenso können die Schmerzen und Einschränkungen zu psychischen Beschwerden und eventuell zu Depressionen führen. Die Behandlung dieser Beschwerde erfolgt in der Regel durch eine Therapie oder mit Hilfe eines operativen Eingriffes. Dabei treten weiterhin keine besonderen Komplikationen auf.

Allerdings ist nicht immer ein positiver Krankheitsverlauf möglich, sodass der Betroffene möglicherweise sein gesamtes Leben lang an Einschränkungen leiden wird. Eventuell ist dann auch die Durchführung von bestimmten Sportarten nicht mehr möglich. Es kommt nicht zu einer verringerten Lebenserwartung.

Wann sollte man zum Arzt gehen?

Kommt es innerhalb von Bewegungsabläufen zu plötzlichen Beschwerden, einem knackenden Geräusch und Problemen bei der Fortbewegung sollte eine Ruhigstellung des Beines erfolgen. Die Beschwerden treten im Bereich des Knies auf und können bei sportlichen Aktivitäten ebenso wie bei alltäglichen Bewegungen auftreten. Ein Arzt wird bei einem Kreuzbandriss benötigt, aber der Betroffene kann bereits vor Ort unterstützend einige Maßnahmen ergreifen, die einen positiven Einfluss auf den weiteren Verlauf haben.

Das Bein sollte nach Möglichkeit nicht mehr belastet werden und ist bis zur ärztlichen Untersuchung zu kühlen. Bei Schwellungen oder Verfärbungen der Haut, ist eine ärztliche Abklärung der Beschwerden notwendig. Die Kleidung am Knie ist zu entfernen, damit es zu keinem Engegefühl oder Problemen der Durchblutung kommt. Bei Schmerzen, Gangunsicherheiten oder einem Kräfteverlust im Bein, besteht Anlass zur Besorgnis. Oftmals bemerken Betroffene in einer euphorischen Stimmung verspätet, dass es zu einem Bänderriss gekommen ist. Sie stellen ein wackeliges Gefühl bei gewohnten Bewegungsabläufen fest und sollten zur Kontrolle einen Arzt aufsuchen.

Bei plötzlichen Blutergüssen, Sensibilitätsstörungen oder Auffälligkeiten bei Berührungen, ist ein Arztbesuch notwendig. Setzt eine Versteifung des Knies ein oder zeigt sich das Kniegelenk besonders instabil, wird ein Arzt benötigt. Menschen mit Knieerkrankungen sollten besonders vorsichtig sein und keine Zeit bis zu einer Behandlung verstreichen lassen.

Behandlung & Therapie

Ein Riss des hinteren Kreuzbandes ist eine relativ schwere Verletzung, heilt aber mit konservativen Maßnahmen in der Regel gut aus. Im Zuge einer solchen nicht-operativen Behandlung wird das Knie zunächst in einer speziellen Schiene ruhiggestellt oder mit einer Schiene, die eine eingeschränkte Bewegung ermöglicht, stabilisiert.

Dadurch wird verhindert, dass der Unterschenkel in Ruhe oder bei Bewegung gegen den Oberschenkel zurück gleitet. Diese Schiene wird in der Regel für etwas sechs Wochen getragen. Die stützende Muskulatur, vor allem im Oberschenkel, wird durch physiotherapeutische Übungen gekräftigt. Wenn auch der übrige Bandapparat betroffen ist, ist eine Operation zu empfehlen. Ähnlich wie beim häufiger auftretenden vorderen Kreuzbandriss wird auch das beschädigte hintere Kreuzband durch das Transplantieren einer körpereigenen Sehne ersetzt. Der Eingriff ist allerdings komplizierter als beim vorderen Kreuzbandriss.

Der Erfolg der Operation hängt nicht zuletzt davon ab, wie sorgfältig die Nachbehandlung durchgeführt wird, um Folgeschäden wie eingeschränkte Bewegungsmöglichkeiten oder Arthrose im Knie zu vermeiden. Nach der Operation muss für etwa sechs Wochen eine festere Schiene getragen werden, danach eine Schiene, die erste Bewegungen ermöglicht. Eine begleitenden Lymphdrainage wird empfohlen, absolut notwendig ist eine genauestens abgestimmte Physiotherapie.

Nach einer längeren Ruhephase zur Erholung werden Bewegungsübungen in den ersten Wochen nur passiv durchgeführt, später kommen erste Belastungsübungen dazu, die sehr langsam gesteigert werden. Ist die Therapie erfolgreich verlaufen, gilt die Verletzung nach etwa einem halben Jahr als ausgeheilt. Nach etwa einem Jahr kann das Bein wieder voll belastet werden. Inwieweit danach bestimmte Sportarten durchgeführt werden können oder empfehlenswert sind, muss im Einzelfall entschieden werden.

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Vorbeugung

Einem Riss des hinteren Kreuzbandes lässt sich nur vorbeugen, indem risikoreiche Sportarten wie American Football oder Hockey vermieden werden. Eine Stärkung der Muskulatur und regelmäßiges Krafttraining entlasten das Kniegelenk und können die Gefahr eines hinteren Kreuzbandrisses weiter vermindern.

Das können Sie selbst tun

Sportler sollten nach einem hinteren Kreuzbandriss mindestens ein halbes Jahr pausieren. Auch Tätigkeiten, die das Knie stark belasten, sollten in den ersten Monaten nach der Operation vermieden werden. Direkt nach dem Eingriff sind Kühlung und Schonung angezeigt. Eine umfassende Nachsorge sorgt dafür, dass die Schwellung rasch abnimmt und die Schmerzen verschwinden.

Begleitend dazu ist Streckung wichtig. Mittels einer Motorschiene wird das Gelenk passiv bewegt und durchgestreckt. Eine Knieschiene ist in den ersten sechs Wochen nach einer OP sinnvoll, denn durch diese kann das Bein gestreckt werden, ohne dass das betroffene Gelenk dabei überdehnt wird. In Begleitung eines Physiotherapeuten müssen die Oberschenkelmuskeln gekräftigt werden. Gerade in den ersten Wochen ist es wichtig, Intensität und Umfang der Übungen und Anwendungen regelmäßig mit dem aktuellen Zustand des Knies abzugleichen. Zuhause kann der Patient etwa Kniebeugen oder Übungen auf dem Ergometer durchführen.

Welche Maßnahmen erlaubt sind, kann der zuständige Arzt am besten beantworten. Nach dem halben Jahr Pause sollte sehr langsam wieder mit dem Sport begonnen werden. Der Betroffene kann eine spezielle Stütze verwenden, um das hintere Kreuzband vor einer weiteren Verletzung zu schützen.

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Quellen

  • Engelhardt, M. (Hrsg.): Sportverletzungen – Diagnose, Management und Begleitmaßnahmen. Urban & Fischer, München 2009
  • Grifka, J., Krämer, J.: Orthopädie, Unfallchirurgie. Springer, Heidelberg 2013
  • Hüter-Becker, A., Dölken, M.: Physiotherapie in der Orthopädie. Thieme, Stuttgart 2015

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