Speiseröhre

Medizinische Expertise: Dr. med. Nonnenmacher
Qualitätssicherung: Dipl.-Biol. Elke Löbel, Dr. rer nat. Frank Meyer
Letzte Aktualisierung am: 4. März 2024
Dieser Artikel wurde unter Maßgabe medizinischer Fachliteratur und wissenschaftlicher Quellen geprüft.

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Die Speiseröhre dient als flexibler Muskelschlauch in erster Linie dem Transport der Nahrung vom Rachenraum in den Magen und ist selbst nicht an den Verdauungsprozessen beteiligt. Sodbrennen und Schluckbeschwerden sind Anzeichen für Beeinträchtigungen der Speiseröhre, die einer ärztlichen Abklärung bedürfen.

Inhaltsverzeichnis

Was ist die Speiseröhre?

Die häufigsten Beschwerden im Zusammenhang mit der Speiseröhre sind Sodbrennen und die Refluxkrankheit.

Die Speiseröhre (Ösophagus) ist ein dehnbarer Muskelschlauch, der als Verbindungsweg zwischen Rachenraum und Magen in erster Linie dem Transport von Nahrung zwischen diesen beiden Strukturen dient.

Infolge ihrer Elastizität, die eine Ausdehnung auf bis zu 3,5 cm im Durchmesser ermöglicht, kann sich die Speiseröhre der Größe der aufgenommen Nahrung weitestgehend in Form und Ausdehnung anpassen. Dies ist allerdings an drei Engstellen (Ringknorpelenge, Aortenenge, Zwerchfellenge) physiologisch ausgeschlossen, so dass hier unzureichend zerkaute Nahrung oder verschluckte Fremdkörper den Ösophagus blockieren können.

Zudem sind diese Engstellen von klinischer Bedeutung, da sich vor allem an diesen Abschnitten der Speiseröhre Tumoren oder Entzündungen manifestieren.

Anatomie & Aufbau

Bei ausgewachsenen Menschen weist die Speiseröhre eine Länge von 25 bis 30 cm bei einem Durchmesser von etwa 2 cm auf und kann in drei Abschnitte unterteilt werden.

Der Halsabschnitt schließt an die Larynx (Kehlkopf) an und reicht bis zum Übergang in den Brustraum. Der durch den Brustkorb verlaufende Brustteil ist mit etwa 16 cm der längste Abschnitt des Ösophagus und liegt zunächst hinter der Trachea und im weiteren Verlauf hinter dem Herzen. Der anschießende etwa 1 bis 4 cm lange Ösophagusabschnitt verläuft durch den sogenannten Hiatus oesophageus (Zwerchfellöffnung) in das Abdomen (Bauchhöhle).

Die innerste Schicht der Speiseröhre besteht aus Schleimhaut, einer dünnen bindegewebigen Verschiebeschicht sowie einer Muskelschicht, durch welche die Schleimhautoberfläche der Nahrung angepasst werden kann. In der mittleren Bindegewebsverschiebeschicht befinden sich die Glandulae oesophageae (Speiseröhrendrüsen), die den Ösophagusschleim bilden und die Gleitfähigkeit der Speiseröhre gewährleisten.

Die äußerste Schicht besteht aus Muskelschichten, die den Nahrungstransport sicherstellen, sowie einer Bindegewebsschicht, die den Ösophagus mit den angrenzenden Gewebestrukturen locker verknüpft.

Funktionen & Aufgaben

Die Hauptfunktion des Ösophagus besteht im Transport der aufgenommen Nahrung vom Rachenraum in den Magen, der zentral gesteuert durch das reflexartige Zusammenspiel der quer und längs verlaufenden Muskulatur der Mittelschicht gewährleistet wird.

Zudem ist das Lumen (Innenraum) der Speiseröhre jeweils an ihrem kranialen (zum Kopf gehörenden) und kaudalen (unteren) Enden durch sogenannte Ösophagussphinkter (Schließmuskel) verschlossen. Während des Schluckaktes erschlafft der kraniale Sphinkter, so dass die Nahrung vom Racheraum in die Speiseröhre gelangen kann. Über wellenförmige Kontraktionen der Muskulatur (Peristaltik) wird die Nahrung ans untere Ende transportiert.

Erreicht diese peristaltische Welle das kaudale Ende, öffnet sich der dort befindliche Ösophagussphinkter reflektorisch und die Nahrung kann zur Verdauung in den Magen gelangen. Darüber hinaus wird durch die Funktion der Ösophagussphinkter sichergestellt, dass beim Schlucken keine Aspiration (Einatmen von Nahrungsbestandteilen oder Fremdkörpern) stattfindet und der saure Mageninhalt nicht in die Speiseröhre zurückströmt und die Ösophagusschleimhaut schädigt.

Durch die peristaltische Muskelaktivität wird außerdem eine ständige Selbstreinigung des Ösophagus gewährleistet. Heruntergeschluckter Speichel dient zusätzlich der Neutralisation von Magensäure in der Speiseröhre.

Krankheiten

Störungen der Speiseröhre manifestieren sich in aller Regel anhand von Schluckbeschwerden (Dysphagien), Sodbrennen, Schmerzen hinter dem Sternum (Brustbein) sowie Husten. Eine der häufigsten Beeinträchtigungen ist ein gestörter Verschluss des unteren Ösophagussphinkters (Kardiainsuffizienz), der dazu führt, dass saurer und aggressiver Mageninhalt in die Speiseröhre zurückfließen kann.

Dieser als gastroösophagealer Reflux bezeichnete Rückfluss von Magensäure bedingt eine Reizung der Speiseröhrenschleimhaut, die untherapiert im späteren Verlauf eine Entzündung bzw. Refluxösophagitis hervorrufen kann. Daneben können mechanische Störungen der Speiseröhre vorliegen, die mit Schleimhautaussackungen (Ösophagusdivertikel), einer erworbenen Erweiterung des Hiatus oesophageus (Hiatus- bzw. Gleithernie) oder Verlagerungen der Speiseröhre durch Membranen bzw. narben- oder fremdkörperbedingte Verengungen zusammenhängen können.

Einschränkungen der Beweglichkeit des Ösophagus werden unter der Bezeichnung Motilitätsstörungen subsumiert. Hierzu gehören Achalasie, bei welcher der untere Ösophagussphinkter nicht erschlaffen kann, ein idiopathischer diffuser Ösophagusspasmus, der mit die Peristaltik einschränkenden Kontraktionen im mittleren und unteren Abschnitt einhergeht, sowie ein hyperkontraktiler Ösophagus (auch Nussknacker-Ösophagus), den anfallartige lange oder extrem starke Kontraktionen im distalen Abschnitt charakterisieren.

Bei einem geschwächten Immunsystem können darüber hinaus bakterielle, virale und mykotische Infektionen oder Noxen (u.a. Medikamente, Strahlung) eine Entzündung der Speiseröhre (Ösophagitis) bedingen. Vorwiegend an den drei physiologischen Engstellen manifestieren sich seltene Karzinome (Ösophaguskarzinom bzw. Speiseröhrenkrebs), die schnell das umliegende Bindegewebe der Speiseröhre infiltrieren und metastasieren.


Typische & häufige Erkrankungen

Quellen

  • Lippert, H. et al: Anatomie. Text und Atlas. Urban & Fischer/ Elsevier, München 2017
  • Spornitz, U. M.: Anatomie und Physiologie. Springer Medizin Verlag, Berlin Heidelberg 2004
  • Wolff, H.-P., Weihrauch, T.R. (Hrsg.): Internistische Therapie. Urban & Fischer, München 2012

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