Hinken (Humpeln)

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 2. Dezember 2017
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Ein Gehfehler, der im Volksmund als Humpeln bezeichnet wird, ist das Hinken oder Lahmen, welches für die Betroffenen eine massive Einschränkung der Mobilität darstellt.

Inhaltsverzeichnis

Was ist Hinken bzw. Humpeln?

Beim Hinken bzw. Humpeln liegt eine auffällige Unregelmäßigkeit des Ganges vor. Diese kann je nach Ausmaß mehr oder weniger stark ausgeprägt sein. Durch das Hinken können sich die Personen nicht so schnell fortbewegen, wie dies im Normalfall möglich ist.

Beim Humpeln kommt es zu verschiedenen Beeinträchtigungen vor, die als Verkürzungs-, Schmerz- oder Versteifungshinken bekannt sind. In Abhängigkeit von der Ursache wird das Hinken ebenfalls in das sogenannte intermittierende, psychogene, Lähmungs- und Hüfthinken unterteilt.

Weitere Ausprägungen des Humpelns können ebenso durch verschiedene weitere Ursachen ausgelöst werden. Bei allen Varianten des Hinkens können die Störungen als sogenannte Mischformen auftreten.

Ursachen

Dem Hinken können ganz unterschiedliche Ursachen zugrunde liegen, die sowohl psychisch als auch physisch bedingt sind. Die Auslöser für einen unregelmäßigen Gang basieren in der Regel auf dem Halte- und Stützapparat der oder des Beines sowie in der Regel auf einer gestörten Weiterleitung von Nervenimpulsen. Dies kann beim Humpeln wiederum auf eine Erkrankung der steuernden Nervenbereiche zurückgeführt werden.

Ein Hinken kann durch zwei ungleich lange Beine, eine Verlagerung des Beckens, die einseitig auftritt, Deformitäten (Abweichungen von dem normalen Bau) und Beschwerden des Fußes, Versteifungen und Muskelkontrakturen, Gleichgewichtsstörungen durch einen Spitz- oder Klumpfuß, Schäden am Knie- oder Hüftgelenk, arthrotische Beeinträchtigungen und sogenannte neuromuskuläre Systemerkrankungen entstehen.

Als weitere Ursachen für ein Humpeln kommen unter Anderem Schäden an den Muskeln, Lähmungen, Gangstörungen durch verschiedene Knochenerkrankungen oder Amputationen der Unterschenkel in Betracht.

Typische Symptome & Anzeichen

Diagnose & Verlauf

Bei der Diagnostik des Hinkens stützen sich die Mediziner auf verschiedene bewährte Methoden. Neben der genauen Betrachtung des Gangbildes und einer optischen Untersuchung der Körperfunktionen im Bereich des Muskel- und Skelettapparates sind unterschiedliche neurologische Verfahren sinnvoll, um ein Humpeln festzustellen.

Um eine genaue Abklärung der Ursachen im Rahmen der Diagnostik beim Hinken zu betreiben, sind oftmals bildgebende Verfahren angebracht. Wenn es sich nur um ein vorübergehendes Humpeln aufgrund eines psychogenen oder hysterisch bedingten Auslösers handelt, wird für die Diagnostik zudem ein Psychiater hinzugezogen.

Durch eine Betrachtung des Gangbildes ist bereits ohne technische Hilfsmittel erkennbar, um welche Art des Hinkens es sich handelt. Ist dies nicht eindeutig möglich, werden zusätzliche diagnostische Methoden unterstützend hinzugezogen. Außerdem sind auch die Berichte der Betroffenen wichtig, um ein Humpeln klar festzustellen.

Komplikationen

Das Hinken stellt einen sehr ungesunden körperlichen Zustand dar und kann auf lange Sicht ohne Behandlung zu erheblichen Einschränkungen und Beschwerden im Leben des Patienten führen. Dabei kommt es in der Regel zu starken Schmerzen und Schwellungen. Ebenso leiden die Betroffenen an Bewegungseinschränkungen und können damit nicht mehr aktiv am Leben teilnehmen.

Auch die Belastbarkeit des Patienten wird durch das Hinken deutlich verringert. In einigen Fällen sind die Betroffenen auf Gehhilfen angewiesen. In der Regel treten Gleichgewichtsstörungen auf. Nicht selten werden durch das Hinken bestimmte Gelenke und Muskeln stark beansprucht und damit geschädigt. Auf lange Sicht können daraus irreversible Schäden entstehen, die zu starken Bewegungseinschränkungen führen können.

Die Behandlung dieser Beschwerden führt in der Regel nicht zu weiteren Komplikationen. Sie richtet sich allerdings immer nach der Ursache, sodass ein positiver Krankheitsverlauf nicht immer garantiert werden kann. Unter Umständen kann die Beschwerde nicht komplett geheilt werden.

Nicht selten tritt das Hinken auch durch eine psychologische Störung auf, wobei eine Behandlung durch einen Psychologen notwendig ist. Die Lebenserwartung wird durch das Hinken nicht beeinflusst. Allerdings kann sich das Hinken selbst negativ auf die Psyche des Betroffenen auswirken und damit zu Depressionen und zu anderen psychischen Verstimmungen führen.

Wann sollte man zum Arzt gehen?

Kann das Hinken auf die Bildung einer Blase am Fuß zurückgeführt werden, ist ein Arztbesuch meist nicht notwendig. Im Normalfall heilt die Blase innerhalb weniger Tage ab und der Betroffene kann sich anschließend beschwerdefrei fortbewegen. Ein Arztbesuch ist anzuraten, sobald sich weitere Beschwerden einstellen. Heilen Blasen nicht ab oder entzünden sich die betroffenen Stellen ist ein Arzt aufzusuchen. Zeigen Maßnahmen der Selbstbehandlung durch Salben, kühlenden Umschlägen oder Cremes keinerlei Wirkung, sollte Hilfe in Anspruch genommen werden. Kommt es durch das Hinken zu Beschwerden der Muskeln, Nerven oder Sehnen, wird ein Arzt benötigt.

Bei Gangsunsicherheiten, Fehlhaltungen des Körpers oder Schmerzen, ist ein Arzt aufzusuchen. Leidet der Betroffene unter Rückenproblemen, Beschwerden der Hüfte, schweren Beinen oder Verfärbungen des Hautbildes, sollte eine Untersuchung eingeleitet werden. Durchblutungsstörungen, ein vermindertes Leistungsniveau oder Taubheitsgefühle in den Beinen gelten als ungewöhnlich und sind abklären zu lassen. Ein Arzt sollte umgehend konsultiert werden, um die Ursachen zu ermitteln. Kann festgestellt werden, dass die Beine eine unterschiedliche Länge aufweisen, ist ein Arztbesuch anzuraten. Bei Kindern ist das Hinken häufig bedingt durch Wachstumsschübe. Halten die Beschwerden dennoch mehrere Wochen an, sollte zur Kontrolle ein Arzt konsultiert werden.

Behandlung & Therapie

Die Behandlungsmethoden gegen das Hinken sind vielseitig und äußerst fortschrittlich. Zum einen begrenzen sich die Therapien auf allgemeine und äußere Anwendungen. Zum anderen sind Therapiemethoden sehr wirkungsvoll, die eine innerliche und sehr spezifische Behandlung des Humpelns darstellen.

In den meisten Fällen, bei denen das Hinken auf eindeutigen Ursachen basiert, werden kombinierte Therapien angewendet. Darüber hinaus können operative Eingriffe ebenso eine Beschwerdefreiheit erbringen, wie dies beim Humpeln durch physiotherapeutische Verfahren realisierbar ist.

Leiden Patienten unter einem Verkürzungshinken, welches durch einen Ausgleich der Differenz zwischen den Längen der Beine behoben werden kann, sind neben operativen Eingriffen ebenso die orthopädischen Hilfsmittel eine adäquate Möglichkeit.

Um einem auf psychischen Störungen basierenden Hinken beizukommen, sind psychotherapeutische Behandlungen sowie die fachärztliche Verordnung entsprechender Medikationen sinnvoll, um das seelische Gleichgewicht wieder herzustellen.

Das Hüfthinken wird als häufige Erscheinungsform des Humpelns durch einen chirurgischen Eingriff am Trochanter behandelt.

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Vorbeugung

Die Vorbeugung gegen das Hinken kann durch eine Stärkung des Muskel- und Bändersystems der unteren Extremitäten bis zu einem gewissen Grade eigenständig erzielt werden. Angeborenen oder durch Unfälle sowie durch die im Laufe des Lebens erworbenen gesundheitlichen Beeinträchtigungen, die zum Humpeln führen, kann keine Vorbeugung geleistet werden. Um Schädigungen an Knochen oder Gelenken prophylaktisch entgegen zu wirken, sollten Fehlbelastungen vermieden werden. Dies beugt einem damit verbundenen Hinken vor.

Das können Sie selbst tun

Humpeln kann auf höchst unterschiedliche Auslöser zurückzuführen und sowohl körperlicher als auch seelischer Natur sein. Meistens ist aber eine Störung des Bewegungsapparats oder der Nerven für den unsteten Gang verantwortlich. Aus diesem Grund sollte ein Humpeln stets dem Arzt vorgestellt werden. Ob und welche Selbsthilfemaßnahmen der Patient ergreifen kann, hängen von der Ursache der Störung ab.

Ist das Humpeln auf eine angeborene körperliche Behinderung zurückzuführen, die nicht oder nicht vollständig therapiert werden kann, erleichtern häufig Gehhilfen die Mobilität im Alltag. Bei sehr starkem Humpeln kann auch die zeitweise Verwendung eines Rollstuhls hilfreich sein. Betroffene sollten sich in jedem Fall beim Arzt, im medizinischen Fachhandel und bei ihrer Krankenkasse erkundigen, welche technischen Hilfsmittel zur Verfügung stehen, um ihnen den Alltag zu erleichtern.

Resultiert das Hinken aus einem Unfall oder einer anderen Verletzung können die Patienten in der Regel durch physiotherapeutische Übungen zur Rehabilitation der betroffenen Muskeln und Gelenke beitragen. So werden meist auch Spätfolgen und eine dauerhafte Einschränkung der Bewegungsfähigkeit vermieden.

Bei simplen Störungen, etwa einer einfachen Verstauchung des Knöchels, Blasen an den Füßen oder geschwollenen und schmerzenden Knöchel nach einem Insektenstich, können auch Hausmittel Linderung verschaffen. Bei Schwellungen helfen Umschläge mit essigsaurer Tonerde aus der Apotheke. Blasen an den Fersen heilen schneller ab, wenn sie mit Weißwein ausgewaschen, danach mit Zinksalbe eingecremt und mit einem Pflaster abgedeckt werden.

Bücher über Gangstörungen

Quellen

  • Breusch, S., Clarius, M., Mau, H., Sabo, D. (Hrsg.): Klinikleitfaden Orthopädie, Unfallchirurgie. Urban & Fischer, München 2013
  • I care Krankheitslehre. Thieme, Stuttgart 2015
  • Netter, F.H. et. al.: NETTERs Allgemeinmedizin. Thieme, Stuttgart 2006

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