Diffuser Ösophagusspasmus

Qualitätssicherung von Dr. med. Nonnenmacher am 30. November 2017
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Als diffuser Ösophagusspasmus wird in Fachkreisen eine meist chronische Bewegungsstörung der Speiseröhre bezeichnet. In der Fachsprache wird diese Störung als 'Motilitätsstörung bezeichnet. Es kommt dabei wiederholt zu anfallsartigen Muskelkontraktionen der Speiseröhre, dabei können auch Schmerzen am Brustbein auftreten. Die genauen Ursachen für den diffusen Ösophagusspasmus sind nicht geklärt.

Inhaltsverzeichnis

Was ist Diffuser Ösophagusspasmus?

Beim diffusen Ösophagusspasmus kommt es plötzlich zu starken und krampfartigen Kontraktionen der Muskeln in der Speiseröhre. Betroffen ist dabei immer die glatte Muskulatur. Diese Kontraktionen finden zumeist im mittleren und unteren Bereich der Speiseröhre statt. Sie haben keine vorantreibende Wirkung für die Nahrung und können Schmerzen hinter dem Brustbein auslösen.

Es handelt sich dabei um ein stechend krampfartiges Gefühl. Diese Schmerzen können auch in Schulter und Kiefer bis in die Arme, manchmal auch bis in den Rücken, ausstrahlen. Meist kommt es sehr plötzlich zu diesen Beschwerden. Hinzukommen können auch Schluckbeschwerden.

Die Probleme treten meist sehr plötzlich und unerwartet auf und können entweder durch Schlucken ausgelöst werden oder spontan auftreten.

Ursachen

Die Ursachen für einen diffusen Ösophagusspasmus sind bis heute nicht bekannt. Zumeist sind ältere Menschen davon betroffen, aber auch junge Menschen können diese Erkrankung erleiden.

Allerdings wird der diffuse Ösophagusspasmus mit bestimmten Grunderkrankungen in Verbindung gebracht. Betroffene leiden häufig unter einer der folgenden Erkrankungen: Diabetes mellitus, Kollagenosen, Krankheiten am zentralen und peripheren Nervensystem, Muskelerkrankungen, Amyloidosen und Alkoholkrankheit.

Verantwortlich für die Beschwerden sind simultane Kontraktionen der glatten Muskeln der Speiseröhre. Diese Muskelkontraktionen werden mit Störungen der nervösen Regulation und der Stickstoffmonoxid-Ausschüttung in Verbindung gebracht. Gesichert sind diese Erkenntnisse allerdings nicht.

Typische Symptome & Anzeichen

Diagnose & Verlauf

Der diffuse Ösophagusspasmus kann durch verschiedene Methoden diagnostiziert werden. Zuerst wird der Arzt mit dem Patienten ein ausführliches Gespräch zur Anamnese führen, um alle Beschwerden genau zu erörtern. Der Betroffene sollte dabei ausführlich schildern, welche Beschwerden genau auftreten, wie häufig diese vorkommen, wie lange dies anhalten und überhaupt schon bestehen. Dies erleichtert dem Arzt die Entscheidung enorm, welche weiteren Untersuchungen im vorliegenden Fall weiter sinnvoll sind.

Sehr häufig wird zur Diagnosestellung vom diffusen Ösophagusspasmus eine Röntgenuntersuchung angewandt. Dabei ist der Einsatz eines Kontrastmittels notwendig um zu einem brauchbaren Ergebnis zu kommen. Der Patient schluckt ein Brotstück, das mit Barium getränkt wurde. Anschließend wird der genaue Verlauf des Brotstücks durch die Speiseröhre beobachtet.

Unregelmäßige und korkenzieherartige Verformungen der Speiseröhre können so erkannt werden. Ein ähnliches Untersuchungsverfahren ist die sog. Breischluckmethode, bei der ein mit Kontrastmittel versetzter Brei eingenommen wird.

Komplikationen

Durch die Krankheit kann es zu verschiedenen Beschwerden und Komplikationen an der Speiseröhre kommen. Diese äußern sich in den meisten Fällen in Form von Schluckbeschwerden, sodass eine gewöhnliche Nahrungsaufnahme und Flüssigkeitsaufnahme für den Patienten in der Regel nicht mehr möglich ist. Die Lebensqualität wird dadurch extrem verringert und der Alltag für den Patienten erschwert.

Nicht selten kommt es dadurch zu Untergewicht oder zu einer Dehydrierung, wobei beide Symptome einen sehr ungesunden Zustand für den Patienten darstellen. Weiterhin kann sich auch eine akute Atemnot ausbilden und es kommt zu starken Schmerzen für den Patienten. Die Diagnose der Krankheit erfolgt meist ohne Komplikationen und relativ schnell, sodass schon früh mit einer Behandlung begonnen werden kann.

Die Behandlung selbst erfolgt ebenso meist ohne Komplikationen, bei welcher verschiedene Medikamente eingesetzt werden. In einigen Fällen kann die dauerhafte Einnahme ein Suchtverhalten auslösen. Für den Patienten ändert sich allerdings auch die Diät, sodass auf fettige Speisen oder auf Alkohol verzichtet werden muss. Bei psychischen Beschwerden werden Antidepressiva eingesetzt, um die Wirkung der Schmerzmittel zu behandeln. Die Lebenserwartung wird durch die Krankheit in der Regel nicht verringert.

Wann sollte man zum Arzt gehen?

Bei Schmerzen hinter dem Brustbein, Schluckbeschwerden und anderen Anzeichen eines diffusen Ösophagusspasmus empfiehlt sich ein Arztbesuch. Ist es aufgrund der Beschwerden bereits zu Dehydrierung oder Untergewicht gekommen, so muss dies umgehend abgeklärt werden. Vor allem bei Atemnot und starken Schmerzen ist eine rasche Untersuchung durch den Hausarzt angezeigt. Bei einem schweren Verlauf – wenn der Betroffene nicht mehr vernünftig atmen kann oder Anzeichen einer Lungenentzündung bemerkt werden – sollten die Angehörigen den ärztlichen Notdienst kontaktieren. Nach der Behandlung ist eine engmaschige Kontrolle durch den zuständigen Arzt angezeigt.

Je nach Schwere der Erkrankung kann außerdem physiotherapeutische Unterstützung in Anspruch genommen werden, um die frühere Lebensqualität wiederherzustellen. Ein diffuser Ösophagusspasmus tritt häufig im Zusammenhang mit Diabetes mellitus, Kollagenosen, Muskel- und Nervenerkrankungen, Amyloidosen und Alkoholismus auf. Bei entsprechenden Vorerkrankungen sollten Anzeichen einer Bewegungsstörung der Speiseröhre zeitnah abgeklärt werden. Ältere und schwer kranke Menschen sollten einen diffusen Ösophagusspasmus und andere Erkrankungen im Rahmen der jährlichen Vorsorgeuntersuchungen ausschließen lassen.

Behandlung & Therapie

In der Regel wird eine Behandlung des diffusen Ösophagusspasmus mit rein medikamentös durchgeführt. In Frage kommen hier Medikamente wie Säureblocker, Muskelentspanner und Psychopharmaka. Besonders muskelentspannende Präparate zeigen meist eine sehr gute Wirkung. Durch die Erschlaffung der Muskeln in der Speiseröhre werden die krampfartigen und schmerzhaften Anfälle vermieden. Die Einnahme von Antidepressiva kann zudem das Schmerzempfinden positiv beeinflussen und für allgemeine Entspannung sorgen.

Manchmal liegen aber auch Ursachen für den diffusen Ösophagusspasmus vor, die keine medikamentöse Behandlung erfordern. Die Beschwerden können z.B. beim Alkoholgenuss und durch falsches Essverhalten entstehen. Dann hilft es, auf die auslösenden Stoffe zu verzichten und die täglichen Mahlzeiten anders zu gestalten.

Bewusstes Essen ist hier sehr hilfreich. Für jede Mahlzeit sollte ausreichend Zeit zur Verfügung stehen, ein schnelles hinunterschlingen der Nahrung fördert Probleme in der Speiseröhre. Ebenso sollte jeder Bissen gründlich klein gekaut werden, bevor das Essen hinuntergeschluckt wird. Das vereinfacht den Abtransport in den Magen für die Speiseröhre, aber auch für den Magen ist gut durchgekaute Nahrung einfacher zu verdauen.

Entspannungsübungen wie Yoga, Meditation oder autogenes Training können sehr hilfreich sein und die Beschwerden des diffusen Ösophagusspasmus verbessern.

Helfen alle Therapieversuche nichts, kann als letztes Mittel der Wahl ein operativer Eingriff durchgeführt werden. Beim diffusen Ösophagusspasmus wird allerdings sehr selten eine Operation durchgeführt. Das betreffende operative Verfahren wird als Myotomie bezeichnet. Dabei wird die Speiseröhrenmuskulatur gespalten, allerdings wird dabei unbedingt der untere Bereich der Muskulatur ausgespart. Sonst besteht das Risiko einer Refluxerkrankung.

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Aussicht & Prognose

Die Prognose des diffusen Ösophagusspasmus wird bestimmt von der vorliegenden Grunderkrankung und dessen Ausprägung. In einer Vielzahl der Fälle wird eine gute Aussicht auf Heilung gegeben. Bei vielen Patienten genügen Entspannungstechniken, um langfristig eine Linderung der Beschwerden zu erreichen. Insbesondere bei Auslösern wie Stress oder einer emotionalen Anspannung kann mit ausgleichenden Übungen und Trainings für eine Lockerung der gesamten Muskulatur gesorgt werden.

Wird der diffuse Ösophagusspasmus durch einen Alkoholkonsum verantwortet, ist die Prognose ebenfalls günstig. Mit dem Absetzen des Konsums tritt eine Beschwerdefreiheit ein. Besteht eine Alkoholsucht, muss diese therapiert werden, um eine Genesung zu erreichen. Bei einem falschen Essverhalten werden mit dem Patienten gezielt Kauvorgänge trainiert. Diese führt zu einer Linderung oder einer Spontanheilung der Erkrankung.

Ist eine Beschwerdefreiheit nicht durch die beschriebenen Möglichkeiten gegeben, kommt es zur Gabe von Medikamenten. Diese lösen bestehende Verkrampfungen und lindern die vorhandenen Schmerzen. Sobald die Grunderkrankung geheilt ist, werden die Arzneien nicht mehr benötigt, da der Patient genesen ist.

Im ungünstigsten Fall werden operative Korrekturen vorgenommen, die letztlich zu einem optimalen Schluckakt führen. Nur selten bleiben Folgeschäden bestehen. Der diffuse Ösophagusspasmus kann jederzeit erneut auftreten. Die Prognose bleibt bei einer Wiederkehr optimistisch. Ein gesundes Essverhalten und ein guter Kauvorgang senken die Rezidivrate.

Vorbeugung

Es gibt keine direkte Möglichkeit um dem diffusen Ösophagusspasmus vorzubeugen. Es können sowohl psychisch bedingte Störungen der Auslöser sein, als auch eine falsche Nahrungsaufnahme. Deshalb ist es wichtig für innere Ausgeglichenheit zu sorgen und die Mahlzeiten bewusst zu gestalten.

Dabei ist ausreichendes Kauen wichtig und genügend Zeit zum Essen. Hinunterschlingen von großen Nahrungsstücken ist nicht förderlich für die Muskulatur der Speiseröhre. Trotz dieser Vorsichtsmaßnahmen kann der diffuse Ösophagusspasmus bei jedem Menschen auftreten.

Das können Sie selbst tun

Ein Charakteristikum des diffusen Ösophagusspasmus besteht darin, dass die starken und spontan auftretenden Kontraktionen der glatten Muskulatur der Speiseröhre nicht gerichtet sind. Das heißt, dass sie eventuell in der Speiseröhre befindliche Speisen nicht weiter befördern. Ein Grund für die spontanen und oft schmerzhaft verlaufenden Kontraktionen ist meist nicht ersichtlich. Es handelt sich um Kontraktionen mit einer Kontraktionswelle, die sich unabhängig von der gerichteten Motilität beim Schlucken ereignen.

Weil die Ätiologie der auftretenden Kontraktionen meist nicht bekannt ist, häufig aber auch Essgewohnheiten, exzessiver Alkoholgenuss und psychische Faktoren verantwortlich gemacht werden, können Betroffene durch Anpassung ihres Verhaltens im Alltag und durch Selbsthilfemaßnahmen – auch begleitend zu einer eventuellen medikamentösen Behandlung – Verbesserungen erzielen.

Vor allem sollte das Essverhalten und – falls zutreffend – das Alkoholkonsumverhalten kritisch überprüft und gegebenenfalls angepasst werden. Dazu gehört auch, dass der tägliche Speiseplan überprüft wird. Die verzehrten Nahrungsmittel sollten möglichst leicht verdaulich sein, natürlich belassene Komponenten wie Gemüse und Obst enthalten und nur wenige schwer verdauliche Bestandteile wie fettreiche Produkte tierischen Ursprungs enthalten.

Da mit großer Wahrscheinlichkeit auch die Psyche eine nicht unwesentliche Rolle bei der Entstehung des diffusen Ösophagusspasmus spielt, kann die regelmäßige Anwendung von Entspannungstechniken wie Yoga, autogenes Training und Meditation als Selbsthilfemaßnahme dazu beitragen, die Krankheit zu überwinden.

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Quellen

  • Greten, H., Rinninger, F., Greten, T. (Hrsg.): Innere Medizin. Thieme, Stuttgart 2010
  • Hahn, J.-M.: Checkliste Innere Medizin. Thieme, Stuttgart 2013
  • I care Krankheitslehre. Thieme, Stuttgart 2015

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