Glutamatunverträglichkeit

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 11. November 2017
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Glutamate finden sich in sehr vielen Nahrungsmitteln, sie dienen als Geschmacksverstärker und können bei einigen Personen zur Glutamatunverträglichkeit führen. Im Volksmund wirde diese Erscheinung oftmals auch als Chinarestaurant-Syndrom bezeichnet. Glutamate sind allgemein als nicht gesundheitsgefährdend eingestuft, für Personen mit Unverträglichkeit kann der Verzehr jedoch unangenehme Folgen haben. Lebensmittel mit Glutamaten sind allerdings meist nicht besonders gehaltvoll und vitaminreich, daher kann ein Verzicht auch ohne bekannte Unverträglichkeit sinnvoll sein.

Inhaltsverzeichnis

Was ist Glutamatunverträglichkeit?

Als Glutamatunverträglichkeit wird eine Ansammlung von Symptomen verstanden, die unmittelbar nach dem Verzehr von Speisen auftreten, welche den Zusatzstoff Glutamat enthalten.

Eine Unverträglichkeit auf den Geschmacksverstärker kann plötzlich auftreten, Männer und Frauen sind gleichermaßen davon betroffen. Glutamat verbirgt sich in vielen Lebensmitteln, insbesondere in Fertigprodukten, Tütensuppen oder Kantinenessen. Laut Gesetzgeber müssen Zusatzstoffe wie Geschmacksverstärker in der Zutatenliste eines Produktes aufgeführt sein, Glutamate werden hinter den Bezeichnungen E 620 - 625 versteckt.

Vielfach wird angenommen, dass der Schriftzug "frei von Geschmacksverstärkern" die Verwendung von Glutamat ausschließen würde, doch hier handelt es sich um einen Irrtum. In Zutaten wie Hefeextrakten und ähnlichem können dennoch Glutamate vorhanden sein. Wer ganz sicher gehen möchte, darf ausschließlich auf natürliche Produkte zurückgreifen, im Fall einer Glutamatunverträglichkeit wird dies ohnehin notwendig.

Ursachen

Wodurch es zur Glutamatunverträglichkeit kommt ist bis heute nicht abschließend geklärt. Einige Menschen können den Geschmacksverstärker in großen Massen konsumieren ohne je an einer Unverträglichkeit zu erkranken, bei anderen Personen entwickelt sich die Intoleranz im Lauf ihres Leben.

Auch Kinder können bereits unter einer Glutamatunverträglichkeit leiden, es kommt häufig vor, dass sich Lebensmittelintoleranzen bereits im Kindesalter manifestieren. Das Risiko an einer Allergie gegen Lebensmittel zu leiden ist erhöht, wenn es in der Familie bereits bekannte Fälle einer solchen Unverträglichkeit gibt.

Generell sind Menschen mit geschwächtem Abwehrsystem häufiger von einer Glutamatunverträglichkeit betroffen als Personen mit einem starken Immunsystem. Manche Menschen neigen generell schneller zu Allergien und Unverträglichkeiten als andere, bei bereits bekannten Allergien ist die Wahrscheinlichkeit im Lauf des Lebens eine Glutamatunverträglichkeit zu entwickeln erhöht.

Typische Symptome & Anzeichen

Komplikationen

Durch die Glutamatunverträglichkeit kommt es nur dann zu Komplikationen oder Beschwerden, wenn der Patient Glutamat zu sich nimmt. Falls auf das Glutamat verzichtet wird, treten in den meisten Fällen auch keine weiteren Beschwerden oder Komplikationen auf. Die Unverträglichkeit äußert sich meistens in einer starken Übelkeit und Kopfschmerzen.

Es kommt zu einem trockenen Mund und zu einem Kribbeln im gesamten Mundraum. Der Patient fühlt sich krank und leidet an Gliederschmerzen. Ebenfalls kann es zu Herzrasen und zu Schweißausbrüchen kommen. Die Beschwerden schränken den Alltag des Patienten extrem ein und verringern die Lebensqualität. Der Betroffene ist durch die Krankheit in seiner Ernährung stark eingeschränkt.

Im schlimmsten Falle kann es auch zu Atembeschwerden kommen, wodurch der Patient auch das Bewusstsein verlieren kann. Eine Behandlung kann in der Regel nicht durchgeführt werden. Der Patient muss sein gesamtes Leben lang auf Glutamat verzichten und darf dieses nicht einnehmen.

Es kann nicht vorausgesagt werden, ob die Glutamatunverträglichkeit im weiteren Verlauf des Lebens von selbst wieder verschwinden wird. Falls der Betroffene auf den Inhaltsstoff verzichtet, treten keine weiteren Komplikationen auf.

Wann sollte man zum Arzt gehen?

Ein Arztbesuch ist notwendig, sobald sich unmittelbar nach der Nahrungsaufnahme Unregelmäßigkeiten ergeben. Kommt es nach dem Genuss von Fertigprodukten oder dem Besuch in einem Restaurant zu Auffälligkeiten oder gesundheitlichen Störungen, besteht Anlass zur Besorgnis. Je nach dem Ausmaß der Beschwerden ist unverzüglich ein Arzt aufzusuchen. Bei einer geringen Intensität ist es ratsam, am Folgetag einen Arzt zu konsultieren. Juckreiz am Hals, Rötungen der Haut oder Schwellungen sind ungewöhnlich.

Ein Arzt sollte aufgesucht werden, damit über einen Bluttest die Glutamatunverträglichkeit festgestellt werden kann. Ist trotz der Nahrungsaufnahme der Mund sehr trocken, ist dies ein Warnhinweis des Körpers, dem nachgegangen werden sollte. Bei Taubheitsgefühlen oder Sensibilitätsstörungen im Mund, die nicht auf Verbrennungen zurückgeführt werden können, ist ein Arztbesuch erforderlich. Bei Kopfschmerzen, Beschwerden des Nackens oder einem Gefühl der Steifheit in den Schultern sowie im Nacken, ist ein Arzt aufzusuchen.

Starke Übelkeit, Schwindel oder ein allgemeines Krankheitsgefühl sollten ärztlich abgeklärt werden. Kommt es ohne den Genuss von Koffein zu Herzrasen während oder kurz nach den Mahlzeiten, ist die Rücksprache mit einem Arzt zu empfehlen. Auftretende Gliederschmerzen oder eine verlangsamte Motorik sind von einem Arzt untersuchen zu lassen. Schweißausbrüche und Atemnot gelten ebenfalls als Anlass für einen Arztbesuch.

Behandlung & Therapie

Bis eine Glutamatunverträglichkeit diagnostiziert wurde vergehen oft mehrere Monate bis Jahre. Die Symptome sind unspezifisch und werden oftmals gar nicht mit der Nahrung in Verbindung gebracht. Entwickelt sich eine Glutamatunverträglichkeit klagen die Betroffenen etwa eine viertel Stunde nach der Aufnahme von Glutamat über allgemeines Unwohlsein, Magenbeschwerden, Kopfschmerzen und mitunter Hautausschlägen.

Nicht bei jedem Betroffenen treten alle Symptome zu Tage, insbesondere zu Beginn einer Unverträglichkeit können sich auch nur vereinzelte Anzeichen der Intoleranz zeigen. Der erste Schritt zur Diagnose liegt in der Beobachtung des Betroffenen. Besteht bereits der Verdacht auf eine Glutamatunverträglichkeit, kann ein Allergietest genauere Hinweise geben. Ebenfalls zu Diagnosezwecken geeignet ist die Auslassdiät, bei der gezielt auf glutamathaltige Lebensmittel verzichtet wird, um eine mögliche Symptombesserung zu erzielen.

Unter ärztlicher Aufsicht kommt mitunter auch die sogenannte Provokationstherapie zum Einsatz. Die Betroffenen erhalten hierbei gezielt Glutamate verabreicht, um die Reaktion des Körpers darauf zu testen. Solch ein Versuch sollte nie im Alleingang, sondern ausschließlich unter medizinischer Kontrolle durchgeführt werden. Die Provokationstherapie ist nur dann geeignet, wenn sich bislang keine bedrohlichen Symptome bei der betroffenen Person gezeigt haben. Da eine schwere Glutamatunverträglichkeit auch zu Atembeschwerden bis hin zum allergischen Schock führen kann, muss der Arzt eindeutig das Kosten-Nutzen-Verhältnis abwägen.

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Vorbeugung

Einer Glutamatunverträglichkeit kann kaum vorgebeugt werden, da sie plötzlich entstehen kann und nicht immer eine Ursache zu ermitteln ist. Grundsätzlich wurde nachgewiesen, dass ein gesunder Vitamin-B-Spiegel zur besseren Verträglichkeit von Glutamaten beitragen kann. Auch wenn Glutamate gesundheitlich nicht bedenklich sind, ist es ratsam weitgehend auf sie zu verzichten.

Geschmacksverstärker stecken in vielen Lebensmitteln, es gibt jedoch auch zahlreiche Produkte ohne die Zusätze E 620 - 625. Nach Möglichkeit ist es ratsam besonders auf all jene Produkte zu verzichten, deren Glutamatgehalt besonders hoch ist. Hierzu gehören Fertiggerichte ebenso wie Chips oder Lebensmittel aus der Kantine. Mittlerweile werden immer mehr Produkte für Menschen mit Glutamatunverträglichkeit entwickelt.

Das können Sie selbst tun

Gegen die Glutamatunverträglichkeit konnte noch kein Medikament entwickelt werden. Dem Betroffenen hilft allerdings das Wissen, dass diese Unverträglichkeit sich nicht, wie der Name suggeriert, grundsätzlich gegen Glutamat bzw. die Ester und Salze der Glutaminsäure bezieht, sondern nur gegen freie Glutamate, die als gezielte Geschmacksverstärker nicht an Proteinen gebunden sind.

Insofern hilft es dem Betroffenen, Essen zu meiden, in denen der Geschmacksverstärker Anwendung findet. Nach dem deutschen Lebensmittelgesetz muss der Geschmacksverstärker gekennzeichnet sein, das gilt nicht nur für den Verkauf in Lebensmittelläden, sondern auch in Kantinen und Restaurants. Wer das Gefühl hat, gegen Essen mit Glutamat-Geschmacksverstärkern allergisch zu sein, der sollte seine Vermutung mit dem Arzt abklären, der die Krankheit durch einen Allergietest diagnostizieren und weitere Beratungen vornehmen kann.

Zwar sind die Symptome von Betroffenen nach dem Verzehr von freien Glutamaten in der Regel nicht lebensbedrohlich, können aber bei Asthmatikern sehr wohl gefährlich sein. Im Falle eines allergischen Schocks bei Asthmatikern sollte also sofort ein Arzt aufgesucht werden. Ist der Schock besonders schwer, dann sollte auch vor dem Einsatz eines Notarztes nicht zurückgeschreckt werden.

Generell hilft es dem Organismus von Betroffenen, sich gesund zu ernähren und z. B. jeden Tag frisch zu kochen. Besonders ein hoher Vitamin-B-Spiegel trägt dazu bei, den eigenen Organismus gegen freie Glutamate allgemein resistenter zu machen.

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Quellen

  • Biesalski, H.-K., et al.: Ernährungsmedizin. Thieme, Stuttgart 2010
  • Hahn, J.-M.: Checkliste Innere Medizin. Thieme, Stuttgart 2013
  • Trautmann, A., Kleine-Trebbe, J.: Allergologie in Klinik und Praxis. Thieme, Stuttgart 2013

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